Die hier auf www.nemusbohemorum.de zur Verfügung gestellten Informationen beruhen vor allem auf meinen beiden Büchern.

 Ich danke von Herzen den zahlreichen Menschen (es dürften nun mehrere hundert sein, auch aus dem Ausland), mit denen ich in den letzten Jahren sprechen konnte und die mir so viel von ihrer alten, geliebten Böhmerwaldheimat rund um Wassersuppen, Haselbach und Mauthaus berichtet haben!

  • Gruber, Markus: Wassersuppen, Mauthaus, Haselbach. Nemanice, Mýtnice, Lísková. Aus der Geschichte der Orte im Böhmerwald und dem Leben der Menschen von 16. Jahrhundert bis heute. Waldmünchen 2012 (1. Aufl.; 2. Aufl. mit Ergänzungen).
  • Gruber, Markus: Endkampf im Böhmerwald. Das Kriegsende 1945 zwischen Waldmünchen, Klentsch (Klenčí) und Taus (Domažlice) in Bericht und Erlebnis. Waldmünchen 2017. 

Nachträge zu diesen Büchern, Neuentdeckungen und auch ältere meiner Artikel werde ich nach und nach hier in der Rubrik "Forschung" veröffentlichen. Jedoch sollen auch die Informationen zu den einzelnen Orten (Kategorie "Orte") komplettiert und korrigiert werden.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenstellung der Namen und Daten von Kriegstoten der Wehrmacht und der US Army, die im April und Mai 1945 in Ostbayern und Westböhmen ihr Leben lassen mussten, einschließlich der zivilen Opfer auf deutscher und tschechischer Seite. Durch die Auswertung der Archivquellen, soweit sie mir im Original vorliegen, hoffe ich mit diversen Ungenauigkeiten, mit Mythen und Legenden einigermaßen aufräumen zu können und allen Opfern ein Gesicht geben zu können.

Beachten Sie hierzu die eigene Unterseite "Kriegstote 1945".


Inhaltsverzeichnis

Hinweis zur Bedienung: Alle Artikel sind hier auf einer einzigen Seite. Sie können entweder nach und nach alles von oben nach unten durchforsten ("scrollen"), oder aber Sie springen direkt zum Artikel (Klick auf die grüne Zeile "Zum Artikel ...").

 

- Mord in Grafenried (Lučina) bei Kriegsende im April 1945

Zum Artikel "Mord in Grafenried"

 

- Die Minenexplosion bei Díly (Kreis Domažlice) am 1. Mai 1945: Sieben US-Soldaten sterben kurz vor Kriegsende

Zum Artikel "Dily"

 

- Absturz eines Schulflugzeugs Siebel Si 204 bei Wonischen (Ohnišťovice) im Jahre 1943

Zum Artikel "Absturz Si 204"

 

- Flugzeugabstürze 1940 bei Tschernahora (Černá Hora) und Mirschikau (Mířkov), Kreis Bischofteinitz (Horšovský Týn)

Zum Artikel "Flugzeugabstürze 1940"

 

- "Verstorben im Lazarett": Todesfälle deutscher Soldaten im Lazarett Klenčí pod Čerchovem (Klentsch) sowie den umliegenden Lazaratten im Jahre 1945

Zum Artikel "Verstorben im Lazarett"

 

- Blutige Maitage 1945 (Teil 1 und Teil 2): Die Kämpfe zwischen Eisenstein, Hartmanitz (Hartmanice) und Schüttenhofen (Sušice)

Zum Artikel "Blutige Maitage 1945 (Teil 1 und Teil 2)"

 

- Verlustlisten für den Kampf um Regen (Niederbayern) am 24. April 1945

Zum Artikel "Kampf um Regen"

 

- Aufsatz "Heiteres aus dem alten Haselbach" (Lísková)

Zum Artikel "Heiteres aus dem alten Haselbach"

 

- Aufsatz "Ein Bahnhof in Althütten [Stará Hut'] bei Wassersuppen [Nemanice]? Bemerkungen zu den neuen Informationstafeln in Lísková/Haselbach"    

Zum Artikel "Ein Bahnhof in Althütten?"

 

Zkrácená verze v českém jazyce (Domažlický deník): "Nádraží bez kolejí ve Staré Huti je fikce..."


Mord in Grafenried (Lučina) bei Kriegsende im April 1945

 

Das untergegangene Grafenried (Lučina) bei Waldmünchen, nur einen Kilometer jenseits der Grenze im Gemeindegebiet von Nemanice (Wassersuppen) gelegen, ist seit Jahren in aller Munde: Handelt es sich doch um einen außergewöhnlichen Ort, in dem durch archäologische Ausgrabungen das frühere Leben, das hier 1946 mit der Vertreibung der sudetendeutschen Bevölkerung abrupt endete, wiederentdeckt werden kann. Hunderte von Touristen, gerade auch Tschechen, besuchen Jahr für Jahr den ehemaligen Ortsbereich, in dem mittlerweile dort, wo früher Gebüsch und Mauerreste das Aussehen des stattlichen Pfarrdorfes und Gemeindeorts nicht einmal erahnen ließen, die Überreste von Kirche, Pfarrhof und Brauerei eindrucksvoll betrachtet werden können. Die Politik unterstützt die deutsch-tschechische Kooperation an einem Ort, der zu einer Begegnungsstätte zwischen Deutschen und Tschechen geworden ist, an dem sich Hass und Ignoranz früherer Zeiten überwinden lassen.

 

Gründliche Feldforschung und Arbeit in den Archiven werden noch viele Aspekte in der Geschichte von Grafenried entdecken lassen – freilich auch das eine oder andere ‚dunkle Kapitel’. So tauchte immer wieder von Seiten ehemaliger Bewohner und weiterer Zeitzeugen ein Gerücht auf: Im April 1945 sollen in Grafenried zwei Russen erschossen worden sein, Häftlinge eines Todesmarsches, die wohl kurzzeitig einem auf dem Durchmarsch befindlichen Gefangenenzug entkommen seien, dann aber im Ortsbereich von Grafenried ermordet und auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt worden seien.

 

Im Staatlichen Kreisarchiv Domažlice (Statní okresní archiv) ließen sich nun tatsächlich Dokumente finden, welche den Vorfall offiziell bestätigen (Bestand ONV Horšovsky Týn, i.č. 383 IX/10). Am 8. April 1946 schrieb der SNB Grafenried (Sbor národní bezpečnosti, eine für geheimpolizeiliche Aufgaben zuständige Sondereinheit) an den ONV (Okresní národní výbor) Horšovsky Týn (Bischofteinitz) auf dessen allgemeine Anfrage nach der Existenz von Gräbern mit Kriegsopfern hin folgendes: Im April 1945 wurden im Wald bei Grafenried zwei russische Gefangene erschossen und zunächst, gemäß einer Aussage des Grafenrieder Totengräbers, an Ort und Stelle begraben. Die beiden Leichen wurden etwa drei Monate später, am 19. Juli 1945, wieder ausgegraben und auf dem Pfarrfriedhof Grafenried beigesetzt. Die Toten konnten aufgrund fehlender Dokumente nicht identifiziert werden, die Leichen befanden sich schon im Zustand der Verwesung. Laut Ausage des Totengräbers habe es sich um zwei Russen im Alter von 20 bis 22 Jahren und 40 bis 45 Jahren gehandelt, die abgenutzte russische Uniformen getragen hätten. Damit schließt der Bericht des SNB Grafenried. Ein drei Jahre später erfolgtes Schreiben vom 16. Juni 1949 bestätigt nochmals, dass die beiden Russen im Grafenrieder Friedhof bestattet liegen. Dann aber verliert sich die Spur; in den späteren offiziellen Zusammenstellungen von Kriegsopfergräbern findet sich keine Erwähnung mehr. Der Grund hierfür könnte darin liegen, dass der Kreis Horšovsky Týn, dessen Behörden die Anfragen über solche Gräber in den frühen Nachkriegsjahren gestellt hatten, im Jahre 1960 aufgelöst wurde und offensichtlich die seinerzeit gewonnenen Erkenntnisse von den Behörden des neuen Kreises Domažlice nicht mehr kontinuierlich erfasst wurden. Insgesamt ist somit zu urteilen, dass die beiden Mordopfer nach wie vor im Friedhof Grafenried bestattet liegen.

 

Auch die Unterlagen des International Tracing Service (ITS) Bad Arolsen geben Hinweise auf den Vorfall. Laut einer Befragung des Bürgermeisters der deutschen Grenzgemeinde Untergrafenried vom 4. April 1947 überschritt am 25. April 1945 um 8.00 Uhr morgens ein Gefangenenzug in Stärke von 90 bis 100 Russen (nur Männer, keine Frauen) aus dem böhmischen Grafenried die heutige Landesgrenze nach Untergrafenried und sei dann in Richtung Buchwalli weitergezogen, den kleinen Weiler am heutigen Perlsee bei Waldmünchen. Der Bürgermeister bestätigt den Tod der beiden Russen und deren Beisetzung im Friedhof Grafenried, was also allgemein und vom Hörensagen her bekannt gewesen sein muss. Laut ITS war die Marschkolonne wohl aus dem Konzentrationslager Flossenbürg über Irlach nach Treffelstein getrieben worden und hatte bei Kritzenthal (Hotel Katharinenhof) und bei der Einöde Schickenhof die heutige Landesgrenze in Richtung Anger (Úpor) und Grafenried überschritten. Darauf lässt auch die ebenfalls 1947 erfolgte Befragung des Bürgermeisters von Treffelstein schließen, der für den 24. oder 25. April über einen aus 80 bis 100 Mann bestehenden Marsch berichtet.

 

Es muss diese Gefangenenkolonne gewesen sein, mit der sich am 24. und 25. April der Waldmünchner Volkssturm und die Bevölkerung im Grenzort Höll konfrontiert sah. Die Augenzeugenberichte von Einheimischen und Volkssturmmännern (beide Kompanien waren zur Verteidigung Waldmünchens gegen die US-Armee eingesetzt, jedoch im rückwärtigen Bereich zwischen Untergrafenried, Höll, Haselbach und Arnstein postiert worden, ohne dass sie einen einzigen Schuss abgaben) besagen, dass die Russen in Bauernhöfen sowie im Zollamt notdürftig einquartiert waren und sich von rohen Kartoffeln 'ernährten'. Von der Bevölkerung, Tschechen wie Deutschen, ist überliefert, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeit half und auch ihrer Empörung gegenüber der geradezu viehischen Behandlung von Menschen Ausdruck verlieh. Angeblich erging dann seitens des Waldmünchner Verteidigungsstabes (Kreisleiter Max Seidel, Stadtkommandant Hauptmann Siegfried Stöhr) der Befehl, die Gefangenen an Ort und Stelle zu liquidieren: Diesem Befehl habe sich die Volkssturmführung – so deren Eigendarstellung (Richard Wagner, "Der letzte Kriegstag im Raum Waldmünchen", Waldmünchner Heimatbote Heft 12 (1985), S.19ff., ders.: "Wir haben 120 russische Offiziere gerettet", Heimatbote Jahrbuch 1995, S.19ff.) – verweigert, nicht nur aus moralischen Gründen, sondern auch wegen der zu erwartenden Vergeltungsmaßnahmen durch die Amerikaner. Laut Gerhard Bücherl aber ("Die KZ-Todesmärsche", Waldmünchner Heimatbote 2010, S.110ff.) sei der Liquidierungsbefehl sehr zweifelhaft; eher habe man geplant, den Häftlingszug möglichst schnell weiterzubringen, um etwaige Plünderungen zu verhindern. Zu bedenken ist auch noch folgendes: Einen Exekutionsbefehl, der nach damaliger Logik 'sauber' und professionell durchzuführen war, hätte man doch wohl nicht den militärisch kaum ausgebildeten Volkssturmmännern übertragen, die kaum schießen konnten – abgesehen davon, dass sie die befohlene Ermordung dutzender Gefangener psychisch kaum durchgestanden hätten. Hierfür wäre zweifellos die Wachmannschaft herangezogen worden oder gegebenenfalls Soldaten von Wehrmacht und SS, die vor der herannahenden Front in Massen Richtung Böhmen zurückströmten. Insgesamt sahen die örtlichen Verantwortlichen offenbar die Russen überwiegend als Gefahr für sich selbst, so dass sie das Problem durch eine 'räumliche Verlagerung' aus der Welt schaffen wollten: Der Häftlingszug verließ am 25. April die Gegend. Entgegen den beim ITS registrierten Zeugenaussagen verließ diese Kolonne den Raum Höll-Haselbach aber nicht in Richtung Süden (die Amerikaner standen schon kurz vor Waldmünchen, in Schönthal und Ast), sondern über Nepomuk (Capartice) ins Landesinnere von Böhmen. Auf die weiteren, schon in den Tagen zuvor durch den Großraum Waldmünchen getriebenen Todesmärsche sei an dieser Stelle vorläufig nur kurz hingewiesen: Laut ITS kam ein Häftlingsmarsch bereits am 21. April aus der Tschechoslowakei und wurde über Waldmünchen und Ast nach Wetterfeld getrieben; dort trafen mehrere weitere Kolonnen aus dem KZ Flossenbürg mit abertausenden Häftlingen an; noch am 23. April wurden 46 Häftlinge massakriert, bevor US-Einheiten die noch vor Ort befindlichen Überlebenden befreiten.

 

Der Mord an den beiden Russen in Grafenried fand also wohl am 24. April statt. Von Seiten der Dorfbewohner, die den Vorfall ganz offenbar hautnah mitbekamen, sind zusätzliche Details überliefert, deren Wahrheitsgehalt aber teilweise schwankt. Als Täter wird ein einheimischer NS-Funktionär genannt oder aber ein junger SS-Offizier. Sinngemäß berichtete eine Augenzeugin, die damals eine junge Frau war, folgendes: Eines Tages saßen zwei zerlumpte Gestalten auf dem Holzplatz. Sie machten eine Geste, dass sie Hunger hätten. Die Mutter brachte Kaffee mit eingebrocktem Brot, die beiden Männer machten zum Dank das Kreuzzeichen. Kinder scharten sich um die beiden. Einige von ihnen erzählten davon im Wirtshaus, wo sich ein auswärtiger, junger SS-Mann in Uniform befand. Dieser machte sich sofort auf, führte die beiden ins Holz und erschoss sie dort. Die Leute vom Dorf holten Hacken und Schaufeln.“

 

Angeblich handelte es sich bei den beiden Russen um Vater und Sohn, wozu immerhin der auf der Darstellung des Totengräbers beruhende SNB-Bericht passt, der von einem deutlich unterschiedlichen Alter spricht (20 bis 22 und 40 bis 45 Jahre). Andere Zeitzeugen wollen wissen, dass die beiden späteren Mordopfer dem Gefangenenzug kurzzeitig entkommen seien, in einem Anwesen des (heute ebenfalls verschwundenen) Dorfes Anger (Úpor) Zuflucht gefunden hätten, dann jedoch mehr oder weniger in die falsche Richtung gegangen seien, so dass sie wieder in das Umfeld des Gefangenenzuges gekommen seien. Der einheimische NS-Funktionär, dem, wie gesagt, eine Tatbeteiligung zugesprochen wird, soll schon in den Jahren zuvor durch besonderen Fanatismus hervorgetreten sein. Zu bemerken ist auch, dass im Raum Grafenried eine Truppe auswärtiger sogenannter "Panzervernichter" der Hitlerjugend präsent war, die in der Nacht vom 25. auf den 26. April von Untergrafenried aus einen nächtlichen Blitzangriff auf eine Panzereinheit der Amerikaner ausführte, die bereits nach Schäferei vorgerückt war (zwei leichte US-Panzer "Stuart" wurden durch Panzerfaustbeschuss zerstört, bis zu drei US-Soldaten verwundet); solche Panzervernichtungstrupps der HJ kämpften in diesen Tagen auch im Raum Schönsee und Grafenkirchen (Löwendorf) und standen unter der Führung von Offizieren, die teils als fanatisch und gefährlich beschrieben wurden. Ferner lag in Untergrafenried in den Tagen vor dem Einmarsch der Amerikaner auch der 3. Zug der 5. Volkssturmkompanie Waldmünchen.

 

Die Zeitzeugen berichten weiter, dass die beiden Leichen nach der Exhumierung auf dem Friedhof hinter der dortigen Kapelle begraben wurden. Später habe die tschechische Verwaltung das Grab mit einem Sowjetstern markieren lassen; bei der Umbettung mussten die Grafenrieder zusehen.

 

Die beiden Russen wurden nur zwei Tage vor der Ankunft der Amerikaner ermordet: Am Nachmittag des 26. April (der Tag, an dem auch Waldmünchen und Höll nach heftigen Gefechten erobert wurden) erreichten US-Panzer das Dorf. Tags zuvor, am 25. April (also nur ein paar Stunden nach dem Durchzug des Todesmarsches und dem Mord), war Grafenried wie viele andere Orte entlang der Grenze von amerikanischer Artillerie beschossen worden, zwei Bewohner starben (das alte Ehepaar Johann und Margarethe Bauer). Insgesamt forderte der massive Artilleriebeschuss auf den ganzen Grenzstreifen zwischen Böhmisch- und Bayerisch-Schwarzach (Švarcava), Waier (Rybník), Friedrichshäng-Plöss (Pleš), Oberhütten-Paadorf (Horní Hut-Hranična) und Grafenried am 25. und 26. April 1945 nicht weniger als 26 namentlich bekannte Tote unter der Zivilbevölkerung. Wenn sich deutsche Einheiten, v.a. das "Skijäger-Bataillon" aus Taus, hier nicht zur Verteidigung eingerichtet hätten, wäre es vermutlich nicht zu einer derart hohen Opferzahl gekommen. In den spannungsreichen Tagen vor der großen Offensive der 90th US Infantry Division am 30. April kam es bei Grafenried zu keinen größeren Kampfhandlungen; lediglich für den 28. April ist ein kurzes Feuergefecht bezeugt (allerdings starben weiter nördlich, zwischen Paadorf und Neid (Závist) vier US- und drei deutsche Soldaten im Kampf, da zwischen Waier und Haselberg-Lískovec eine Verteidigungslinie verlief). Insofern war also auch die einheimische Bevölkerung von den Kriegsereignissen, von Tod, Leid und Zerstörung empfindlich betroffen – diese Tatsachen gehören als historische Fakten mit dazu, wenn man sich ein Gesamtbild über die Situation Ende April machen will.

 

Somit also sind die Gerüchte über den Mord an den beiden Russen am 24. April in Grafenried durch die Berichte des SNB und die Unterlagen des ITS nun bestätigt. In der Sterbematrikel der Pfarrei Grafenried, die bis Mai 1946 von Pfarradministrator Josef Gerl weitergeführt wurde, und in den beiden Orts-Chroniken finden sich keine Hinweise auf den Vorfall. Bald gerieten die im Friedhof bestatteten Toten in Vergessenheit, wohl nicht zuletzt deshalb, weil Grafenried in den 1950er Jahren zerstört wurde und die Dorfstelle fortan im Sperrgebiet lag. Es wäre angebracht, wenn im Zuge der ‚Wiederauferstehung’ von Grafenried in Zukunft auch auf dieses dunkle Kapitel der letzten Kriegstage eingegangen würde.

 

Zusatz: In den letzten Kriegstagen durchzogen mehrere von Norden her, aus den Konzentrationslagern Flossenbürg, Helmbrechts und Buchenwald kommende Todesmärsche mit russischen, französischen, polnischen Häftlingen, darunter auch solche jüdischen Glaubens, die Gegend Bischofteinitz, Ronsperg, Taus. Es kam zu einer Reihe von Morden seitens der Wachmannschaften sowie zu Todesfällen durch Erschöpfung; weitere Opfer waren durch Tieffliegerangriffe zu beklagen. Die Dokumente der tschechslowakischen Verwaltung bieten eine Vielzahl detaillierter Hinweise, die auf dieser Internetseite nach und nach aufgearbeitet werden sollen. So gab es Ende April 1945 auch bei Weißensulz (Bělá nad Radbuzou) insgesamt drei gewaltsame Todesfälle: Zwei Ukrainer wurden am 29. oder 30. April beim Weiler Bärentanz (Hvozd) getötet, wohl durch Wehrmachtsoldaten; ferner wurde in dieser Gegend am 29. Juni 1945 die Leiche eines Russen im Gemeindegebiet Pössigkau (Bezděkov) / Zemschen (Třemešne) aufgefunden. Auch in Horschau (Horšov) bei der Ziegelei sollen drei Russen erschossen worden sein. Diese Vorkommnisse sind nur einige von mehreren.

 

Externe Links:

- Reise ohne Wiederkehr: Artikel auf onetz.de zu den Todesmärschen in der Oberpfalz

- Friedhof Grafenried (Lučina) mit der Kuppel der Friedhofskapelle(mutmaßliche Grabstelle) auf zanikleobce.cz

 

Fotos und Dokumente (zum Vergrößern bitte anklicken):


Die Minenexplosion bei Díly (Kreis Domažlice) am 1. Mai 1945: Sieben US-Soldaten sterben kurz vor Kriegsende

 

Ein recht bekannter Erinnerungsort an die schweren Kämpfe Anfang Mai 1945 im Waldgebirge zwischen Waldmünchen und Domažlice befindet sich in der Nähe der Ortschaft Díly (früher auch Nový Postřekov). Westlich der Gemeinde, oberhalb im Wald, steht an einer Forststraße, die zu den nach 1946 zerstörten sudetendeutschen Dörfern Waltersgrün (Valtířov) und Nimvorgut (Nuzarov) führt, eine größere Gedenkstätte: Ein Stein mit Inschrift, eine Holzhütte mit Wrackteilen und eine Informationstafel. Was ist hier geschehen?

 

Am Abend des 30. April 1945 war der 90. US Infantry Division ("Tough 'Ombres"), die die tschechischen Orte Klentsch (Klenčí), Chodov (Meigelshof), Trhanov (Chodenschloss) und schließlich Domažlice (Taus) erobern wollte, zwischen Waldmünchen und Furth im Wald der Durchbruch durch den Pass von Nepomuk (Capartice) sowie in der Further Senke bei Vollmau (Folmava) und Böhmisch-Kubitzen (Česká Kubice) nur teilweise geglückt. Dies lag am heftigen Widerstand der deutschen 11. Panzerdivision ("Gespensterdivision"), die unter Generalleutnant Wend von Wietersheim mit etwa 10.000 Soldaten und schwerem Gerät im Großraum Taus lag. Die 11. Pz.Div. hatte sich auf beiden Seiten des Čerchov verschanzt, um den weiteren Vormarsch der Amerikaner in Richtung Pilsen zu verzögern - trotz der vollkommen ausweglosen militärischen Gesamtsituation und in sturem Gehorsam gegenüber der befehlshabenden 7. Armee. Der Großoffensive vorausgegangen waren tagelange blutige Kämpfe entlang der Linie Waier (Rybník), Schwarzach (Švarcava), Paadorf, Neid (Závist), Haselbach (Lísková), Fichtenbach (Bystřice), Vollmau, Maxberg (Maxov) und Neumark (Všeruby). Es gab dutzende von Toten auf beiden Seiten, vor allem auch unter der Zivilbevölkerung des Grenzstreifens.

 

Besonders heftig war der deutsche Widerstand bei Sophienthal (Černá Řeka), Nepomuk (Capartice), Böhmisch-Kubitzen (Česká Kubice) und Neumark (Všeruby). Am Abend des 30. April musste die 90. US Infantry auf der 720 m hohen Passhöhe von Nepomuk haltmachen, ebenso bei Kubice, und konnte erst am nächsten Morgen den Angriff in Richtung Klentsch, Trhanov-Chodov und Taus wieder aufnehmen. Von Nepomuk aus zogen sich die deutschen Verteidiger (vor allem das Panzerregiment 15 und die Panzerjägerabteilung 61) in der Nacht planmäßig in Richtung Taus zurück. Ihre weitere Taktik für die folgenden Tage bestand nun darin, den Vormarsch der US-Truppen durch Artilleriebeschuss aus der Ferne aufzuhalten. Dieses Sperrfeuer tötete am Vormittag des 1. Mai in Klentsch und Chodov vier US-Soldaten und einen tschechischen Zivilisten. Dennoch konnte die 90. US Infantry an diesem Tag Klentsch, Chodov und Trhanov befreien (diese Orte waren wie viele andere auch seit 1940 dem Landkreis Waldmünchen angeschlossen, was verständlicherweise zu erheblicher Verbitterung der tschechischen Bevölkerung des Chodenlandes führte; das Denkmal für den Nationaldichter des Chodenlandes Jindřich Šimon Baar in Výhledy wurde als Akt der Demütigung bewusst gesprengt).

 

Gegen 15.00 Uhr am 1. Mai 1945 wurden die beiden Angriffsbataillone des amerikanischen 358. Infantry Regiment nach über 30-stündigem Einsatz abgelöst und kehrten in ihre Ruheräume nach Waldmünchen zurück. Das 2. und das 3. Bataillon sowie das 712th Tank Battalion hatten in der zweitägigen Operation zwischen Haselbach, Sophienthal, Nepomuk und Klentsch 55 Soldaten, darunter 11 Gefallene, verloren, ferner zwei "Sherman"-Panzer. Die 11. Panzerdivision verlor 14 Tote und 136 Gefangene, darunter etliche Verwundete, und einen "Panzer IV" sowie einen "Marder III" (weitere vier ihrer Soldaten waren schon am 28. und 29. April im Umfeld des deutschen Hauptquartiers bei Nepomuk und Trhanov sowie am Arnstein bei Waldmünchen gefallen). Nun ließ der Kommandeur der 90th Infantry, Major General Herbert L. Earnest, das ausgeruhte 1. Bataillon nachrücken, welches in Reserve gelegen war und jetzt die neu eroberte Frontlinie stabilisieren sollte. Dabei nahmen die Amerikaner am Nachmittag des 1. Mai auch den Talkessel von Wassersuppen (Nemanice) kampflos ein. Außerdem sollten über Klentsch hinaus die Orte  Postřekov (Possigkau) und Waltersgrün (Valtířov) besetzt werden, die am östlichen Fuß von Schauerberg (Škarmanka) und Haltrava-Gebirge liegen. Von hieraus sollte der Anschluss an die 97th Infantry Division "Trident" erreicht werden, die jetzt über Waier (Rybník) und Stockau (Pivoň) auf breiter Front nach Ronsperg (Poběžovice) vorrückte, das am 1. Mai schließlich ebenfalls erobert wurde. Im Raum Wassersuppen kehrten die verängstigten Bewohner aus den Wäldern zurück, in die sie mitsamt Hab und Gut geflohen waren, und wurden mit den Folgen der Kämpfe konfrontiert – brennende Häuser in Althütten (Stará Hut), Sophienthal und Nepomuk, zurückgelassenes Kriegsmaterial, ausgebrannte Panzer. Über 20 gefallene Soldaten beider Seiten lagen entlang der Passstraße Haselbach-Nepomuk, dutzende von Verwundeten mussten versorgt werden. Während die 90th US Infantry ihre Toten und Verwundeten auf Lkw nach Waldmünchen brachte, blieb es für die andere Seite im Endeffekt der Bevölkerung überlassen, die gefallenen Wehrmachtsoldaten vor Ort zu bestatten (diese Gräber wurden bislang nur teilweise zur Kriegsgräberstätte Marienbad umgebettet; im Raum Sophienthal-Nepomuk ruhen noch neun Wehrmachtangehörige in insgesamt sechs Gräbern an Ort und Stelle dort, wo sie gefallen waren).

 

Am Spätnachmittag des 1. Mai befreiten die US-Soldaten der Kompanie A des 1. Bataillons, 358. Infantry Regiment, 90. US Infantry Division, das tschechische Díly, das in der Nacht zuvor von 63 Granaten getroffen worden war, weil auch hier deutsche Truppen lagen, vermutlich der Aufklärungsabteilung 11 der 11. Panzerdivision. Kompanie B besetzte das sudetendeutsche Waltersgrün (Valtířov), wo zwischen 30 und 45 Gefangene gemacht wurden. Auch Waltersgrün war tags zuvor beschossen worden: Als am 30. April während der Kämpfe einige Granaten das Böhmerwalddorf trafen, wurde der 58-jährigen Elisabeth Schröpfer (eine geborene Šindelář aus Postřekov) durch ein Geschoss der rechte Arm mitsamt Schultergelenk abgerissen. Man brachte sie in das Reservelazarett Ronsperg, wo sie noch die Sterbesakramente bekam und am 1. Mai verstarb. Nach Kriegsende, am 13. Mai, musste der gerade erst sechs Jahre alt gewordene Erich Andreas Stockert aus Waltersgrün Nr. 17 sterben, als eine liegengebliebene Handgranate explodierte, welche dem Jungen Darm und Harnblase zerfetzte (dasselbe Schicksal traf den 11-jährigen Franz Krieger aus dem nahen Walddörflein Nimvorgut, der am 30. April – während der Kämpfe bei Sophienthal – durch die Explosion einer zurückgelassenen Panzerfaust verblutete, mit der er gespielt hatte).

 

Insgesamt beschreiben die Einsatzberichte der 90. US Infantry den deutschen Widerstand zwischen Díly und Waltersgrün als „leicht bis mittelmäßig“. Da über direkte Kampfhandlungen in diesem Gebiet nichts bekannt ist, dürfte sich dies auf das deutsche Störfeuer beziehen – aber auch auf die schwere Minenexplosion, die nach der recht problemlosen Einnahme von Díly und Waltersgrün nicht weniger als sieben US-Soldaten das Leben kostete: Dies ist der Vorfall, an den die Gedenkstätte von Díly erinnert.

 

Zu den Einzelheiten: Zur Abwehr von Patrouillen und zur Verzögerung des feindlichen Vormarsches verlegte die 11. Panzerdivision Minen. Dabei geriet auch eine Waldstraße in den Blick, die kurz vor dem Ortseingang von Díly abzweigt und nach Waltersgrün und Nimvorgut führt. Diesen Weg würden die Amerikaner von der einen oder anderen Richtung aus sicher benutzen, so das Kalkül. Am 30. April gegen 16.00 Uhr, als gerade der Kampf um die Passhöhe von Nepomuk begann, beobachteten Einwohner von Díly drei Soldaten, die sich mit zwei Panzerminen in den Wald begaben – aller Wahrscheinlichkeit nach Pioniere des Panzer-Pionier-Bataillons 209 der 11. Pz.Div., welches bei der Kapitulation noch 307 Mann zählte. Diese Pioniere verminten die Brücke der besagten Waldstraße, etwa 200 Meter vor dem heutigen Denkmal; die Stelle heißt „Dobrá voda“.

 

Für die Katastrophe, die sich nun am Nachmittag des 1. Mai ereignete, liegt der Augenzeugenbericht eines US-Soldaten vor. Benjamin W. Taylor war Angehöriger der Kompanie D des 1. Bataillons. Er berichtet zunächst von einer Begegnung mit General Patton, dann von der Explosion (ich habe den englischen Text ins Deutsche übersetzt, die Originalquelle befindet sich hier).

 

„Nachdem wir die Grenze überschritten hatten, bewegten wir uns auf einer Straße, und ein ‚Maschinengewehr-Jeep’, der einen Munitionsanhänger zog, fuhr an uns vorbei und bog in eine Kurve ein. In dem Jeep saßen ungefähr sechs MG-Schützen. Wir verwendeten oft Jeeps, um Mörser und Munition zu transportieren. Da fuhren sie über eine Panzermine, die den Jeep in der Mitte auseinanderriss. Die Räder wurden weggeschleudert, der Anhänger flog weg und stürzte in das von der Explosion verursachte Loch. Die Männer wurden in Stücke gerissen. Ich kannte den Fahrer. Sein Name war Simons. Er hatte mir zuvor erzählt, dass sein Vater im Ersten Weltkrieg war und noch am letzten Tag des Krieges getötet wurde. Simons sagte mir: Er selbst habe das Gefühl, wenn er bis zum letzten Tag überlebe, dann würde er doch noch getötet werden. Er überlebte aber nicht bis zum letzten Tag. – Ein wenig später warteten wir auf Befehle. Da war ein Bauernhaus in der Nähe und einige unserer Jungs hörten, wie Hühner gackerten. Es lief bei uns immer so ab: Wenn die Hühner gackerten, ging ein Soldat in den Hühnerstall und nahm die Eier heraus. Die Tschechen aber brauchten die Eier unbedingt, um sich selbst zu ernähren – und so rannten sie, als die Hühner gackerten, gleich zum Hühnerstall, bevor unsere Soldaten hineinkommen konnten.“

 

Man muss hier zunächst festhalten, welchen unterschiedlichen Eindrücken der junge Soldat in kürzester Zeit emotional ausgesetzt war: Erst die Begegnung mit General Patton (der nur kurz fluchen musste, um einen Fahrzeugstau aufzulösen), dann die Explosion des Jeeps, und schließlich die amüsante Episode, wie zwischen Tschechen und Amerikanern ein Wettrennen um die Hühnereier beginnt.

 

Opfer der Minenexplosion wurden GI's des 2. Platoon (Zug) der Company D, 1. Battalion, 358th Infantry Regiment. Die D-Kompanie verfügte über schwere Waffen (Mörser, MGs) und unterstützte hier die Infanterie-Kompanien A und B . Aus den Erinnerungen tschechischer Bewohner geht hervor, dass eine ganze Fahrzeugkolonne unterwegs war. Zuerst passierten ein Halbkettenfahrzeug M3 und ein Jeep die Stelle, ohne die Mine auszulösen. Der nachfolgende Jeep vom Typ „Willys“ aber, der noch einen Munitionsanhänger zog, fuhr über die Mine, deren Explosion das Fahrzeug mitsamt den Insassen regelrecht zerfetzte. Die Explosion war so heftig, dass Wrackteile und sterbliche Überreste in einen Radius von 50 Metern zerstreut wurden. Gegen 18.00 wurden die Leichen von vier GI's – Rümpfe ohne Gliedmaßen – nach Díly gebracht. Einen weiteren Torso ohne Beine und mit nur einer Hand sowie ein noch im Stiefel steckendes Wadenbein fanden tschechische Bewohner später im Wald. Insgesamt starben bei der Explosion sieben US-Soldaten, zwei wurden verwundet.

 

Getötet wurden:

- William Q. Howell, S Sgt (*1924, Kentucky)

- Walter M. „Buddy“ Basinger, Sgt (*12.7.1916, North Carolina)

- Alfred „Red“ Simons, Pfc (*22.10.1909, Texas)

- James V. Green, Pfc (*1926, Arkansas)

- Richard V. Pegg, Pfc (*5.1.1922, Georgia)

- Marion McIlwain, Pfc (*1925, Alabama)

- Newell Moss, Pfc (*7.4.1923, Georgia)

 

Verwundet wurden Pfc William F. Morfield (1925-2001, er wurde später Geistlicher) und Pfc Edward F. Lyons. Bei den Opfern handelte es sich um Bedienmannschaften schwerer Maschinengewehre. Pfc (Gefreiter) Newell Moss wurde separat von den anderen sechs Toten erst einen Tag später als „vermisst“ (MIA) gemeldet, dann aber als „gefallen“ (KIA) für den 1. Mai definiert. Wahrscheinlich war es seine Erkennungsmarke (oder die von Howell), auf der die Bewohner, die erst später seinen Leichnam fanden, einen Namen lasen, den sie als „Joe Newell“ identifizierten und zur Erinnerung in einen Stein einkratzten. Möglicherweise fuhren Newell Moss und die beiden Verwundeten in einem anderen Fahrzeug oder gingen zu Fuß nebenher, als sie von der Explosion getroffen wurden. - Bei der Suche nach den weiteren sterblichen Überresten unterstützten Einwohner von Díly die US-Soldaten. Dabei kam es zu einer brenzligen Situation, als plötzlich zwei versprengte deutsche Soldaten auftauchten, welche die Zivilisten nach dem Weg zur Grenze fragten, dann aber sofort von den Amerikanern gefangen genommen wurden.

 

Die Klärung des Schicksals der Toten gelang mir (Dr. Markus Gruber) schon in den Jahren 2009 bis 2011 in Zusammenarbeit mit Martin Drbal und Norm Richards aus St. Louis, dem Historiker der "90th Division Association". Der Zufall wollte es, dass der Vater von Richards ebenfalls im 2. Zug der D-Kompanie diente und die Gefallenen kannte; weitere Informationen lieferte ein auf den 3. Juni 1945 datierter, in Oberviechtach aufgegebener Brief des Militärarztes John A. Young, der noch Erste Hilfe leisten wollte. Bei den weiteren Forschungen und der Gedenkarbeit stiftete der Umstand Verwirrung, dass die Bevölkerung von Díly den Jeep irrtümlich dem 38th Regiment der 2. Infantry Division zuordnete. Diese Einheit, die am 5. Mai Taus befreite, löste die Männer der 90. Infantry hier ab, jedoch erst am 2. Mai, als 35 Mann mit Geschützen und fünf Panzern in Díly einrückten. Verständlicherweise merkten sich die befreiten Tschechen die Markierungen auf den Nummernschildern der Fahrzeuge genau, und so schrieben sie auch auf die Wrackteile des Jeeps von Díly mit weißer Farbe "2-38-I" und "Díky (= Danke), Thank you friends, We remember". Diesem Irrtum sind auch die Produzenten der Informationstafel am Ort des Geschehens aufgesessen.

 

Das Wrack des Jeeps lag jahrzehntelang mehr oder weniger unangetastet im Wald, was auch daran gelegen haben könnte, dass das Gebiet in Nähe der von der Pohraniční stráž (PS) abgeriegelten Grenzzone lag. Erst in den 1990er Jahren, nach Ende der kommunistischen Herrschaft, war es den Einheimischen möglich, ihren amerikanischen Befreiern zu danken: Sie errichteten 1994 ein Denkmal am Ort des Geschehens, dessen erste Inschrift damals so lautete: „TO THE GRATEFUL MEMORY OF AMERICAN ARMY SOLDIERS, WHO PUT THEIR LIVES DURING THE LIBERATION OF DILY, ON MAY 1, 1945 – GRATEFUL CITIZENS NOVEMBER 15, 1994.“ Zu deutsch: "Dem dankbaren Andenken an Soldaten der amerikanischen Armee, die während der Befreiung von Díly am 1. Mai 1945 ihr Leben gaben. Dankbare Bürger, 15. November 1994". Einige Jahre später änderte man die Inschrift, wohl um das Englisch zu verbessern: "IN ETERNAL MEMORY OF THE U.S. ARMY SOLDIERS WHO LAID DOWN THEIR LIVES ON LIBERATING THE VILLAGE OF DILY ON MAY 1, 1945, GRATEFUL CITIZENS." Zu deutsch: "In ewigem Gedenken an die Soldaten der US-Armee, die ihr Leben gaben für die Befreiung des Dorfes Dily am 1. Mai 1945. Von dankbaren Bürgern."  Die Reste des Jeeps (verbogene Metallteile und ein Kanister) werden in einer kleinen Holzhütte aufbewahrt. Alljährlich am 1. Mai findet dort eine Gedenkfeier statt.

 

Im Jahre 2015 wurde in der Ortsmitte von Díly, vor der Kapelle, eine weitere Gedenkstätte mit den Namen der Opfer eingeweiht, allerdings ohne den von Newell Moss, dem siebten Toten, den ja erst ich durch gründliche Recherche der vollständigen Originaldokumente noch entdecken konnte. Dieser Gedenkstein wurde auf Initiative tschechischer Military-Organisationen errichtet, die sogenanntes "reenactment" betreiben –  ein fragwürdiges "Nachspielen" der blutigen Kriegsereignisse in nachgefertigten Uniformen und ‚echten’ Fahrzeugen und Waffen. Bei der Feier anwesend war auch der 90-jährige Veteran Vernon Schmidt. Die zugleich errichteten Tafeln informierten ausführlich über die Geschehnisse.

Die Explosion von Díly war derjenige Vorfall im Kampfraum, bei dem die meisten Menschenleben auf einmal zu beklagen waren: Die US Army wurde so für nur wenige Stunden aufgehalten - in einem für Deutschland schon lange verlorenen Krieg.

 

Fotos und Dokumente (zum Vergrößern bitte anklicken):

Zusatz: Über die problematischen Aspekte der Gedenkarbeit aller beteiligter Kriegsparteien (Deutsche, Amerikaner, Tschechen) habe ich mich in meinem Buch "Endkampf im Böhmerwald" auf S.255f. kritisch geäußert: Durchweg wurde und wird das Gedenken politisch vereinnahmt, so früher auf den Veteranentreffen der 11. Panzerdivision in Bad Kötzting während des Kalten Krieges (Stichwort NATO-Partnerschaft), ferner in unkritischer Erinnerungsliteratur deutscher und amerikanischer Veteranen (der Krieg als Abenteuer und vollbrachte Leistung, in dem "feindliches" Leben kurzerhand vernichtet wird), oder aktuell in der Begeisterung für Waffen und Technik, bei der die millionenfache menschliche Tragödie vergessen wird, die sich zudem nach dem 8. Mai 1945 fortsetzte. Gegenüber Volksfesten und Shows erscheint stilles Gedenken angebracht, und zwar für alle Opfer.

 

In diesem Zusammenhang werde ich demnächst auch auf die "Operation Cowboy" eingehen, als Ende April 1945 bei Hostau (Hostouň) die Lipizzanerpferde der Wiener Hofreitschule bei einem angeblichen Scheinangriff gerettet wurden: Doch in den angeblichen Cowboy- und Agentenkrimi waren nur wenige der führenden Stellen von US Army und Wehrmacht eingeweiht, so dass der "Scheinangriff" keiner war und mehrere Soldaten starben, darunter vier 16-jährige (!) RAD-Männer (Reichsarbeitsdienst) bei Heiligenkreuz (Újezd Svatého Kříž) am 28. April. Ihre Todesursache: Kopfschuss.


Absturz eines Schulflugzeugs Siebel Si 204 bei Wonischen (Ohnišťovice) im Jahre 1943

 

Unter den Flugzeugabstürzen im früheren Kreis Bischofteinitz (Horšovsky Týn) während der Krisen- und Kriegszeit 1938-1945 scheinen zwei besonders mysteriös zu sein, da sie aufgrund unklarer Angaben miteinander verwechselt werden können. Ohne auf die verwickelten Zusammenhänge hier näher eingehen zu wollen, sei auf diesen Artikel im Domažlický Deník verwiesen: Link hier

Zum einen stürzte ganz offensichtlich am 13. Oktober 1941 bei Nepomuk (Capartice) eine Ju 88-A4 ab, in der zumindest der Feldwebel Ernst von der Ohe, vermutlich aber auch die anderen Besatzungsmitglieder, ums Leben kam. Von diesem Wrack wurden im Wald am Buchenberg (Bučina) auch viele Überreste gefunden. 

Zwei Jahre später, am 3. September 1943, verunglückte gemäß einem Dokument der Wehrmachtverwaltung eine Maschine der Flugzeugführerschule C 8. Als Verlustort der Siebel Si-204 wird „bei Bischofteinitz“, alternativ „bei Ronsperg“ genannt. Alle sieben Besatzungsmitglieder wurden getötet. In diesem Fall war bislang unbekannt, wo genau der Absturz stattfand.

Für die zumindest teilweise Klärung dieses zweiten Unglücks hilft die heimatgeschichtliche Fachliteratur: In dem Standardwerk „Unser Heimatkreis Bischofteinitz“, 1967 herausgegeben vom gleichnamigen Verein mit Sitz Furth im Wald, findet sich in der Ortsbeschreibung des Dorfes Wonischen (Ohnišťovice) bei Ronsperg folgende Bemerkung des Berichtschreibers Josef Mahal (S.288):

„Am 3. September 1943 war in der Flur „Unteres Uterl“ ein zweimotoriges deutsches Schulungsflugzeug in der Luft explodiert, wobei die neunköpfige Besatzung den Tod gefunden hatte.“ Auch wenn hier von neun Toten die Rede ist, kann aufgrund der exakten Datumsangabe kein Zweifel daran bestehen, dass es sich hier um die in Frage stehende Siebel Si-204, in der Tat ein Schulflugzeug, handelt.  Wonischen liegt etwa drei Kilometer südöstlich von Ronsperg (Poběžovice), auf halbem Weg zwischen der damaligen Bezirksstadt und Metzling (Meclov), am Schwarzbach (Černý potok), kurz bevor dieser in die Pivoňka mündet. Die Flur „Unteres Uterl“ befindet sich wohl östlich des Dorfes in Nähe dieses Zusammenflusses.

Durch anschließende Recherche sind nun auch über die nähere Identität einiger der sieben Absturzopfer zumindest zusätzliche Aussagen möglich, denn bislang waren nur deren Namen und Dienstgrade bekannt, nicht aber ihre Bestattungsorte: Da die Toten offenbar alle in ihre Heimatorte übergeführt wurden (der Abtransport soll bei brütender Hitze über den Bahnhof Ronsperg erfolgt sein) und bis auf eine Ausnahme in privat gepflegten Familiengräbern ruhen, sind sie beim Volksbund Kriegsgräberfürsorge nicht in der „Gräbersuche online“ erfasst, welche nur ‚offizielle’ Kriegsgräberstätte beinhaltet.

Die Namen und Daten der am 3. September 1943 tödlich Verunglückten:

- Feldwebel Günther Leidel

- Fähnrich Ottokar Diegmüller

- Feldwebel Helmut Tapper: *10.8.1915, bestattet im Evangelischen Friedhof Norden (Kriegsgräberstätte)

- Fähnrich Karlheinz Jaenichen: *16.5.1924 in Saarbrücken, bestattet im Friedhof Saarbrücken-Burbach (Block 46, Grab 363)

- Fähnrich Hubert Kasper: *23.7.1923, bestattet in Glatz (Niederschlesien)

- Gefreiter Willy Korbus: *25.10.1922, erwähnt auf dem Denkmal der Stadt Bensheim (Hessen)

- Feldwebel Hans Rüder: *30.9.1910, erwähnt auf dem Denkmal der Stadt Bargfeld-Stegen (Schleswig-Holstein)

Wonischen in den 1930er Jahren. Im Vordergrund ist abgebauter Feldspat zu sehen.
Wonischen in den 1930er Jahren. Im Vordergrund ist abgebauter Feldspat zu sehen.

Wonischen (Ohnišťovice): Auch kleine Orte wurden von den Kriegsereignissen betroffen

 

Das ursprünglich sudetendeutsch besiedelte Wonischen wurde 1186 erstmals erwähnt und bekam seinen deutschen Namen aus dem Tschechischen, der soviel wie „Brandstätte“ (ohniště) bedeutet. Der Ort war berühmt für seine reichen Vorkommen von Feldspat und Quarz, wovon jährlich bis zu 1.000 Waggons gefördert wurden (siehe Foto). Die Verarbeitung erfolgte unter anderem im nahen Mahlwerk von Metzling (Meclov). Die Fachkenntnis beim Ausheben der Fördergruben war dann in der Kriegszeit von Nutzen, als ein 52 Meter langer Luftschutzbunker gebaut wurde, der die gesamte Bevölkerung von Wonischen (1930: 238 Menschen in 42 Häusern) hätte aufnehmen können. Im Jahre 2011 hatte Ohnišťovice 44 Bewohner.

 

Bei Kriegsende 1945 kamen bei Wonischen zwei deutsche Staatsangehörige ums Leben. Dieser Fall lässt sich im Staatlichen Kreisarchiv Domažlice (SOkA) nachweisen (Bestand ONV Horšovsky Týn i.č. 383 IX/10). Demnach wurden am 2. Februar 1948 im Wald „Mastná hora“, südwestlich von Wonischen auf halbem Weg nach Wilkenau (Vlkanov) nahe der Bahnlinie, die Überreste zweier Personen exhumiert. Gemäß dem Bericht des SNB Poběžovice an die Gemeinde Meclov war der eine ein unbekannter Zivilist, bei dem keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod gefunden wurden. Bei dem anderen Toten soll es sich um einen Wehrmachtangehörigen namens Franz Weisenberger gehandelt haben, an dessen Schädel hinten ein Einschuss festgestellt wurde; mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei Franz Weisenberger um den 23-jährigen Gärtner aus  Ronsperg, der seit Mai 1945 als vermisst gilt. Die Überreste der beiden Toten wurden in den Friedhof Metzling übergeführt und dort beigesetzt.

Anzufügen ist, dass im Friedhof Metzling noch zwei weitere im Mai 1945 ums Leben gekommene deutsche Soldaten bestattet wurden: Am 4. Mai fiel am westlichen Ortsrand von Wottawa (Otov) der 20-jährige Obergefreite Horst Hammerstein (*22.11.1924 in Kassel) durch MG-Schüsse in Rumpf und Oberkörper, offensichtlich im Gefecht gegen das amerikanische 38th Infantry Regiment, 2nd Infantry Division; er gehörte zu derjenigen deutschen Luftwaffeneinheit, die mit tschechischen Partisanen aus Postřekov (Possigkau) zusammenstieß, wobei sechs junge Tschechen ebenfalls am 4. Mai offenbar zwischen den Fronten den Tod fanden (dieser tragische Vorfall sollte unvoreingenommen untersucht und beurteilt werden, siehe das Buch „Endkampf im Böhmerwald“ des Autors, S.237f.). Der zweite Tote war ein unbekannter Wehrmachtangehöriger, der in Zivilkleidung offenbar in Richtung Westen unterwegs war und am 10. Mai bei Wottawa (Otov) gewaltsam ums Leben kam; an eben diesem Tag wurden auch vier Bewohner von Wottawa getötet, offenbar durch Partisanen.

Kurze Ortsbeschreibung von Wonischen mit aktuellen Fotos auf Wikipedia hier.


Flugzeugabstürze 1940 bei Tschernahora (Černá Hora) und Mirschikau (Mířkov), Kreis Bischofteinitz (Horšovský Týn)

 

Während des Zweiten Weltkriegs und schon zuvor, seit der Annexion des Sudetenlandes durch das Dritte Reich sowie der nachfolgenden sogenannten Zerschlagung der (restlichen) Tschechoslowakei, kam es auch im Raum Bischofteinitz und Taus zu einer Reihe von Flugzeugabstürzen, die bedingt waren durch Unfälle, aber auch durch Kampfhandlungen. Es handelte sich fast ausschließlich um Flugzeuge der deutschen Luftwaffe sowie der westlichen Alliierten, v.a. der US-Luftwaffe (USAAF), die ab 1943 einen großen Aktionsradius bis in die Gegend Pilsen und Prag hinein hatte.

Viele dieser Abstürze sind auf mehreren Internetseiten akribisch erfasst: leteckabadatelna.cz, vrtulnik.cz (direkter Link zum Raum Pilsen), hloubkari.wordpress.com

In den Sterbematrikeln zweier Gemeinden sowie einer Ortschronik konnte ich Hinweise auf zwei weitere Flugzeugabstürze finden, die auf den genannten Seiten bislang noch nicht erfasst sind:

1) Bei dem Dorf Tschernahora (Černá Hora), nordöstlich von Weißensulz (Bělá nad Radbuzou), stürzte am 24. Juni 1940 um 17.30 Uhr ein Flugzeug nicht näher bekannten Typs am Waldrand ab. Dabei starb der 25-jährige Flieger-Unteroffizier Wilhelm Bowe, der am 3. Januar 1915 in Kochem bei Koblenz geboren worden war und römisch-katholischen Bekenntnisses war. Der Sterbebucheintrag erfolgte auf mündliche Anzeige von Siegfried Kaudel, Arzt in Weißensulz. Als Todesursache wird angegeben: „Schädelbasisbruch durch Aufschlag bei Flugzeugabsturz.“

Wilhelm Bowe wurde auf der Kriegsgräberstätte Marienbad (Mariánské Lázně) in Block A, Reihe 7, Grab 19 beigesetzt.

Link zum Sterbebucheintrag auf portafontium

Ortsbeschreibung von Tschernahora auf Wikipedia

Der deutsche Ortsname "Tschernahora" stellt lediglich eine Umschrift des tschechischen "Černá Hora" dar, was einmal mehr die wechselhafte Besiedlung derselben Gegend durch  Slawen und Germanen verdeutlicht. Benannt scheint der Ort nach dem 662 Meter hohen Berg südlich des Ortes, der dem Flugzeugführer vermutlich zum Schicksal wurde.

 

 

2) Ein zweiter Flugzeugabsturz ereignete sich im selben Jahr am 5. Dezember 1940 bei Mirschikau (Mířkov), ein Dorf, das neun Kilometer nordwestlich von Bischofteinitz an der Straße nach Tachau liegt. An diesem Tag um 10.30 Uhr stürzte ein Flugzeug der Luftwaffe, das vom Fliegerhorst Pilsen in Richtung des „Altreichs“ unterwegs war, im Bereich der Sieben Berge (Sedmihoří) während eines Schneesturms ab und stürzte auf den mittleren Weiherberg. Holzhauer bekamen den Absturz mit, konnten den vier Besatzungsmitgliedern aber nicht mehr helfen: Alle waren sofort tot. An der Absturzstelle wurde zunächst ein Birkenkreuz, später ein Granitstein aufgestellt. Dieser, so berichtet die Chronik von Mirschikau weiter, wurde nach Kriegsende von den Tschechen beseitigt.

Die Namen der vier Toten, die der Schülerkompanie des Fliegerausbildungsregiments 13 Pilsen angehörten, finden sich in der Matrikel des Standesamtes Mirschikau:

- Flugschüler Gefreiter Johann Mertel, *24.12.1919 in Nürnberg

- Flugschüler Gefreiter Herbert Hose, *25.12.1920 in Neuses, Bezirk Coburg

- Fluglehrer Oberfeldwebel Gottfried Haberlander, *1.10.1905 in München

- Bordfunker Feldwebel Ernst Harbach, *3.12.1912 in Königsberg/Ostpreußen

 

Die Toten wurden in der Kriegsgräberstätte Pilsen bestattet, die vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge im Jahre 1997 instandgesetzt wurde.

 


"Verstorben im Lazarett": Todesfälle deutscher Soldaten im Lazarett Klenčí pod Čerchovem (Klentsch) sowie den umliegenden Lazaratten im Jahre 1945

 

Auch Nachträge zu meinem im August 2017 erschienenen Buch „Endkampf im Böhmerwald“ sollen auf dieser Internetseite veröffentlicht werden. Nachforschungen im „Staatlichen Kreisarchiv Domažlice“ (Státní okresní archiv Domažlice) brachten neue Erkenntnisse zu den militärisch bedingten Todesfällen bei Kriegsende 1945 im tschechisch-deutschen Grenzgebiet zwischen Waldmünchen, Klentsch (Klenčí pod Čerchovem) und Taus (Domažlice): Die Anzahl der Toten muss, so ist leider zu sagen, weiterhin nach oben korrigiert werden. Auch Todesorte und Gräber lassen sich nun näher bestimmen. So existieren im Umfeld von Nepomuk (Capartice) und Výhledy ein Gruppengrab mit drei Toten sowie vier Einzelgräber deutscher Soldaten, die hier zwischen dem 28. und dem 30. April 1945 gefallen sind. Näheres hierzu wird demnächst hier veröffentlicht werden.

 

Zunächst aber sei hier ein Thema behandelt, das leicht in Vergessenheit gerät: Das Schicksal der in den Lazaretten verstorbenen Soldaten. Vor allem zum Lazarett Klenčí pod Čerchovem lassen sich nun nähere Angaben machen. Hier befand sich seit November 1944 in der heutigen Schule (Hauptstraße Ortsdurchfahrt) ein Lazarett der Wehrmacht für Soldaten, die an den Fronten verwundet worden waren und hier genesen sollten, um bald wieder dem Vernichtungskrieg zur Verfügung zu stehen. Auch Baracken in der Nähe des Friedhofs sollen Verwundete beherbergt haben. Klentsch war offenbar Außenstelle des Lazaretts Furth im Wald, das eine Kapazität von 770 Betten hatte (die Lage von Furth am Durchgangspass nach Böhmen und an der Hauptbahnlinie in Richtung Pilsen-Prag machte die Stadt zu einem günstigen Ort für die Einrichtung eines Lazaretts). Neben Klentsch befanden sich weitere Teillazarette auch in den tschechischen Orten Chodov (Meigelshof), Babylon und Česká Kubice (Böhmisch Kubitzen). Die nächsten größeren Lazarette waren Klatovy (Klattau) und Waldmünchen. In der Kreisstadt Waldmünchen wurden verwundete Wehrmachtangehörige in der Mädchenschule (heute Berufsschule) gepflegt, während die Knabenschule (zur Zeit in Renovierung) kurzzeitig Verwundete der SS beherbergte. Auch im Ortsteil Herzogau war im Grenzlandhotel ein Lazarett eingerichtet worden, welches „gemischt“ war. Als sich die 90th US Infantry Division Waldmünchen näherte, evakuierten die örtlichen Stellen auf Veranlassung von Dr. Winkler die Patienten vor allem nach Klentsch, wohl erst am 25. April, dem Tag vor der Eroberung Waldmünchens.

 

1) Lazarett Klenčí pod Čerchovem (Klentsch)

 

Was speziell Klentsch betrifft, so verstarben hier zwischen Februar und Juli 1945 im Lazarett insgesamt 14 Verwundete. Alle wurden auf dem örtlichen Pfarrfriedhof bestattet und ruhen in Einzelgräbern nebeneinander entlang einer der Friedhofsmauern. Die Gräber wurden nicht gekennzeichnet und sind mittlerweile wohl von Zivilgräbern überbaut worden.

Die Namen und Daten der Verstorbenen entstammen der Datenbank des Volksbunds deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der Sterbematrikel der Pfarrei Klenčí pod Čerchovem (Ort Klentsch, Buch III) sowie dem Aktenbestand des SoKA Domažlice (MNV Klenčí pod Čerchovem, i.č. 157).

Nach dem Todesdatum geordnet lauten die Namen wie folgt:

 

  • Brosch, Karl: Gefreiter, *20.1.1896 in Gross-Darkowitz (Kreis Ratibor, Schlesien), +3.2.1945, bestattet 6.2.1945. Todesursache: „Asthma bronchiale, Herzmuskelschwäche infolge der Kämpfe in Oberschlesien“
  • Fuss, Christian: SS-Rottenführer und Automechaniker, *11.1.1923 in Gross-Scheuern (Kreis Hermannstadt, Rumänien), +7.2.1945. Todesursache: „Kreislaufschwäche infolge Fleckfieber“ 
  • Eberwein, Karl: Feldwebel des Feld.Ers.Btl. 28, *13.2.1918 in Wellerode Kreis Kassel, +16.4.1945, bestattet 18.4.1945. Todesursache: „Kreislaufschwäche bei Hirnhautentzündung nach Hirnabriss bei Granatsplitterverletzung an der linken Kopfseite“ (Namensvariante: "Ebermaier") 
  • Woldt, Karl: Oberfeldwebel (1. Kompanie, „Bataillon v. Bozke“), *5.8.1898 in Stolzenberg, +16.4.1945, bestattet 18.4.1945. Todesursache: „Schienbeinschussbruch u. Gasbrand, Lungeninfarkt-Embolie, Herz- u. Kreislaufschwäche“ (vermutlich nicht korrekte Namensvariante: „Volf, Karl“, +17.4.1945) 
  • Papp, Paul: +18.4.1945 
  • Hartmann, Josef: +4.5.1945. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um den Gefreiten und Werkzeugmacher Josef Hartmann, *6.3.1922 in Maisach (Oberbayern), Einheit: Aufklärungsabteilung 11, 11. Panzerdivision. Die 11. Panzerdivision lag Ende April im Raum Taus, Teile ihrer Aufklärungsabteilung waren bei Klentsch. Somit dürfte der 23-jährige Josef Hartmann Opfer der Kampfhandlungen zwischen 28. April und 1. Mai geworden sein (vermutlich durch Artilleriebeschuss); er wäre der einzige Tote des Lazaretts, bei dem ein Kampfbezug relativ sicher ist.                                                                                                                                                                                                               

Beim Fall Josef Hartmann und bei den folgenden Fällen ist nicht klar, ob das angegebene Todesdatum das tatsächliche ist oder es sich nicht vielmehr um das Datum der Bestattung handelte:

  • Jakel, Gustav: Obergefreiter, *25.5.1902 in Hottendorf, Einheit: 2. Batterie Schwere Flak Abteilung 615, letzte Nachricht März 1945 Slowakei, +4.5.1945
  •  Weck, Siegfried: +4.5.1945 
  • Wilschalt, Oskar: +4.5.1945 
  • Mauer, Fritz: +11.5. oder 19.5.1945 (eventuell  sind hierTodes- und Bestattungsdatum getrennt vermerkt) 
  • Groser, Arthur: +15.5. oder 20.5.1945 (Name eventuell auch „Grosser“ oder „Großer“)
  •  Christ, Anton: Rottwachtmeister, *28.12.1892 in Wien, +15.5.1945 „im Lazarett Taus bei Pilsen“. Andere Datumsangaben: 21.5. oder 21.6. In einem Dokument der tschechischen Verwaltung erscheint dieser Tote – für das Lazarett Klentsch – als „Chrift von Wien“, so dass trotz der Angabe "Taus" eine Identität als sicher anzunehmen ist. 
  • Vimja, Vorname unbekannt: +22.5.1945 (oder 22.6.). Der merkwürdige Name dieses Toten, der sich nur in den tschechischen Dokumenten findet, könnte „Wijma“ gelautet haben, welcher niederländischer Herkunft wäre, doch ist dies nur eine Vermutung. 
  • Fiedler, Raimund: *20.5.1906, +3.7.1945, bestattet 12.7.1945

 

Soweit die Sterbefälle des Lazaretts Klentsch. Unklar bleibt (bis auf den Fall Hartmann), wie viele derjenigen, die noch ab dem 4. Mai verstarben, Opfer der örtlichen Kampfhandlungen geworden waren.

 

2) Lazarett Chodov (Meigelshof)

 

Für das Teillazarett Meigelshof (Chodov) lässt sich ein weiterer Todesfall belegen:

Philipp, Thomas: Obergefreiter, *1899, +29.4.1945 im Teillazarett Meigelshof. Ein Bezug zu den Kämpfen lässt sich nicht sicher ausmachen.

 

Thomas Philipp, der auch Philipp Thomas geheißen haben könnte, wurde vermutlich auf dem Pfarrfriedhof des Nachbarortes Thranov (Chodenschloß) bestattet. Diese Vermutung liegt insofern nahe, als Chodov keinen eigenen Friedhof hatte.

Im Jahre 2005 konnte der Volksbund Kriegsgräberfürsorge im Friedhof Thranov einen toten deutschen Soldaten exhumieren und auf die zentrale Kriegsgräberstätte Marienbad (Mariánské Lázně) überführen, bei dem es sich vielleicht um den schon 46-jährigen Obergefreiten Thomas Philipp handelte.

Zusatz: Dokumente der tschechischen Verwaltung aus der frühen Nachkriegszeit weisen für den Friedhof Trhanov jedoch zwei oder sogar drei deutsche Soldatengräber aus. In einem  ruht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der folgende Tote:

Eisenkolb, Ernst: Obergefreiter, *13.7.1921 in Olleschau (vermutl. Oleška/Nordböhmen), Einheit: 2. Kompanie Aufklärungsabteilung 11, +28.4.1945 in Meigelshof (Chodov). Ernst Eisenkolb fiel beim Beschuss der tschechischen Orte Chodov und Trhanov, wo sich das Hauptquartiert der 11. Panzerdivision befand. Auch dieser Tote wurde wohl von Chodov auf den Pfarrfriedhof Trhanov gebracht.

 

Informationen zu den Sterbefällen der anderen Lazarette folgen hier zu gegebener Zeit.


Blutige Maitage 1945: Die Kämpfe zwischen Eisenstein, Hartmanitz (Hartmanice) und Schüttenhofen (Sušice)

 

Teil 1: Seewiesen (Javorná), Alt-Brunst (Starý Brunst), Haidl am Ahornberg (Zhůří), Stubenbach (Prášily)

 

Noch verhältnismäßig unbekannt sind die Kampfhandlungen im Raum Eisenstein, Hartmanitz (Hartmanice), Bergreichenstein (Kašperské Hory) und Schüttenhofen (Sušice), auf der tschechischen Seite des Arber-Gebirges in damals überwiegend sudetendeutsch besiedeltem Gebiet. Dies, obwohl innerhalb von nur etwa vier Tagen, zwischen dem 3. und dem 6. Mai 1945, über fünfzig deutsche Soldaten den Tod fanden. Lediglich die Kampfhandlungen in Haidl am Ahornberg (Zhůří) sind einer breiteren Öffentlichkeit, v.a. in Tschechien, bekannt – weil hier, am Fuß des 1.090 Meter hohen Ahornbergs (Javorná) die amerikanische 90. Infantry Division ein letztes, sinnloses Opfer erbringen musste, nachdem die „Tough Ombres“ (so der Spitzname der aus Texas stammenden Elitedivision) Ende April und Anfang Mai bereits den Durchbruch durch die Böhmerwaldpässe bei Waldmünchen-Taus und Furth im Wald-Neumark gegen die deutsche 11. Panzerdivision („Gespensterdivision“) erreicht hatte.

 

Jedoch gab es neben Haidl noch weitere Schauplätze blutiger Gefechte, und auch für Haidl selbst müssen die Fakten, soweit sie noch erschließbar sind, zurechtgerückt werden. Es ist kaum zu glauben, aber die in der Öffentlichkeit, d.h. im Internet und auch Printpublikationen, kursierende Version des Gefechts von Haidl am 5. Mai, beruht ganz offenkundig ausschließlich auf dem „After Action Report“ der 90. US Infantry. Da dieser Einsatzbericht schon seit langem bequem auf der Internetseite der Veteranenvereinigung dieser Division verfügbar ist (hier), haben sich schon früh Publizisten und Hobbyforscher darauf gestürzt. Und wie es in Zeiten des Internets so ist, verbreitete sich diese eine Version immer weiter. In Haidl wurde in der Folgezeit auch ein Gedenkstein für die dort gefallenen US-Soldaten errichtet.

 

Zu den Fakten. Die im „After Action Report“ zu findende Darstellung lautet in Übersetzung wie folgt:

 

„4. Mai: Die 2. Cavalry Group hatte beträchtliche Schwierigkeiten, das dichte Waldgelände [zwischen Eisenstein und Schüttenhofen] zu durchqueren. Eine Einheit deutscher Offiziersschüler leistete erbitterten Widerstand. Im Verlauf dieses Tages wurde ein Zug der 2. Cavalry abgeschnitten und ausgelöscht. Dieser Vorfall sollte Auswirkungen auf die 90. Infantry Division haben.“

 

„5. Mai: 357. Infantry Regiment: Die Gesamtlage war mehr als unklar und von einem schweren Gefecht am Vortag mit der 2. Cavalry geprägt. … Das 3. Bataillon saß ab, marschierte nach Alt-Brunst und griff in südöstlicher Richtung über das abfallende Gelände hin an. … In Zhuri (Haidl) kam es zur Katastrophe. Die Lage war, wie gesagt, unklar. Als Company I zwei eigene M8-Halbkettenfahrzeuge und Jeeps in dem Ort bemerkte, rückte die Truppe zuversichtlich weiter vor. Aber dies war gar nicht die eigene Cavalry-Einheit: Diese Fahrzeuge waren tags zuvor von fanatischen deutschen Offiziersschülern erbeutet worden, als sie die 2. Cavalry tags zuvor überfallen hatten. Als nun ein Zug der Company I über offenes Gelände vorrückte, eröffneten die beiden erbeuteten Aufklärungsfahrzeuge das Feuer, und andere feindliche Soldaten schossen mit ihren Handfeuerwaffen. Zehn US-Soldaten wurden getötet, zehn verwundet. Die Company war über diese schweren Verluste, die in einem solch späten Stadium des Kriegs eintragen, schockiert und brach den feindlichen Widerstand im Nahkampf. 24 Feinde wurden getötet, 76 gefangengenommen. Abgesehen von den beiden M8-Fahrzeugen wurden vier Jeeps wieder in Besitz genomen.“

 

Soweit der Report, den als einer der ersten wohl Zdeněk Roučka in seinem populären Buch „A přinesli nam svobodu. And along came freedom“ (Pilsen 2005) aufgegriffen und kommentarlos der Öffentlichkeit präsentiert hat. Unter anderem davon ausgehend wiederholt eine Internetseite nach der anderen diese Version, siehe zum Beispiel die folgende Auswahl:

 

Eine Geocaching-Seite

Seite des Info-Portals sumavaregion.cz

Tourismus-Seite sumava.cz

Seite zum Kriegsende in Susice

Bericht in einer Tageszeitung

 

Eigenständige Nachforschungen in den Originalquellen, ja überhaupt in Archivmaterial deutscher Provenienz, werfen ein ein anderes Licht auf die Geschehnisse. Vor allem konnte hierbei auch die Identität der Todesopfer auf Seiten der Wehrmacht festgestellt werden.

 

Zunächst zur Rolle der 2. Cavalry. Deren 2nd Reconnaissance Group, eine Aufkärungsabteilung, nahm am 4. Mai den Ort Seewiesen ein (Javorná, früher auf tschechisch auch Zejbiš). Dann jedoch geriet die mit leichten Fahrzeugen ausgerüstete Abteilung in einen deutschen Hinterhalt, und zwar bei Alt-Brunst (Starý Brunst) und Haidl am Ahornberg (Zhůří), etwa drei Kilometer südlich von Seewiesen. In diesem Gefecht, bei dem die deutschen Verteidiger den US-Aufklärungstrupp einkesselten, wurden vier GI’s verwundet, zwei starben (Pvt Fred W. Ashley und Pvt Georg H. Buttron), 22 wurden gefangengenommen. Quelle: https://dragoonshistory.wordpress.com Die Deutschen erbeuteten auch zwei US-Fahrzeuge vom Typ M8 und vier Jeeps, in denen sie die gefangenen GI’s wegfuhren, die ihre kurze Gefangenschaft unbeschadet überstanden. Laut dem Bericht der 2. Cavalry starben in diesem ersten Gefecht, nachdem Hilfe gekommen war, auch zehn deutsche Soldaten, zwei wurden gefangen genommen.

 

Dieser Darstellung, dass schon am 4. Mai zehn deutsche Soldaten im infanteristischen Gefecht gefallen seien, widerspricht nun ein anderer Bericht: Tatsächlich dürften die unter Druck geratenen Amerikaner Tiefflieger zu Hilfe geholt haben, deren Luftangriff dann bei Alt-Brunst stattfand. Laut dem sehr sorgfältig gearbeiteten Buch „Šumava. Co zmizelo z Královského hvozdu“ des Regionalhistorikers Vilém Kudrlička (Verlag Baset, Prag 2005), der Zugang zu Gemeindearchiv und Pfarrmatrikeln hatte, flogen am 4. Mai 1945 US-Tiefflieger einen Angriff auf eine deutsche Einheit, die in Alt-Brunst lag. Demnach waren drei Soldaten, die Leutnant Bertold Beil und Franz Michell sowie Wachtmeister Günther Walther, sofort tot und wurden im Friedhof Seewiesen (Javorná) bestattet. Acht weitere Soldaten wurden so schwer verwundet, dass sie im Lazarett Seewiesen (untergebracht in der dortigen Schule) bald verstarben. Auch sie wurden auf dem örtlichen Friedhof in einem eigenen Sammelgrab bestattet, und zwar am 14. Mai. Im Jahre 1994 erfolgte durch den Volksbund Kriegsgräberfürsorge eine Umbettung nach Marienbad, wo in Block E, Reihe 26, in zwei Sammelgräbern (814-816 und 817-824) diese elf namentlich bekannte Soldaten ruhen.

 

Im zweiten, größeren Grab in Marienbad ruhen aber auch noch zwei Unbekannte (N.N.). Wenn man nun der Orts- und Kirchenchronik von Haidl am Ahornberg (Zhůří) folgt, welche Pfarrer Heinrich Krampe verfasste und die in der in der Zeitschrift „Glaube und Heimat“ (Heft 1, Jahrgang 2003, S.29ff.) abgedruckt wurde, sind im nahen Haidl am Ahornberg bei der Einnahme des Dorfes durch die Amerikaner am folgenden Tag, dem 5. Mai, drei deutsche Soldaten gefallen, die am 8. Mai auf dem „hiesigen Friedhof“ bestattet wurden, also ebenfalls in Seewiesen: Fahnenjunker-Oberfeldwebel Herbert Kaltofen, Grenadier Walter Pröls und Fahnenjunker-Unteroffizier Christoph Scherer. Aller Wahrscheinlichkeit sind Kaltofen und Pröls die beiden Unbekannten, die ebenfalls nach Marienbad umgebettet wurden. Über den laut „Glaube und Heimat“ dritten Toten, Christoph Scherer, liegen keine verlässlichen Angaben vor.

 

Mit diesen drei Toten ist man nun bei dem bekannten Gefecht um Haidl am 5. Mai angelangt: Drei Gefallene, nicht 24! Es besteht kein Anlass, an der Chronik von Pfarrer Krampe oder der örtlichen Sterbematrikel, in der lediglich diese drei Einträge stehen, zu zweifeln. Und was in den zitierten Internetquellen ebenfalls nicht angeführt wird, ist der Umstand, dass nach der Aufreibung des Aufklärungstrupps zunächst US-Artillerie noch am 4. Mai die Gegend mit Artilleriebeschuss belegte. Die Granaten töteten in Haidl Nr. 60 den Bauern Andreas Baierl. In der weiteren Umgebung wurde auch das Gut Holzschlag (Paseka) getroffen, wobei zwei Frauen getötet wurden. Aufgrund des für den nächsten Tag zu erwartenden Angriffs der Amerikaner flüchteten, so der in „Glaube und Heimat“ wiedergegebene Bericht des Pfarrers, in der regnerischen Nacht vom 4. auf den 5. Mai fast alle Bewohner in Richtung Seewiesen. Haidl lag also stundenlang unter Beschuss.

 

Am folgenden Tag, den 5. Mai, griffen die Amerikaner das nun bereits beschädigte, verlassene Dorf Haidl an – in dem sich jedoch weiterhin deutsche Soldaten verschanzt hielten, die nun, nach dem Prinzip der asymmetrischen Kriegsführung, ihren buchstäblich „hinterhältigen“ Trick anwendeten und die anrückenden Infanteristen des 357. US-Regiments der 90. Infantry in eine tödliche Falle lockten. Als sich die GI’s ohne Argwohn ihren vermeintlichen Kameraden, die sie in den offen aufgestellten eigenen Fahrzeugen wähnten, über freies Gelände näherten, eröffneten die Deutschen das Feuer. Daraufhin griffen die beiden US-Kompanien I und K Haidl von zwei Seiten her an, bis das Dorf gegen 15.00 Uhr eingenommen war.

 

Zwischenfazit: Wenn man sich nur auf den einen Einsatzbericht der 90. Infantry Division verlässt, könnte der Eindruck entstehen, dass zwischen Seewiesen, Alt-Brunst und Haidl insgesamt sogar 34 deutsche Soldaten gefallen wären, zehn am 4. Mai und 24 am 5. Mai. Tatsächlich lassen sich „nur“ 14 Gefallene nachweisen – noch immer mehr als genug dafür, dass die Amerikaner für ein paar Stunden in einem sowieso verlorenen Krieg aufgehalten wurden. Unter den deutschen Toten befinden sich allein vier Leutnante und sieben Unteroffiziersdienstgrade – die Mehrzahl war zwischen 19 und 21 Jahre alt! Es soll sich um Offiziersanwärter der Fahnenjunkerschule Pilsen gehandelt haben, von denen rücksichtsloser Einsatz bis zum bitteren Ende erwartet wurde, auch wenn diese Soldaten oft wohl noch gar keinen Fronteinsatz hinter sich gehabt hatten. Als Befehlshaber nennt Pfarrer Krampe einen deutschen Major – offenbar der „normalen“ Wehrmacht. Auch hier ist den bisherigen (tschechischen und amerikanischen) Darstellungen zu widersprechen, die für die Kämpfe am 4. und 5. Mai von „SS“ und „Hitlerjugend“ sprechen, eine oft – auch auf deutscher Seite – zu beobachtende Falschbehauptung oder besser Falschwahrnehmung: Tatsächlich war es bis zum letzten Kriegstag immer wieder die reguläre Wehrmacht, die teils erbitterten Widerstand leistete.

 

Die Namen und Daten der 14 bei Alt-Brunst und Haidl gefallenen Wehrmachtsoldaten seien hier in alphabetischer Reihenfolge gegeben; die Daten sind der „Online-Gräbersuche“ des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge entnommen:

 

  • Beil, Bertold (Leutnant): *8.2.1916 Rastatt, +4.5.1945 Raum Seewiesen
  • Kaltofen, Herbert (Fahnenjunker-Oberfeldwebel): *19.8.1914 Sayda (Mittelsachsen), + Mai 1945 Haidl
  • Krause, Hans (Fahnenjunker-Unteroffizier): *23.2.1925 Kraazen (Kreis Soldlin, Brandenburg), +3.5.1945 Alt-Brunst/Haidl
  • Küfferle, Josef (Leutnant): *3.12.24 Wien III, +4.5.1945, vermutlich Alt-Brunst/Haidl
  • Michell, Franz (Leutnant): *1.6.1925 München, +4.5.1945 Alt-Brunst
  • Müller, Ekkehard (Leutnant): *24.10.1925 Bautzen, +4.5.1945 bei Alt-Brunst
  • Paprotta, Gustav (Oberfähnrich): *8.12.1912 Konzewen (Kreis Johannisburg/Ostpreußen), +4.5.1945 bei Alt-Brunst
  • Piper, Walter: *18.11.1925 Helmstedt, +4.5. bei Alt-Brunst/Haidl
  • Pröls, Walter (Grenadier): *1.4.1925 Mausheim (Kreis Beratzhausen bei Regensburg), +5.5.1945 Haidl
  • Reinöhl, Gottfried (Unteroffizier): *31.10.1924 Aalen, +4.5.1945 bei Alt-Brunst
  • Scherer, Christoph (Fahnenjunker-Unteroffizier): *Augsburg, +5.5.1945 Haidl
  • Sibora, Gerhard (Unteroffizier): *18.1.1919 Magdeburg-Sudenburg, +3.5.1945 „im Böhmerwald“
  • Stieghahn, Erich (Gefreiter): *29.5.1922 Ingeleben-Helmstedt, +4.5.1945 „in der CSR“  
  • Walther, Günther (Wachtmeister): *19.11.1924 Taubenheim, +4.5.1945 Alt-Brunst

 

Auch bezüglich der Verluste der Amerikaner sind einige Angaben zu korrigieren: In den offiziellen „Morning Reports“ der Kompanien I und K des 357. Regiments, die dem Schreiber dieser Zeilen im Original vorliegen, lassen sich neun Gefallene nachweisen, die bei Haidl fielen.

In Company I starben:

  • S Sgt John W. Garner (*30.3.1919)
  • Pfc Arthur L. Cooperman (*1914, New York)
  • Pfc Raymond K.Willenborg (*24.6.1921)
  • Pfc Jack E. Williams (*1927?)
  • Pfc Foster R. Carter (*17.9.1927, Virginia)
  • Pfc Grant W. Blair (*7.9.1913
  • Pvt Roy E. Morvig (*21.1.1923, Minnesota) – erst seit 28. April im Kampfeinsatz!

In Company K starben:

  • Pfc John Farkas (*5.2.1926)
  • Pfc Lupe W. Rodriguez (*22.7.1926, Texas)

Auffallend ist das für die US Army teils sehr junge Alter einiger dieser Toten mit 17- und 18-jährigen: Ersatzsoldaten, die noch kaum Kampferfahrung hatten.

 

Ein zehnter Soldat des 357. Regiments wurde in dieser Gegend ebenfalls am 5. Mai getötet, der jedoch der Company G angehörte, die nicht direkt bei Haidl kämpfte:

  • Pfc Harold L. Wood (*22.1.1919, Maine)

Company G war Teil des 2. Battailons und griff mit Panzerunterstützung südlich von Haidl in Richtung Gutwasser (Dobrá Voda) und Hartmanitz an. Hierbei wurde eine feindliche Einheit von 50 Mann zersprengt. Der 26-jährige Pfc Wood muss an diesem Vorstoß, bei dem er sein Leben ließ, herausragenden Anteil gehabt haben, denn ihm wurde das Distinguished Service Cross (DSC) für außerordentliche Tapferkeit verliehen.

 

Die sonst zu lesende Angabe von zehn Verwundeten bei Haidl lässt sich aus den Morning Reports nicht bestätigen: Lediglich Company I hatte drei Verwundete. Vermutlich entstand der Irrtum deshalb, weil Company K ausgerechnet in diesen Tagen neun Verwundete als „Nachträge“ erfasste, die jedoch alle schon im März 1945 verwundet worden waren, vor allem am 25. März. Dass angesichts von neun Toten nur drei GI’s verwundet wurden (normalerweise muss man ja von viel mehr Verwundeten als Toten ausgehen), erklärt sich aus dem Ablauf des Gefechts: Als die Deutschen aus ihrem Hinterhalt das Feuer eröffneten, wurden offenbar die sieben Soldaten der Company I sofort von MG-Feuer getötet und drei verwundet. Die beiden Toten der Company K scheinen im Häuserkampf in Haidl gefallen zu sein, der auch drei Deutschen das Leben kostete.

 

Die dramatischen Ereignisse lassen sich auch in den „General Orders“ (GO) der 90. US Infantry Division nachvollziehen, in denen die Verleihung von Orden bekannt gegeben wurde. Vier dieser Verleihungen ließen sich ausfindig machen, sie lauten wie folgt:

 

GO 632: „Henry C. Barnack, Corporal, Field Artillery, 343rd Field Artillery Battalion. Für Tapferkeit im Kampf am 4. Mai (sic) bei Zhuri, Tschechoslowakei. Als ein Zug im Angriff von 100 SS-Soldaten beschossen wurde und intensivem Kreuzfeuer aus zwei Maschinengewehren ausgesetzt war, machte Corporal Barnack sein Funkgerät einsatzbereit und übermittelte die Anweisungen des vorgeschobenen Artillerie-Beobachters. Dann aber hatte das Funkgerät einen Defekt. Barnack erkannte die Gefahr und überquerte freiwillig ein Gelände, das unter Feindfeuer lag, besorgte sich ein anderes Funkgerät und kehrte über die selbe gefährliche Route zum Beobachtungsposten zurück. Seine selbstlose, mutige Tag ermöglichte es dem vorgeschobenen Beobachter, genauen Artilleriebeschuss auf die feindliche Truppe zu lenken, was entscheidend dazu beitrug, den Feind zurückzuschlagen. …“

 

GO 578: „Emidius S. Massi, Sergeant, 357. Infantry. Für Tapferkeit im Kampf am 5. Mai 1945 bei Zhuri, Tschechoslowakei. Als ein Zug aus einem Wald in der Nähe des Ortes kam, wurden die Soldaten heftigem Feuer vom Kaliber 37 mm und .50 [= 12,7 mm] ausgesetzt, das von einem erbeuteten US-Aufklärungsfahrzeug kam. Sergeant Massi erkannte, dass dieses Fahrzeug in feindlicher Hand war. Unbeeindruckt von dem Feuerhagel machte Massi einen Granatwerfer einsatzbereit und stoppte mit genauem Granatwerferfeuer das heranfahrende Fahrzeug. Aufgrund seiner mutigen Tat wurde der Feind davon abgehalten, den gesamten Zug auszulöschen. …“

 

GO 578: „John W. Garner, Staff Sergeant, 357. Infantry. Für Tapferkeit im Kampf am 5. Mai bei Zhuri, Tschechoslowakei. Als sich ein Zug von einer Anhöhe herab in offenes Gelände bewegte, wurde die Soldaten von einem Feuerhagel überrascht, der sieben Soldaten tötete und S Sgt Garner schwer verwundete. Er sammelte seine letzten Kräfte, bewegte sich kriechend durch den intensiven Beschuss und wies seine restlichen Männer an, Deckung zu suchen. Bevor auch er in Deckung gelangen konnte, wurde er durch einen weiteren Feuerstoß getötet. Seine Tapferkeit ließ ihn sein Leben opfern, damit seine Kameraden am Leben bleiben könnten. …“

 

GO 578: "Patrick L. Palacio, Pfc, 357. Infantry. Für Tapferkeit im Kampf am 5. Mai 1945 bei Zhuri, Tschechoslowakei. Nachdem ein Zug ein Waldgelände vom Feind gesäubert hatte und weiter in offenes Gelände vorrückte, wurden die Soldaten durch schweres Feuer aus Panzerabwehrwaffen und Maschinengewehren niedergehalten. Obwohl durch den vernichtenden Beschuss sieben Kameraden getötet und drei verwundet wurden, leistete Pfc Palacio, der nur mit einem M1-Karabiner bewaffnet war, trotz aussichtsloser Lage Widerstand und erschoss mit genauen Schüssen einen MG-Schützen. Als nun der Feind das Feuer auf Palacio richtete, schoss dieser weiterhin wirkungsvoll auf die feindlichen Soldaten, bis seine Kameraden sich in eine verhältnismäßig sichere Position gebracht hatten. Palacio’s selbstlose und mutige Handlung trug entscheidend dazu bei, die Überlebenden des Zuges vor Tod oder Gefangenschaft zu bewahren. …“

 

Aus General Order 632 geht hervor, dass sehr wohl Artilleriebeschuss angefordert wurde; allerdings wird hier als Datum der 4. Mai genannt, was entweder eine Verwechslung ist oder sich auf den – durch die Pfarrchronik bestätigten – Beschuss von Haidl schon am Vortag bezieht.

 

Abschließend seien die Kurzdarstellungen des Gefechts auch in den Morning Reports der beiden Angriffskompanien zitiert.

 

Company I schreibt: „Die Kompanie verließ Arnbruck (Deutschland) um 7.00 Uhr auf Lkw. Um 10.20 Uhr kam sie vier Meilen vor Zhuri (Tschechoslowakei) an und saß ab. Das Ziel wurde eingenommen und einige Fahrzeuge, die der Feind erbeutet hatte, wurden zurückbekommen. Die Kompanie rückte dann ab nach Althütten, Tschechoslowakei. Leichter Widerstand, Mörser- und Artilleriefeuer wurden gegen den Feind angefordert. Nachdem der Beschuss zu Ende war, rückte die Kompanie in das Vorfeld des Ortes ein. Kompanie ging in Verteidigungsstellung und errichtete vor dem Ort eine Straßensperre.“

 

Company K berichtet: „Kompanie wurde in Bereitschaft versetzt und verließ Arnbruck um 6.30 Uhr. Sie griff den Feind an und erfüllte den Kampfauftrag. Kompanie jetzt in Verteidigungsstellung. Wetter regnerisch, Moral gut.“ 

Links zu einigen externen Seiten mit Fotomaterial zu den Kämpfen um Alt-Brunst und Haidl am Ahornberg

 

1) Das im Jahre 1994 vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge ausgebettete, also jetzt leere Grab, der am 4. Mai bei Alt-Brunst (Starý Brunst) verwundeten und später verstorbenen acht Wehrmachtsoldaten - Link zu sumava.cz (direkter Link zur Unterseite)

2) Historische und aktuelle Fotos von Haidl am Ahornberg (Zhůří) auf zanikleobce.cz (direkter Link zur Unterseite)

3) Foto und Grabstein des mit nur 17 Jahren gefallenen US-Soldaten Foster R. Carter auf findagrave.com (direkter Link zum Datensatz)

4) Grabstein von Roy E. Morvig, woraus hervorgeht, dass der Name "Morwig", wie er auf dem Gedenkstein in Zhůří zu finden ist, falsch geschrieben ist:

direkter Link zum Datensatz auf findagrave.com

5) Der Gedenkstein für die gefallenen US-Soldaten auf der Seite vets.estranky.cz  (direkter Link zum Datensatz)

 

Fotos und Dokumente (zum Vergrößern bitte anklicken):

 

Teil 2: Sinnloser Widerstand bei Stubenbach (Prášily)

 

Soweit lassen sich die zweitägigen Kampfhandlungen am 4. und 5. Mai bei Seewiesen, Alt-Brunst und Haidl am Ahornberg also verhältnismäßig gut rekonstruieren. Ein weiteres, gemessen an der Opferzahl ebenso heftiges, aber noch kaum erforschtes Gefecht ereignete sich bei dem knapp zehn Kilometer südlich gelegenen Ort Stubenbach (Prášily) am Fuße des Mittagsberges (Poledník). Hier starben bei Kämpfen am 5. und vor allem am 6. Mai nicht weniger als achtzehn namentlich bekannte deutsche Soldaten, wahrscheinlich sogar 21. Prášily besteht heute nur noch aus wenigen Häusern (Link zu zanikleobce).

Offensichtlich eine weitere Teileinheit der Fahnenjunkerschule Pilsen verschanzte sich bei Stubenbach, um den Vormarsch der 90. US Infantry Division auch hier aufzuhalten – vergeblich. Company B des 358. Infantry Regiments traf offenbar vor allem in den Stubenbacher Ortsteilen Gruberg (Hrubá) und Seeberg (Jezerní), die wie so viele andere Böhmerwaldorte nach 1945 abgerissen wurden, auf Widerstand. Vermutlich spielte sich dieses Gefecht ab wie so viele andere in der Endphase des Krieges: Die verschanzten deutschen Verteidiger feuerten aus dem Hinterhalt auf die vorrückenden Amerikaner, welche den Widerstand mehr oder weniger schnell ausschalteten – auch in diesem Fall zum Preis etlicher Toter. Vier US-Soldaten erhielten für ihr tapferes Verhalten Auszeichnungen, die in den „General Orders“ wie folgt dokumentiert sind:

 

GO 625: „Abraham Schneiderman, Captain, Medical Corps, 358th Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Prášily (Stubenbach), Tschechoslowakei. Ein Soldat wurde verwundet und lag in einem Gelände, das dem Kreuzfeuer eines heftigen Schusswechsels ausgesetzt war. Ohne weiter auf seine eigene Sicherheit zu achten, bahnte sich Captain Schneiderman seinen Weg zu dem Verwundeten, behandelte ihn und sorgte für seine Evakuierung. Dienstantritt in California.“

 

GO 586: „Maurice Smith, Sgt, 358. Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Seebing (= Seeberg/Jezerní), Tschechoslowakei. Während eines Angriffs auf den Ort wurde das Vorrücken einer Infanteriekompanie zeitweise durch schweren Maschinengewehr-Beschuss, der aus einem Gebäude kam, aufgehalten. Ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, bahnte sich Sgt Smith seinen Weg durch die vernichtenden Feuerstöße. Indem er mit seinem Gewehr feuerte, während er vorstürmte, tötete er elf Feinde und zwang die restlichen Feinde sich zurückzuziehen. Seine mutige und angriffslustige Handlung ermöglichte es seiner Kompanie, vorzurücken und den Ort mit einem Minimum von Verlusten einzunehmen. Dienstantritt in Alabama."

 

GO 625: „Otilio Apodaca, Pfc, 358. Infantry. Oak Leaf Cluster zum Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Seeberg (Jezerní), Tschechoslowakei. Während eines Angriffs auf den Ort wurde der Vormarsch einer Infanteriekompanie zeitweise durch tödliches Feuer verschiedener Kaliber aufgehalten, das aus einem Gebäude kam. Ohne auf seine eigene Sicherheit Rücksicht zu nehmen, bewegte sich Pfc Apodaca durch den Feuerhagel, der sich auf ihn konzentrierte, und tötet mit genauen Schüssen elf Feinde und zwang die übrigen Feinde, sich von ihrem Stützpunkt zurückzuziehen. Seine tapfere, mutige Handlung ermöglichte es seiner Kompanie, wieder vorzurücken, den Rest der Feindeinheit aus dem Ort zu vertreiben, 53 Feinde zu töten und zwei zu verwunden. … Dienstantritt in New Mexico.“

 

GO 586: „Dewey Trent, S Sgt, 358. Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei „Seebing“ (= Seeberg/Jezerní), Tschechoslowakei. Ein Platoon war heftigem Beschuss, der aus einem Gebäude kam, ausgesetzt. Ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, drang S Sgt Trent in das Gebäude ein und sah sich sofort einem Feuerhagel aus einem der Räume ausgesetzt. Er bewegte sich aber weiter, schoss und drängte immer weiter, schlug eine Tür ein und nahm sieben Feinde gefangen, von denen einige durch seine Schüsse verwundet worden waren. Seine heldenhafte Tat, welche einen Ort heftigen Widerstands ausschaltete, setzte alte militärische Tradition fort. … Dienstantritt in Kentucky.“

 

Die Familie des letztgenannten GI's, des damals nicht ganz 23-jährigen Dewey Trent aus Kentucky (1922-1997), hat auf der Internetseite der Veteranenorganisation der 90. US Infantry Division eine kurze Biographie zur Verfügung gestellt, aus der hier ein Auszug in Übersetzung zitiert sei, wo der Kampf bei Stubenbach geschildert ist (Link zum Original):

 „Sie hatten gerade eines der Häuser eingenommen und wollten wieder abrücken, als sie etwas hörten. Trent blickte nach oben, und da war ein Deutscher zwischen den Dachbalken und schoss auf ihn. Eine der Kugeln traf ihn innen am Auge, zertrümmerte seinen Kiefer und trat hinten am Nacken wieder aus. Ich hörte später, dass die Sanitäter alles getan hatten, was sie konnten, dass sie ihn aber dann in der Meinung, er sei tot, zurückließen. Als sie aber später bemerkten, dass er doch noch lebte, sorgten sie für weitere medizinische Hilfe. Die amerikanischen Ärzte konnten die Wunde aber nicht behandeln. Jedoch rettete ihn ein deutscher Chirurg, denn die deutsche Medizin war damals fortschrittlicher. Noch Jahre später hatte Trent Probleme damit, wie sein zertrümmerter Kiefer geflickt worden war: Man hatte Draht verwendet, um den Kiefer zu fixieren, aber die Ärzte wollten nichts weiter unternehmen, weil sie Angst hatten, etwas zu verschlechtern. Mein Vater hatte immer eine Drahtzange mit in seiner Hausapotheke: Beim Rasieren berührte der Rasierer manchmal den Draht in der Haut, und mit der Drahtzange konnte er das Stückchen Draht abschneiden, dass da herausgekommen war.“

 

Auch wenn Soldat Trent gerade noch so mit dem Leben davonkam – seine Kriegserlebnisse suchten ihn sein ganzes restliches Leben in Form von Alpträumen und Unruhe heim. Die Erzählung wirft auch ein Licht auf den Fanatismus von zumindest einigen der deutschen Verteidiger. Von einem der anderen US-Soldaten, Otilio Apodaca, ist bekannt, dass er 1956 mit nur 39 Jahren verstarb.

 

Die amerikanische B-Company, welche hauptsächlich das Gefecht bei Stubenbach führte, bahnte sich an diesem 6. Mai ihren Weg durch die ausgedehnten Wälder rund um den Mittagsberg (Poledník) und wurde dabei in fünf einzelne Gefechte verwickelt; die Einheit eroberte drei nicht näher benannte Orte und machte schließlich in Paseka (Holzschlag) Halt. Auch alle anderen Kompanien des 1. Battalions, 358. Infantry Regiment, waren im Einsatz; das Hauptziel, die Stadt Bergreichenstein (Kašperské Hory), wurde gegen nur leichten Widerstand eingenommen. Durchgehend erwähnen die amerikanischen Einsatzberichte die hohe Zahl von Gefangenen, die freiwillig aufgaben: In diesem Licht hebt sich der fanatische Kampfeinsatz der Offiziersschüler bei Stubenbach noch deutlicher hervor. Auf amerikanischer Seite lässt sich für die Gesamtoperation angeben, dass sechs Soldaten verwundet wurden und, bei Bergreichstein, ein Militärpolizist von einem Scharfschützen erschossen wurde.

 

Die Angabe in der „General Order“ GO 625, dass bei Stubenbach 53 Feinde getötet worden seien, ist freilich entweder eine Übertreibung oder zu ungenau, da sich „nur“ zwischen 18 und 21 sicher nachweisen lassen. Die beiden Ordensverleihungen für die US-Soldaten Apodaca und Smith lassen darauf schließen, dass das größte Widerstandsnest in der Nähe des Ortsteils  Seeberg (Jezerní) war, wo allein elf deutsche Soldaten getötet wurden. Eine Beschreibung dieses Weiler findet sich auf zanikleobce: Seeberg

Allerdings starben noch bis zu 20 weitere, namentlich bekannte deutsche Soldaten – fast alle am 6. Mai – im Raum der Städte Hartmanitz und Schüttenhofen (siehe weiter unten). Vielleicht haben die amerikanischen Berichtschreiber diese weiteren Toten in die Gesamtopferzahl mit eingerechnet, womit man auf 38 bis 41 Tote käme: Diesen Blutzoll innerhalb weniger Stunden, zwei Tage vor Kriegsende, auf einem recht begrenzten Gebiet mitten im Böhmerwald, muss man sich in seiner Tragweite klarmachen – dann aber wird man verstehen, weshalb der Zweite Weltkrieg Millionen von Opfern forderte.

 

Wer waren die Opfer auf deutscher Seite bei Stubenbach? Die Namen und persönlichen Daten der bei Stubenbach getöteten Wehrmachtangehörigen lassen sich gemäß der Datenbank des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge in alphabetischer Reihenfolge wie folgt angeben (Todesort im Original zitiert):

 

  • Bauer, Johann: Leutnant (Ing.), *6.8.1924 Werneuchen [bei Berlin], +6.5.1945 bei den Kämpfen um Stubenbach=Prasily, bestattet in Marienbad Block E, Reihe 23, Grab 711
  • Bierdümpel, Gerhard: Uffz., *9.8.1921 Raguhn [Sachsen-Anhalg], +6.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Diederichs, Harald: Leutnant,  *22.11.1920 Dortmund, +6.5.1945 Raum Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Dürr, Otto: Leutnant, *14.5.1907 Freiburg, +6.5.1945 bei Prasily (Stubenbach); bestattet in Marienbad, Block E, unter den Unbekannten
  • Grözinger, Heinz: Leutnant, *31.1.1925 Schwenningen, +6.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten [Schwenningen gibt es mehrfach, alle Orte liegen im heutigen Baden-Württemberg]
  • Hesbacher, Werner: Gefreiter, *5.12.1923 Leipzig, +6.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Karl, Heribert: Leutnant, *19.2.1920, +Mai 1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Kettner, Ernst: Oberwachtmeister, *23.1.1915 Sangerhausen [Sachsen-Anhalt], +6.5.1945 bei den Kämpfen um Stubenbach, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 716
  • Lodderstedt, Manfred: Uffz., *29.8.1925 Obergurig [Sachsen], +5.5.1945 bei den Kämpfen um Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Löer, Josef: Leutnant, *2.11.1914 Dortmund, +6.5.1945 bei Stubenbach=Prasily, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 706
  • Lorenz, Willy: Unteroffizier, *21.3.1925 Berlin-Charlottenburg, +6.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Ludwig, Josef: Leutnant, *30.6.1912 Bonn, +Mai 1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 709
  • Melson, Karl: Gefreiter, *12.1.1899 Groß Strehlitz (Oberschlesien), +5.5.1945 Prasily (Zusatz: „Zanik obec Susice“, d.h. „zerstörte Ortschaft im Kreis Schüttenhofen), bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 722
  • Müller, Dietrich Ekkehhard: Fahnenjunker-Unteroffizier, *5.5.1926 Stuttgart, +6.5.1945 bei Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Olbermann, Friedrich: Oberwachtmeister, *21.9.1919 Oberhausen, +7.5.1945 bei Prasily, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 718
  • Schmidt, Ewald: Gefreiter, *11.6.1923, +5.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Teichmann, Bernhard: *21.5.1925 Stuttgart, +6.5.1945 bei Prasily, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 717 [Dienstgrad unbekannt]
  • Thiel, Dietrich: *11.11.1925 Berlin-Charlottenburg, +6.5.1945, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Woltersdorf, Wilhelm: Wachtmeister, *3.9.1907 Straßburg, +6.5.1945 im Raum Stubenbach/Bergreichenstein, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • N.N. (?)
  • N.N. (?)

 

Diese Gefallenen wurden zunächst vor Ort, bei Stubenbach, in einem Sammelgrab beerdigt. Hierzu schreibt Klemens Gerl in der Zeitschrift „Glaube und Heimat“ (Heft 6, 1999, S.42), dass auf einem Grundstück des Bauern Karl Hanus, Gruberg 10, am Waldrand oberhalb von Gruberg ein Sammelgrab angelegt worden sei. Der Weiler Gruberg, im Jahre 1921 aus 12 Häuser bestehend, ist heute verschwunden; er lag knapp einen Kilometer östlich von Stubenbach neben der Straße und heißt auf tschechisch Hrubá (Link zu Gruberg-Hrubá auf zanikleobce). Weiter heißt es bei Gerl, dass dort insgesamt 21 deutsche Soldaten beerdigt worden seien, die hier am 5. und 6. Mai gefallen seien. Davon seien, so Gerl weiter, 16 namentlich bekannt gewesen. Die Eintragung in die Sterbematrikel wurde vorgenommen von dem Pfarradministrator Josef Oberhofer. Demnach also wären hier sogar 21 deutsche Soldaten gefallen. Wie schon erwähnt, sind für den weiteren Umkreis in der Tat noch mehr Todesfälle belegt, v.a. für den 6. Mai. Auch in dem nicht mehr bestehenden Grenzdorf Gsenget (Pomezí) südöstlich von Stubenbach sollen deutsche Soldaten in einem Keller von einer Handgranate zerfetzt worden sein.

 

Unter den bekannten Toten befinden sich allein sieben junge Offiziere im Dienstgrad „Leutnant“, dagegen nur drei im Mannschaftsgrad (Gefreite); der Rest waren Unteroffiziersdienstgrade. Für die Zusammensetzung der Kampfgruppe ergibt sich somit das gleiche Bild wie für die Kämpfe bei Haidl und Alt-Brunst, und man kann davon ausgehen, dass auch bei Stubenbach Offiziersschüler aus Pilsen sinnlosen Widerstand leisteten (oder leisten mussten).

 

Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge konnte das Sammelgrab bei Stubenbach-Gruberg nach der Grenzöffnung ausbetten und die Toten auf die Kriegsgräberstätte Marienbad überführen, wo sie (teils identifiziert, teils nicht) in Block E, Reihe 23, in den Gräbern 705 bis 722 ruhen.

 

In der dritten und letzten Fortsetzung, die demnächst hier erscheinen wird, soll über weitere  Kampfhandlungen berichtet werden, v.a. bei Hartmanitz (Hartmanice) am 5. und 6. Mai, als durch ein tragisches Versehen mehrere Wehrmachtsoldaten, die sich ergeben wollten, erschossen wurden. 


Verlustlisten für den Kampf um Regen (Niederbayern) am 24. April 1945

 

Die strategisch durchaus wichtige Kreisstadt Regen in Niederbayern wurde am 24. April 1945 gegen die anrückende 11th Armored Division der US Army von einer zwischen 200 und 400 Mann starken Wehrmachteinheit verteidigt, die unter dem Befehl des Ritterkreuzträgers Oberst Dr. Fritz Bingemer (1893-1976) stand. Die den ganzen Tag über dauernden Gefechte sind in dem Portal „regiowiki“ bereits detailliert dargestellt worden; außerdem existiert ein ausführlicher Zeitzeugenbericht des Pfarres Nikolaus Hackl. Aus diesen Darstellungen und Beobachtungen sollen einige Stichpunkte genügen: Die deutschen Pioniere sprengten gleich zu Beginn drei Brücken, zwei US-Panzer wurde abgeschossen, es folgte Bombardement durch  Artillerie und Tiefflieger, eine Granate traf eine Gruppe von Zivilisten und tötete allein acht von ihnen. Schließlich waren 36 Häuser zerstört oder beschädigt, dutzende Menschen getötet worden – deutsche und US-Soldaten, aber auch viele Zivilisten. Dies war der Preis dafür, dass die Amerikaner ein paar Stunden aufgehalten wurden.

Ist der Ablauf der Ereignisse zwar soweit geklärt, so bedarf die Angabe, dass (neben 17 Zivilpersonen) 33 Wehrmachtangehörige beim „Kampf um Regen“ getötet worden seien, einer Präzisierung: Nicht alle dieser Soldaten starben unmittelbar bei der sinnlosen Verteidigung der Stadt Regen am 24. April, sondern „nur“ 24. Dieser Blutzoll für einen irrsinnigen Widerstand, der am Ausgang des Krieges nicht das geringste ändern sollte, ist immens und erschreckend. Es dürfte interessant sein, aufgrund neuer Recherchen, die sich vor allem auf die Datenbank des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge gründen, einige neue Angaben zu machen.

Auf dem Grabstein des Sammelgrabes auf dem Friedhof von Regen (Block III, Reihe 2, Grab 39) sind 30 Namen von Wehrmachtangehörigen verzeichnet. Drei dieser Toten kamen bereits zwischen dem 15. und 17. April zu Tode: Ältere Männer im Dienstgrad Gefreiter im Alter zwischen 53 und 55 Jahren (!).

Weitere vier Luftwaffensoldaten starben beim Abschuss (oder Absturz) ihres Nachtjägers Ju-88 der 10. Staffel, Nachtjagdgeschwader 6, am 30. April bei Regen (Flugzeugführer war Major Siebel).

Dem Kampf um die Stadt selbst am 24. April können mit hoher Wahrscheinlichkeit 23 tote Soldaten zugeordnet werden. 21 sind für den 24. April vermerkt, zwei weitere scheinen am 25. und 28. April ihren Verwundungen erlegen zu sein. Unter diesen 23 Toten sind keineswegs „fast nur“, wie der Pfarrer Hackl schrieb, „Offiziersaspiranten, Zahlmeister und Oberzahlmeister“, sondern Wehrmachtangehörige aller Dienstgrade: Mannschaften, Unteroffiziere und Feldwebel sowie, dies ist am auffallendsten, (mindestens) sechs Offiziere, darunter zwei Hauptmänner, zwei Oberleutnante, zwei Leutnante. Die Identität dieser Toten beweist einmal mehr, dass auch die ‚normale’ Wehrmacht und keinesfalls nur die SS bis zum Ende rücksichtslos Widerstand zu leisten bereit war und dabei auch etliche Zivilisten mit in den Tod riss. Der jüngste Gefallene war 16 Jahre alt, der älteste 43. Auch die gefallenen US-Soldaten der 11th Armored Division waren zwischen 18 und 30 Jahre alt. Der deutsche Befehlshaber Oberst Dr. Fritz Bingemer, hauptverantwortlich für die Verteidigung von Regen, starb 1976 im hohen Alter von 83 Jahren.

 

Verluste der Wehrmacht im Kampf um Regen (24. April)

 

1. Andree, Hans: Dienstgrad unbekannt *06.01.11 in Berlin-Karlshorst, +24.04.45

2. Bauermeister, Heinrich: Obergefreiter, *10.12.02 in Bitsch, +24.04.45

3. Berger, Franz: Fahrer, *29.09.05 in Scheurek, +25.04.45

4. Falk, Joachim: Leutnant, *23.01.22 in Berlin, +24.04.45

5. Feldmann, Heinz: Hauptmann, *02.01.22 in Kiel, +24.04.45

6. Göbel, Hans: Dienstgrad unbekannt, *05.06.16 in Bingen-Büdesheim, +28.04.45

7. Henzler, Werner: Dienstgrad unbekannt, *08.07.28 in Raidwangen, +25.04.45

8. Hermanns, Josef: Soldat, *15.02.19 in Mönchengladbach, +24.04.45

9. Hiltscher, Günther: Grenadier, *22.10.23 in Liegnitz, +24.04.45

10. Hoch, Helmut: Unteroffizier, *06.08.19 in Ebern, +24.04.45

11. Hodapp, Paul: Oberzahlmeister, *17.07.07 in Freiburg (wohnhaft Coburg), +24.04.45

12. Hohstadt, Friedrich: Dienstgrad unbekannt, *07.01.03 in Wuppertal-Vohwinkel, +24.04.45

13. Höpfner, Manfred: Dienstgrad unbekannt, *05.04.25 in Oberschöna, +24.04.45

14. Koch, Erich: Dienstgrad unbekannt, *10.01.05 in Saargemünd, +24.04.45

15. Lehmann, August: Dienstgrad unbekannt, *30.11.13 in Strümpfelbrunn, +24.04.45

16. Möhring, Gustav: Oberleutnant, *19.03.1896 in Berlin, +24.04.45

17. Pietzsch, Julius Kurt: *13.09.07 in Holzhausen, +24.04.45

18. Reiter, Helmut: Feldwebel, Geb.datum u. -ort unbekannt, +24.04.45

19. Schlenke, Georg: Hauptmann, *25.12.12 in Ehringen, +24.04.45

20. Sens, Gerhard: Leutnant, *13.05.23 in Dessau, +24.04.45

21. Sommer, Friedrich: Feldwebel, *16.05.05 in Kauffung, +24.04.45

22. Wende, Willy: Dienstgrad unbekannt, *09.02.02 (Geb.ort unbekannt), +24.04.45

23. Winn, Werner: Oberleutnant, *01.04.15 in Dortmund, +24.04.45

 

Drei weitere Wehrmachtangehörige sind schon zuvor umgekommen und ebenfalls auf dem Denkmal vermerkt - ihr Alter betrug Mitte 50!

1. Geier, Rudolf: Gefreiter, *05.08.1891 in Petersdorf, +16.04.45

2. Matzner, Rudolf: Gefreiter, *12.10.1889 in Liebu, +17.04.45

3. Müller, Albert: Gefreiter, *14.06.1890 in Döschena, +15.04.45

 

Vier Tote beim Abschuss / Absturz einer Ju-88 am 30. April:

1. Corneli, Peter: Dienstgrad unbekannt, *1917, +30.04.45

2. Grootaarts, Friedhelm: Flieger, *27.06.22 in Duisburg, +30.04.45

3. Siebel, Klaus: Major, *07.10.15 in Düsseldorf, +30.04.45

4. Vollmer, Peter, Gefreiter, *13.09.23 in Gütersloh, +30.04.45

 

Ein 17-jähriger Soldat des RAD (Reichsarbeitsdienst) war am 27. April in Rohrmünz (Gem. Grafling, bei Deggendorf) verwundet worden und verstarb am folgenden Tag im Krankenhaus von Regen, wo er auch bestattet wurde:

Kuchler, Alois: *01.02.1928 in Hundzell (Hohenwarth/Bad Kötzting), +28.04.45

(Bemerkung: Alois Kuchler war eines von 13 Opfern der "Tragödie von Rohrmünz", als US-Soldaten des 104. Regiments der 26. Infantry Division das Lager der 16- und 17-jährigen sog. Arbeitsmänner stürmten, nachdem ein US-Leutnant erschossen worden war. Siehe G. Haberl / W. Fricke: Anfang und Ende des Tausendjährigen Reiches in Ostbayern. Band 2. Neckenmarkt 2009, S.142ff.)

 

Verluste der US-Armee (11th Armored Division) im Kampf um Regen

Durch Nachforschungen in amerikanischen Quellen lassen sich erstmals auch die Verluste der amerikanischen 11th Armored Division für den Kampf um Regen am 24. April angeben: Es waren zwischen sechs und zehn Gefallene.

Sicher sind in Regen folgende sechs US-Soldaten gefallen:

 

21st Armored Infantry Battalion (AIB) (Infanterie)

1. Mowinkel, Harold W. (Company A), Pfc (*1923) (verwundet, +7.5.1945)

2. Steiger, Carl H. (Company A), Pfc (*1921)

3. Mulvaney, Vincent J. (Company B), 2nd Lt

 

41st Tank Battalion (Panzer)

4. Bobela, Andrew (Company B), Corporal (*6.6.1922)

5. Hunley, Everitt B. (Company B), Tec4 (*2.4.1922)

6. Campbell, Leo F. (HQ, Sanitäter), Pfc (*22.3.1917)

 

Zwei weitere Soldaten der Company B des 21. AIB sind für den folgenden Tag (25. April) als tot vermerkt. Auch deren Tod könnte mit dem Kampf um Regen in Verbindung gebracht werden, da immer wieder zu beobachten ist, dass das offizielle Todesdatum einen Tag später liegt als das tatsächliche:

7. Kerkstra, Benjamin (21. AIB, Company B), Pfc

8. Veal, Harold M. (21. AIB, Company B), Pfc (*8.3.1920)

 

Außerdem verlor Company C des 21. AIB ‚offiziell’ am 25. April folgenden Mann, der ebenfalls bei Regen gefallen sein könnte:

9. Cozad, George O. (21. AIB, Company C), Pvt (*1926)

 

Schließlich ist für den 24. April der Tod eines Soldaten des 21. AIB vermerkt, der bei Tittling-Hörmannsdorf gefallen sein soll. Da Tittling erst am folgenden Tag (25. April) angegriffen wurde, könnte sich diese Verlustmeldung noch auf Regen beziehen, oder aber das Datum ist falsch:

10. Bishop, James M. (21. AIB, Company A) (*17.2.1926)  

 

Filmaufnahmen der US Army (166th Signal Company) vom Kampf um Regen 1945 (National Archives / Link zu youtube)

Inhalt der ersten drei Minuten aus dem Raum Regen: Gefangene Deutsche einschließlich Frauen; ungarische Kindersoldaten; deutscher Tieffliegerangriff; MG-Abwehrfeuer; brennender US-Lkw; gefallener deutscher Soldat; weibliche Wehrmachtangehörige. Ab 3:14 folgen Aufnahmen von der Donauüberquerung bei Ingolstadt am 27. April.


Aufsatz "Heiteres aus dem alten Haselbach" (Lísková) aus dem Waldmünchner Heimatboten 47 (2013), S.140ff.

 

In der ehemaligen Gemeinde Haselbach (Lísková) spielten sich in der Vorkriegszeit allerlei kuriose, amüsante Geschichten ab, von denen ich aufgrund der Archivunterlagen einige nachvollziehen konnte: Der Schullehrer und sein illegales Brennholz, Wohnung im Eisenbahnwaggon, Hausnamen im Strafregister, Seltene Ortsnamen (Schmalzgruben, Wassersuppen) vor Gericht.

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Heiteres aus dem alten Haselbach
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Aufsatz "Ein Bahnhof in Althütten [Stará Hut'] bei Wassersuppen [Nemanice]? Bemerkungen zu den neuen Informationstafeln in Lísková/Haselbach" aus dem Waldmünchner Heimatboten 48 (2014), S.113ff.

Die Geschichte, dass in Althütten (Stará Hut') angeblich ein "Bahnhof ohne Gleise" steht, ist zu schön um wahr zu sein (z.B. hier auf chodsko.net). Eine schöne Geschichte vor allem für Touristen und für den, der daran ist, die Region zu entdecken. Das Märchen hat einen wahren Kern, muss aber auf die Fakten zurückgeführt werden.

Aber lesen sie selbst. Vorab: Würden Sie - als Bürgermeister einer armen Gemeinde um 1900 (d.h. Wassersuppen-Nemanice) - ein Bahnhofsgebäude erbauen, bevor die Strecke überhaupt bewilligt ist? Bevor die Finanzierung gesichert ist? Bevor der kilometerweite Tunnel durch das Gebirge gesprengt worden ist?

Der Sachverhalt ist einfach: (1) Die Planung einer Strecke blieb um 1890 im Anfangsstadium stecken. (2) Es gibt keinerlei belastbaren Archivdokumente für die Existenz eines Bahnhofsgebäudes. (3) Der neue Besitzer des alten Althüttener Gasthauses hat sein Haus architektonisch wie einen Bahnhof aussehen lassen und auch den Ortsnamen wie eine Bahnstation über die Tür geschrieben. Dies sind die Fakten.

Den kompletten Artikel aus dem "Waldmünchner Heimatboten" von 2014 können Sie unten downloaden.

 

Mit großer Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass Mgr. Alexej Kokorev, der am Gymnasium Cheb (Eger) Lehrer ist, im September 2018 in der Tageszeitung Domažlický deník meine Forschungsergebnisse nun auch in tschechischer Sprache vorgestellt hat:

"Nádraží bez kolejí ve Staré Huti je fikce, říká historik": Link zum Artikel: bitte hier klicken!

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Ein Bahnhof in Althütten bei Wassersuppen?
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Wichtig: Weiterführende Literatur und Internetseiten

1. Allgemeinere Literatur zum Raum Bischofteinitz-Taus

 

Blau, JosefGeschichte der deutschen Siedlungen im Chodenwald, besonders der "Zehn deutschen privilegierten Dorfschaften auf der Herrschaft Kauth und Chodenschloß". Pilsen 1937. (319 S.)

Blau, Josef: Die Glasmacher im Böhmer- und Bayerwald, 2 Bde., Grafenau 1954/56.

Černý, Mathias: Heimatskunde des Tauser Bezirkes. Sofienthal [!] 1885.
Chodsko Český Les. Turistický Průvodce ČSSR, Prag 1987.

Doskočil, Karel u.a. (Hg.): Berní rula. Bd. 23/1: Kraj Plzeňský, hg. Marie Doskočilová, Prag 1952.

Fink, Reinhold: Advokat und Zuckerbäcker. Handel, Gewerbe und Industrie im Böhmerwald 1930 bis 1940, Norderstedt 2005.

Hofmann, Gustav: Místopísne poznámky z panství Kout-Trhanov. In: Zpravodaj Místopísne Komise CSAV 22 (1981), S.322-325. [Ortsnamen]

Kiefner, Rudolf: Heimat jenseits des Böhmerwaldes im südlichen Egerland. Der Kreis Bischofteinitz, Felsberg-Wolfershausen 1987.

Kiefner, Rudolf: Passion jenseits des Böhmerwaldes im südlichen Egerland – der Kreis Bischofteinitz, Felsberg-Wolfershausen 1991.

Kirchensprengel Wassersuppen. Erinnerungen 1945/46-1967-1989/95, Waldmünchen 1995.

Liebscher, Karl: Der politische Amtsbezirk Bischofteinitz, Bischofteinitz 1913.

Pangerl, Matthias: Die Choden zu Taus. Ein Beitrag zur Geschichte der Unterthänigkeits-Verhältnisse im Böhmerwalde. Prag 1875. (

Pöhnl, Karl: Die ältesten Glashütten des Radbuser Quellgebiets, Bischofteinitz 1937.

Procházka, Zdeněk: Sklářství v Českém Lese – Glasindustrie im Böhmischen Wald, Domažlice-Taus, 2. Aufl. 2003.

Procházka, Zdeněk: Putování po zaniklých místech Českého Lesa. I. Domažlicko – Wanderungen durch die verschwundenen Ortschaften des Böhmischen Waldes. I. Kreis Taus, Domažlice 2007.

Procházka, Zdeněk: Co Odnesl Čas 1 / 2 – Was mit der Zeit verschwunden ist, Bände 1 und 2, Domažlice-Taus 2010 und 2011.

Profous, Antonín: Místní jména v Čechách jejich vznik, původní význam a změny, 5 Bände, Prag 1947-1960. [Erklärung der Ortsnamen]

Roubík, František: Dějini Chodů u Domažlic, Prag 1931.

Schaller, Jaroslaus: Topographie des Königsreichs Böhmen, 12. Teil, Prag/Wien 1789.

Semlbauer, B.: Heimatskunde des Gerichtsbezirkes Neuern, Neuern 1897.

Tereziánský Katastr Český. Svazek 2: Rustikál (kraje K-Ž), Prag 1966.

Trajer, Johann: Historisch-statistische Beschreibung der Diöcese Budweis, Budweis 1862.

Unser Heimatkreis Bischofteinitz mit den deutschen Siedlungen im Bezirk Taus, Furth 1967. (991 S.) [das Standardwerk, herausgegeben vom Heimatkreis Bischofteinitz e.V.]

 

2. Spezielle Literatur zu einzelnen Orten, Pfarreien, Bezirken:

(vergessene) Chroniken aus dem Raum Bischofteinitz-Taus

 

Es gibt Bücher, die gibt es gar nicht. Bitte? Nun, ehemalige Dorfbewohner, Ortsbetreuer und Arbeitsgemeinschaften haben in den Jahren nach der Vertreibung und nach der Grenzöffnung unter großem Aufwand eine Vielzahl von Chroniken über ihre jeweiligen Heimatorte verfasst. Leider sind viele dieser Bücher nur in kleiner Auflage, im Selbstverlag ohne ISBN-Nummer, als Manuskript und für einen kleineren Leserkreis erschienen und verteilt worden, so dass sie nur "unter der Hand" oder, mittlerweile, mit viel Glück zu bekommen sind. Auch in Bibliotheken findet man die meisten Titel nicht. Dies ist den Verfassern keinesfalls zum Vorwurf zu machen.

Jedoch besteht die große Gefahr, dass diese Bücher und Manuskripte verlorengehen, wenn die Erlebnisgeneration allmählich ausstirbt und die Nachkommen vielleicht kein Interesse mehr haben. Somit wären nicht nur die sudetendeutschen Dörfer verschwunden, sondern auch die Literatur über sie. Dem Hörensagen nach haben manche Bewohner auch private Aufzeichnungen erstellt, die noch irgendwo schlummern.

Daher habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die Vielzahl dieser Chroniken zu erfassen und sie nach Möglichkeit zu sammeln und zu bewahren. Bitte, kontaktieren Sie mich, falls Sie hier etwas haben! Gerne komme ich auch zu Ihnen und fertige vor Ort Kopien an.

Wissen gleich jeder Art muss für die kommenden Generationen bewahrt werden!

Die Liste wird nach Möglichkeit laufend erweitert!

Hingewiesen sei auch auf portafontium.eu, wo die erhaltenen zeitgenössischen, "offiziellen" Ortschroniken zum Teil online verfügbar sind, außerdem auf die 'normalen' Internetseiten der heutigen tschechischen Gemeinde, die ebenfalls Kurzdarstellungen der Geschichte enthalten.

 

Altgramatin (Starý Kramolín)

Girg, Franz: Heimatort Altgramatin. Marktoberdorf 1985. (118 S.)

 

Berg (Hora Svatého Václava) mit Hoslau/Hvožďany, Natschetin/Načetín, Schiefernau/Šibanov, Schilligkau/Šidlákov, Trohatin/Drahotín, Zeisermühl/Sezemín

Gröbner, J. / Womes, R. u.a.: Chronik der Pfarrgemeinde Berg. Furth im Wald 1976. (328 S.) (Druckerei Schrott)

 

Donau (Hájek)

Quitterer, Ernst: Beiträge zur Ortsgeschichte der Gemeinde Donau im Böhmerwald. Günzburg 1980. (ca. 220 S.) (Selbstverlag)

 

Eisendorf (Železná) 

Ziegler, Toni: Chronik Eisendorf. Spalt 1983. (177 S.)

 

Grafenried (Lučina)

- Laubmeier, Hans: Erinnerungen an unsere Heimat Grafenried, Anger, Seeg und Haselberg. Lappersdorf 2007. (ca. 320 S.) [Bildband]

- Vogl, Josef / Weiß, Alfred: Die Geschichte der Hofmark Grafenried und der dazu gehörigen Dörfer Anger, Seeg und Haselberg. Grünstadt 1961 (100 Seiten), 2. Aufl.  1990. (310 S.) (jeweils Selbstverlag) [detaillierte Chronik]

 

Haschowa und Zwingau (Hašov, Svinná)

Mayer, Josef Johann: Aus der Heimat vertrieben. Gemeinde Haschowa-Zwingau 1379-1946. Geschichte, Haus- und Familiengeschichten. München 1994. (492 S.) (Selbstverlag)

 

Haselbach (Lísková)

- Gruber, Markus: Wassersuppen, Mauthaus, Haselbach. Nemanice, Mýtnice, Lísková. Aus der Geschichte der Orte im Böhmerwald und dem Leben der Menschen von 16. Jahrhundert bis heute. Waldmünchen 2012 (1. Aufl.; 2. Aufl. mit Ergänzungen). (112 S.)

- Angelovová, Kamila: Lísková – Zapomenutá historie. Haselbach – vergessene Geschichte. Domažlice 2012. (44 S.)

- Armer, Ludwig: Vernichtete Heimat. Haselbach wie es einst war. Waldmünchen [Erscheinungsjahr? - um 1990] (64 S.) [Erinnerungsliteratur]

- Armer, Ludwig: Vernichtete Heimat. Geschichten um den Hirschstein. Waldmünchen [Erscheinungsjahr? - um 1990] (71 S.) [einzelne Erzählungen]

Anmerkung: Der gebürtige Haselbacher Ludwig Armer schrieb noch zwei weitere Bücher: Den Roman "Der Schmugglerkönig vom Böhmerwald" und die Autobiographie "Das Leben ist ein Würfelspiel".

- Bauer, Maria (geb. Unverzart): Bilder aus Haselbach und Umgebung und Geschichten von der Aussiedelung im Jahre 1945. [Erscheinungsort?] 1991. [wertvoll für die Zeit 1945/46]

 

Heiligenkreuz (Újezd Svatého Kříže)

Mack, Franz: Dorfchronik von Heiligenkreuz. [Erscheinungsort?] 2. Aufl. 2003.

 

Hirschau (Hyršov)

Bretl, Karl: Pfarrei Hirschau im Böhmerwalde. Wiesbaden 1984 (260 S.). (Selbstverlag)

 

Hostau (Bezirk)

Ortsrat der Stadt Hostau im Heimatkreis Bischofteinitz (Hg.): Bezirk Hostau. Heimat zwischen Böhmerwald und Egerland. Marktredwitz/Furth im Wald 1977-1979, 1.-3. Aufl. (692 S.); 4. Aufl. neubearbeitet und ergänzt von Stefan Stippler. Berlin 2011 (752 S.)

Die 4. Auflage behandelt außer Hostau noch folgende Orte:

Horouschen, Mirkowitz, Zwirschen

Eisendorf mit Eisendorfhütte, Franzelhütte, Ruhstein, Walddorf, Karlbach

Heiligenkreuz mit Haselberg, Dobraken, Neubäu, Fuchsberg, Rosendorf, Wistersitz

Melmitz mit Holubschen, Garassen, Wabitz, Liebeswar, Pscheß, Sichrowa, Wiedlitz

Muttersdorf mit Erasmus, Altgramatin, Großgorschin, Kleingorschin, Pfaffenberg, Putzbühl, Schwanenbrückl, Johanneshütte, Wasserau

Plöß mit Straßhütte, Wenzelsdorf, Rappauf

Schüttarschen mit Hassatitz, Amplatz, Zwingau, Haschowa, Schlattin, Taschlowitz, Wittana

Sirb mit Rouden, Meeden, Pollschitz, Sadl

Weißensulz mit Schmolau, Bärentanz, Neuhof, Annathal, Tschernahora, Zetschin

ferner: Althütten (bei Waier), Kscheberscham, Pössigkau, Zemschen

 

Kscheberscham (Chřebřany)

Wenisch, J.: Kscheberscham. 1313-1379-1946. Eppingen / Furth im Wald 1984. (52 S.) (Selbstverlag)

 

Linz (Mlýnec)

Lang, Franz: Linz im Böhmerwald. Chronik einer alten Siedlung. Ortenberg/Tauberbischofsheim 1986. (311 S.)

 

Maschowitz (Mašovice)

Guldan, Wenzel: Ortschronik Maschowitz 1115-1945. Rietberg 1983. (254 S.) (Selbstverlag)

 

Mauthaus (Mýtnice)

Gruber, Markus: Wassersuppen, Mauthaus, Haselbach. Nemanice, Mýtnice, Lísková. Aus der Geschichte der Orte im Böhmerwald und dem Leben der Menschen von 16. Jahrhundert bis heute. Waldmünchen 2012 (1. Aufl.; 2. Aufl. mit Ergänzungen) (112 S.)

 

Maxberg (Maxov) mit Philippsberg (Filipova Hora), Pelechen (Pelechy), Kohlstätten (Šnory), Prennet (Spálenec)

Brunner, Ferdinand: Heimatgeschichte aus dem Böhmerwald mit Chronik von Maxberg. Bogen 1979. (56 S.) (Selbstverlag)

 

Melmitz (Mělnice)

Melmitzer Ortschronik. – ohne weitere Angaben

 

Metzling (Meclov) mit Raschnitz (Mračnice) und Pirk (Březí)

Heimatkreis Bischofteinitz / Ortsbetreuung Metzling / Leberl, Josef (Hg.): Metzlinger Lese- und Bilderbuch mit den Orten Raschnitz und Pirk. Hanau/Furth im Wald 1982. (294 S.) (Selbstverlag/Druckerei Perlinger)

 

Mirkowitz (Mirkovice)

Guldan, Josef / Hasl, Josef: Mein Heimatdorf Mirkowitz. 600 Jahre Mirkowitz (1379 – 1979). Ein deutsches Dorf im Egerland. 2. Aufl. Gamburg 1986. (161 S.) (1. Aufl.: Josef Hasl / Ortsrat der Heimatgemeinde Mirkowitz, [Erscheinungsort?] 1980).

 

Mirschikau (Mířkov)

Hupfauer, Alto: Orts-Chronik vom Heimatort Mirschikau bei den Sieben Bergen, Kreis Bischofteinitz (Sudetenland) mit ihren einstmaligen Bewohnern, Häusern und Gebäuden, Feldern und Fluren, Wäldern und Weihern. Wollomoos 1986. (238 S.) (Selbstverlag)

 

Mogolzen (Bukovec) mit Radlstein, Tscharlowitz, Semlowitz, Schlewitz, Schekarschen, Zetschowitz mit Horamühle, Stich, Dobrowa, Kleinmallowa.

Bernklau, Josef: Das Kirchspiel Mogolzen. Röhrenfurth 1972. (97 S.) (Selbstverlag)

 

Münchsdorf (Mnichov)

Wantschura, Herbert: Münchsdorf. Mein Heimatdorf. [Erscheinungsort?] 1982. (172 S.) (Selbstverlag)

 

Muttersdorf (Mutěnín)

Bemerkung: Über wohl kaum einen anderen Ort hat ein Regionalhistoriker so viel gesammelt und veröffentlicht wie Johann Micko (1861-1945) über Muttersdorf!

Micko wurde 1861 in Glöckelberg (Zvonková) bei Oberplan (Horní Planá) geboren und war zunächst Lehrer in Haselberg (Lískovec) bei Grafenried, dann Schuldirektor in Muttersdorf. Seine zehn "Hefte" (jedes ist mit fast 100 Seiten Umfang ein eigenes Buch) umfassende "Muttersdorfer Heimatkunde" ist zum Glück vollständig z.B. in der Bayerischen Staatsbibliothek vorhanden. Das letzte, 1959 erschienene Heft wurde von einer Arbeitsgemeinschaft publiziert.

- 1: Geschichte des Marktes und der Herrschaft Muttersdorf. Muttersdorf 1922. (105 S.)

- 2: Kriegs-Gedenkbuch des Marktes Muttersdorf. Muttersdorf 1923. (58 S.)

- 3: Geschichte der nach Muttersdorf eingepfarrten Gemeinden Schwanenbrückl, Altgramatin, Wasserau und Gorschin. Muttersdorf 1924. (71 S.)

- 4: Geschichte der zur früheren Herrschaft Muttersdorf gehörenden Gemeinden Waier, Rindl, Neid und Schwarzach. Muttersdorf 1924. (72 S.)

- 5: Kulturgeschichte des Marktes Muttersdorf. Muttersdorf 1925. (95 S.)

- 6: Volkskunde des Marktes Muttersdorf. Muttersdorf 1926. (93 S.)

- 7: Wirtschaftsgeschichte des Marktes Muttersdorf. Muttersdorf 1927. (80 S.)

- 8: Die Mundart des Marktes Muttersdorf. Muttersdorf 1933. (72 S.)

- 9: Die Geschichte der Häuser und der Geschlechter des Marktes Muttersdorf im Sudetenland. Muttersdorf 1927, ergänzt von Karl Hannakam und Franz Honsowitz. Senden/Iller 1960. (Ausgabe 1960: 250 S.)

- 10: Hannakam, Karl / Honsowitz, Franz (Hg.): Muttersdorf in schwerster Zeit. Senden/Iller 1959. (78 S.)

 

Nemlowitz (Nemněnice)

Bernklau, Josef: Unser Nemlowitz. Ortserinnerungsbuch. Röhrenfurth 1968. (60 S.) (Selbstverlag)

 

Neumark (Všeruby)

- Schrimpf, W.: Chronik von Neumark und Umgebung. [Erscheinungsort?] 1974, 2. Aufl. 1976. (73, 16 S.)

- Singer, Anton: 400 Jahre Stadtrecht Neumark im Böhmerwald. Heidenheim/Nördlingen 1998.

- Procházka, Zdeněk: Všeruby a Všerubsko 1570 - 2014. Domažlice 2014.

 

Parisau (Pařezov) = Alt- und Neuparisau

- Kronhofmann, Franz: Alt- und Neuparisau im Heimatkreis Bischofteinitz. Penzberg 1978. (51 S.) (Selbstverlag)

- Kuhn-Fünffinger, Anni: Heimat an der Sprachgrenze. Zeil am Main [erschienen um 1990] [berührende Erinnerungen]

 

Plöss/Plöß (Pleš) mit Wenzelsdorf (Václav), Rappauf (Rabov) und Straßhütte (Štráská Huť)

- Heimatgemeinde Plöß e.V. (Hg.): Heimatbuch Gemeinde Plöß mit Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte. Oberviechtach 1995.

- Festschrift Gedenksteineinweihung der Heimatgemeinde Plöss e.V. 1989 in Friedrichshäng.

 

Pollschitz (Polžice)

Schötterl, Anna (Hg.): Pollschitz. Wie’s daheim einst war. Aldersbach/Wallersdorf 1990. (Selbstverlag/Druckerei Lachermeier) (216 S.)

 

Ronsperg (Poběžovice) mit Wilkenau (Vlkanov), Hoslau (Hvožďany), Kleinsemlowitz (Zámělíč)

Ortsrat der Stadt Ronsperg im Heimatkreis Bischofteinitz / Kiefner, Rudolf (Hg.): Ronsperg. Ein Buch der Erinnerung. Felsberg/Furth im Wald 1. Aufl. 1970, 2. Aufl. ergänzt mit Wilkenau, Hoslau, Kleinsemlowitz 1990. (352 bzw. 370 S.)

 

Rothenbaum (Červené Dřevo)

Haas, Anton / Arbeitskreis Heimatpfarrei Rothenbaum: Pfarrei Rothenbaum im Böhmerwald. Beilngries 1980.

 

Sadl (Sedlec)

Ebenhöh, Sepp: Sadl. Ankum 1988. (126 S.) (Selbstverlag)
 

Schmolau (Smolov)

Draxler, Ortschronik von Schmolau [ohne weitere Angaben]

 

Schneiderhof (Myslív)

Bohmann, Josef: Schneiderhof. Chronik einer Böhmerwaldgemeinde 1577-1946. Ascha 1986 (165 S.)

 

Schüttarschen (Štítary) (mit Taschlowitz/Tasnovice, Amplatz/Oplotec, Zwingau/Svinna, Haschowa/Hašova, Wittana/Vitani)

Arbeitsgemeinschaft Laurenziberg / Herzog, Hertha (Hg.): Heimat um den Laurenziberg. Ein Kirchspiel im südlichen Egerland. Wenzenbach/Friedberg 1992. (Selbstverlag/Druckerei Jaspis-Druck u. Verlag). (432 S.)

 

Schüttwa (Šitboř)

Bock, Roswitha / Metsch, Franz / Ortsrat und Arbeitsausschuß Schüttwa: Schüttwa, unsere Heimat. Seckach 1990. (240 S.)

 

Semeschitz (Semošice)

Stich, Karl: Heimat in Böhmen. Semeschitz - Kreis Bischofteinitz. Regensburg 1988. (849 S.)

 

Sirb (Srby)

Feierfeil, Georg: Unser Sirb. Ein Orterinnerungsbuch. Bayreuth 1965; 2. erw. Aufl. Bayreuth 1988. (154 S.) (jeweils Selbstverlag)

 

Sophienthal (Černá Řeka)

- Procházka, Zdeněk / Kondrys, Antonín: 1795-1995. Domažlice 1995. [Broschüre mit Schwerpunkt auf der Sophienhütte]

- Gruber, Markus: Wassersuppen, Mauthaus, Haselbach. Nemanice, Mýtnice, Lísková. Aus der Geschichte der Orte im Böhmerwald und dem Leben der Menschen von 16. Jahrhundert bis heute. Waldmünchen 2012 (1. Aufl.; 2. Aufl. mit Ergänzungen).

 

Taschlowitz (Tasnovice)

Fleischmann, Josef: Chronik des Dorfes Taschlowitz. [ohne weitere Angaben]

 

Vollmau (Folmava) mit Fichtenbach (Bystřice), Plassendorf (Kubička), Deutsch-Kubitzen (Nová Kubice)

- Beck, Karl / Buschek, Josef: Bilder aus der Heimat. Erinnerungen an Vollmau. [Erscheinungsort?] 1970. [Fotos]
- Kolbeck, Alfred / Beck, Karl: Erinnerungen an Vollmau. Die Geschichte eines sudetendeutschen Dorfes an der bayerischen Grenze. Regensburg 1978.

- Folmava! Vollmau! Das böhmische Las Vegas. Geschichte eines Grenzortes. Eine historische Recherche. Gymnázium Jindřich Šimon Baar in
Domažlice, Werner-von-Siemens-Gymnasium in Regensburg. [ohne Ort, erschienen 2012; keine Chronik, aber viele Zeitzeugenberichte]

 

Waier (Rybník)

St.-Anna-Verein (Hg.): Pfarrgemeinde Waier. Oberviechtach 1978. (104 S.) (Selbstverlag/Druckerei Forstner)
 

Waltersgrün (Valtířov)

Stockert, Rudolf: Waldersgrüner Heimat - Erinnerungen. Dort tief im Böhmerwald da liegt mein Heimatort. Regensburg 1985. (85 S.) (Selbstverlag)

 

Wasserau (Ostrov, Bezvěrov)

Neudecker, Josef: Wasserau. Oberviechtach 1972. (Seitenanzahl?) (Selbstverlag) [alternativer Titel: "Chronik des Dorfes Wasserau"]

 

Wassersuppen (Nemanice)

- Müller, Annemarie: Wassersuppen und seine Glashütten. Ein versunkenes Gewerbe jenseits der Grenze. Riedlhütte 2009. [nicht in allen Einzelheiten zuverlässig]

- Gruber, Markus: Wassersuppen, Mauthaus, Haselbach. Nemanice, Mýtnice, Lísková. Aus der Geschichte der Orte im Böhmerwald und dem Leben der Menschen von 16. Jahrhundert bis heute. Waldmünchen 2012 (1. Aufl.; 2. Aufl. mit Ergänzungen).

 

Webrowa (Věvrov )

Jung, Josef: Webrowa. Aichtal 1988. (64 S.) (Selbstverlag)

 

Weißensulz (Bělá nad Radbuzou)

- Karl Spörl / Franz Kohl: Chronik von Weißensulz. [Erscheinungsort?] 1980. (76 S.)

- Pöhnl, Karlmann / Hildwein, Franz: Ortschronik von Weißensulz. Nach dem Konzept des Gemeindechronisten Karlmann Pöhnl. Neuauflage mit Bildband. Schwandorf 1996.

 

Zemschen (Třemešné)

Warta, Georg: Gemeindegedenkbuch von Zemschen. [ohne weitere Angaben]

 

 

3. Links zu Internetseiten, die sich mit der Geschichte des Böhmerwalds befassen

 

zanikleobce.cz

Die Standardseite für die untergegangenen sudetendeutschen Dörfer auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Jeder kann mitmachen und aktuelle oder zeitgenössische Fotos hochladen sowie Kommentare beisteuern.

 

portafontium.eu

"Bayerisch-tschechisches Netzwerk digitaler Geschichtsquellen": Ein von der EU gefördertes Projekt, welches eine unglaubliche Menge von Archivmaterial frei zugänglich macht: Matrikeln (Kirchenbücher und Standesämter), zeitgenössische Chroniken (Orte, Schulen, Pfarreien), Ergebnisse der Volkszählungen, Fotos, und, und, und...

 

kontaminace.cenia.cz

Hochauflösende Luftbilder des gesamten heutigen Staatsgebietes der Tschechischen Republik aus der Zeit 1948 bis etwa 1962, welche die sudetendeutschen Orte teils noch zeigen. Sehr reizvoll ist die Möglichkeit, aktuelle Karten "darüberzulegen".

 

historickemapy.cuzk.cz

Umfangreiche Sammlung diverser historischer und aktueller Landkarten. Sobald Sie sich ein wenig durch die Bedienung gekämpft haben, werden Ertrag und Entdeckerfreude riesig sein.

 

znicenekostely.cz

Archiv der zerstörten Kirchen und Kapellen. Mitarbeit erwünscht!

 

vodnimlyny.cz

Ein wissenschaftliches Spezialprojekt, das sich auf alle historisch greifbaren Mühlen in der Tschech. Republik konzentriert. Auch hier ist Mitarbeit willkommen.

 

bischofteinitz.de

Heimatverein e.V. Bischofteinitz mit verschiedenen Informationen, auch Kurzdarstellungen sämtlicher Orte des ehemaligen Kreises Bischofteinitz.

 

heiligenkreuz-haselberg.de

Eine spezielle, aber umfangreiche Seite, die sich dem Dorf Haselberg (Lískovec - ehem. Gerichtsbezirk Hostau, nicht Haselberg bei Grafenried!) und Heiligenkreuz (Újezd Svatého Kříže) widmet.

 

kohoutikriz.org

Die Seite koutikriz, das "Hahnenkreuz", beschäftigt sich mit im Böhmerwald geborenen Sudetendeutschen, die als Dichter oder Schriftsteller hervorgetreten sind. Umfassend und ständig aktualisiert von Jan und Ivo Mareš.

 

vojensko.cz

Eine umfassende Seite ("die andere Seite" jenseits des Eisernen Vorhangs...), welche der früheren Pohraniční stráž (PS), der Grenzwache der ČSSR, gewidmet ist und die Geschichte sämtlicher Kompaniestandorte anhand von Fotos dokumentiert, welche von Ehemaligen und Veteranen eingesandt werden; freilich ist der Blickwinkel einseitig.

 

retrofoto.net

Eine Seite mit vielen historischen, z.T. seltenen Fotos auch aus dem Raum Taus-Domažlice. Leider sind die Aufnahmen aus Haselbach-Lísková falsch dem Ort Haselberg-Lískovec zugeordnet; auch Althütten-Stará Hut' dürfte nicht stimmen.

 

historicke-foto.estranky.cz

Historische Fotos von Muttersdorf, Alt-Gramatin, Wasserau, darunter auch viele aus der Zeit nach 1946.

 

Geschichten aus dem Sudetenland - Příběhy Sudet

Sehr interessante Sammlung von Interviews einerseits mit Sudetendeutschen, andererseits mit Tschechen, die nach 1946 in diesen Grenzorten angesiedelt wurden, darunter z.B. eine Wolhynierin, die nach Haselbach (Lísková) kam. Das gleichnamige Buch ist unter obigem Link mittlerweile als Download verfügbar. Zu dem Projekt gehört auch das Buch "Lebendes Gedächtnis der Sudeten / Živé paměti Sudet" (2011), das es ebenfalls zum Download gibt: hier.

 

cimiterium.cz

Eine bemerkenswerte Datenbank, die Fotos und Informationen zu historischen Friedhöfen in der Tschechischen Republik enthält und noch erweiterungsfähig ist.

 

drobnepamatky.cz

Diese Datenbank setzt es sich zum Ziel, die "kleinen Denkmäler" in der Tschechischen Republik zu erfassen: Feldkreuze, Kapellen, Gedenksteine, Kriegerdenkmäler, Menhire  ("Hinkelsteine") etc.  Der Link führt direkt zum Kreis Taus-Domažlice, der noch nicht vollständig erfasst ist.

 

liskovahaselbach.cz

Auf dieser Seite einer engagierten tschechischen Historikerin zum Grenzort Haselbach (Lísková) werden verschiedene Tätigkeiten vorgestellt, die in den vergangenen Jahren in Haselbach, Heinrichsberg (Jindřichova Hora) und Nepomuk (Capartice) durchgeführt wurden.

 

oas-ceskyles.cz

Internetpräsenz eines in Česká Kubice beheimateten Vereins, der auch in Nepomuk (Capartice) Veranstaltungen für die Öffentlichkeit tätigt, z.B. die pout'

(die alljährliche Kirchweih, "Kirwa").