Neubäuhütten (Novosedelské Hute)

Wie der Ortsname zeigt, verdankt auch Neubäuhütten (Novosedelské Hute) seine Gründung einer Glashütte. Diese dürfte zur gleichen Zeit wie die nahe Hütte von Mauthaus in Betrieb gewesen sein, also ca. 1700 bis 1720. Angeblich wurden hier Glasperlen fabriziert. Auch hier handelte es sich nur um eine kleine Werkstatt, von der sich keinerlei Spuren erhalten haben. Auf der Müllerschen Karte von 1720 ist sie aber mit dem üblichen Symbol, einem Trinkglas, eingezeichnet. Die Begründung einer dritten Glashütte neben Mauthaus und Althütten durch die Herrschaft Stadion wies schon voraus auf die große Zeit der Glasindustrie im 19. Jahrhundert in Friedrichshütten, Sophienthal und Haselbach.

Danach wurde der schon gerodete Platz von Bauern besiedelt, und das Dorf erhielt seinen Namen nach dem nahen Neubäu: „Hütte bei Neubäu“. Der Ort liegt am Ostabhang des Kuhberges und direkt am Westabhang des mächtigen Schauerberges (888 m) flach in der Ebene. Über die weitere Entwicklung des Dorfes, das als solches 1706 erstmals belegt ist, nach der Stilllegung der Glashütte ist wenig bekannt. Die Zahlen lassen auf ein verhältnismäßig schnelles Anwachsen der Einwohnerzahl schließen. Es gab wohl hier genügend Platz für neue Familien. Interessant ist beispielsweise die Geschichte der Familie Kumschier: Der Stammvater Georg Kumschier kam aus Muschenried bei Winklarn in der Oberpfalz und flüchtete vor dem Zugriff des bayerischen Militärs über die Grenze. Er begab sich in den Schutz der Herrschaft Kauth-Stadion und fand zunächst Unterkunft in der alten „Waldkapelle“ (damals Mauthaus Nr. 22), seinerzeit eine Art Behelfsheim für „Asylanten“ aus Bayern. 1796 heiratete er in Wassersuppen und konnte dann nach Neubäuhütten ziehen. Die Familie Kumschier lebte bis 1946 in einem 1815 erbauten Haus, auf dessen Grundstück sich noch ein Ziegelofen befand. Dazu gehörte nur wenig Grund, die Familie hatte ganze zwei Kühe.

Die weitere Entwicklung:

1789 (Schaller): 12 Nummern; 1839 (Sommer): 32 Häuser, 289 Einwohner, Jägerhaus; 1862 (Trajer): 32 Häuser, 380 Einwohner

1910 (Liebscher): 35 Nummern, 300 Einwohner (davon 4 Tschechen). Damals gab es hier und in Neubäu zwei Gasthäuser, einen Krämer, einen Müllner, eine Tabaktrafik und einen Schindelerzeuger. Letzterer betrieb die südlich des Dorfes gelegene Ziegelhütte, die aber wohl um 1920 den Betrieb einstellte. 1930: 232 Einwohner in 37 Häusern. Die Grundstruktur des auf 14 Hausnummern zusammengeschmolzenen Ortes ist heute durchaus noch erkennbar.

Ein Spottlied über die „Naibaiahüttner“ lautete: „In da Neubäuhütten, do gäiht fei(n) wos um: Amoal brennt’s a weng, amoal zündelt da Blitz umadum.“ Also: „In Neubäuhütten, da geht etwas um: Einmal brennt es ein bisschen, das andere Mal zündelt der Blitz (herum).“ Diese Verse spielen darauf an, dass der eine oder andere Hausbesitzer aus Neubäuhütten, wo man eine Zeitlang recht baufreudig war, sein Bauvorhaben durch die „Feuersekuranz“ finanzieren ließ, also die Feuerversicherung übers Ohr haute.