Hier in der Rubrik "Forschung" werden zusammenhängende Beiträge vor allem zum Kriegsgeschehen 1939 bis 1945 im Raum Waldmünchen, Cham, Domazlice (Taus), Bischofteinitz (Horsovsky Tyn) und auch Klatovy (Klattau) sowie Tachau (Tachov) vorgestellt. Auch wenn nüchterne Militärberichte und Details zur Waffentechnik notwendig sind, so soll doch das Schicksal des einzelnen Menschen, ob Soldat, ob Zivilist, ob Deutscher, Amerikaner oder Tscheche oder Angehöriger sonstiger Völker, im Mittelpunkt stehen. Durch die Auswertung der Archivquellen, soweit sie im Original vorliegen, soll mit Ungenauigkeiten, mit Mythen und Legenden einigermaßen aufgeräumt werden. Alle Opfer sollen ein Gesicht bekommen.

Beachten Sie auch die eigene Unterseite "Kriegstote 1945".


Inhaltsverzeichnis

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A. Zum Kriegsende 1945

 

Neu März 2021: 

1. Von Bärnau nach Tachov: Die Opfer der Kampfhandlungen vom 30. April bis 05. Mai 1945

 

2. Sinnloser Widerstand entlang der Ostmarkstraße: Die Kämpfe bei Regen-Langdorf, Eppenschlag, Schönberg, Perlesreut und Tittling am 25. April 1945

Zum Artikel 

 

3. Kriegstote im April 1945 im Raum Cham und Bad Kötzting (Liste)   Zum Artikel "Kriegstote Raum Cham..."

 

4. Blutige Maitage 1945 (Teil 1 und Teil 2): Die Kämpfe zwischen Eisenstein, Hartmanitz (Hartmanice) und Schüttenhofen (Sušice)   Zum Artikel "Blutige Maitage 1945 (Teil 1 und Teil 2)"

 

5. Die Minenexplosion bei Díly (Kreis Domažlice) am 1. Mai 1945: Sieben US-Soldaten sterben kurz vor Kriegsende   Zum Artikel "Dily"

 

6. "Verstorben im Lazarett": Todesfälle deutscher Soldaten im Lazarett Klenčí pod Čerchovem (Klentsch) sowie den umliegenden Lazaratten im Jahre 1945   Zum Artikel "Verstorben im Lazarett"

 

7. Die Opfer des Kampfes um Regen (Niederbayern) am 24. April 1945   Zum Artikel "Kampf um Regen"

 

B. Der Luftkrieg

 

1. Tieffliegerangriffe im Frühjahr 1945 im Raum Waldmünchen, Cham, Domažlice   Zum Artikel "Tieffliegerangriffe"

 

2. Absturz eines Schulflugzeugs Siebel Si 204 bei Wonischen (Ohnišťovice) im Jahre 1943 und einer Ju-88 (?) bei Nepomuk (Capartice) 1941   Zum Artikel "Absturz Si 204"

 

3. Flugzeugabstürze 1940 bei Tschernahora (Černá Hora) und Mirschikau (Mířkov), Kreis Bischofteinitz (Horšovský Týn)   Zum Artikel "Flugzeugabstürze 1940"

 

 

C. Geschichte und Geschichten aus dem Raum Wassersuppen (Nemanice): Siehe Kategorie "Orte" 


Neu März 2021: Von Bärnau nach Tachov: Die Opfer der Kampfhandlungen vom 30. April bis 05. Mai 1945

 

Am 30. April begann die amerikanische 97th Infantry Division „Trident“, von Tirschenreuth, Bärnau und Waidhaus aus die heute deutsch-tschechische Landesgrenze zu überqueren, um den Raum Tachov (Tachau) zu erobern. Dies geschah zeitgleich zur Offensive der 90th Infantry Division „Tough Ombres“ im Raum Waldmünchen und Furth im Wald, die in Richtung Klenci (Klentsch) und Domazlice (Taus) ging. Die sich im Raum Tachov entwickelnden Kämpfe gegen improvisierte Kampfgruppen der Wehrmacht, die dem Wehrkreis XIII (General Weisenberger) unterstanden, gegen Teile der 2. Panzerdivision sowie gegen die 655. Heeres-Pionier-Brigade, waren zwar auf einzelne Orte beschränkt, forderten aber über mehrere Tage hinweg eine hohe Opferzahl. Am 5. Mai übernahm die 2nd Infantry Division „Indianhead“ den weiteren Vormarsch, indem sie einerseits aus dem Raum Waldmünchen und Furth im Wald nach Taus (Domazlice) und Bischofteinitz (Horsovsky Tyn) vorstieß, anderseits von Weißensulz (Bela nad Radbuzou) her ebenfalls nach Bischofteinitz.

Im Folgenden sind die namentlich bekannten Todesopfer auf Seiten der Amerikaner und auf Seiten der Wehrmacht aufgelistet, soweit sie aus den bislang zugänglichen Quellen zu erschließen sind. Die eigentliche Darstellung der Kampfhandlungen folgt zu gegebener Zeit. 

Es ergibt sich folgendes Bild:

- Verluste der US Army: 97th Infantry: 26 Tote, 2nd Infantry: 3 Tote, zusammen 29 Tote

- Verluste der Wehrmacht: 38 Tote lassen sich definitiv namentlich angeben. Aufgrund der Angaben in der heimatgeschichtlichen Literatur und unter Berücksichtigung der noch nicht ermittelten möglichen Opfer, zum Beispiel bei Wondreb (Tirschenreuth), dürfte die tatsächliche Opferzahl bei mindestens 50 Gefallenen liegen (andererseits müssen die Angaben der Todesorte beim Volksbund nicht mit den tatsächlichen übereinstimmen).

Eine Beobachtung: Die höchste Opferzahl gab es am 01. Mai 1945 bei Bärnau, am Steinberg, und dem nur wenig entfernten, heute nicht mehr existierenden Ort Paulusbrunn (Pavluv Studenec) mit alleine 11 gefallenen Wehrmachtangehörigen, offenbar alles Pioniere der 655. Pionier-Brigade. Die noch auf heute deutschem Staatsgebiet Gefallenen wurden später zur Kriegsgräberstätte Hofkirchen (Niederbayern) umgebettet. 

Auf Seiten der Amerikaner kamen im Kampfgebiet einige Soldaten durch Minen ums Leben. Eine solche Kampfführung passt zu einer deutschen Pioniereinheit, eben der 655. Pionierbrigade. Den verlegten Minen fielen aber auch zwei deutsche Soldaten zum Opfer (s.u., Ramsch und Schüle), wie auch Zivilpersonen, auf deren Schicksal ergänzend einzugehen sein wird. 

Nicht berücksichtigt sind die vorherigen Kämpfe zwischen Pleystein und Waidhaus am 24. und 25.04.1945, bei denen es ebenfalls Tote auf Seiten der Wehrmacht wie auch der 90th Infantry Division gab. Brennpunkte waren hier, neben Waidhaus (drei gefallene RAD-Angehörige), die Orte Lohma, Burgtreswitz (wohl sieben Deutsche), Gebhardtsreuth bei Moosbach (wohl vier Deutsche) und Burkhardsrieth (sieben Deutsche). Neben diesen mindestens (!) 21 gefallenen deutschen Soldaten lassen sich acht Namen von US-Soldaten angeben, die zur 90th Infantry Division gehörten.

 

Was speziell die 97th Infantry Division betrifft: Diese Einheit eroberte zwischen dem 25. und 28. April die große Stadt Eger (Cheb). Dabei verlor sie, je nachdem wo man zeitlich und örtlich Abgrenzungen zieht, etwa 36 Gefallene. Während aber die Eroberung von Eger recht bekannt ist, ja zu einem Mythos wurde, sind die jeweils einzelnen, örtlichen Gefechte zwischen Bärnau und Tachau der Öffentlichkeit wesentlich weniger bewusst: Die zwischen dem 30. April und dem 5. Mai hier gefallenen 29 US-Soldaten erreichen fast die Dimension der Totenzahl in der "großen" Schlacht von Eger.

 

A. Verluste der Wehrmacht (grob nach Datum und nach Orten geordnet)

 

Gaul, Rudolf: Uffz., *13.05.1916, +27.04.1945 Neuhäusl/Nove Domky               

Grundl, Karl Otto: Feldw., *16.02.1913, +30.04.1945 Wosant/Bazantov             

 

Elgner, Robert: Hauptwachtmeister, *21.02.1912, +01.05.1945 Albersdorf/Pisarova  

Bartsch, Willi Hermann: Gefr., *18.04.1909, +01.05.1945 Schönbrunn/Studanka (bzw. wohl Albersdorf/Pisarova)

           

Fürlinger, Ernst: Uffz., *12.12.1921, +01.05.1945 Neu-Zedlisch/Nove Sedliste

Kurz, Leo: Uffz., *28.06.1923, +01.05.1945 Pfraumberg/Primda              

Steinke, Johann: Soldat, *14.03.1928, +01.05.1945 Pfraumberg/Primda               

           

Chilian, Rudolf H.G.: Fahnenjunker, *28.11.1922, 01.05.1945 Paulusbrunn/Pavluv Studenec

Wolens, Heinz-Dieter: Fahnenjunker-Feldwebel, *20.04.1925, 01.05.1945 Paulusbrunn/Pavluv Studenec          

Enzenhofer, Franz: Pionier, 34 Jahre alt, *01.05.1945 Paulusbrunn/Pavluv Studenec        

Wißler, Christian A.: Feldw., *15.01.1915, beerdigt am 03.05.1945 in Paulusbrunn/Pavluv Studenec

Kilian, Walter Jakob: Pionier, *06.12.1924, 01.05.1945 Bärnau, am Steinberg                    

Müller, Helmut: Uffz., *07.08.1916, +01.05.1945 Bärnau, am Steinberg, umgebettet Kgst. Hofkirchen

Flaschka, Adolf: *18.09.1910, +01.05.1945 Bärnau, vermutlich am Steinberg, umgebettet Kgst. Hofkirchen

Rakel, Kurt: Pionier, *22.11.1909, +01.05.1945, Bärnau, vermutlich am Steinberg, umgebettet Kgst. Hofkirchen

Betker, Gustav: Pionier, *09.12.1889, 01.05.1945 Bärnau, am Steinberg, umgebettet Kgst. Hofkirchen

Wittwer, Herbert: Pionier, *16.06.1926, +01.05.1945 Bärnau, vermutlich am Steinberg, umgebettet Kgst. Hofkirchen

Kern, Kurt: Pionier, *12.01.1924, + 01.05.1945 Bärnau, vermutlich am Steinberg, umgebettet Kgst. Hofkirchen

Fritsch, Georg: *16.04.1900, +01.05.1945 Molgau/Malkov, umgebettet

Roth, Johann: *17.02.1915, +01.05.1945 Molgau/Malkov, umgebettet

Pollhammer, Georg: *17.10.1921, 01.05.1945 Molgau/Malkov, umgebettet

 

Winger, Emil: *12.03.1905, +02.05.1945, Elsch/Olesna

 

Kienlein, Joseph: Soldat, *30.06.1900, 02.05.1945, +Sorghof/Lucina; Grab: Stiebenreith/Ctibor    

Skupin, Wolfgang Rudi: Arbeitsmann, *22.05.1928, +02.05.1945 Konraditz/Kundratice            

 

Seydel, Johann Gustav: Stabsgefr., *01.04.1915, +02.05.1945 Wurken/Borek                       

Motta, Walter: 12.07.1923, +03.05.1945 Wurken/Borek               

Ruppert, Franz: Volkssturm, *10.11.1896, +03.05.1945 Heiligenkreuz/Chodsky Ujezd (bei Plan)      

Schäfer, Wilhelm: Obergefr., *05.02.1913, +03.05.1945 Galtenstallung/Jalovy Dvur               

Hell, August Josef: Uffz., *21.05.1910, +04.05.1945 Haid/Bor                             

Ciolina, Harald: Gefr., *11.11.1925, +05.05.1945 Ratzau/Racov                

Weber, Wolfgang Georg: Uffz., *17.12.1913, +05.05.1945 Ratzau/Racov            

Ditz, Albin: Schütze, *12.09.1900, +05.05.1945 Innichen/Mchov             

Grünwald, Willi Hermann: Gefr., *11.02.1925, +05.05.1945 Strachowitz/Strachovice – Grab in Pernartitz/Bernartice                

Murr, Anselm: Stabsfeldwebel, *25.03.1903, +06.05.1945 Woschnitz/Bojecnice, im Schulhaus             

Grilz, Robert: Obergefr., *03.01.1924, +11.05.1945 Pernartitz/Bernartice            

 

Medzela, Johann: aus Chodau bei Karlsbad, + in Godrusch/Jadruz, vermutlich 02. oder 03.05.1945               

Hoffmann, Adolf: aus Ostpreußen, + in Godrusch/Jadruz, vermutlich 02. oder 03.05.1945

 

Binder, Franz: *30.09.1910, kein Todesdatum, +Konraditz/Kundratice (Kampfbezug unklar) 

 

Müller, Rudolf: Uffz., *30.06.1922, +03.05.1945 am Poppenreuther Berg/Griesbach

Futterer, Karl-Gustav: Oberwachtmeister, *21.08.1916, +03.05.1945 am Poppenreuther Berg/Griesbach

Hadwiger, Franz: *21.08.1928, April/Mai 1945 bei Poppenreuth/am Poppenreuther Berg

 

B. Ergänzende Hinweise aus der heimatgeschichtlichen Literatur zu gefallenen deutschen Soldaten

Quellen: Hamperl (1997) und Heimatatlas (1973) (bibliograph. Daten s.u.)

 

- Albersdorf/Pisarova: Insgesamt drei Gefallene am 01.05.1945, bestattet an der Straße nach Schönbrunn. S.o.: Elgner, Bartsch – wer war der dritte Tote?

- Drißgloben/Triskolupy: Fünf Gefallene am 02.05.1945. Hierzu liegen keinerlei nähere Anhaltspunkte vor!

- Molgau/Malkov: Die Angaben sind unterschiedlich: Vier Gefallene an der Straße nach Neudorf (Nova Ves), oder acht Gefallene insgesamt; die Rede ist auch von zwei Toten der „Heimwehr“ (Volksturm?). In der Pfarrmatrikel von Molgau sind nur eingetragen: Fritsch, Roth, Pollhammer. Bei einer Ausbettung im Jahre 2013 wurden die sterblichen Überreste von vier Toten gefunden. 

- Strachowitz/Strachovice: Hier sollen ein deutscher Hauptmann, zwei Oberleutnante und zwei Unteroffiziere von den Amerikanern standrechtlich erschossen worden sein. S.o.: Grünwald, Grilz, Ciolina, Weber…?

 - Zummern/Souměř bei Neustadtl/Stráž: zwei Gefallene am 04./05.05.1945. Deren Namen? Eventuell Skupin und Binder, die für Konraditz/Kundratice genannt sind?

- Elsch/Olesna: Vier Gefallene auf dem Höhenrücken östlich der Straße. S.o.: Winger – wer waren die anderen drei Toten?

 - Pfraumberg/Primda: Insgesamt vier Gefallene. S.o.: Kurz, Steinke – wer waren die anderen beiden Toten?

- Wusleben/Bohuslav: Zwei Gefallene. Ihre Namen?

- Tholl/Doly: Drei Gefallene am 05.05., bestattet auf dem Kreuzelberg. S.o.: Hell (Haid/Bor), Ditz (Innichen/Mchov)? Der dritte Tote?

 - Schönwald (Lesná u Tachova): ein Gefallener

- Girnberg (Zadní Milíře, Ortsteil von Brand= Milíře): ein Gefallener des Reichsarbeitsdienstes (RAD)

- Ostrau/Ostrov: ein Gefallener, wurde auf der Hütwiese begraben

- Dehenten/Dehetna: ein Gefallener, stammte aus Wien

- Speierling/Skvirin (3 km östlich von Haid): ein Gefallener

- Ratzau/Racov: drei dt. Soldaten, beim Kampf Richtung Strachowitz gefallen. S.o.: Ciolina, Weber... der dritte?

 

Zusatz: Weitere Tote der Wehrmacht vor den eigentlichen Kämpfen:

Wolf, Paul Willy: Uffz., *05.08.1901, +16.04.1945 Haid/Bor (Tiefflieger)

Willamowski, Alfred: Lt., *23.08.1915, +24.04.1945 Haid/Bor                            

Schüle, Ernst: Schütze, *27.05.1926, +24.04.1945, +Promenhof/Broumov (Unfall bei Redenbach), umgebettet Kgst. Marienbad/Marianske Lazne

Ramsch, Georg J.: Gefr., 25.12.1926, +24.04.1945 +Promenhof/Broumov (Unfall bei Redenbach), umgebettet Kgst. Marienbad

Hinweis: Diese beiden Soldaten fuhren auf eine eigene Mine, noch auf deutschem Staatsgebiet bei Redenbach. Die Einheit nahm die beiden Verunglückten aber mit zum Stützpunkt in Promenhof/Broumov auf heute tschechischem Staatsgebiet. Von dort wurden die sterblichen Überreste wohl in den 1990er Jahren zur Kriegsgräberstätte Marienbad/Marianske Lazne umgebettet.

 

 

C. Verluste der Amerikaner

- 97th Infantry Division "Trident":

Betroffene Teileinheiten: 303rd, 386th und 387th Infantry Regiment sowie 322nd Combat Engineers Battalion.

Soweit bekannt, ist auch die Kompanie des Gefallenen vermerkt: Co. = Company

Hinweis: Fast alle Soldaten waren sofort tot (amtlich: KIA = "killed in action"). Der Vermerk DOW bedeutet "died of wounds", womit schwer Verwundete gemeint sind, die in einem gewissen räumlichen und zeitlichen Abstand nach ihrer Verwundung verstarben. Oft reichte ein einziger Tag für diese Klassifizierung.

 

Butterweck, Earl R.: Pvt, 303rd Inf., 30.04.1945                                     

Foley, Raymond T.: S Sgt, 303rd Inf., 30.04.1945 "Bärnau"                     

Weyhrauch, Wesley W.: Pfc, 303rd Inf., 30.04.1945                                     

Oakey, Alfred J. Jr: Pvt, 303rd Inf, Co. G, 30.04.1945                                    

Padgett, Richard P.: 2nd Lt, 303rd Inf., Co. G, 30.04.1945 "Tirschenreuth"

Janacek, Laddie J.: Sgt, 303rd Inf., Co H, 30.04.1945 (DOW, Datum der Verwundung?)

 

Mascio, John U.: Pvt, 386th Inf., 30.04.1945                                            

Wetzel, William B.: 1st Lt, 386th Inf., Co. B, 30.04.1945                               

Zahler, Artell F.: Pfc, 386th Inf., Co. B, 30.04.1945                                       

Brown, Vincent J.: Pfc, 386th Inf., Co. E, 30.04.1945                                     

Pound, Donald J.: 2nd Lt, 386th Inf., Co. E, 30.04.1945 Wusleben/Bohuslav

Knadjian, Edward: Pfc, 322nd Engineers, Co. B, 30.04.1945                        

 

Bogar, Jack V.: Pvt., 303rd Inf., 01.05.1945                                             

Dean, Lewis: S Sgt, 303rd Inf., 01.05.1945 (DOW, nach Verwundung am 30.04.)

Palli, Bernard A.: Pvt, 386th Inf., 01.05.1945 (trat auf eine Mine)

Ramey, Robert E.: Pfc, 386th Inf., 01.05.1945                                         

Kelley, Virgil D.: Sgt., 97th Recon, 01.05.1945, Paulusbrunn/Pavluv Studenec    

 

Smith, Otto A.: Sgt, 303rd, 02.05.1945 (DNB = "died non battle", d.h. außerhalb des Kampfgeschehens, jedoch im Einsatz)                        

Gerling, Warren: Pfc, 303rd Inf., Co. K, 02.05.1945 "Bärnau-Herrmannsreuth"

Salazar, Wensesloe T.: Pfc, 387th Inf., 02.05.1945 Dehenten/Dehetna (trat auf eine Mine, wurde zunächst im Wald bestattet u. ist in der (deutschen) Sterbematrikel von Hostau eingetragen)

Gillham, Ivan B.: Sgt., 387th Inf., Co. A, 02.05.1945 Konraditz/Kundratice

Podemski, Richard S.: Pfc, 387th Inf., 02.05.1945 Konraditz/Kundratice

Gasper, Thomas M.: Pfc, 387th Inf., Co. K, 02.05.1945 Rindl/Korytany (DOW nach Verwundung am 01.05. zwischen Rindl und Schilligkau/Sidlakov)

 

Clouse, Charles R.: Pvt, 303rd, 03.05.1945                                               

Ramirez, Jesus P.: Pvt, 387th Inf. Co. D, 04.05.1945                                      

Jeffers, Floyd F.: T Sgt, 303rd Inf., 05.05.1945                                         

Ryan, Richard I.: HQ Artillery, 05.05.1945 (DOW - Datum der Verwundung?)

Freehart, Roland J.: 322 Engineers, 07.05.1945 (DNB=died non battle)  

 

- 2nd Infantry Division "Indianhead":

Earley, Walter H.: Pfc, 23rd Infantry Regiment, Company A, 05.05.1945 Wiedlitz (Vidice)

Hurley, Vernon F.: Pfc, 23rd Infantry Regiment, Company  F, 05.05.1945 Sichrowa (Sychrov)

White, Francis N.: Pfc, 23rd Infantry Regiment, Company E, 06.05.1945, vermutlich ebenfalls beim Vorstoß von Weißensulz (Bela) nach Bischofteinitz (Horsovsky Tyn)

 

- weitere:

Roerig, Howard A.: Captain, *16.09.1912, 512th Field Artillery Battalion, 27.04.1945 Neuhäusl/Nové Domky

 

 

Anhang: Die im Kampfraum vertretenen Wehrmacht-Einheiten

Aus den G-2-Reports der 97th und der 2nd Infantry Divisions (einsehbar etwa hier: Link) lassen sich die folgenden Einheiten rekonstruieren, die im Großraum Tachov und Ronsperg (Pobezovice) noch Widerstand leisteten.

 

Größere Einheiten

- 2. Panzerdivision

655. Heeres-Pionier-Brigade: Kam etwa zwei Wochen zuvor aus dem Raum Görlitz und hatte drei Bataillone (das II. blieb im Raum Eger-Cheb). Die Brigade umfasste etwa 650 Mann.  Kommandeure: Major Ostermann, I. Bat.: Lt. Viereck, II. Bat.: Hauptmann Dieckmann. 

 

"Kampfgruppen"

- Zschoch: Kommandeur Major Zschoch, gebildet in einer Artillerieschule bei Pilsen, der 2. Pz.Div. unterstellt, vier Bataillone (in  Grosskonreuth, Wernersreuth, Rosall, Wondreb), laut einem anderen Bericht nur vier Kompanien zu je 100 bis 150 Mann, drei Nebelwerfer, vier 88-mm-Geschütze.

 

Jürgens: Kommandeur Major Jürgens, aufgestellt in Karlsbad (Karlovy Vary, dort seit 29. April. Am 1. Mai in Neustadtl/Straz, zehn Kompanien zu je 100 Mann, laut einem anderen Bericht zwei Bataillone zu je vier Kompanien mit ca. 120 Mann pro Kompanie. Das II. Bataillon lag in Pernartitz/Bernartice, die 2. Kompanie unter Leutnant "Murbben" (?) hatte ihr Hauptquartier in Godrusch/Jadruz, die 6. Kompanie in Dehenten/Dehetna. Am 03. Mai ergaben sich 57 Mann den Amerikanern.

 

 - Weber: Lag in Trohatin/Drahotin und zog sich von dort nach Ronsperg/Pobezovice zurück. Drei Kompanien, zusammen etwa 250 Mann (1. Kompanie: 80 Mann Reichsarbeitsdient=RAD, 2.: 140 Mann RAD, 3.: 30 Mann Wehrmacht).  Einer der Kommandeure war ein Oberleutnant Weber. 

 

- Baarth: Formiert bei Taus/Domazlice etwa eine Woche vor den Kämpfen, vier Kompanien zu je 60 Mann, in Ronsperg/Pobezovice und Trohatin/Drahotin.

- Seidel: in Pfraumberg/Primda

- Kampfgruppen Monschau und Kirsten: der 2. Pz.Div. unterstellt

- Kampfgruppen Winkelmann und Wagner

 

9. Fliegerdivision, 1. und 2. Ersatz-Kompanie: bei Dehenten7Dehetna. Kommandeur der 1. Kompanie: Leutnant Daubner, der 2. Komp.: Leutnant Tunnerer. Jeweils 30 Mann pro Kompanie.

- Kommando Heeresschule II: in Zwirschen/Svrzno

- Einheiten des Reichsarbeitsdienstes (RAD): 2/1035/230 und 7/230 (letzere in Hoslau/Hvozdany)

 

Quellen:

- Heimatatlas des ehemaligen politischen Bezirks Tachau-Pfraumberg. Hg. Heimatkundlicher Arbeitskreis der Tachauer, Geretsried 1973.

- Hamperl, W.-D. (Hg.): Vertreibung und Flucht aus dem Kreis Tachau im Egerland. 1945-1948. Schicksale in Berichten, Dokumenten und Bildern. Band I. Altenmarkt 1997 (hier das von verschiedenen Autoren verfasste Kapitel: Kriegsende im Bezirk Tachau, S.126-220).

- Alphabetical Listing: Battle Deaths of the 97th Infantry Division by Organization as of 30 Juni 1947. CFN-161 (National Archives Records Administration/NARA)

- Combat History of the Second Infantry Division in World War II. Nashville 1979. 

- Internet: Gräbersuche Online des Volksbunds deutsche Kriegsgräberfürsorge; www.findagrave.com u.v.a.


Sinnloser Widerstand entlang der Ostmarkstraße: Die Kämpfe bei Regen-Langdorf, Eppenschlag, Schönberg, Perlesreut und Tittling am 25. April 1945

 

Während sich der Kampf um Regen am 24. April 1945 verhältnismäßig gut rekonstruieren lässt (siehe den Artikel weiter unten auf dieser Seite), spielten sich auch im näheren und weiteren Umfeld Gefechte mit vielen Opfern ab, dies schon am nächsten Tag, dem 25. April. An diesem Tag rückte die 11th Armored weiter nach Osten und Südosten in Richtung Zwiesel und Grafenau vor. Entlang der damaligen ‚Ostmarkstraße’, der heutigen B85, entwickelten sich an mehreren Orten kurze, aber heftige Gefechte, die zu einer hohen Opferzahl führten.

Zunächst ist der Blick auf die Gegend nördlich von Regen zu richten. Der Troop A der 41st Cavalry der 11th Armored Division stieß am frühen Vormittag bei Langdorf vor (fünf Kilometer nördlich von Regen) und traf im Ortsteil Schwarzach auf eine Fahrzeugkolonne der Wehrmacht. Das kurze Gefecht kostete offenbar acht deutsche Soldaten das Leben: 

1. Balke, Hans-Erich: Oberzahlmeister, *01.04.1907 Prenzlau, +25.04.1945

2. Bauer, Franz: Arbeitsmann (RAD = Reichsarbeitsdienst), *21.10.1928 Tann, +25.04.1945

3. Seidnader, Heinrich: Arbeitsmann, *20.04.1928 Moosbach (Niederbayern), +25.04.1945

4. N.N., ein Unbekannter

5. Hoedt, Max Friedrich: Zahlmeister, *03.01.1907 Posen/Schneidemühl, +25.04.1945

6. Langer, Heinz: Oberleutnant, *02.03.1916 Würben, +25.04.1945

7. Schmitz, Franz Josef: Oberzahlmeister, *21.08.1907 Koblenz-Neuendorf, +25.04.1945

8. Osterhage, Fritz: Oberzahlmeister, *01.09.1907 Pillenbruch, +25.04.1945

Es fällt auf, dass allein drei ältere Oberzahlmeister und ein Zahlmeister unter den Toten sind, alle Geburtsjahrgang 1907; ferner zwei 16- und 17-jährige Arbeitsmänner des RAD (Reichsarbeitsdienst) und ein 29-jähriger Oberleutnant. Da auch in Regen am Tag zuvor mehrere (Ober-)Zahlmeister fielen, liegt der Schluss nahe, dass es sich in Langdorf-Schwarzach um Reste dieser Verteidigungstruppe des Oberst Dr. Bingemer handelte. Zahl- und Oberzahlmeister (im Dienstgrad entsprachen sie dem Leutnant und dem Oberleutnant) waren Beamte, aber der Wehrmacht unterstellt und in deren Verwaltung tätig; heute würde man sie in den ‚Höheren Dienst’ eingruppieren. Speziell Oberzahlmeister dienten in der Verwaltung von Pionier-, Nachrichten- und Kraftfahrabteilungen. In der Summe wird klar, dass eine solche Einheit aus Verwaltungsbeamten und Halbwüchsigen den ‚Profis’ der 11th Armored nichts entgegenzusetzen hatte. Die Amerikaner nahmen nach eigenen Angaben auch 140 Gefangene und hatten vermutlich einen Schwerverwundeten zu verzeichnen.

Die acht Gefallenen wurden offenbar vor Ort bestattet und in den 1950er Jahren vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge in die Kriegsgräberstätte Hofkirchen übergeführt und in Gräberreihe 4 beigesetzt. Oberhalb der einzelnen Grabsteine der Toten Bauer, Seidnader, N.N. (Gräber 17-19) und Hoedt, Langer und Schmitz (Gräber 20-22) ist noch eine Tafel angebracht: „Hier ruhen 6 Gefallene. Sie wurden aus einem Kameradengrab geborgen.“ Der Tote Balke (im Zivilberuf Kassenbuchhalter) wurde separat in Grab 16 bestattet; er fiel laut Sterbematrikel seines Geburtsortes (StA Prenzlau 11/1950) 300 Meter ostwärts Langdorf. Im Falle von Fritz Osterhage kümmerten sich offenbar die Angehörigen um eine Überführung in die Heimat im heutigen Nordrhein-Westfalen, denn er fand seine letzte Ruhe in der Kriegsgräberstätte Mülheim/Ruhr.

Hauptsächlich stieß die 11th Armored Division aber entlang der ‚Ostmarkstraße’ (heute B85) nach Südosten vor. In der Nähe der Straße wurde am 27. April bei Rinchnach der Laborant Peter Träxler, geboren am 26.08.1906 in München, tot aufgefunden. Laut Sterbebuch wies die Leiche eine Schussverletzung an der linken Brustseite auf. Ob er Soldat war, ist unbekannt; das Todesdatum kann natürlich früher liegen. Träxler wurde später nach Hofkirchen umgebettet.

 

Konkreteres lässt sich wieder für das etwa fünfzehn Kilometer von Regen entfernte Eppenschlag sagen: Am 25. April traf „Combat Command A“ (CC A) der 11th Armored auf Widerstand in Form von Maschinengewehrnestern und Gewehrfeuer. Zusammen mit dem 41st Tank Battalion, das sich auch dem Beschuss durch Panzerfäuste ausgesetzt sah, musste die Infanterie eingreifen und Eppenschlag erobern; im Ort gingen 15 Häuser in Flammen auf. Sechs deutsche Soldaten fielen:

1. Wegmeyer, Heinrich: Unteroffizier, *23.04.1919 Wahrenholz (Niedersachsen), +25.04.1945

2. Lübbe, Alfred Heinrich: SS-Scharführer, *16.03.1920 Münster, +25.04.1945 (Link zum Sterberegister)

3. Hohrath, Ernst: „Soldat“, *06.04.1902 Wuppertal, +25.04.1945

4. N.N., ein Unbekannter

5. Herbel, Alfred Adolf: „Soldat“, +25.04.1945

6. Weidle, Helmut Ernst: „Soldat“, *13.01.1928 Stuttgart, +25.04.1945

Der bei drei dieser Toten angegebene Dienstgrad „Soldat“ könnte jeweils auch nur eine allgemeine Bezeichnung sein; für Weidle kommt in Frage, dass er Angehöriger des Reichsarbeitsdienstes war. Und sozusagen ausnahmsweise ist die immer wieder zu lesende Behauptung, dass in diesen Endkämpfen durchweg fanatische SS-Soldaten gekämpft hätten, hier einmal richtig, da mit Lübbe zumindest ein SS-Scharführer (Unterfeldwebel) belegt ist. Der Report des 41st Tank Battalions (Link) berichtet aber in erster Linie von fanatischen Halbwüchsigen, die, so liest man fast ein Bedauern, ebenso niedergekämpft werden mussten wie ‚normale’ Feinde, da deren Waffen doch genauso tödlich sein konnten.

 

Dies galt auch für den nächsten Schauplatz: Schönberg. Das Städtchen hatte am selben Tag, dem 25. April 1945, wohl am schwersten zu leiden, als auch hier eine Einheit des Reichsarbeitsdienstes Widerstand zu leisten begann. Diese RAD-Einheit war kurzfristig aus Tittling in Schönberg eingerückt und stammte ursprünglich aus dem heutigen Baden-Württemberg, wie aus der Identität der Toten und aus den Erinnerungen eines 16-jährigen aus dem Raum Reutlingen hervorgeht (bei Fischl, S.49-55): Dieser wurde am 21. März, vier Wochen zuvor, dort zum Reichsarbeitsdienst einberufen; die Einheit wurde sodann mit dem Zug in den Bayerischen Wald verbracht. Wie sich der Mann nach fünfzig Jahren erinnerte, war diese Truppe durchaus gut ausgerüstet. Um seinen Befehl am Ende noch irgendwie irgendwie zu erfüllen, schoss er noch seine Panzerfaust ab und versteckte sich dann die ganze Nacht über in einem Misthaufen. Die Bilanz des kurzen Gefechts in und um Schönberg am 25. April war mit 31 Toten schrecklich: Zehn Zivilisten und 21 deutsche RAD- und Wehrmachtangehörige starben, so schreibt Pfarrer Johann Baptist Bosser (bei Schober, S.1357). Fünf Zivilpersonen wurden „vor Schönberg“ getötet, die anderen in Folge des Luftangriffs auf den Markt, beim Löschen und, so erging es zwei Männern, durch Herzschlag. Laut der ‚History’ der 11th Armored spielten sich die Kämpfe vor allem im Wald südlich von Schönberg ab, wo immer wieder kleine Gruppen, die auch mit Panzerfäusten bewaffnet waren, die Amerikaner angriffen; zudem sei eine Granatwerfer-Stellung einen Kilometer westlich von Schönberg zerstört worden. Dagegen, so der amerikanische Verfasser, habe die Bombardierung des Ortes durch Jagdbomber am späten Vormittag gar keine militärischen Ziele getroffen. Allerdings ist auch die Rede von deutschen „SP guns“, Selbstfahrlafetten (Sturmgeschütze oder ähnliches), die in dem Gebiet operiert hätten. Eine Schilderung aus der Perspektive der deutschen Einwohner gibt Sepp Sager in seinem Buch „Kriegsende 45 und Neubeginn im Bayerischen- und Böhmerwald“ (3. Aufl., 2005). 19 der toten RAD-Männer, fast alles 16- und 17-Jährige, wurden im Friedhof Schönberg beigesetzt; zwei weitere, die man erst später bereits im Zustand der Verwesung gefunden habe, am Ort ihres Todes außerhalb. In der Zusammenschau der Sterbematrikel, der Gräberkartei des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge sowie der Grablagen in der Kriegsgräberstätte Hofkirchen, wohin die meisten der Gefallenen später übergeführt wurden, lassen sich die folgenden Totenlisten erstellen:

In Hofkirchen Reihe 21, Gräber 15 bis 22, ruhen sechs RAD- bzw. Wehrmachtangehörige und zwei Frauen, alle mit Sterbedatum 25.04.1945:

1. Müllerschön, Eugen: *19.11.1928 Urach

2. Stechenfinger, Bruno Richard: RAD-Mann, *02.03.1928 Eningen

3. Schaible, Adolf: RAD-Mann, *19.02.1928 Stuttgart-Feuerbach

4. Häberle, Helmut: RAD-Mann, *15.03.1928 Reutlingen

5. N.N., +25.04.1945

6. N.N., +25.04.1945

7. Adler, Helene Martha: *10.10.1919 Wilkau

8. Salosnig, Franziska: *27.01.1897 Buchelsdorf

Dass auch diese beiden Frauen in die Kriegsgräberstätte gebracht wurden, erklärt sich vermutlich dadurch, dass sie keine Einheimischen waren, sondern auswärtige Hilfsarbeiterinnen.

 

In Reihe 22 wurden bestattet (Gräber 15 bis 26) – alle ebenfalls mit Todesdatum 25.04.1945:

9. Eckstein, Richard: RAD-Mann, *07.10.1927 Schwaikheim

10. Felberg, Werner: RAD-Mann, *06.06.1928 Somborn

11. Finger, Friedrich: RAD-Mann, *19.04.1928 Hornbruck

12. Gerlach, Günther: RAD-Mann, *20.12.1928 Ulm

13. Lebzelter, Günter Willi: RAD-Mann, *12.11.1928 Stuttgart

14. Prexler, Hermann: Unteroffizier, *13.04.1920 Fichtenbach

15. Steinle, Horst: RAD-Mann, *01.06.1928 Stuttgart

16. Schütt, Max Walter: Freiwilliger, *28.07.1928 Stuttgart

17. Weiss, Alois: RAD-Mann, *26.08.1927 Deschenitz

18. Wurster, Hugo: RAD-Mann, *09.09.1928 Dettingen

19. Zerkowski, Hans: RAD-Mann, *26.09.1928 Dortmund-Hombruch

20. N.N.

 Oberhalb dieser zwölf Einzelgräber wurde eine Platte mit folgender Inschrift gesetzt: „Hier ruhen 12 Gefallene. Sie wurden aus einem Kameradengrab geborgen“. Der Unteroffizier Hermann Prexler war offenbar der einzige ‚Nicht-Reichsarbeitsdienstler’ und war zugleich ein aus der Region stammendes Opfer, denn er wurde in Fichtenbach bei Waldmünchen geboren (Haus-Nr. 1). Das auf Tschechisch Bystrice genannte Dorf wurde nach 1945 zerstört und war am 28./29. April selbst Schauplatz mehrstündiger Kämpfe, bei denen sieben Wehrmachtsoldaten fielen (siehe die Unterseite Kriegstote 1945).

 Die Sterbematrikel von Schönberg führt noch drei weitere Gefallene auf, alle ebenfalls mit dem Todesdatum 25.04.1945:

- (22.) Rein, Fritz: RAD-Mann, aus Kirchheim unter Teck (Baden-Württemberg)

- (23.) Schwarz, Heinrich: SS-Schütze

- (24.) Knaupp, Günther: „RAD Tittling“

Diese drei Namen sind zwar nicht auf den Grabsteinen in Hofkirchen zu lesen (und auch nicht in der Gräbersuche erfasst): Es könnte sich aber um die drei dort als Unbekannte Bestatteten handeln; oder die Angehörigen ließen diese Toten vor oder bei der durch den Volksbund erfolgten Umbettung in den 1950er Jahren in die Heimat überführen. Insgesamt kommt man also in der Tat auf 21 gefallene deutsche Soldaten, fast alles RAD-Männer des Jahrgangs 1928 aus dem heutigen Baden-Württemberg, die aus dem RAD-Lager Tittling angerückt waren. In diesem Zusammenhang ist auch auf die Vermisstenbildliste des Roten Kreuzes hinzuweisen, in welcher in Band RA, S.282, für die RAD-Gruppe 391 („mit 2. Abteilung“) drei Vermisste verzeichnet sind, für die als Ort der letzten Nachricht „Tittling“ genannt ist:

- Döhler, Albert: Zollanwärter, *03.01.1927 Berlin, Hauptvormann

- Hermann, Albert: RB-Angest., *10.04.1928 Weilheim/Württemberg, Arbeitsmann 1. Kp.

- Metzger, Karl: Junglandwirt, *26.09.1928 Mössingen/Württemberg, Arbeitsmann 1. Kp.

Vielleicht handelt es sich auch hier um genau die drei Unbekannten, die nach ihrem Tod bei Schönberg nicht identifiziert werden konnten. Auffallend ist jedenfalls auch hier die Herkunft aus Württemberg. – In Saunstein, knapp zwei Kilometer nordwestlich von Schönberg gelegen, verstarb am 26.04. der lettische Soldat Gunars Kuskis (*31.03.1924 in Wolmar, Lettland). Er war Kraftfahrer im Dienst der Wehrmacht und wurde zunächst in einem Garten bestattet, später ebenfalls umgebettet. Ob ein Bezug zu den Kampfhandlungen besteht, ist nicht bekannt.

Die ‚History’ der 11th Armored erwähnt starke Tätigkeit deutscher Flugzeuge an diesem Tag, nämlich 35 Einsätze. Westlich von Freyung schoss eine P-51 ein deutsches Jagdflugzeug ab, und das 575th ‚Anti Aircraft Battalion’ will sogar fünf deutsche Flugzeuge an diesem Tag abgeschossen haben. Für den Raum um Schönberg lässt sich mit amtlichem Datum 26.04. zunächst einmal der Verlust von zwei Maschinen belegen, deren Piloten ums Leben kamen: Einer Fw 190 A-8, geflogen von Unteroffizier Bologna bei Ringelai, und einer Maschine desselben Typs geflogen von Oberfähnrich Milhauser (siehe unten) bei Perlesreuth (Dill S.943).

Doch auch mit dem Gemetzel von Schönberg waren die Kämpfe an diesem 25. April noch nicht zu Ende: Auch in das knapp zehn Kilometer südöstlich von Schönberg gelegene Perlesreut stieß die 11th Armored Division noch vor. Laut Pfarrer Anton Reitmeier (bei Schober, S.662) waren auch in Perlesreut junge Reichsarbeitsdienstler im Einsatz, außerdem eine Transporteinheit. Über den Ablauf der Gefechte, die sich vor allem weiter südlich, in Eisenbernreut, Atzlsdorf, Loizersdorf und Fürsteneck abspielten, ist nichts Näheres bekannt. Jedoch lassen sich auch hier die Namen der Opfer auf deutscher Seite angeben. Fünf tote RAD-Männer wurden laut dem Bericht des Pfarrers am westlichen Eingang von Perlesreut gefunden. Drei weitere fielen bei Eisenberneut, zwei Kilometer südlich. Diese acht Toten wurden zunächst in zwei Sammelgräbern beigesetzt und in den 1950er Jahren ebenfalls nach Hofkirchen umgebettet. Ausgehend von den Grablagen in der Kriegsgräberstätte lassen sich sieben Tote feststellen (Reihe 16, Gräber 3 bis 7):

1. Asmussen, Heinrich Willi: Oberst-Feldmeister, *06.10.1911 in Kiel-Gaarden, +27.04.1945

2. Heidt, Wilhelm Jakob: RAD-Arbeitsmann, *28.05.1928 Auenheim, +27.04.1945

3. Keller, Werner: RAD-Arbeitsmann, *22.03.1926 Rastatt, +27.04.1945

4. Kopp, Hans-Karl: RAD-Arbeitsmann, *24.12.1928 Steinbach, +27.04.1945

5. Korts, Gerhard: Oberfeldmeister, *15.01.1911 Rastatt, +27.04.1945

6. N.N.

7. N.N.

Auf den Grabsteinen ist der 27. April als Todesdatum vermerkt, was jedoch das Datum der Bestattung sein dürfte; in der Sterbematrikel von Perlesreut steht das eigentliche Todesdatum, der 25. April. Mit Asmusen und Korts kamen hier zwei Offiziere des RAD-Führungspersonals ums Leben. Die Matrikel führt noch zwei Unbekannte, einen Soldaten und einen Arbeitsmann, mit Todesdatum 25.04. auf. Hierbei dürfte es sich um die beiden Toten Nr. 6 und Nr. 7 handeln, die in den Gräbern 8 und 9 unmittelbar neben Korts begraben wurden.

Ebenfalls aus Perlesreut umgebettet wurde der Oberfähnrich Ottmar Milhauser aus Wien vom Jagdgeschwader 300, der in seiner Focke-Wulf 190 bei Perlesreut im Luftkampf abgeschossen wurde. Auch die Bevölkerung hatte Todesopfer zu verzeichnen: Der 16-jährige Josef Resch war als Meldefahrer eingesetzt und kam bei Haiblmühle um. Bei Hatzerreut wurde der 24-jährige Josef Manzenberger getötet, der sich gerade zufällig auf dem Rückweg vom Reservelazarett Fürstenzell in seinen Heimatort Schönbrunn befand. Der 75-jährige Johann Girmindl soll von der „SS“ erschossen worden sein.

 

In Fürsteneck, genauer gesagt in den Ortsteilen Atzlsdorf und Loizersdorf, fielen laut dem Bericht des Pfarrers drei deutsche Soldaten. Dies deckt sich mit folgenden Grablagen in Hofkirchen, Reihe 27, Gräber 2 bis 4:

1. Hartlieb, Johann: SS-Rottenführer, *10.07.1919, +26.04.1945 in Loizersdorf

2. Page, Rudolf: Grenadier (SS?), *07.11.1927 in Würzburg, +26.04.1945 in Loizersdorf

3. Wiesbauer, Alois: Schütze, *10.04.1910 in Geinberg (Österreich), +28.04.1945 in Atzlsdorf

Auch hier dürfte jeweils das tatsächliche Todesdatum der 25. April sein.

Zudem kamen in Fürsteneck der 51-jährige Arbeiter Josef Lerchl und der 15-jährige Alfred Bildl durch den Beschuss ums Leben; der Kaufmann Heinzl wurde von den Amerikanern erschossen.

Pfarrer Reitmeier schreibt, dass in Fürsteneck auch ein US-Soldat fiel. Hierbei dürfte es sich um Harold M. Veal von der B Company des 21st Armored Infantry Battalion (AIB, vergleichbar mit einem Panzergrenadierbataillon) handeln, der am 08.03.1921 in South Carolina geboren worden war. Veal ist der einzige Tote, der in den „Morning Reports“ dieses Battalions ausdrücklich für den Raum Perlesreut genannt wird. Darüber hinaus hatte die B Company zwölf Verwundete, davon drei schwer Verwundete. Diese Angaben beziehen sich aber auf den ganzen 25. April und können somit auch die vorherigen Gefechte bei Eppenschlag und Schönberg beinhalten; nicht auszuschließen ist, dass in dieser Zahl auch Nachmeldungen vom Vortag, als in Regen gekämpft wurde, enthalten sind. Dieser Sachverhalt gilt auch für die A Company, die am 25.04. fünf Verwundete meldete, darunter drei schwer. Die C Company meldete einen leicht Verwundeten. Insgesamt  ist also als Zwischenfazit für die Infanterie von 18 verwundeten US-Soldaten auszugehen, eine nicht gerade geringe Anzahl.

Schwerer traf es die US-Artillerieeinheiten, die ja eigentlich nur selten direkt an der Frontlinie kämpften, jedoch zusammen vier Tote zu verzeichnen hatten. Das 491. Field Artillery Battalion verlor am 25. April zwei Soldaten durch „enemy gunfire“:

- Nusbaum, Walter A., Dienstgrad: Tec5 (Technician Fifth Grade / Corporal), C Company, *1920

- Dake, James Robert, Dienstgrad: Corporal, A Company, *1922

Todesursachen waren Verwundungen im Brustbereich und im Nacken. Weitere fünfzehn US-Soldaten dieser Einheit wurden verwundet und zwei Fahrzeuge ausgeschaltet. Nach eigener Einschätzung war dies der verlustreichste Tag für die 491st Field Artillery. Was genau geschah und vor allem wo, ist nicht bekannt. Somit wäre man insgesamt bei drei Toten und 33 Verwundeten für den 25. April.

Das ebenfalls der 11th Armored zugeordnete 492. Field Artillery Battalion hatte am nächsten Tag, dem 26. April, ebenfalls zwei Tote, beide von der B Company:

- Brock, William J., Dienstgrad: Pfc (Gefreiter), *15.09.1912, aus Oklahoma

- Torian, David N., Dienstgrad: Private (Soldat), *31.10.1921, aus Arkansas

Ein weiterer GI wurde verwundet. Dieses Artilleriebataillon hatte am Morgen des 26. April von Perlesreut nach Prassreut verlegt, von wo aus nun Waldkirchen beschossen wurde (acht tote Zivilisten). Während des Vormarsches kamen die GI’s Brock und Torian ums Leben, möglicherweise durch einen deutschen Tieffliegerangriff. Mit dem Datum 27.04.1945 ist der Abschuss der Bf 109 von Ulrich Grosse (*23.10.1922 in Ulm-Grimelfingen) belegt; der tote Pilot wurde zunächst im Friedhof Waldkirchen bestattet und später ebenfalls nach Hofkirchen umgebettet.

 

Insgesamt lässt sich für diesen 25. April festhalten, als die 11th Armored Division, die nicht umsonst den Beinamen „Thunderbolt“ (Donnerblitz) trug, kraftvoll über Regen hinaus vorstieß: Bei Langdorf, Eppenschlag, Schönberg und Perlesreut fielen mindestens 48 deutsche Soldaten (in Worten: achtundvierzig!). Davon war etwa die Hälfte RAD-Arbeitsmänner des Jahrgangs 1928.

Doch ist dies nicht die gesamte Bilanz, weder für die nähere Umgebung in Niederbayern noch für ganz Ostbayern. So berichtet der Pfarrer von Haidmühle (Dekanat Waldkirchen) Moritz Meisel (bei Schober, S.1544), dass am 25. April in Bierhütte-Hohenau, einem zwischen Grafenau und Freyung gelegenen Ort, drei Studenten der Oberschule Koblenz fielen, die aus dem örtlichen Lager der Kinderlandverschickung (!) kurzfristig zur Verteidigung abkommandiert wurden. Ihre Namen lauten vermutlich: Walther Arntz (*30.03.1929), Walter Ernst Faßbender (*20.02.1928) und Josef Johannes Münzel (*16.08.1929). Rechnet man nun auch die Toten des Kampfes um Regen am Vortag, dem 24. April, hinzu (23 gefallene Soldaten), außerdem die mindestens drei abgeschossenen Piloten, kommt man bereits auf mindestens 77 tote deutsche Soldaten zwischen Regen und Perlesreut am 24., 25. und 26. April 1945. Die Anzahl der zivilen Opfer beträgt am 25. April mindestens 16, zusammen mit den in Regen am Vortag Getöteten 33.

 

Doch auch in Tittling spielten sich zwischen dem 24. und dem 29. April heftige Gefechte ab, die das Gesamtbild erst abrunden. Das Geschehen wurde von Michael Fischl in dem Sonderheft „Die Amerikaner kommen. Frühjahr 1945“ der Reihe „Archiv für das Dreiburgenland“ (Heft 6), erschienen bei Dorfmeisterdruck Tittling im Jahre 1995, auf 72 Seiten umfassend dargestellt. Eine Kurzfassung findet sich hier (Link).

 Am 25. April, dem Tag der Kämpfe zwischen Schönberg und Perlesreut, wurden die Amerikaner vor Tittling zunächst zurückgeschlagen, was sogar der allgemeine Wehrmachtbericht erwähnte. In den darauffolgenden Tagen wurde vor allem bei Hörmannsdorf in den Wäldern gekämpft. Die endgültige Einnahme von Tittling erfolgte erst am 29. April durch das 104th Infantry Regiment der 26th US Infantry Division („Yankee“).

Da die meisten der bei Tittling gefallenen deutschen Soldaten ebenfalls in die Kriegsgräberstätte Hofkirchen übergeführt wurden, ergibt sich in der Zusammenschau mit dem Sterbebuch der Pfarrei (Auszüge bei Fischl, S.17; vgl. Link hier zum Sterberegister) folgende Liste:

1. Höritzauer, Franz: Obergefreiter, *28.02.1914 Braunau/Inn, +30.04.1945 Tittling

2. Auringer oder Auinger, Johann: Grenadier, *07.04.1907 Enns, +29.04.1945 Tittling

3. Rautenberg, Erich: Obergefreiter, +29.04.1945 Tittling

4. Binder, Johann: Obergefreiter, +29.04.1945 Tittling

5. Jung, Wendelin: Sturmmann, *15.08.1925 Reistingen (Dillingen), +24.04.1945 Tittling

6. Christ, Johann Jacob: Grenadier, *16.07.1927 Pirmasens, +24.04.1945 Tittling

7. Ortmann, Matthias-Theodor: *04.03.1925 Köln-Lindethal, +24.04.1945 Tittling

8. Richter, Wilhelm: Sturmmann, *05.02.1925, +24.04.1945 Tittling

9. Schlecht, Kurt: Grenadier, *05.06.1927 Kirchhain (Hessen), +24.04.1945

10. Schicht, Ludwig: Grenadier, +24.04.1945

11. Dallinger, Rudolf: Grenadier, *02.05.1925 Diersbach, +25.04.1945

12. Hammer, Rudolf: Sold., + April 1945, Tittling (angeblich SS-Mann u. 17-jähriger Student aus Niederösterreich)

Diese Toten wurden in Hofkirchen Reihe 13, Gräber 58 bis 69, in dieser Reihenfolge bestattet. Die Dienstgrade „Sturmmann“ und „Grenadier“ lassen hier auf eine SS-Truppe schließen, doch kämpften parallel ‚normale’ Wehrmachtsoldaten. Die Toten Nr. 9, 10 und 11 sind zwar nicht in der bei Fischl zu findenden Aufstellung erfasst, dürften aber ebenfalls im Raum Tittling gefallen sein. Dies, zumal es weitere Kämpfe gab, wie das kirchliche Sterbebuch (bei Fischl, S.17) erwähnt:

- In Hörmannsdorf fielen am 25. April sechs „SS-Soldaten“, die ebendort beerdigt wurden.

- Am 30. April wurden ein Polizist und zwei Soldaten beerdigt, ferner zwei von der SS in Lanzendorf am 26. April Erschossene (der russische Zwangsarbeiter Michael Dichtjarjenko, 19 Jahre alt, und die polnische Landarbeiterin Michalina Jakonis – diese wurde später nach Neumarkt/Obpf. übergeführt).

- Im Gföret bei Gehersberg sollen sechs SS-Soldaten „aufgehängt“ worden sein (?).

- Am 3. Mai wurde eine Ungarin beerdigt.

- In Eisensteg fielen (wohl am 29. April) drei Soldaten, die in Fürstenstein beerdigt wurden – für Eisensteg lässt sich sicher belegen: Josef Adam Schmitt, *19.04.1920 in Schloßborn/Hessen, +29.04.1945, Einheit: 1. Kompanie, Pionierbataillon 211.

- Am 29. Mai wurden im „Schachert“, einem Wäldchen, das unmittelbar an Hörmannsdorf angrenzt, weitere tote SS-Soldaten gefunden und vor Ort beerdigt (eine genaue Zahl ist nicht genannt).

- Am 25. April starben bei einem Tieffliegerangriff vor Tittling ein HJ-Führer und eine BDM-Führerin.

 

Unter diesen weiteren, namentlich nicht bekannten Toten, vor allem den sechs bei Hörmannsdorf Gefallenen, könnten die folgenden sein, die in Hofkirchen Reihe 14, Gräber 69 bis 76 in folgender Reihenfolge ruhen:

1. Hammer, Rudolf: + April 1945, „Soldat“, Tittling (steht laut Fischl im Sterbebuch)

2. Waltenspiel, Bernhard: *17.11.1894 Semlin-Franztal, +19.04.1945

3. N.N., Soldat, + April 1945

4. Lulling, Johann-Peter: *12.08.1917, + April 1945 (Grabstein: 25.04.1945)

5. Berning, Otto: Grenadier, +25.04.1945 Tittling (Link zum Sterberegister von Tittling)

6. N.N., Soldat, +April 1945

7. Thrise, Philipp (oder „Triese“/ „Thriß“): +22.04.1945

8. Weckesser, Ernst: Uffz., *17.11.1911 Tauberbischofsheim, +24.04.1945

 Für die Toten Hammer (Nr. 1) und Berning (Nr. 5) ist der Todesort „Tittling“ sicher belegt (Sterbebuch, bei Fischl; Sterberegister von Tittling).

Man wird also nicht fehlgehen, wenn man man von bis zu zwanzig gefallenen Wehrmacht- und SS-Angehörigen ausgeht, die zwischen dem 24. und 29. April in und um Tittling ums Leben kamen. Rechnet man diese Zahl mit ein, kommt man auf fast 100 Gefallene für den Raum zwischen Regen, Schönberg und Tittling, sprich der Route entlang der „Ostmarkstraße“, vor allem am 24. und 25. April.

Die amerikanische 11th Armored Division verlor 15 Tote, wenn man den am 24. April bei Hörmannsdorf gefallenen Pfc James M. Bishop (*17.02.1926 in Alabama, Link mit Foto hier) mit einbezieht sowie den am 26. April in Wollaberg/Jandelsbrunn bei Waldkirchen gefallenen Corporal William H. Zimmer (*11.03.1917): Auch dies ist für nur drei Tage eine nicht unerhebliche Anzahl.

Doch damit war das Sterben noch nicht zu Ende, wie einige weitere Hinweise zeigen: Bei Oberpolling (südwestlich Tittling) fielen am 29. April vier deutsche Soldaten, am selben Tag in Kringell bei Hutthurm vier Amerikaner. Als sich dann die 11th Armored Division ihren Weg nach Österreich bahnte, wurde sie im Grenzort Wegscheid nochmals kurz aufgehalten. Die deutschen Verteidiger schossen fünf Panzer des 22nd Tank Battalions ab, hatten aber selbst 32 Gefallene zu verzeichnen. Die Verluste auf amerikanischer Seite betrugen in Wegscheid fünf Tote.

 

Literatur:

Dill, Harald G. / Hetz, Karlheinz: Luftkrieg von Aschaffenburg bis Zwiesel. Ein militärisch-technisches Feature zur Heimatgeschichte Nordbayerns. Weißenstadt 2014 (3 Bde.).

Fischl, Michael (Hg.): Die Amerikaner kommen. Frühjahr 1945. Archiv für das Dreiburgenland, Heft 6. Tittling 1995.

Haberl, Georg u. Fricke Walburga: Anfang und Ende des Tausendjährigen Reiches in Ostbayern. Band 2. Neckenmarkt u.a. 2009.

Sager, Sepp: Tagebuch. Kriegsende '45 und Neubeginn im Bayerischen- und Böhmerwald (zwischen Donau und Böhmen). Eine Dokumentation über die Jahre 1945/46. Schönberg, 3. Aufl. 2005.

Schober, Claudia: Die Berichte der Seelsorger des Bistums Passau nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1945). Dissertation Universität Passau 2017.

(online: https://opus4.kobv.de/opus4-uni-passau/frontdoor/index/index/docId/490)

Steward, Hal D.: Thunderbolt. The History of the Eleventh Armored Division. Washington/D.C. 1948.

 

Internetseiten:

- www.11tharmoreddivision.com

- www.volksbund.de (Gräbersuche Online)


Kriegstote im April 1945 im Raum Cham und Bad Kötzting

 

Update 22.02.2021: Uffz. Brendecker oder Brandecker, +26.04.1945 bei Wölsting-Chamerau, Flugzeugabschuss (siehe unter "23.-26.04.1945")

 

Die Rubrik „Kriegstote 1945“ auf dieser Internetpräsenz stellt die Kriegsopfer im Raum Waldmünchen, Furth im Wald und Domažlice zusammen: Dort, wo vor allem die 90th Infantry Division gegen die 11. deutsche Panzerdivision kämpfte.

Die folgende, vorläufige Auflistung bietet eine ergänzende Zusammenstellung der Kriegsopfer für den Raum Cham und Kötzting. In Cham rückte am 23. April 1945 die 11th Armored Division „Thunderbolt“ gegen nur geringen Widerstand ein. Dabei wurden auch Tausende von KZ-Häftlingen befreit. Die Existenz eines Lazaretts in Cham macht es in einigen Fällen schwer festzustellen, welche Personen dem unmittelbaren Kriegsgeschehen vor Ort zum Opfer fielen. Es muss auch gesagt werden, dass eine ganze Reihe deutscher Soldaten durch Übergriffe starben, vor allem in Untertraubenbach und im Raum Pösing-Roding.

Den Raum Kötzting besetzte in den folgenden Tagen die 90th Infantry. Von Interesse ist hier vor allem ein Gefecht in Lohberg am 29. April.

Wie in der Rubrik „Kriegstote 1945“ sind diejenigen Todesfälle, für die es keine hundertprozentige Bestätigung aus offiziellen Quellen (Sterbebücher der Standesämter und ggf. Pfarreien; Auskünfte des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge; Stadtarchive Cham (Bestand Stadt Cham 060 und 554; Gemeinde Loibling 024) und Bad Kötzting (Bestände 060 und 061) gibt, mit einem Sternchen * gekennzeichnet. Einen guten Überblick über das Geschehen in der Stadt Cham und im näheren Umfeld bietet: Timo Bullemer, Das Kriegsende in Cham. Ereignisse und Entwicklungen. November 1944 bis Mai 1945, Cham 2005.  

Die Auflistung ist vorläufig, aber wohl relativ komplett.

 

Dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge gilt mein hauptsächlicher Dank für die vielen Informationen zu Opfern und Grablagen.

 

Die Nachforschungen zu den Verlusten der Amerikaner sind noch nicht abgeschlossen. Jedoch bewegt sich deren Anzahl vermutlich nur im einstelligen Bereich: 

  • Im Raum Miltach oder Blaibach wurde am 25. April der Major Joseph M. Boucher, Bataillonsführer im 101st Infantry Regiment der 26th Infantry Division, durch einen Kopfschuss getötet.
  • Bei Windischbergerdorf könnte ein weiterer GI der 26th Infantry Division gefallen sein, worauf Zeitzeugenberichte schließen lassen könnten.
  • Im Raum Lohberg fiel am 30. April Pfc Jack W. R. Greene (357th Infantry Regiment der 90th Infantry Division) im Gefecht.
  • Am 26. April starb in Cham durch einen Unglücksfall Corporal Kenneth H. Brodersen vom 773rd Tank Destroyer Battalion, das der 90th Infantry Division zugeordnet war: Als er sich am Maschinengewehr seines Panzers hochhangeln wollte, löste sich ein Schuss.

 

23.04.1945

 

a) deutsche Soldaten

 1. Stadtbereich Cham:

- N.N., angeblich SS-Mann, gefallen in Cham (Ludwigstraße), bestattet in der Kriegsgräberstätte Cham

*- N.N., gefallen in Altenmarkt (Firmengelände Fa. Quoos)

*- N.N., in Altenmarkt erschlagen (vgl. auch 25.04., N.N., bestattet in Chammünster)

 - Holzer, Otto (Kraftfahrer, 1. Kompanie Kf.Ers.Abt. 20), *18.07.1901 in Schiffweiler, umgekommen in Ried-Janahof

- Dietzsch, Paul Hermann (Oberscharführer), *06.07.1893 Mylau/Reichenbach, umgekommen in Michelsdorf

- Follert, Heinz: Flugzeugführer (Flugzeugführer-Schule Stettin 118), *05.04.1923 Oberkerbswalde, gefallen bei Haidhäuser / Michelsdorf. Vermutlich Flugzeugabschuss.

Die Toten Holzer, Dietzsch und Follert wurden zunächst im Friedhof Chammünster bestattet und im Jahre 1956 nach Hofkirchen umgebettet.

 

2. In Katzbach-Loibling:

In Katzbach beim Cham fielen am 23. April vier deutsche Soldaten im Kampf, die zunächst in der Ortsmitte bestattet wurden. Im Jahre 1952 erfolgte die Überführung in die Kriegsgräberstätte Regensburg.

- Verkamp (oder Veerkamp), Bernhard (Flieger, 6. Kompanie Volksgrenadierregiment 706; ursprünglich offenbar 1./Flieger-Ersatz-Abteilung 11), *12.12.1916 in Gladbeck

- Eder, Martin (SS-Schütze, Röntgensturmbann Erlangen), *23.18.1894 Level bei Meschen (Ungarn)

- Tschinkel, Camillo (Wachtmeister, Nachr.Ers.u.Ausb.Abt. 10, 2. Funkkompanie), *09.06.1917 in Leipzig

- Fiedler, Wilhelm (1./Bau-Btl. 627), *15.06.1919 in Pöggstall

 

b) deutsche Zivilpersonen

Am 23.04. durch amerikanischen Beschuss in Wetterfeld getötet:

- Klein, Katharina

- Bauer, Johann

 

 

23. und 24.04.1945: Untertraubenbach, Thierlstein, Pösing, Wetterfeld

 

a) deutsche Soldaten

 

Eine größere Anzahl deutscher Soldaten, wohl 18, kam am 23. und 24. April in Untertraubenbach und Thierlstein ums Leben. Darunter befanden sich SS-Angehörige der Wachmannschaft des KZ Flossenbürg, die einen Todesmarsch mit noch hunderten Todesopfern vor sich hertrieben, aber auch zufällig anwesende Wehrmachtangehörige auf dem Rückzug. Laut einem Zeitungsbericht der Chamer Zeitung vom 25. April 1995 starben zwölf deutsche Soldaten im Zuge gewaltsamer Übergriffe und Plünderungen; drei sollen im Kampf gegen die 11th US Armored Division gefallen sein. Bei weiteren Plünderungen (in Untertraubenbach?) sollen zwei Soldaten erschlagen und einer erschossen worden sein. Somit käme man auf 18 Tote, was mit der folgenden Auflistung übereinzustimmen scheint, welche sich aus den Grablagen in der Kriegsgräberstätte Hofkirchen ergibt: Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge bettete um 1955 aus Thierlstein und Untertraubenbach insgesamt 15 Tote nach Hofkirchen um.

 

Todesdatum 23. April, vermutlich im Kampf gefallen:

- Krämer, Hermann: Oberleutnant zur See, *13.04.1921 Wilhelmshaven

- Weinert, Josef: *14.08.1919 Hindenburg, Truppenteil: Ergänzungs-Jagdgeschwader 2, Stab u. Ausbildungsstaffel

- Eggenhaus, Josef: Stabsfeldwebel, *25.11.1906

- Alexander, Maximilian: OGefr., *11.04.1906 Regensburg

 

Todesdatum 24. April:

- Nitsche, Fritz: Hauptmann, *30.01.1894 Stettin

- N.N.

- Stader, Werner: OGefr., *20.05.1916 Nerdingen

- Jochum, Karl: SS-Scharführer, *20.12.1897 Augsburg

- Sprotte, Rudolf: *15.03.1904

- Sander, Adolf: SS-Oberscharführer, aus Schönbrunn/Eger

- N.N.

- Piepenstock, Fritz: *16.08.1904 Lüdenscheid, SS-Unterscharführer, gehörte der SS-Wachmannschaft des KZ Flossenbürg an

- Sitz, Manfred: Oberleutnant zur See, *16.09.1921 Swinemünde

- N.N.

- Turek, Manfred: Gefr., *23.12.1923

 

Mindestens zwei weitere Wehrmachtangehörige, die am 23. April offenbar in Thierlstein umkamen, wurden in die Kriegsgräberstätte Treuchtlingen überführt:

- Skowronski, Bolislaus: Stabsgefreiter, 3. Kompanie Flieger-Ausbildungs-Regiment 82, *12.01.1919 in Dortmund, +23.04.1945

- Bode, Heini: Uffz., *18.05.1922 Wittmar, +23.04.1945 Thierlstein, laut Sterbeurkunde "durch Überfall"

 

Ein Bericht des Pfarrers von Untertraubenbach lässt vermutlich noch zwei Tote anführen:

? - N.N., im Fluß Regen angeschwemmt

? - N.N., Erkennungsmarke aufgefunden: „6760 3.Inf.Ers.Batl. 390“

 

Weitere Tote gab es bei Pösing und Wetterfeld, vermutlich weit über 40. Einige fielen wohl im Kampf, der überwiegende Teil starb jedoch nach der Gefangennahme durch gewaltsame Übergriffe. Die allermeisten blieben unbekannt, weil den Toten die Papiere abgenommen wurden. Alle diese Toten wurden ebenfalls in die Kriegsgräberstätte Hofkirchen umgebettet und ruhen dort in Reihe 35. Identifizieren ließen sich lediglich: 

- Stockfisch, Günther Ernst Hermann: *18.11.1888 Hohensalza, +24.04.1945, Marine-Unterbereichsführer

- Jerchel (oder Jerschel), Wolfgang: *30.10.1891 Liegnitz, +24.04.1945 Pösing, Kapitän zur See, war Kommandant der Seeverteidigung Nordgriechenland

- Kaeckell, Emil Siegfried Theodor: *27.03.1921 Kiel, +23.04.1945 zwischen Wetterfeld und Pösing, Oberleutnant der Reserve

- Berns, Dietrich Peter: *18.12.1896 Neukirchen, +24.04.1945 Pösing, SS-Oberscharführer

 

b) deutsche Zivilisten

Durch amerikanischen Beschuss am 23. April in Untertraubenbach getötet:

- Hötzl, Walburga (Hausname „Bartlin“)

- Weigl, Theres 

- Weigl, Marie

 

24. April

 

a) deutscher Soldat

- Köhler, Werner: Uffz., umgekommen in Cham-Janahof, bestattet im Friedhof Chammünster (Gruppengrab), von dort 1956 nach Hofkirchen umgebettet

 - Schlecht, Xaver: Feldwebel (stammte aus Rattenberg/Niederbayern), bei Miltach von US-Soldaten erschossen, als er den Fluss Regen überqueren wollte; amtliches Todesdatum: 06.05.1945; bestattet in der Kriegsgräberstätte Nürnberg-Südfriedhof

 

23. bis 26.04.1945

 

- N.N., umgekommen am 23. oder 24.04.1945 in Cham-Michelsdorf, best. im Friedhof Chammünster (Gruppengrab), von dort 1956 nach Hofkirchen umgebettet (vgl. unter 23.04.)

- Schuster, Siegfried Karl Walter: Oberleutnant der Luftwaffe, *21.07.1916 in Kreischa/Dresden, +25.04.1945, Truppenteil: I. Fl.Ausb.Rgt. 61, gefallen beim Abschuss seines Flugzeugs, bestattet in der Kriegsgräberstätte Cham

- Brendecker oder Brandecker, Gerhard: Unteroffizier, *04.07.1922 in Hamburg-Rissen, +26.04.1945, Truppenteil: Jagdgeschwader 52, vermutlich gefallen beim Abschuss seines Flugzeuges bei Wölsting, bestattet in Chamerau, von dort nach Hofkirchen umgebettet. - Wölsting liegt an der B85 zwischen Cham und Chamerau.

 

25.04.1945

 

a) deutsche Soldaten

- N.N., umgekommen in Altenmarkt, bestattet im Friedhof Chammünster (Gruppengrab), von dort 1956 nach Hofkirchen umgebettet

- Götz, Georg Peter: *29.08.1889 Bayreuth, Soldat, umgekommen beim Wirtshaus bei Michelsdorf, bestattet im Friedhof Chammünster (Gruppengrab), von dort 1956 nach Hofkirchen umgebettet

 

b) andere

- Mathys, Egid Albert: aus Belgien (*02.11.1916 St. Nikolaus/Liège), beim Einmarsch der Amerikaner in Blaibach durch einen Kopfschuss getötet, erstbestattet im Friedhof Blaibach

 

26.04.1945

 

a) deutsche Soldaten

- Morgenthaler, Wilhelm: *15.04.1927 in Mainz, vermutlich gefallen in Windischbergerdorf, im dortigen Friedhof bestattet, 1956 nach Hofkirchen umgebettet

- Steneberg, Jürgen: Oberfähnrich, *09.08.1924 in Marburg/Lahn, bei Haderstadl tödlich abgeschossen, 1. Staffel Jagdgeschwader 27 (Me-109 K4), bestattet in Chammünster (Einzelgrab), 1956 umgebettet nach Hofkirchen

 

- Mörsch, Horst Franz Alex: *01.03.1927 in Homburg/Saar, gefallen/umgekommen in Lichteneck (Thenried), in einem Feldgrab bestattet, 1952 in die Kriegsgräberstätte Regensburg umgebettet

- Hachmann, Georg:  Unteroffizier, *27.03.1922 in Litzmannstadt, gefallen/umgekommen in Lichteneck (Thenried), bestattet in einem anderen Feldgrab, 1952 in die Kriegsgräberstätte Regensburg umgebettet

 

b) deutsche Zivilpersonen

- Steininger, Ludwig (Kind): im Sandhölzl zwischen Tasching und Vilzing, durch Explosion einer Panzerfaust tödlich verwundet, bestattet im Friedhof Chammünster (Bericht in der Mittelbayerischen Zeitung hier)

 - (Datum nicht gesichert): N.N. (Kind), in Blaibach durch Fundmunition tödl. verwundet

 

27.04.1945

 

- Kuhn, Alois: Hitlerjunge, *20.06.1929, wohnhaft in Ermershausen/Mittelfranken, in Kötzting-Gehstorf von US-Truppen beim Davonlaufen erschossen

  

28.04.1945

 

a) deutsche Soldaten

- Reimann, Josef Maria: Oberschirrmeister bzw. Uffz., *14.03.1915 in "Niederpfaffenberg" (korrekt wohl: Niederpfaffendorf, bei Markersdorf/Görlitz), gefallen in Reitenstein bei Kötzting, zunächst in einem Feldgrab bestattet, dann nach Hofkirchen umgebettet.

Dies war das bekannte Gefecht bei Grub, als die 345th Field Artillery (90th Infantry Division) nachts ein Waldgelände beschoss, und zwar durch den nur selten praktizierten Direktbeschuss, als angeblich 200 Feinde einen Angriff versuchten. Das übliche Problem: Die amerikanischen Quellen behaupten, ein "SS-Offizier" oder, wahlweise, ein deutscher "Hauptmann" sei getötet worden; im After Action Report ist von "several" (mehreren) toten Gegnern die Rede. Tatsächlich lässt sich sicher nur der o.g. Oberschirrmeister sicher nachweisen. Soldaten mit diesem Dienstrand waren z.B. für den Fuhrpark einer Einheit zuständig, also in Nachschub und Reparatur tätig. - Siehe hierzu den Beitrag von B.T. Collins und I. Pongratz: "Das Gefecht bei Grub. Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs bei Kötzing", in: Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham, 22. Band (2005),  der auch im Internet erschienen ist: Link zu den "Kötztinger Geschichten" von Clemens Pongratz.

 

 

b) deutsche Zivilpersonen

- Weber, Johann (Kind, 13 Jahre alt): am Bahnhof Miltach in einer Kurzschlussreaktion von US-Soldaten erschossen, beerdigt in Chamerau

- Scherzinger, Johann (Kind, 15 Jahre alt): am Bahnhof Miltach von US-Soldaten angeschossen, am 19. Mai verstorben, beerdigt in Chamerau

 

 

29.04.1945

 

a) deutsche Soldaten

- Berg, Martin: OGefr. (Heeresflieger-Ausbildungs-Regiment 3), *25.02.1923 Friemersheim, gefallen in Katzbach bei Cham, wohl in seiner Focke-Wulf 190 abgeschossen beim Versuch, einen Tiefangriff zu starten (vgl. den After Action Report der 90th US Infantry)

 

Gefallene in Lohberg:

- Beer, Franz: Grenadier (St.Kp.Pz.Gren.E.u.A.Btl. 20), *04.08.1927 in Breitenbrunn

- Holzapfel, Sebastian: *29.04.1928 (sic!) in „Lobfing“

- Kainzlbauer, Fritz: *12.09.1926 in Eholfing („Panzereinheit“)

- Weiss, Adolf: *17.05.1928 in Königsschalding

Diese vier in Ober-Lohberg, im „Kastl-Stadl“, Gefallenen wurden in einem Gruppengrab im Friedhof bestattet und im Jahre 1955 nach Hofkirchen überführt.

- Herzog, Heinz: *30.09.1922 in Olbernhau, gefallen im Wald bei Oberhaiderberg, in einem Einzelgrab im Friedhof Lohberg bestattet, 1955 ebenfalls nach Hofkirchen überführt

Siehe den Artikel "Die echte Brücke war in Lohberg" (Mittelbayerische Zeitung, 12.01.2020, Link)

 

Zusatz: Am 30. April fiel bei Lohberg der US-Soldat (Pfc) Jack W. R. Greene von der Company F, 357th Infantry Regiment, 90th Infantry Divison, durch Granatsplitter. Acht weitere US-Soldaten wurden zum Teil schwer verwundet, als die Patrouille in einen Hinterhalt geriet und mit Panzerfäusten beschossen wurde. 

 

b) deutsche Zivilpersonen

- Vogl, Michael: Rittsteig (durch Granatsplitter verwundet am 28.04., am folgenden Tag verstorben) 

 

 

01.05.1945

- Kaver (oder Kawer), Max: umgekommen am 01.05.1945 in der Gemeinde Kalsing, Feldgrab im Wald bei Grub (Woppmansdorf), amtliches Todesdatum 04.05.1945, nähere Daten unbekannt, später nach Hofkirchen überführt.

 

06.05.1945

 

- Freimuth, Johann: tödlich verletzt in Traidersdorf durch die Explosion einer zurückgelassenen amerikanischen Handgranate

- Freimuth, Eduard: ebenso

 

08.05.1945

 

- Bachl, Rudolf (Kind): in Mais (Neukirchen b. Hl. Blut) durch eine explodierende Tellermine tödlich verletzt

- dessen 2-jährige Schwester, ebenso 


Tieffliegerangriffe im Frühjahr 1945 im Raum Waldmünchen, Cham, Domažlice

 

Aktualisierung 01.03.2021: Der Name des in Arnschwang am 18.04. getöteten Soldaten ist jetzt bekannt: Kurt Palloks.

 

Ins Gedächtnis der deutschem wie tschechischen Bevölkerung haben sich im Frühjahr 1945 auch die allgegenwärtigen Tiefflieger eingebrannt. Amerikanische Jagdbomber vom Typ P-47 „Thunderbolt“, P-51 „Mustang“ und P-38 „Lightning“ griffen vor allem das Verkehrsnetz an: Züge, Bahnhöfe, Lastwägen, Autos, Pferdegespanne. Ja sogar vom Beschuss einzelner Personen ist die Rede. Das Internet ist voll von den Aufnahmen der „gun cameras“ der Piloten. Was dort wie in einem Computerspiel wirkt, war in der Realität ein grauenvolles Gemetzel, dem nicht nur Soldaten, sondern auch viele Zivilisten zum Opfer fielen. Bomben und großkalibrige Geschosse der Bordwaffen hinterließen schnell tödliche Wunden, ganze Körperteile wurden abgetrennt. Dass diese Angriffe im militärischen Jargon „effektiv“ waren, erklärt sich auch durch die nahezu vollständige Abwesenheit der deutschen Luftwaffe, die kaum noch Mittel zur Verfügung hatte. Eher gefährlich war für die US-Piloten noch die Luftabwehr in Gestalt von Flugabwehrkanonen (Flak) – und manchmal auch, falls doch einmal ein Flugzeug getroffen wurde und der Pilot mit dem Leben davon kam, die Reaktion von Angehörigen der NS-Verwaltung und von Bewohnern (Stichwort Fliegermorde).

Der folgende Beitrag soll die größeren, bekannten Angriffe dokumentieren, bei denen auch immer Personen zu Tode kamen. Ich danke dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Stadtarchiv Furth im Wald, dem Standesamt (Matrika) Domažlice und nicht zuletzt Filip Vojtášek, Autor des neuen Buches „Pod palbou hloubkařů“ (Praha 2019), für ihre Mithilfe.

Bei der Lektüre dieses Beitrags wird hoffentlich eines deutlich: Auch der Luftkrieg war nicht "ritterlich", sondern diente dem Töten und der Vernichtung. Jede Heldenverehrung von Piloten aller Kriegsparteien ("Jagdfliegerasse", "Experten", "Flying Aces", "heroes", "letecké eso") ist abzulehnen!

 

1. Die Angriffsserie vom 20. Februar 1945 im Raum Taus und Furth im Wald 

 

Am 20. Februar 1945 wurden entlang der Bahnstrecke Pilsen - Taus (Domažlice) - Furth im Wald insgesamt fünf Züge angegriffen. Hierüber existiert ein relativ ausführlicher Bericht des Betriebsamts Klattau (Klatovy).

Der schwerwiegendste Angriff erfolgte um 14.05 Uhr auf einen Flüchtlingszug (Nr. 77188) bei der Haltestelle „Taus-Stadt“. Die beiden Lokomotiven wurden ausgeschaltet, vier Waggons erhielten Durchschüsse. Dabei wurden acht Flüchtlinge, allesamt Frauen, aus Schlesien getötet. Namen und Daten finden sich im Sterbebuch des Standesamts Taus, das damals unter deutscher Verwaltung stand und ausschließlich für deutsche Staatsbürger zuständig war: 

- Klahn, Annedore Ida: wohnhaft Schweidnitz (heute Świdnica, Niederschlesien), *7.7.1924 in Königszelt, +20.2.1945 um 14.05 Uhr, Durchschuss linke Brustgegend

- Plüschke, Olga Martha, geborene Jüttner: aus Schweidnitz, *24.12.1872, +20.02.1945 um 14.05 Uhr, Unterleibdurchschuss

- Hoffmann, Ottilie: *04.07.1888 in Senge, Kreis Vels, +20.02.1945 um 14.05 Uhr „im Eisenbahnzug“, Verletzung im Brustkorb

- Krause, Elisabeth Ruth Ilse: *31.03.1934 in Schwarz, Kreis Vels, +20.02.1945 um 14.05 Uhr, Schädeldurchschuss

- Motzny, Ursula Käthe: geborene Paschke, wohnhaft in Schweidnitz, *17.06.1922, +20.02.1945 um 23.00 Uhr, Schusswunde linker Unterschenkel

- Rogoll, Ruth Salom: *13.01.1915 in Schweidnitz, +20.02.1945 um 2.30 Uhr, Schusswunde rechter Oberschenkel

- Strelocke, Ida: *24.07.1885 in Peuke, +19.03.1945

- Dietze, Eva: *06.09.1907, aus „Neunferdt“, +18.04.1945 im Krankenhaus Taus

 Ida Strelocke und Eva Dietze verstarben erst Wochen später an ihren Verwundungen. Alle Toten wurden höchstwahrscheinlich im Friedhof Taus bestattet. Die Gräber wurden in den 1950er Jahren eingeebnet. 25 weitere Personen (darunter ein Angehöriger des Reichsarbeitsdienstes = RAD) wurden schwer, etwa 17 leicht verletzt. Auch unter dem Zugpersonal, das aus Tschechen bestand, gab es Verluste. Der Lokführer Karel Volena erlag am nächsten Tag (21.2.) seiner schweren Verwundung; der Lokführer Matěj Kantner wurde ebenfalls schwer verletzt

 

An diesem 20. Februar traf es zeitgleich, zwischen 14.00 und 14.30 Uhr, Zug Nr. 93118, der Angehörige des Reichsarbeitsdienstes transportierte, nämlich von der RAD-Abteilung 6/103 Liebau (Schlesien). Diesem Angriff fielen drei Militärangehörige zum Opfer:

- Oberfeldmeister Wüllner, Kurt, *17.11.1900

- RAD-Mann Rehbein, Hans W., *29.03.1927

- RAD-Mann Maiwald, Rudolf, *04.08.1928 in Tscherna

Als amtliches Todesdatum aller drei gilt der 24.02.1945, jedoch dürfte dies der Tag der Beerdigung im Friedhof Cham sein: Die Toten ließ man im Zug und transportierte sie so bis Cham. Vier weitere RAD-Angehörige, alle erst 16 Jahre alt, wurden verwundet, ebenso zwei junge Frauen und ein 1-jähriges Kind, die auf der Flucht aus Schlesien waren. Und auch bei diesem Angriff traf es das tschechische Bahnpersonal: Lokführer und Heizer wurden verwundet.

 

Der dritte Angriff galt am 20. Februar dem Personenzug Nr. 505, der beim Wächterhaus 157 zwischen Böhmisch-Kubitzen (Česká Kubice) und Furth im Wald beschossen wurde. Diesen Angriff erwähnt der amtliche Bericht des Betriebsamts Klattau nur ganz kurz: Zwei Lokomotiven seien ausgeschaltet und drei Mann des tschechischen Personals verwundet woden. Mehr Details bieten Dokumente, die im Stadtarchiv Furth im Wald erhalten sind (Bestand 060): Die Gräberliste der Stadt offenbart, dass auch ein deutscher Soldat ums Leben kam, nämlich der Gefreite Max Gstöttner, geboren am 02.10.1904 in Passau, wohnhaft in Regensburg von Beruf Kaufmann, der zur Stammkompanie der Kraftfahr-Ersatz-Abteilung 10 Magdeburg gehörte. Außerdem wurden sechs Personen verwundet, von denen dann drei Anträge auf Heilfürsorge wegen Personenschadens stellten. Aus diesen Anträgen geht hervor, dass vier Tiefflieger um 14.30 Uhr aus einer Höhe von etwa 200 Metern den Angriff flogen, nachdem sich der Zug erst um 14.25 Uhr von Furth aus in Fahrtrichtung Taus in Bewegung gesetzt hatte. In einem der Anträge heißt es: „W. befand sich im 1. Wagen des Personenzuges. Die Geschosse drangen durch das mit Holz vernagelte Wagenfenster und erlitt dabei W. den Kopfschuss.“ W. war 60 Jahre alt, selbständiger Holzkaufmann aus dem Raum Kemnath und auf einer Geschäftsreise. Ein weiterer Antragsteller war ein 16-jähriger aus dem Raum Markt Eisenstein, der als Kriegseinsatzführer beim "Hitlerjugendbann" 340 Cham notdienstverpflichtet war und nach einer Besprechung in seinen Heimatort fahren wollte: „M. befand sich im ersten Wagen des Personenzuges. ... [Er warf] sich auf den Boden. Trotzdem konnte er sich vor der Beschießung nicht retten. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde M. zuerst in das in der Nähe befindliche Reservehauptlazarett Furth i. Wald verbracht und anschliessend am 20. Februar 1945 in das städtische Krankenhaus Furth i. Wald.“ M. erhielt einen Durchschuss am linken Oberschenkel. Den dritten Antrag stellt eine 58-jährige Frau aus Weiden/Oberpfalz. Diese wollte nach Nýřani (damals Nürschan) zu ihrer schwerkranken Tochter, um sich um ihre Enkelkinder zu kümmern. Die Frau erlitt einen Schuss in den Oberarm.

Außerdem existiert ein Bericht der Schutzpolizei Furth im Wald zu diesem Angriff. Demnach haben die Tiefflieger etwa 50 Schuss aus ihren Bordwaffen abgefeuert.

 

Zwei weitere Angriffe an diesem 20. Februar galten dem Zug Nr. 516 im Bahnhof Holleischen (Holýšov), wobei der Zugführer leicht verletzt wurde, sowie dem Zug 6110 im Bahnhof Böhmisch-Kubitzen (Česká Kubice).

 

Die Tieffliegerangriffe vom 20. Februar machen eines deutlich: Sie galten unterschiedlos Militärtransporten und normalen Personenzügen. Es traf einen Zug, der Angehörige des Reichsarbeitsdienstes transportierte, aber auch einen regulären Personenzug sowie einen Zug mit Flüchtlingen, die nach ihrer Flucht vor dem Kriegsgeschehen an der Ostfront schon fast in Sicherheit waren. Und es war fast reiner Zufall, wen die Kugel traf – wer gerade in dieser Minute in diesem Zug und diesem Waggon saß...

 

2. Der große Angriff vom 25. Februar auf den RAD-Zug 91152

 

Nur fünf Tage später, am 25. Februar 1945, erfolgte bei Taus ein Tieffliegerangriff auf einen Zug, der gemessen an der Opferzahl der schwerwiegendste in dem betrachteten Gebiet war: 59 Menschen starben. Die Umstände dieses tödlichen Angriffs sind verhältnismäßig gut rekonstruierbar, da die Eisenbahndirektion Pilsen unter Mitwirkung der Kriminalpolizei einen detaillierten Bericht verfasste. Der Zug transportierte etwa 180 Angehörige des Reichsarbeitsdienstes (RAD), Abteilung 1/112 Oels, die aus Niederschlesien nach Westen verlegt wurden. Als sich im Raum Taus gegen Mittag des 25. Februar Tiefflieger bemerkbar machten, befahl der Kommandant des Transports, welcher der Wehrmacht angehörte, den Zug aus dem Bahnhof in Richtung Kauth (Kout) losfahren zu lassen. Dann jedoch blieb der aus 42 Waggons bestehende Zug auf freier Strecke wegen Steigung und Überlastung stehen. Als die acht Tiefflieger nach längerem Herumkreisen sich gegen 13.30 Uhr zum Angriff entschlossen, befolgten nur wenige RAD-Männer die vom Bahnpersonal gegebene Anweisung, den Zug zu verlassen, um in einem Durchlass Schutz zu suchen. Die überwiegende Mehrheit blieb in den Waggons; erst als die Lokomotive mit Bordwaffen beschossen wurde, versuchten die 16- und 17-jährigen Jungen die Waggons zu verlassen, die daraufhin mit Bomben belegt wurden. Ein Volltreffer auf einen Waggon tötete 54 RAD-Männer sofort, außerdem eine Frau. Dass die Waggons bewusst verriegelt worden seien, wie seinerzeit von Einheimischen kolportiert wurde, hierfür gibt es keinen Beleg. Vielmehr war die unklare Befehlslage und das allgemeine Chaos ursächlich für die hohe Opferzahl.

Im Stadtarchiv Furth im Wald haben sich Briefe eines der damals Beteiligten erhalten. Im Jahre 1990, sobald es die Öffnung der innerdeutschen Grenze zugelassen hatte, schrieb ein Mann aus Dresden nach Furth und erkundigte sich nach dem Schicksal von zwei Kameraden. Denn diejenigen, die überlebten oder „nur“ verwundet wurden, bekamen ja nicht unbedingt mit, wer von den anderen getötet wurde oder wo deren Bestattung erfolgte. Herr G., damals schon über 50 Jahre alt, berichtet über die ersten Minuten des Angriffs:

„Ich hatte Glück und bin nur leicht verletzt worden. Ein Granatsplitter hatte mir den rechten Unterarm aufgerissen. Es war eine handtellergroße Fleischwunde mit leichten Sehnenverletzungen. Zurückgeblieben ist eine ca. 2 cm x 8 cm große Narbe. ... Wir waren seit Anfang Januar 1945 im RAD-Lager (Reichsarbeitsdienst) in Bad Kudowa (Kudowa stroj), heute Polen, im Heuscheuergebirge. ... Wir sind dort – oder besser gesagt – sollten dort ‚ausgebildet’ werden. ... Wir sind von dort aus mit dem Güterzug in Richtung Westen gefahren. ... Nun waren wir kurz vor dem Bahnhof Domažlice (Taus). Der Zug stand auf freiem Gelände auf einem ca. 2 m hohen Bahndamm. Ringsum kein Baum, kein Strauch, also keine Deckungsmöglichkeit. ... Der ‚Befehl’ kam. Es solle sich niemand zeigen. ... Von Ferne sah ich 4 Lightnings. ... Nun begann der sekundenschnelle Angriff ... Wir waren insgesamt ca. 180 Jungs. Davon 60 Tote, 60 Verletzte und 60 Unverletzte. ... Ich will aber nicht versäumen zu sagen, daß wir im Krankenhaus Domazlice (Taus) sehr gute ärztliche Versorgung hatten. Ich selbst bin nachts/früh um 3.30 Uhr operiert worden. Das heißt, ich hatte von ca. 15 Uhr auf einem Flur – es war ja kein Platz mehr – bis 3.30 warten müssen. Anschließend war ich dann im einem Reserve-Lazarett (ehem. Schule) in Klenci (Klentsch). Sowohl Taus als auch Klentsch hatte ich 1966 aufgesucht.“

 

Ebenfalls im Jahre 1990 wandte sich eine Frau aus Dresden, die Schwester eines der Todesopfer, an die Stadt Furth im Wald: „Meine Mutter ist 1 Jahr nach dem Tod meines Bruders mit großem Herzeleid gestorben. Hätte sie die genaue Ursache des Todes erfahren, wäre der Schmerz noch größer gewesen. Halbe Kinder noch wurden geopfert.“ Ihre Familie wurde zeitgleich, im Februar 1945, bei dem verheerenden Luftangriff auf Dresden ausgebombt.

 

54 RAD-Männer waren auf der Stelle tot, zwei weitere verstarben noch am selben Tag, ein weiterer am 06.03.1945 im Krankenhaus Furth im Wald und einer am 14.03.1945 im Krankenhaus Taus. Die Toten wurden offenbar in dem zwar beschädigten, aber noch einsatzfähigen Zug gelassen, der sie auf damals reichsdeutsches Gebiet direkt nach Furth im Wald brachte. Auf dem Friedhof hob man große Gruben aus und bestattete die insgesamt 58 Toten in einfachen, eilig verfertigten Holzsärgen, wobei Bürgermeister Hörmann eine Rede hielt. Der am 14. März im Krankenhaus Taus verstorbene Werner Hempel wurde im dortigen Friedhof beigesetzt, wohl im selben Grab wie die acht Todesopfer des vorherigen Angriffs vom 20. Februar.

 

Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge bettete in den 1950er Jahren die meisten Kriegsgräber in Ost- und Niederbayern aus. Auch die toten RAD-Männer aus dem Further Friedhof wurden im Juli 1955 zur zentralen Kriegsgräbersätte Hofkirchen bei Vilshofen übergeführt. Dort ruhen sie in Reihe 6-7, Gräber 26-50, sowie Reihe 7, Gräber 1-4. Die Namen der getöteten RAD-Männer lauten:

Arnold, Karl-Heinz *7.2.1927; Assmann, Joachim *26.4.1927; Beier, Heinz *11.7.1927; Bienert, Siegfried *3.9.1928; Drechsler, Rolf *27.7.1927; Fischlein, Gerhard *13.5.1928; Fritzsche, Rudolf *5.7.1927; Gabriel, Franz *18.3.1927; Gerhardt, Horst *17.4.1928; Gietzelt, Kurt *6.8.1926; Glatzel, Horst: *26.03.1927, +06.03. (Krankenhaus Furth); Gollmann, Gerhard *8.1.1927; Günther, Hans-Georg *28.7.1928; Hache, Gottfried *27.8.1928; Hartmann, Gerhard *26.7.1927; Hempel, Werner: *30.11.1926, +14.03.1945 (Krankenhaus Taus, in Taus bestattet); Hermann, Hans *15.3.1927; Jeitner, Heinz *26.9.1927; Keilhack, Wilfried Karl *18.3.1928; Kotte, Erich *9.4.1928; Krompholz, Franz *14.7.1927; Kühn, Manfred *25.9.1927; Lehmann, Günter: *09.07.1928; Linder, Heinz: *05.09.1928; Meixner, Alexander *12.4.1927; Michel, Günther *21.3.1927; Müller, Günther *2.12.1928; Neubert, Günther *6.4.1928; Nitscher, Gerhard *7.2.1926; Noack, Joachim Harry *16.7.1927; Ott, Eugen *29.3.1928; Otto, Gerhard *29.11.1928; Otto, Walter *10.6.1928; Penzel, Helmut *14.9.1926; Reichelt, Winfried *21.11.1927; Reichert, Manfred *1.11.1928; Richter, Reinhard *9.4.1928; Ropertz, Günther *31.5.1927; Schitzelt, Horst *1.11.1928; Schmidt, Günther *16.10.1927; Schneider, Siegfried *29.12.1926; Schwarzer, Johannes *30.4.1926; Schwinger, Horst *19.8.1928; Smolanowicz, Theodor *26.11.1927; Sorge, Rudolf *16.9.1928; Steglich, Kurt *25.5.1927; Stern, Günther *4.5.1928; Tietze, Manfred *19.3.1928, +06.03.1945; Venus, Gerhard *15.11.1926; Voigtmann, Günther *17.10.1928; Wappler, Wolfgang *8.4.1927; Winkler, Hans Heinz *1.9.1927; Wisy, Siegfried *23.3.1927, +26.2.1945; Witschas, Harry *15.7.1928; Wold, Wolfgang *2.10.1928; Wustlich, Dittmar *1.4.1928; Zeinert, Werner *18.11.1928; Zemene, Josef *14.3.1927.

Der Name der toten Flüchtlingsfrau: Schmidtke, Elle Helene: *26.3.1910, aus dem Kreis Glatz (Schlesien), +25.02.1945

 

3. Angriffe im Raum Taus (Domažlice) Mitte April 1945

 

Als die US Army Mitte April nach und nach die Oberpfalz und Westböhmen eroberte, häuften sich Tieffliegerangriffe auf die Bahnstrecken im unmittelbaren Umfeld der Stadt Taus. Nun traf es vor allem Züge, die von der Wehrmacht genutzt wurden. Mehrere Wehrmachtangehörige starben, vor allem bei Blížejov (Blisowa), das auf halber Strecke zwischen Taus und Staňkov liegt. Laut der auf www.portafontium.eu verfügbaren Stadtchronik von Staňkov, Band „1944-1945“, S.106f., gab es zwischen dem 15. und 20. April täglich Angriffe. Der schwerste ereignete sich wohl am 17. April, als vermutlich 16 Tiefflieger einen Transportzug der Wehrmacht bei Blížejov beschossen. Laut der Seite hloubkari.wordpress.com, wo der Angriff allerdings auf den 18. April datiert wird, fand die Attacke zwischen 12.50 und 13.15 Uhr statt. Es traf einen Zug, der Teile einer Wehrmachtseinheit transportierte, die den Beinamen „Hermann Göring“ getragen haben soll, also entweder der „Fallschirm-Panzer-Division 1 H.G.“ oder der „Fallschirm-Panzergrenadier-Division 1 H.G.“. Zwischen 18 und 37 Waggons wurden durch Bordwaffenbeschuss beschädigt, die Strecke war für einige Zeit blockiert. Laut dem Bericht des Betriebsamtes Klattau gab es drei Tote, elf Schwerverletzte, einen Leichtverletzten.

Die Identität dieser drei Toten kann nicht mit letzter Gewissheit angegeben werden. Folgende sechs Wehrmachtangehörige sind für das fragliche Gebiet beim Volksbund Kriegsgräberfürsorge mit einem Todesdatum zwischen dem 16. und 19. April registriert:

- Geiss, Norbert: Uffz., *20.11.1908 in Weilmünster, +16.04.1945 „Blisowa b. Taus“

- Buhl, Karl: Schütze, kein Geburtsdatum, +17.04.1945 „Blissiwo b. Taus“

- Johannes, Erich: Stabsgefr., *28.11.1914 in Hermannsburg, +17.04.1945 „Blisowo b. Taus“

- Büscher, Clemens (korrekt: Klemens): OGefr., *02.12.1921 in Overath, +18.04.1945 „Taus, ca. 80 km westl. v. Pilsen“

- Ebner, Florian: Uffz., *09.04.1921 in Atzelsdorf (Österreich), +19.04.1945 „Bahnstr. Pilsen-Taus“, Todesdatum laut Sterbebild 18.04.1945

- Betz, Hans (Johann): Uffz., 27.05.1916 in Trochtelfingen-Steinhilben, + April 1945 in Taus (= am 19.04.1945 im Krankenhaus Taus nach Verwundung, siehe unten)

Tatsächlich ist also für drei Tote als Todesort „Blisowa“ vermerkt. Dies deckt sich mit einer Meldung der tschechischen Gemeindeverwaltung (MNV) Blížejov aus dem Jahre 1951, gemäß derer im örtlichen Friedhof drei deutsche Soldaten, die bei einem Fliegerangriff auf einen Zug gefallen seien, bestattet wurden (Státni Okresni Archiv Domažlice, Bestand ONV Horšovský Týn, i.č. 383).

Für Ebner („Bahnstraße Pilsen-Taus“), der in einer Flak-Batterie diente, nennt das Sterbebild den 18. April, die „Gräbersuche Online“ des Volksbundes dagegen den 19. April, wo zudem als Ort des Grabes die in der Nähe liegende Stadt Staňkov (Stankau) angegeben ist. Für Büscher (ebenfalls 18. April) ist kein genauerer Ort angegeben.

Näher bestimmen aber lässt sich das Schicksal des Unteroffiziers Hans Betz. Am 19. April 1945 entdeckten Tiefflieger eine motorisierte Nachrichtenabteilung, die ihre Fahrzeuge den Tag über in einem Wäldchen zwischen Draženov (der tschechische Ort hieß damals im Protektorat „Drasenau“) und dem damals sudetendeutschen Ort Pirk (heute Březí) verborgen hatten. Dieser Angriff lässt sich durch zwei Dokumente detailliert rekonstruieren. Zum einen existiert ein kurzer offizieller Bericht, zum anderen der Brief eines Sanitäters, der nach Kriegsende an die Ehefrau eine dabei getöteten deutschen Soldaten schrieb. Der nüchterne Bericht des Gendarmerieabteilungskommandos Klattau, angefertig durch den Bezirks-Stabswachtmeister Tykal, besagt, dass der Angriff um 12.30 Uhr stattfand und sechs Lkws der Wehrmacht galt. Dabei seien zwei Wehrmachtangehörige verwundet und zwei Pferde getötet worden.

Der Brief des Sanitäters präzisiert, dass der Angriff über 40 Minuten lang dauerte: Die Flugzeuge beschossen das Wäldchen, nachdem sie die Zugmaschinen entdeckt hatten. Einer der beiden Verwundeten war der Unteroffizier Hans (Johann) Betz, geboren am 27.05.1916 in Trochtelfingen-Steinhilben; er gehörte zur „Nachrichtenabteilung Rgt. z.b.V. 604“. Ein 2-cm-Geschoss verursachte bei dem noch nicht ganz 29-Jährigen eine Wunde, die so groß wie eine Faust war. Zwar wurde Hans Betz noch ins Krankenhaus Taus eingeliefert, verstarb jedoch bald. Seinem Kameraden musste ein Bein amputiert werden. Noch während des Transportes in Krankenhaus äußerte Hans Betz seinen letzten Wunsch, dass der Sanitäter seiner Frau schreiben solle. Der Sanitäter trat nach dem Krieg in den Orden der Franziskaner ein. Der vollständige Brief war auf der Internetseite „weltkriegsopfer.de“ zu lesen, die leider nicht mehr verfügbar ist.

Vermutlich wurde Hans Betz im Friedhof Taus bestattet und das Grab nach 1945 ebenfalls eingeebnet. Sein Name ist jedoch im Namensbuch der Kriegsgräberstätte Marienbad (Mariánske Lázne) verzeichnet, wie auch die Namen der anderen oben genannten Toten. 

Auch ein junger Mann vermutlich aus Polen fiel offenbar den Angriffen zum Opfer: Antonín Stanczik (so die Schreibung in den tschechischen Dokumenten), geboren 1921, aus dem Kreis Tomaszów starb am 19.04.1945 im Krankenhaus Taus, laut Sterbebuch der Pfarrei durch Verwundung in Brust und Bauch bei einem Fliegerangriff.

 

4. Angriffe im Raum Furth im Wald (mit Arnschwang und Selling)

 

Gleich mehrfach ins Visier geriet der Bahnhof von Furth im Wald, so am 3., 22. und 24. April. Ein Angriff am 17. April zwischen 13.00 und 14.10 Uhr richtete erhebliche Gebäudeschäden an und forderte fünf Tote, wie ein Schreiben der Stadt Furth im Wald von 1962 zeigt:

- RAD-Mann Lothar Sengstock, *14.12.1929 in Essen, Automechanikerlehring, + um 14.10 Uhr Ecke Bahnhofstraße-Stadtplatz

- Stabsgefreiter Walter Max Neuhof, *30.05.1910 in Teltow, Tischler, + um 14.10 Uhr bei den Bahnhofsgleisanlagen

- Karl Zeitler, *05.09.1911 in Wackersdorf, Lokführer, + um 14.10 Uhr in der Bahnhofstr.

- Katharina Liebl, *10.2.1907 in Sagberg, + um 14.10 Uhr in ihrer Wohnung (Herrenstraße)

- SS-Unterscharführer Willy Heitmann, *28.10.1907 in Dortmund, Straßenwärter, + um 14.10 Uhr bei den Bahnhofgleisanlagen. Ein Schreiben der Stadt von 1951 gibt Einblick in die Einzelperson Willy Heitmann: Unter seinen Nachlasssachen befand sich neben Taschenuhr und Brieftasche auch ein Kamm mit Futteral und eine Tabakpfeife.

Ein weiteres Todesopfer der Angriffe auf die Further Bahnhofsanlagen im April war das Mädchen Klara Leitermann aus Kleinaign/Eschlkam.

Eine wahre Rarität ist es, dass von einem der Tieffliegerangriffe auf Furth Aufnahmen aus der Schießkamera („gun camera“) eines Angreifers existieren. Die Bilder (siehe am Ende dieses Beitrags) lassen eindeutig den Stadtkern von Furth erkennen (Stadtturm und Kirche). Links ist bereits eine dichte Rauchwolke zu erkennen, als der Jagdbomber gerade ein Ziel (vielleicht ein Fahrzeug) genau auf dem Stadtplatz beschießt.

Auch ein Güterzug im Bahnhof Arnschwang wurde in diesen Tagen angegriffen, an den sich ein Zeitzeuge noch erinnern kann (Chamer Zeitung 21.03.2020). Der Zug hatte Lebensmittel geladen, vor allem Schmalz, das die Arnschwanger dann an sich nahmen und damit buken. Bei der Attacke kam ein junger Wehrmachtsoldat ums Leben: Kurt Palloks, *21.05.1923 in Bartenstein/Ostpreußen, gefallen am 18.04.1945 in Arnschwang. Der Tote wurde im Friedhof Arnschwang beigesetzt wurde und das Grab mit einem Birkenkreuz, auf dem ein Stahlhelm saß, versehen. In den 1950er Jahren erfolgte die Umbettung zur Kriegsgräberstätte Hofkirchen (Reihe 7, Grab 42).

 

Am 20. April, am Tag des Angriffs auf den Zug im Bahnhof Miltach (siehe unten), gab es in dem Dörflein Selling bei Windischbergerdorf einem Tieffliegerangriff mit wohl zwei Toten, offenbar auf die Bahnlinie Furth-Cham. Ein Opfer war Frieda Vogl aus Weiding, die durch Kopfschuss starb. Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge verzeichnet für Selling für diesen Tag außerdem den Namen Josef Reiter aus Michalok (ein Ort offenbar in der östlichen Slowakei). Ob Reiter ein Soldat oder Flüchtling war, ist nicht bekannt, auch nicht sein Geburtsdatum. Der tote Josef Reiter wurde zunächst im Friedhof Windischbergerdorf beigesetzt und 1956 nach Hofkirchen übergeführt.

 

5. Der Angriff auf den Bahnhof Miltach (und auf Blaibach) am 20. April 1945 

 

Am 20. April 1945 geriet auch der Bahnhof Miltach ins Visier der Tiefflieger. Vermutlich eher zufällig stand gerade der Lazarettzug Nr. 663 der Wehrmacht im Bahnhof. Diese Lazarettzüge, auch Krankentransportzüge genannt, brachten Verwundete von den Fronten in Lazarette in der Heimat. Oft waren Hunderte verwundeter Soldaten an Bord, die wohl nach dem Zufallsprinzip zur Weiterbehandlung im Landesinneren verteilt wurden. Im Laufe des Krieges legte solch ein Zug tausende Kilometer zurück. Die Lazarettzüge galten als eigene militärische Einheit und hatten somit auch eine eigene Feldpostnummer.

Im Umfeld der durch Furth im Wald führenden wichtigen Bahnstrecke wurde eine ganze Reihe von Lazaretten angelegt – in Furth selbst, in Cham, Kötzting, Waldmünchen, Roding, außerdem in den tschechischen Orten Česká Kubice, Babylon, Klenčí pod Čerchovem, Chodov etc. Weit über 150 Verwundete verstarben hier im Laufe der Zeit. Und so ist anzunehmen, dass auch der Lazarettzug Nr. 663 Verwundete in eines der Lazarette im Raum Cham und Furth im Wald transportieren sollte.

Siegfried Wolf, der sich an diesem Tag in diesem Transport befand, schrieb dreißig Jahre später einen Brief an die Gemeinde Miltach, der sich in derem Archiv erhalten hat. Demnach wurde der Zug gegen 9.30 Uhr von zwölf US-Jagdbombern angegriffen. Wolf berichtet: „Wir waren völlig hilflos, denn wir lagen damals mit zwei Verwundeten in einem Bett. Auch mein Bettnachbar (es war ein Unteroffizier) wurde neben mir durch ein 2-Zentimeter-Geschloss getötet! Es war furchtbar!“ Tieffliegerangriffe auch auf Lazarettzüge, die an sich das rote Kreuz als Kennzeichen trugen, waren anscheinend keine Ausnahme. Auch Waggons mit Flüchtlingen aus Ungarn sollen zeitgleich auf den Gleisen gestanden haben.

Sofort tot waren sieben Soldaten. Deren Namen und Daten stammen vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge (abermals geht ein großes Dankeschön des Autors an das Referat Gräbernachweis!) und sind auch in der „Gräbersuche Online“ zu finden:

- Hofstätter, Jakob: OGefr., *23.07.1900 in Elsbethen (Österreich), +20.04.1945, Truppenteil: Bau P.E.u.A.Btl. 28

- Krüger, Paul: Schütze, *30.12.1906 in Zerbst, +20.04.1945, Inf.Ers.Btl. 500 Olmütz

- Meckert, Jacques: Gefr., *21.12.1908 in Berlin, +20.04.1945, 2./Jg.Rgt. 38

- Ruzicka, Josef: Stabsgefr., *11.01.1901 in Wien, +20.04.1945

- Seidl, Anton: OGefr., *18.01.1912 in Rogglfing, +20.04.1945

- Ulle, Karl: OGefr., *01.08.1924 in Kelbra, +20.04.1945 [oder 21.04.], 3./Pz.Gr.Rgt. 40

- Morero, Angelo (Italiener): *06.05.1914, +20.04.1945.

Weitere acht schwer Verwundete erlagen in den Wochen danach ihren Verletzungen:

- Riexinger, Friedrich: Obergrenadier, *20.06.1907 in Breitenberg, +23.04.1945

- Trommer, Martin: Gefr., *08.11.1911 in Königswalde, +28.04.1945

- Uhlmann, Eugen: Grenadier, *24.10.1909 in Pforzheim, +28.04.1945

- Bauer, Heinrich: OGefr., *12.07.1908 in Eitting, +04.05.1945, Gren.Rgt. 1084

- Hönig, Gerhard: Gefr., *16.10.1927 Berlin-Charlottenburg, +12.05.1945, Gen.Kp.E.Br.G.D.

- Pirchheim, Julius: Feldwebel, *05.04.1890 in Mureck/Radkensburg, +21.05.1945

- Weber, Konstantin: Gefr., *24.11.1908 in Pirmasens, +17.05.1945

- Thrun, Walter: OGefr., *04.10.1904 in Neuruppin, +02.06.1945

 

Die sieben sofort Getöteten brachten die Einwohner auf einem kleinen „Bruckwagerl“, einem Handkarren, am 22. April nach Oberndorf, wo sie behelfsmäßig auf freiem Feld bestattet wurden. Auch die später Verstorbenen kamen dorthin, so dass ein hier ein Soldatenfriedhof entstand. Als der Volksbund Kriegsgräberfürsorge in den 1950er Jahren systematisch die sterblichen Überreste der in Ostbayern gefallenen deutschen Soldaten aus den Pfarrfriedhöfen und Feldgräbern exhumierte, wurden auch die Toten von Miltach am 15. Januar 1957 in die zentrale Kriegsgräberstätte Hofkirchen (Niederbayern) dorthin umgebettet. Dort ruhen die 14 toten deutschen Soldaten Seite an Seite in zwei Reihen (Reihe 31, Gräber 69 bis 74, und Reihe 33, Gräber 1 bis 8). Der Italiener Angelo Morero aus Camisano Vicentino wurde in den italienischen Ehrenfriedhof München umgebettet.

Nur drei Tage später, am 23. April, eroberten die Amerikaner kampflos Miltach. Damit aber waren die Schrecken des Krieges noch nicht vorbei: Am 24. April erschossen US-Soldaten den 30-jährigen Feldwebel Xaver Schlecht, der aus Rattenberg stammt, bei der Überquerung des Flusses Regen. Am 25. April wurde laut den Unterlagen der 26th US Infantry Division in der Nähe von Miltach der Kommandeur des 1. Bataillons des 101st Infantry Regiments, Major Joseph P. Boucher, bei einem Feuerüberfall getötet: Die Amerikaner versuchten durch Patrouillen zu erkunden, wie weit die 11. deutsche Panzerdivision schon aus dem Raum Taus (Domažlice) herangerückt sei. Major Boucher war der ranghöchste Amerikaner, der überhaupt im Großraum Cham getötet wurde. Und am 28. April erschossen US-Soldaten wohl in einer Kurzschlussreaktion zwei Kinder, eines 13 Jahre alt, eines 15.

Ein ausführlicher Bericht über das Kriegsende in Miltach mit einem Foto des Soldatenfriedhofs war in der "Mittelbayerischen Zeitung" vom 27.04.2015 zu lesen (Link hier).

 

Für das bei Miltach liegende Blaibach sind für den 20. April zwei Ungarn als Todesfälle durch Tieffliegerangriff bezeugt, offenkundig ein älteres Ehepaar:

- Dr. Péthö, Tiberius (Tibor): *01.11.1887 in Gyertyamos, Heimatort Budapest, wohnhaft in Velem

- Péthö, Charlotte (geb. Kafga): *07.06.1889, Heimatort Budapest, wohnhaft in Velem

Außerdem verstarb am 08.01.1946 Mariette Péthö, vermutlich die Tochter. Hier ist die Todesursache nicht angegeben - vielleicht verstarb sie an ihrer bei dem Angriff erlittenen Verwundung?

 

Als Fazit ist festzuhalten, dass am 20. April Angriffe auf Gleisanlagen und Züge in Miltach, Blaibach und Selling erfolgten und insgesamt 18 Menschenleben forderten.

 

6. Weitere Angriffe mit jeweils einzelnen Todesopfern: Waldmünchen, Raum Hostouň (Hostau), Neunburg vorm Wald u.a.

 

Doch nicht nur Bahnhöfe und Züge gerieten ins Visier, sondern Fahrzeuge aller Art, vor allem Lastkraftwägen, die ja theoretisch kriegswichtiges Material transportieren konnten. Und selbst Einzelpersonen waren offenbar vor den Tieffliegern nicht sicher.

 

Nachdem auch in Waldmünchen am 19. April der Bahnhof angegriffen worden war (am selben Tag wie die Wehrmachtkolonne bei Draženov), nahmen die Tiefflieger am 23. April Lastwägen ins Visier. Dabei wurde der 33-jährige Karl Althammer (*20.09.1911 - Link zum Einzelschicksal mit Foto) aus der Pfarrgasse 6 tödlich getroffen. Er war Bierfahrer beim Waldmünchner „Postbräu“ (Beer, Hausname „Koisa“) und war wohl auch als Fahrbereitschaft für Offiziere nach Klentsch (Klenčí) eingeteilt. Am Nachmittag – als das nahe Rötz gerade kampflos übergeben wurde! – fuhr Althammer mit dem Lkw Bier zum Hölzlwirt nach Höll und befand sich gerade kurz vor dem Böhmerkreuz am Ortsrand von Waldmünchen, auf Höhe des heute nicht mehr stehenden „Reischnhauses“; dort war damals ein Holzlager. Da entdeckten ihn Tiefflieger, die wegen ihrer Bemalung im Volksmund „Rotschwanzeln“ wie die Vogelart hießen. Die Jagdbomber kamen vom Čerchov her über das Schloss geflogen. Im selben Moment befuhr am Böhmerkreuz ein mit vier SS-Soldaten besetzter sog. Kübelwagen stadteinwärts die Böhmerstraße. Diese sprangen aus dem Wagen, um sich hinter den Holzstößen zu verstecken. Althammer aber suchte direkt unter seinem Lkw Schutz, wo ihn MG-Garben an beiden Beinen trafen. Der „Reischn Luk“ (Ludwig Buchner) zog den Schwerverwundeten noch hervor und brachte ihn zum alten Zollamt, doch Althammer verstarb gegen 16.00 Uhr im Krankenhaus. Als er am 25. April beerdigt wurde, war die Panzersperre am Hammertor bereits geschlossen, so dass der Leichenzug seinen Weg durch Hausgang und Garten des Gareisen-Hauses nehmen musste.

 

Offenbar schwärmten die Tiefflieger an diesem 23. April weiter aus: An der Straße von Hostau (Hostouň) nach Ronsperg (Poběžovice), auf Katastergebiet des Dorfes Schlattin (Slatina), wurde um 17.30 Uhr der 64-jährige Wenzel (oder Wendel) Pintz durch eine Schussverletzung in Schulter und Brust tödlich verwundet. Er war „Volksdeutscher“ aus Ungarn, aus dem Ort Krnjaja (heute Kljajićevo in Serbien), und zu dieser Zeit in Alt-Gramatin (Starý Kramolin) wohnhaft: Schon im Frühjahr 1945 waren hierher Flüchtlinge aus der „Batschka“ mit 17 pferdebespannten Wagen gekommen, die dann nach Kriegsende weiterzogen. Beerdigt wurde Pintz im Pfarrfriedhof Muttersdorf (Mutěnín).

 

Nicht sicher dagegen sind die Todesumstände eines ebenfalls aus Krnjaja stammenden Mannes, des 47-jährigen Bauers Wendelin Müller, der wie Pintz in Alt-Gramatin Zuflucht gefunden hatte. Müller galt als „Volkssturmmann“; die Sterbematrikel des Pfarramts vermerkt als Todesursache „gefallen“ und als Todesdatum den 27. April, als Beerdigungsort auch hier wieder den Friedhof Muttersdorf. Denkbar ist natürlich ebenfalls ein Tieffliegerangriff. Dies zumal deshalb, weil in diesem Gebiet ebenfalls am 27. April versehentlich eine Kolonne von KZ-Häftlingen angegriffen wurde, und zwar zwischen Hostau und Ronsperg, in der Nähe des Kunzenweihers (rybník Kunčak, heute auch Starý rybník). Sehr wahrscheinlich richteten die Tiefflieger ihr Augenmerk deshalb auf diese Gegend, weil hier die Bahnlinie in Richtung Tachau verläuft. Da die Wachmannschaft Pferde mit sich führte, wurde die Kolonne für eine der Wehrmacht gehalten. Der Bordwaffenbeschuss tötete neben einigen Pferden vermutlich sechs Häftlinge, offenbar Russen und Polen sowie eine Jüdin. Die Toten wurden zunächst vor Ort begraben und später von den tschechischen Behörden in den Friedhof Ronsperg (Poběžovice) übergeführt.

 

Weißensulz (Bělá nad Radbuzou) hatte durch die Tiefflieger zwei Todesopfer zu beklagen. Die 52-jährige Marie Lang wurde am 25. April offenbar im Stadtgebiet selbst, in ihrer Wohnung, tödlich verwundet. Bei Plan (Plána) tötete der Tieffliegerbeschuss am 17. April (dem selben Tag, an dem die Angriffe auf Blisowa und Furth im Wald mindestens acht Tote forderten), die erst 16-jährige Agnes Pöhnl, als sie von der Lehrerbildungsanstalt in Mies (Stříbro) mit dem Zug nach Hause fahren wollte.

 

Ebenfalls am 17. April, am Vormittag, griffen vier Flugzeuge den Personenzug von Bodenwöhr nach Neunburg vorm Wald an, und zwar auf Höhe Erzhäuser. Dabei wurden zwei Mädchen getötet, eines aus Nürnberg, das zu Besuch zu Verwandten fahren wollte, und die 19-jährige Rotkreuzschwester Anneliese Schefter aus Lehrte. Ein Bericht über das schreckliche Geschehen dieses Angriffs war in einem Zeitungsartikel zu lesen (Link hier). Möglicherweise also war dies der erste Angriff der patrouillierenden Tiefflieger an diesem Tag, denn am Mittag wurde Blisowa, am frühen Nachmittag Furth angegriffen!

  

Am 21. April griffen Jagdbomber den heute kaum noch bekannten Flugplatz Berndorf bei Rötz/Premeischl an, auf dem noch einige Flugzeuge der Luftwaffe standen. Dabei geriet eine junge Dienstmagd, die zufällig mit dem Fahrrad auf dem Weg war, in den Beschuss und wurde tödlich verwundet. Ein Anwohner fand die Leiche am Waldrand.

 

Schließlich sei noch auf den verheerenden Angriff auf einen Zug hingewiesen, der aus den Ostgebieten nach Schwandorf kam und die Flüchtlinge, vor allem „Volksdeutsche“ aus Ungarn, offenbar nach Cham transportieren sollte. Gegen 14.00 Uhr beschossen vier Tiefflieger zunächst mit ihren Bordwaffen den bei Altenschwand (kurz vor Bodenwöhr) befindlichen Zug und feuerten dann bei einem zweiten Anflug in die flüchtenden Menschen hinein. Insgesamt 28 Menschen starben. Vier verkohlte Leichen wurden in Neuenschwand beigesetzt, in Cham 18, nachdem der beschädigte Zug seine Fahrt wieder aufgenommen hatte. An die 70 Personen wurden verletzt, von denen einige offenbar im Krankenhaus Schwandorf verstarben.

 


Mord in Grafenried (Lučina) bei Kriegsende im April 1945

 

Das untergegangene Grafenried (Lučina) bei Waldmünchen, nur einen Kilometer jenseits der Grenze im Gemeindegebiet von Nemanice (Wassersuppen) gelegen, ist seit Jahren in aller Munde: Handelt es sich doch um einen außergewöhnlichen Ort, in dem durch archäologische Ausgrabungen das frühere Leben, das hier 1946 mit der Vertreibung der sudetendeutschen Bevölkerung abrupt endete, wiederentdeckt werden kann. Hunderte von Touristen, gerade auch Tschechen, besuchen Jahr für Jahr den ehemaligen Ortsbereich, in dem mittlerweile dort, wo früher Gebüsch und Mauerreste das Aussehen des stattlichen Pfarrdorfes und Gemeindeorts nicht einmal erahnen ließen, die Überreste von Kirche, Pfarrhof und Brauerei eindrucksvoll betrachtet werden können. Die Politik unterstützt die deutsch-tschechische Kooperation an einem Ort, der zu einer Begegnungsstätte zwischen Deutschen und Tschechen geworden ist, an dem sich Hass und Ignoranz früherer Zeiten überwinden lassen.

 

Gründliche Feldforschung und Arbeit in den Archiven werden noch viele Aspekte in der Geschichte von Grafenried entdecken lassen – freilich auch das eine oder andere ‚dunkle Kapitel’. So tauchte immer wieder von Seiten ehemaliger Bewohner und weiterer Zeitzeugen ein Gerücht auf: Im April 1945 sollen in Grafenried zwei Russen erschossen worden sein, Häftlinge eines Todesmarsches, die wohl kurzzeitig einem auf dem Durchmarsch befindlichen Gefangenenzug entkommen seien, dann aber im Ortsbereich von Grafenried ermordet und auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt worden seien.

 

Im Staatlichen Kreisarchiv Domažlice (Statní okresní archiv) ließen sich nun tatsächlich Dokumente finden, welche den Vorfall offiziell bestätigen (Bestand ONV Horšovsky Týn, i.č. 383 IX/10). Am 8. April 1946 schrieb der SNB Grafenried (Sbor národní bezpečnosti, eine für geheimpolizeiliche Aufgaben zuständige Sondereinheit) an den ONV (Okresní národní výbor) Horšovsky Týn (Bischofteinitz) auf dessen allgemeine Anfrage nach der Existenz von Gräbern mit Kriegsopfern hin folgendes: Im April 1945 wurden im Wald bei Grafenried zwei russische Gefangene erschossen und zunächst, gemäß einer Aussage des Grafenrieder Totengräbers, an Ort und Stelle begraben. Die beiden Leichen wurden etwa drei Monate später, am 19. Juli 1945, wieder ausgegraben und auf dem Pfarrfriedhof Grafenried beigesetzt. Die Toten konnten aufgrund fehlender Dokumente nicht identifiziert werden, die Leichen befanden sich schon im Zustand der Verwesung. Laut Ausage des Totengräbers habe es sich um zwei Russen im Alter von 20 bis 22 Jahren und 40 bis 45 Jahren gehandelt, die abgenutzte russische Uniformen getragen hätten. Damit schließt der Bericht des SNB Grafenried. Ein drei Jahre später erfolgtes Schreiben vom 16. Juni 1949 bestätigt nochmals, dass die beiden Russen im Grafenrieder Friedhof bestattet liegen. Dann aber verliert sich die Spur; in den späteren offiziellen Zusammenstellungen von Kriegsopfergräbern findet sich keine Erwähnung mehr. Der Grund hierfür könnte darin liegen, dass der Kreis Horšovsky Týn, dessen Behörden die Anfragen über solche Gräber in den frühen Nachkriegsjahren gestellt hatten, im Jahre 1960 aufgelöst wurde und offensichtlich die seinerzeit gewonnenen Erkenntnisse von den Behörden des neuen Kreises Domažlice nicht mehr kontinuierlich erfasst wurden. Insgesamt ist somit zu urteilen, dass die beiden Mordopfer nach wie vor im Friedhof Grafenried bestattet liegen.

 

Auch die Unterlagen des International Tracing Service (ITS) Bad Arolsen geben Hinweise auf den Vorfall. Laut einer Befragung des Bürgermeisters der deutschen Grenzgemeinde Untergrafenried vom 4. April 1947 überschritt am 25. April 1945 um 8.00 Uhr morgens ein Gefangenenzug in Stärke von 90 bis 100 Russen (nur Männer, keine Frauen) aus dem böhmischen Grafenried die heutige Landesgrenze nach Untergrafenried und sei dann in Richtung Buchwalli weitergezogen, den kleinen Weiler am heutigen Perlsee bei Waldmünchen. Der Bürgermeister bestätigt den Tod der beiden Russen und deren Beisetzung im Friedhof Grafenried, was also allgemein und vom Hörensagen her bekannt gewesen sein muss. Laut ITS war die Marschkolonne wohl aus dem Konzentrationslager Flossenbürg über Irlach nach Treffelstein getrieben worden und hatte bei Kritzenthal (Hotel Katharinenhof) und bei der Einöde Schickenhof die heutige Landesgrenze in Richtung Anger (Úpor) und Grafenried überschritten. Darauf lässt auch die ebenfalls 1947 erfolgte Befragung des Bürgermeisters von Treffelstein schließen, der für den 24. oder 25. April über einen aus 80 bis 100 Mann bestehenden Marsch berichtet.

 

Es muss diese Gefangenenkolonne gewesen sein, mit der sich am 24. und 25. April der Waldmünchner Volkssturm und die Bevölkerung im Grenzort Höll konfrontiert sah. Die Augenzeugenberichte von Einheimischen und Volkssturmmännern (beide Kompanien waren zur Verteidigung Waldmünchens gegen die US-Armee eingesetzt, jedoch im rückwärtigen Bereich zwischen Untergrafenried, Höll, Haselbach und Arnstein postiert worden, ohne dass sie einen einzigen Schuss abgaben) besagen, dass die Russen in Bauernhöfen sowie im Zollamt notdürftig einquartiert waren und sich von rohen Kartoffeln 'ernährten'. Von der Bevölkerung, Tschechen wie Deutschen, ist überliefert, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeit half und auch ihrer Empörung gegenüber der geradezu viehischen Behandlung von Menschen Ausdruck verlieh. Angeblich erging dann seitens des Waldmünchner Verteidigungsstabes (Kreisleiter Max Seidel, Stadtkommandant Hauptmann Siegfried Stöhr) der Befehl, die Gefangenen an Ort und Stelle zu liquidieren: Diesem Befehl habe sich die Volkssturmführung – so deren Eigendarstellung (Richard Wagner, "Der letzte Kriegstag im Raum Waldmünchen", Waldmünchner Heimatbote Heft 12 (1985), S.19ff., ders.: "Wir haben 120 russische Offiziere gerettet", Heimatbote Jahrbuch 1995, S.19ff.) – verweigert, nicht nur aus moralischen Gründen, sondern auch wegen der zu erwartenden Vergeltungsmaßnahmen durch die Amerikaner. Laut Gerhard Bücherl aber ("Die KZ-Todesmärsche", Waldmünchner Heimatbote 2010, S.110ff.) sei der Liquidierungsbefehl sehr zweifelhaft; eher habe man geplant, den Häftlingszug möglichst schnell weiterzubringen, um etwaige Plünderungen zu verhindern. Zu bedenken ist auch noch folgendes: Einen Exekutionsbefehl, der nach damaliger Logik 'sauber' und professionell durchzuführen war, hätte man doch wohl nicht den militärisch kaum ausgebildeten Volkssturmmännern übertragen, die kaum schießen konnten – abgesehen davon, dass sie die befohlene Ermordung dutzender Gefangener psychisch kaum durchgestanden hätten. Hierfür wäre zweifellos die Wachmannschaft herangezogen worden oder gegebenenfalls Soldaten von Wehrmacht und SS, die vor der herannahenden Front in Massen Richtung Böhmen zurückströmten. Insgesamt sahen die örtlichen Verantwortlichen offenbar die Russen überwiegend als Gefahr für sich selbst, so dass sie das Problem durch eine 'räumliche Verlagerung' aus der Welt schaffen wollten: Der Häftlingszug verließ am 25. April die Gegend. Entgegen den beim ITS registrierten Zeugenaussagen verließ diese Kolonne den Raum Höll-Haselbach aber nicht in Richtung Süden (die Amerikaner standen schon kurz vor Waldmünchen, in Schönthal und Ast), sondern über Nepomuk (Capartice) ins Landesinnere von Böhmen. Auf die weiteren, schon in den Tagen zuvor durch den Großraum Waldmünchen getriebenen Todesmärsche sei an dieser Stelle vorläufig nur kurz hingewiesen: Laut ITS kam ein Häftlingsmarsch bereits am 21. April aus der Tschechoslowakei und wurde über Waldmünchen und Ast nach Wetterfeld getrieben; dort trafen mehrere weitere Kolonnen aus dem KZ Flossenbürg mit abertausenden Häftlingen an; noch am 23. April wurden 46 Häftlinge massakriert, bevor US-Einheiten die noch vor Ort befindlichen Überlebenden befreiten.

 

Der Mord an den beiden Russen in Grafenried fand also wohl am 24. April statt. Von Seiten der Dorfbewohner, die den Vorfall ganz offenbar hautnah mitbekamen, sind zusätzliche Details überliefert, deren Wahrheitsgehalt aber teilweise schwankt. Als Täter wird ein einheimischer NS-Funktionär genannt oder aber ein junger SS-Offizier. Sinngemäß berichtete eine Augenzeugin, die damals eine junge Frau war, folgendes: Eines Tages saßen zwei zerlumpte Gestalten auf dem Holzplatz. Sie machten eine Geste, dass sie Hunger hätten. Die Mutter brachte Kaffee mit eingebrocktem Brot, die beiden Männer machten zum Dank das Kreuzzeichen. Kinder scharten sich um die beiden. Einige von ihnen erzählten davon im Wirtshaus, wo sich ein auswärtiger, junger SS-Mann in Uniform befand. Dieser machte sich sofort auf, führte die beiden ins Holz und erschoss sie dort. Die Leute vom Dorf holten Hacken und Schaufeln.“

 

Angeblich handelte es sich bei den beiden Russen um Vater und Sohn, wozu immerhin der auf der Darstellung des Totengräbers beruhende SNB-Bericht passt, der von einem deutlich unterschiedlichen Alter spricht (20 bis 22 und 40 bis 45 Jahre). Andere Zeitzeugen wollen wissen, dass die beiden späteren Mordopfer dem Gefangenenzug kurzzeitig entkommen seien, in einem Anwesen des (heute ebenfalls verschwundenen) Dorfes Anger (Úpor) Zuflucht gefunden hätten, dann jedoch mehr oder weniger in die falsche Richtung gegangen seien, so dass sie wieder in das Umfeld des Gefangenenzuges gekommen seien. Der einheimische NS-Funktionär, dem, wie gesagt, eine Tatbeteiligung zugesprochen wird, soll schon in den Jahren zuvor durch besonderen Fanatismus hervorgetreten sein. Zu bemerken ist auch, dass im Raum Grafenried eine Truppe auswärtiger sogenannter "Panzervernichter" der Hitlerjugend präsent war, die in der Nacht vom 25. auf den 26. April von Untergrafenried aus einen nächtlichen Blitzangriff auf eine Panzereinheit der Amerikaner ausführte, die bereits nach Schäferei vorgerückt war (zwei leichte US-Panzer "Stuart" wurden durch Panzerfaustbeschuss zerstört, bis zu drei US-Soldaten verwundet); solche Panzervernichtungstrupps der HJ kämpften in diesen Tagen auch im Raum Schönsee und Grafenkirchen (Löwendorf) und standen unter der Führung von Offizieren, die teils als fanatisch und gefährlich beschrieben wurden. Ferner lag in Untergrafenried in den Tagen vor dem Einmarsch der Amerikaner auch der 3. Zug der 5. Volkssturmkompanie Waldmünchen.

 

Die Zeitzeugen berichten weiter, dass die beiden Leichen nach der Exhumierung auf dem Friedhof hinter der dortigen Kapelle begraben wurden. Später habe die tschechische Verwaltung das Grab mit einem Sowjetstern markieren lassen; bei der Umbettung mussten die Grafenrieder zusehen.

 

Die beiden Russen wurden nur zwei Tage vor der Ankunft der Amerikaner ermordet: Am Nachmittag des 26. April (der Tag, an dem auch Waldmünchen und Höll nach heftigen Gefechten erobert wurden) erreichten US-Panzer das Dorf. Tags zuvor, am 25. April (also nur ein paar Stunden nach dem Durchzug des Todesmarsches und dem Mord), war Grafenried wie viele andere Orte entlang der Grenze von amerikanischer Artillerie beschossen worden, zwei Bewohner starben (das alte Ehepaar Johann und Margarethe Bauer). Insgesamt forderte der massive Artilleriebeschuss auf den ganzen Grenzstreifen zwischen Böhmisch- und Bayerisch-Schwarzach (Švarcava), Waier (Rybník), Friedrichshäng-Plöss (Pleš), Oberhütten-Paadorf (Horní Hut-Hranična) und Grafenried am 25. und 26. April 1945 nicht weniger als 26 namentlich bekannte Tote unter der Zivilbevölkerung. Wenn sich deutsche Einheiten, v.a. das "Skijäger-Bataillon" aus Taus, hier nicht zur Verteidigung eingerichtet hätten, wäre es vermutlich nicht zu einer derart hohen Opferzahl gekommen. In den spannungsreichen Tagen vor der großen Offensive der 90th US Infantry Division am 30. April kam es bei Grafenried zu keinen größeren Kampfhandlungen; lediglich für den 28. April ist ein kurzes Feuergefecht bezeugt (allerdings starben weiter nördlich, zwischen Paadorf und Neid (Závist) vier US- und drei deutsche Soldaten im Kampf, da zwischen Waier und Haselberg-Lískovec eine Verteidigungslinie verlief). Insofern war also auch die einheimische Bevölkerung von den Kriegsereignissen, von Tod, Leid und Zerstörung empfindlich betroffen – diese Tatsachen gehören als historische Fakten mit dazu, wenn man sich ein Gesamtbild über die Situation Ende April machen will.

 

Somit also sind die Gerüchte über den Mord an den beiden Russen am 24. April in Grafenried durch die Berichte des SNB und die Unterlagen des ITS nun bestätigt. In der Sterbematrikel der Pfarrei Grafenried, die bis Mai 1946 von Pfarradministrator Josef Gerl weitergeführt wurde, und in den beiden Orts-Chroniken finden sich keine Hinweise auf den Vorfall. Bald gerieten die im Friedhof bestatteten Toten in Vergessenheit, wohl nicht zuletzt deshalb, weil Grafenried in den 1950er Jahren zerstört wurde und die Dorfstelle fortan im Sperrgebiet lag.

Im Sommer 2019 wurde hinter der Friedhofskapelle, deren Grundmauern wiedererrichtet wurden, eine kleine Gedenkstätte für die beiden Mordopfer errichtet: Ein Birkenkreuz und ein von Feldsteinen umsäumtes Blumenbeet.

 

Zusatz: In den letzten Kriegstagen durchzogen mehrere von Norden her, aus den Konzentrationslagern Flossenbürg, Helmbrechts und Buchenwald kommende Todesmärsche mit russischen, französischen, polnischen Häftlingen, darunter auch solche jüdischen Glaubens, die Gegend Bischofteinitz, Ronsperg, Taus. Es kam zu einer Reihe von Morden seitens der Wachmannschaften sowie zu Todesfällen durch Erschöpfung; weitere Opfer waren durch Tieffliegerangriffe zu beklagen. Die Dokumente der tschechslowakischen Verwaltung bieten eine Vielzahl detaillierter Hinweise, die auf dieser Internetseite nach und nach aufgearbeitet werden sollen. So gab es Ende April 1945 auch bei Weißensulz (Bělá nad Radbuzou) insgesamt drei gewaltsame Todesfälle: Zwei Ukrainer wurden am 29. oder 30. April beim Weiler Bärentanz (Hvozd) getötet, wohl durch Wehrmachtsoldaten; ferner wurde in dieser Gegend am 29. Juni 1945 die Leiche eines Russen im Gemeindegebiet Pössigkau (Bezděkov) / Zemschen (Třemešne) aufgefunden. Auch in Horschau (Horšov) bei der Ziegelei sollen drei Russen erschossen worden sein. Diese Vorkommnisse sind nur einige von mehreren.

 

Externe Links:

- Reise ohne Wiederkehr: Artikel auf onetz.de zu den Todesmärschen in der Oberpfalz

- Friedhof Grafenried (Lučina) mit der Kuppel der Friedhofskapelle(mutmaßliche Grabstelle) auf zanikleobce.cz

 

Fotos und Dokumente (zum Vergrößern bitte anklicken):


Die Minenexplosion bei Díly (Kreis Domažlice) am 1. Mai 1945: Sieben US-Soldaten sterben kurz vor Kriegsende

 

Ein recht bekannter Erinnerungsort an die schweren Kämpfe Anfang Mai 1945 im Waldgebirge zwischen Waldmünchen und Domažlice befindet sich in der Nähe der Ortschaft Díly (früher auch Nový Postřekov). Westlich der Gemeinde, oberhalb im Wald, steht an einer Forststraße, die zu den nach 1946 zerstörten sudetendeutschen Dörfern Waltersgrün (Valtířov) und Nimvorgut (Nuzarov) führt, eine größere Gedenkstätte: Ein Stein mit Inschrift, eine Holzhütte mit Wrackteilen und eine Informationstafel. Was ist hier geschehen?

 

Am Abend des 30. April 1945 war der 90. US Infantry Division ("Tough 'Ombres"), die die tschechischen Orte Klentsch (Klenčí), Chodov (Meigelshof), Trhanov (Chodenschloss) und schließlich Domažlice (Taus) erobern wollte, zwischen Waldmünchen und Furth im Wald der Durchbruch durch den Pass von Nepomuk (Capartice) sowie in der Further Senke bei Vollmau (Folmava) und Böhmisch-Kubitzen (Česká Kubice) nur teilweise geglückt. Dies lag am heftigen Widerstand der deutschen 11. Panzerdivision ("Gespensterdivision"), die unter Generalleutnant Wend von Wietersheim mit etwa 10.000 Soldaten und schwerem Gerät im Großraum Taus lag. Die 11. Pz.Div. hatte sich auf beiden Seiten des Čerchov verschanzt, um den weiteren Vormarsch der Amerikaner in Richtung Pilsen zu verzögern - trotz der vollkommen ausweglosen militärischen Gesamtsituation und in sturem Gehorsam gegenüber der befehlshabenden 7. Armee. Der Großoffensive vorausgegangen waren tagelange blutige Kämpfe entlang der Linie Waier (Rybník), Schwarzach (Švarcava), Paadorf, Neid (Závist), Haselbach (Lísková), Fichtenbach (Bystřice), Vollmau, Maxberg (Maxov) und Neumark (Všeruby). Es gab dutzende von Toten auf beiden Seiten, vor allem auch unter der Zivilbevölkerung des Grenzstreifens.

 

Besonders heftig war der deutsche Widerstand bei Sophienthal (Černá Řeka), Nepomuk (Capartice), Böhmisch-Kubitzen (Česká Kubice) und Neumark (Všeruby). Am Abend des 30. April musste die 90. US Infantry auf der 720 m hohen Passhöhe von Nepomuk haltmachen, ebenso bei Kubice, und konnte erst am nächsten Morgen den Angriff in Richtung Klentsch, Trhanov-Chodov und Taus wieder aufnehmen. Von Nepomuk aus zogen sich die deutschen Verteidiger (vor allem das Panzerregiment 15 und die Panzerjägerabteilung 61) in der Nacht planmäßig in Richtung Taus zurück. Ihre weitere Taktik für die folgenden Tage bestand nun darin, den Vormarsch der US-Truppen durch Artilleriebeschuss aus der Ferne aufzuhalten. Dieses Sperrfeuer tötete am Vormittag des 1. Mai in Klentsch und Chodov vier US-Soldaten und einen tschechischen Zivilisten. Dennoch konnte die 90. US Infantry an diesem Tag Klentsch, Chodov und Trhanov befreien (diese Orte waren wie viele andere auch seit 1940 dem Landkreis Waldmünchen angeschlossen, was verständlicherweise zu erheblicher Verbitterung der tschechischen Bevölkerung des Chodenlandes führte; das Denkmal für den Nationaldichter des Chodenlandes Jindřich Šimon Baar in Výhledy wurde als Akt der Demütigung bewusst gesprengt).

 

Gegen 15.00 Uhr am 1. Mai 1945 wurden die beiden Angriffsbataillone des amerikanischen 358. Infantry Regiment nach über 30-stündigem Einsatz abgelöst und kehrten in ihre Ruheräume nach Waldmünchen zurück. Das 2. und das 3. Bataillon sowie das 712th Tank Battalion hatten in der zweitägigen Operation zwischen Haselbach, Sophienthal, Nepomuk und Klentsch 55 Soldaten, darunter 11 Gefallene, verloren, ferner zwei "Sherman"-Panzer. Die 11. Panzerdivision verlor 14 Tote und 136 Gefangene, darunter etliche Verwundete, und einen "Panzer IV" sowie einen "Marder III" (weitere vier ihrer Soldaten waren schon am 28. und 29. April im Umfeld des deutschen Hauptquartiers bei Nepomuk und Trhanov sowie am Arnstein bei Waldmünchen gefallen). Nun ließ der Kommandeur der 90th Infantry, Major General Herbert L. Earnest, das ausgeruhte 1. Bataillon nachrücken, welches in Reserve gelegen war und jetzt die neu eroberte Frontlinie stabilisieren sollte. Dabei nahmen die Amerikaner am Nachmittag des 1. Mai auch den Talkessel von Wassersuppen (Nemanice) kampflos ein. Außerdem sollten über Klentsch hinaus die Orte  Postřekov (Possigkau) und Waltersgrün (Valtířov) besetzt werden, die am östlichen Fuß von Schauerberg (Škarmanka) und Haltrava-Gebirge liegen. Von hieraus sollte der Anschluss an die 97th Infantry Division "Trident" erreicht werden, die jetzt über Waier (Rybník) und Stockau (Pivoň) auf breiter Front nach Ronsperg (Poběžovice) vorrückte, das am 1. Mai schließlich ebenfalls erobert wurde. Im Raum Wassersuppen kehrten die verängstigten Bewohner aus den Wäldern zurück, in die sie mitsamt Hab und Gut geflohen waren, und wurden mit den Folgen der Kämpfe konfrontiert – brennende Häuser in Althütten (Stará Hut), Sophienthal und Nepomuk, zurückgelassenes Kriegsmaterial, ausgebrannte Panzer. Über 20 gefallene Soldaten beider Seiten lagen entlang der Passstraße Haselbach-Nepomuk, dutzende von Verwundeten mussten versorgt werden. Während die 90th US Infantry ihre Toten und Verwundeten auf Lkw nach Waldmünchen brachte, blieb es für die andere Seite im Endeffekt der Bevölkerung überlassen, die gefallenen Wehrmachtsoldaten vor Ort zu bestatten (diese Gräber wurden bislang nur teilweise zur Kriegsgräberstätte Marienbad umgebettet; im Raum Sophienthal-Nepomuk ruhen noch neun Wehrmachtangehörige in insgesamt sechs Gräbern an Ort und Stelle dort, wo sie gefallen waren).

 

Am Spätnachmittag des 1. Mai befreiten die US-Soldaten der Kompanie A des 1. Bataillons, 358. Infantry Regiment, 90. US Infantry Division, das tschechische Díly, das in der Nacht zuvor von 63 Granaten getroffen worden war, weil auch hier deutsche Truppen lagen, vermutlich der Aufklärungsabteilung 11 der 11. Panzerdivision. Kompanie B besetzte das sudetendeutsche Waltersgrün (Valtířov), wo zwischen 30 und 45 Gefangene gemacht wurden. Auch Waltersgrün war tags zuvor beschossen worden: Als am 30. April während der Kämpfe einige Granaten das Böhmerwalddorf trafen, wurde der 58-jährigen Elisabeth Schröpfer (eine geborene Šindelář aus Postřekov) durch ein Geschoss der rechte Arm mitsamt Schultergelenk abgerissen. Man brachte sie in das Reservelazarett Ronsperg, wo sie noch die Sterbesakramente bekam und am 1. Mai verstarb. Nach Kriegsende, am 13. Mai, musste der gerade erst sechs Jahre alt gewordene Erich Andreas Stockert aus Waltersgrün Nr. 17 sterben, als eine liegengebliebene Handgranate explodierte, welche dem Jungen Darm und Harnblase zerfetzte (dasselbe Schicksal traf den 11-jährigen Franz Krieger aus dem nahen Walddörflein Nimvorgut, der am 30. April – während der Kämpfe bei Sophienthal – durch die Explosion einer zurückgelassenen Panzerfaust verblutete, mit der er gespielt hatte).

 

Insgesamt beschreiben die Einsatzberichte der 90. US Infantry den deutschen Widerstand zwischen Díly und Waltersgrün als „leicht bis mittelmäßig“. Da über direkte Kampfhandlungen in diesem Gebiet nichts bekannt ist, dürfte sich dies auf das deutsche Störfeuer beziehen – aber auch auf die schwere Minenexplosion, die nach der recht problemlosen Einnahme von Díly und Waltersgrün nicht weniger als sieben US-Soldaten das Leben kostete: Dies ist der Vorfall, an den die Gedenkstätte von Díly erinnert.

 

Zu den Einzelheiten: Zur Abwehr von Patrouillen und zur Verzögerung des feindlichen Vormarsches verlegte die 11. Panzerdivision Minen. Dabei geriet auch eine Waldstraße in den Blick, die kurz vor dem Ortseingang von Díly abzweigt und nach Waltersgrün und Nimvorgut führt. Diesen Weg würden die Amerikaner von der einen oder anderen Richtung aus sicher benutzen, so das Kalkül. Am 30. April gegen 16.00 Uhr, als gerade der Kampf um die Passhöhe von Nepomuk begann, beobachteten Einwohner von Díly drei Soldaten, die sich mit zwei Panzerminen in den Wald begaben – aller Wahrscheinlichkeit nach Pioniere des Panzer-Pionier-Bataillons 209 der 11. Pz.Div., welches bei der Kapitulation noch 307 Mann zählte. Diese Pioniere verminten die Brücke der besagten Waldstraße, etwa 200 Meter vor dem heutigen Denkmal; die Stelle heißt „Dobrá voda“.

 

Für die Katastrophe, die sich nun am Nachmittag des 1. Mai ereignete, liegt der Augenzeugenbericht eines US-Soldaten vor. Benjamin W. Taylor war Angehöriger der Kompanie D des 1. Bataillons. Er berichtet zunächst von einer Begegnung mit General Patton, dann von der Explosion (ich habe den englischen Text ins Deutsche übersetzt; die Originalquelle ist leider nicht mehr im Internet zu finden):

 

„Nachdem wir die Grenze überschritten hatten, bewegten wir uns auf einer Straße, und ein ‚Maschinengewehr-Jeep’, der einen Munitionsanhänger zog, fuhr an uns vorbei und bog in eine Kurve ein. In dem Jeep saßen ungefähr sechs MG-Schützen. Wir verwendeten oft Jeeps, um Mörser und Munition zu transportieren. Da fuhren sie über eine Panzermine, die den Jeep in der Mitte auseinanderriss. Die Räder wurden weggeschleudert, der Anhänger flog weg und stürzte in das von der Explosion verursachte Loch. Die Männer wurden in Stücke gerissen. Ich kannte den Fahrer. Sein Name war Simons. Er hatte mir zuvor erzählt, dass sein Vater im Ersten Weltkrieg war und noch am letzten Tag des Krieges getötet wurde. Simons sagte mir: Er selbst habe das Gefühl, wenn er bis zum letzten Tag überlebe, dann würde er doch noch getötet werden. Er überlebte aber nicht bis zum letzten Tag. – Ein wenig später warteten wir auf Befehle. Da war ein Bauernhaus in der Nähe und einige unserer Jungs hörten, wie Hühner gackerten. Es lief bei uns immer so ab: Wenn die Hühner gackerten, ging ein Soldat in den Hühnerstall und nahm die Eier heraus. Die Tschechen aber brauchten die Eier unbedingt, um sich selbst zu ernähren – und so rannten sie, als die Hühner gackerten, gleich zum Hühnerstall, bevor unsere Soldaten hineinkommen konnten.“

 

Man muss hier zunächst festhalten, welchen unterschiedlichen Eindrücken der junge Soldat in kürzester Zeit emotional ausgesetzt war: Erst die Begegnung mit General Patton (der nur kurz fluchen musste, um einen Fahrzeugstau aufzulösen), dann die Explosion des Jeeps, und schließlich die amüsante Episode, wie zwischen Tschechen und Amerikanern ein Wettrennen um die Hühnereier beginnt.

 

Opfer der Minenexplosion wurden GI's des 2. Platoon (Zug) der Company D, 1. Battalion, 358th Infantry Regiment. Die D-Kompanie verfügte über schwere Waffen (Mörser, MGs) und unterstützte hier die Infanterie-Kompanien A und B . Aus den Erinnerungen tschechischer Bewohner geht hervor, dass eine ganze Fahrzeugkolonne unterwegs war. Zuerst passierten ein Halbkettenfahrzeug M3 und ein Jeep die Stelle, ohne die Mine auszulösen. Der nachfolgende Jeep vom Typ „Willys“ aber, der noch einen Munitionsanhänger zog, fuhr über die Mine, deren Explosion das Fahrzeug mitsamt den Insassen regelrecht zerfetzte. Die Explosion war so heftig, dass Wrackteile und sterbliche Überreste in einen Radius von 50 Metern zerstreut wurden. Gegen 18.00 wurden die Leichen von vier GI's – Rümpfe ohne Gliedmaßen – nach Díly gebracht. Einen weiteren Torso ohne Beine und mit nur einer Hand sowie ein noch im Stiefel steckendes Wadenbein fanden tschechische Bewohner später im Wald. Insgesamt starben bei der Explosion sieben US-Soldaten, zwei wurden verwundet.

 

Getötet wurden:

- William Q. Howell, S Sgt (*1924, Kentucky)

- Walter M. „Buddy“ Basinger, Sgt (*12.7.1916, North Carolina)

- Alfred „Red“ Simons, Pfc (*22.10.1909, Texas)

- James V. Green, Pfc (*1926, Arkansas)

- Richard V. Pegg, Pfc (*5.1.1922, Georgia)

- Marion McIlwain, Pfc (*1925, Alabama)

- Newell Moss, Pfc (*7.4.1923, Georgia)

 

Verwundet wurden Pfc William F. Morfield (1925-2001, er wurde später Geistlicher) und Pfc Edward F. Lyons. Bei den Opfern handelte es sich um Bedienmannschaften schwerer Maschinengewehre. Pfc (Gefreiter) Newell Moss wurde separat von den anderen sechs Toten erst einen Tag später als „vermisst“ (MIA) gemeldet, dann aber als „gefallen“ (KIA) für den 1. Mai definiert. Wahrscheinlich war es seine Erkennungsmarke (oder die von Howell), auf der die Bewohner, die erst später seinen Leichnam fanden, einen Namen lasen, den sie als „Joe Newell“ identifizierten und zur Erinnerung in einen Stein einkratzten. Möglicherweise fuhren Newell Moss und die beiden Verwundeten in einem anderen Fahrzeug oder gingen zu Fuß nebenher, als sie von der Explosion getroffen wurden. - Bei der Suche nach den weiteren sterblichen Überresten unterstützten Einwohner von Díly die US-Soldaten. Dabei kam es zu einer brenzligen Situation, als plötzlich zwei versprengte deutsche Soldaten auftauchten, welche die Zivilisten nach dem Weg zur Grenze fragten, dann aber sofort von den Amerikanern gefangen genommen wurden.

 

Die Klärung des Schicksals der Toten gelang mir (Dr. Markus Gruber) schon in den Jahren 2009 bis 2011 in Zusammenarbeit mit Martin Drbal und Norm Richards aus St. Louis, dem Historiker der "90th Division Association". Der Zufall wollte es, dass der Vater von Richards ebenfalls im 2. Zug der D-Kompanie diente und die Gefallenen kannte; weitere Informationen lieferte ein auf den 3. Juni 1945 datierter, in Oberviechtach aufgegebener Brief des Militärarztes John A. Young, der noch Erste Hilfe leisten wollte. Bei den weiteren Forschungen und der Gedenkarbeit stiftete der Umstand Verwirrung, dass die Bevölkerung von Díly den Jeep irrtümlich dem 38th Regiment der 2. Infantry Division zuordnete. Diese Einheit, die am 5. Mai Taus befreite, löste die Männer der 90. Infantry hier ab, jedoch erst am 2. Mai, als 35 Mann mit Geschützen und fünf Panzern in Díly einrückten. Verständlicherweise merkten sich die befreiten Tschechen die Markierungen auf den Nummernschildern der Fahrzeuge genau, und so schrieben sie auch auf die Wrackteile des Jeeps von Díly mit weißer Farbe "2-38-I" und "Díky (= Danke), Thank you friends, We remember". Diesem Irrtum sind auch die Produzenten der Informationstafel am Ort des Geschehens aufgesessen.

 

Das Wrack des Jeeps lag jahrzehntelang mehr oder weniger unangetastet im Wald, was auch daran gelegen haben könnte, dass das Gebiet in Nähe der von der Pohraniční stráž (PS) abgeriegelten Grenzzone lag. Erst in den 1990er Jahren, nach Ende der kommunistischen Herrschaft, war es den Einheimischen möglich, ihren amerikanischen Befreiern zu danken: Sie errichteten 1994 ein Denkmal am Ort des Geschehens, dessen erste Inschrift damals so lautete: „TO THE GRATEFUL MEMORY OF AMERICAN ARMY SOLDIERS, WHO PUT THEIR LIVES DURING THE LIBERATION OF DILY, ON MAY 1, 1945 – GRATEFUL CITIZENS NOVEMBER 15, 1994.“ Zu deutsch: "Dem dankbaren Andenken an Soldaten der amerikanischen Armee, die während der Befreiung von Díly am 1. Mai 1945 ihr Leben gaben. Dankbare Bürger, 15. November 1994". Einige Jahre später änderte man die Inschrift, wohl um das Englisch zu verbessern: "IN ETERNAL MEMORY OF THE U.S. ARMY SOLDIERS WHO LAID DOWN THEIR LIVES ON LIBERATING THE VILLAGE OF DILY ON MAY 1, 1945, GRATEFUL CITIZENS." Zu deutsch: "In ewigem Gedenken an die Soldaten der US-Armee, die ihr Leben gaben für die Befreiung des Dorfes Dily am 1. Mai 1945. Von dankbaren Bürgern."  Die Reste des Jeeps (verbogene Metallteile und ein Kanister) werden in einer kleinen Holzhütte aufbewahrt. Alljährlich am 1. Mai findet dort eine Gedenkfeier statt.

 

Im Jahre 2015 wurde in der Ortsmitte von Díly, vor der Kapelle, eine weitere Gedenkstätte mit den Namen der Opfer eingeweiht, allerdings ohne den von Newell Moss, dem siebten Toten, den ja erst ich durch gründliche Recherche der vollständigen Originaldokumente noch entdecken konnte. Dieser Gedenkstein wurde auf Initiative tschechischer Military-Organisationen errichtet, die sogenanntes "reenactment" betreiben –  ein fragwürdiges "Nachspielen" der blutigen Kriegsereignisse in nachgefertigten Uniformen und ‚echten’ Fahrzeugen und Waffen. Bei der Feier anwesend war auch der 90-jährige Veteran Vernon Schmidt. Die zugleich errichteten Tafeln informierten ausführlich über die Geschehnisse.

Die Explosion von Díly war derjenige Vorfall im Kampfraum, bei dem die meisten Menschenleben auf einmal zu beklagen waren: Die US Army wurde so für nur wenige Stunden aufgehalten - in einem für Deutschland schon lange verlorenen Krieg.

 

Fotos und Dokumente (zum Vergrößern bitte anklicken):

Zusatz: Über die problematischen Aspekte der Gedenkarbeit aller beteiligter Kriegsparteien (Deutsche, Amerikaner, Tschechen) habe ich mich in meinem Buch "Endkampf im Böhmerwald" auf S.255f. kritisch geäußert: Durchweg wurde und wird das Gedenken politisch vereinnahmt, so früher auf den Veteranentreffen der 11. Panzerdivision in Bad Kötzting während des Kalten Krieges (Stichwort NATO-Partnerschaft), ferner in unkritischer Erinnerungsliteratur deutscher und amerikanischer Veteranen (der Krieg als Abenteuer und vollbrachte Leistung, in dem "feindliches" Leben kurzerhand vernichtet wird), oder aktuell in der Begeisterung für Waffen und Technik, bei der die millionenfache menschliche Tragödie vergessen wird, die sich zudem nach dem 8. Mai 1945 fortsetzte. Gegenüber Volksfesten und Shows erscheint stilles Gedenken angebracht, und zwar für alle Opfer.

 

In diesem Zusammenhang werde ich demnächst auch auf die "Operation Cowboy" eingehen, als Ende April 1945 bei Hostau (Hostouň) die Lipizzanerpferde der Wiener Hofreitschule bei einem angeblichen Scheinangriff gerettet wurden: Doch in den angeblichen Cowboy- und Agentenkrimi waren nur wenige der führenden Stellen von US Army und Wehrmacht eingeweiht, so dass der "Scheinangriff" keiner war und mehrere Soldaten starben, darunter vier 16-jährige (!) RAD-Männer (Reichsarbeitsdienst) bei Heiligenkreuz (Újezd Svatého Kříž) am 28. April. Ihre Todesursache: Kopfschuss.

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Absturz eines Schulflugzeugs Siebel Si 204 bei Wonischen (Ohnišťovice) im Jahre 1943 und einer Junkers Ju-88 (?) bei Nepomuk (Capartice 1941

 (Aktualisierung Juni 2020: Nähere Daten der Absturzopfer bekannt)

Unter den Flugzeugabstürzen im früheren Kreis Bischofteinitz (Horšovsky Týn) während der Krisen- und Kriegszeit 1938-1945 scheinen zwei besonders mysteriös zu sein, da sie aufgrund unklarer Angaben miteinander verwechselt werden können. Ohne auf die verwickelten Zusammenhänge hier näher eingehen zu wollen, sei auf diesen Artikel im Domažlický Deník verwiesen: Link hier

Zum einen stürzte ganz offensichtlich am 13. Oktober 1941 bei Nepomuk (Capartice) gegen 15.30 Uhr ein Flugzeug ab, das die Technik-Experten aufgrund der Trümmerteile, die in großer Zahl am Buchenberg (Bučina) gefunden wurden, als Ju-88 identifizieren. 

Bei diesem Absturz kamen mindestens zwei Wehrmachtangehörige ums Leben:

- von der Ohe, Ernst: Feldwebel, *29.09.1916 in Schiol bei Kiel, 1. Staffel (F) Ergänzungs-Aufklärungsgruppe Ob.d.H., bestattet im Friedhof Duisburg

- Hirschfeld, Gerhard: Unteroffizier (und Bordmechaniker), *31.12.1919 in Schellsitz/Weißenfels (Sachsen-Anhalt), 1. Technische Kompanie der Aufklärungs-Fliegerschule (F) 3 Perleberg, bestattet im Gemeindefriedhof Schellsitz

Trotz intensiver weiterer Nachforschungen ließen sich keine weiteren Toten feststellen. Möglicherweise waren also nur zwei Besatzungsmitglieder an Bord. Das (F) steht für Fernaufklärer (Aufklärungsflugzeuge).

 

Zwei Jahre später, am 3. September 1943, verunglückte gemäß einem Dokument der Wehrmachtverwaltung eine Maschine der Flugzeugführerschule B 8 Wiener Neustadt. Als Verlustort der Siebel Si-204 wird „bei Bischofteinitz“, alternativ „bei Ronsperg“ genannt. Alle sieben Besatzungsmitglieder wurden getötet. In diesem Fall war bislang unbekannt, wo genau der Absturz stattfand.

Für die zumindest teilweise Klärung dieses zweiten Unglücks hilft die heimatgeschichtliche Fachliteratur: In dem Standardwerk „Unser Heimatkreis Bischofteinitz“, 1967 herausgegeben vom gleichnamigen Verein mit Sitz Furth im Wald, findet sich in der Ortsbeschreibung des Dorfes Wonischen (Ohnišťovice) bei Ronsperg folgende Bemerkung des Berichtschreibers Josef Mahal (S.288):

„Am 3. September 1943 war in der Flur „Unteres Uterl“ ein zweimotoriges deutsches Schulungsflugzeug in der Luft explodiert, wobei die neunköpfige Besatzung den Tod gefunden hatte.“ Auch wenn hier von neun Toten die Rede ist, kann aufgrund der exakten Datumsangabe kein Zweifel daran bestehen, dass es sich hier um die in Frage stehende Siebel Si-204, in der Tat ein Schulflugzeug, handelt.  Wonischen liegt etwa drei Kilometer südöstlich von Ronsperg (Poběžovice), auf halbem Weg zwischen der damaligen Bezirksstadt und Metzling (Meclov), am Schwarzbach (Černý potok), kurz bevor dieser in die Pivoňka mündet. Die Flur „Unteres Uterl“ befindet sich wohl östlich des Dorfes in Nähe dieses Zusammenflusses.

Durch anschließende Recherche sind aktuell (Update Juni 2020!) über die nähere Identität der sieben Absturzopfer zusätzliche Aussagen möglich. Da die Toten offenbar alle in ihre Heimatorte übergeführt wurden (der Abtransport soll bei brütender Hitze über den Bahnhof Ronsperg erfolgt sein) und bis auf eine Ausnahme in privat gepflegten Familiengräbern ruhen, sind sie beim Volksbund Kriegsgräberfürsorge nicht in der „Gräbersuche online“ erfasst, welche nur die ‚offiziellen’ Kriegsgräberstätten beinhaltet.

Die Namen und Daten der am 3. September 1943 tödlich Verunglückten:

- Feldwebel und Hilfsfluglehrer Günther Leidel: *04.01.1918 in Drebkau (Brandenburg), bestattet im Friedhof Nordhausen (Thüringen)

- Feldwebel und Navigations-Hilfslehrer Hans Rüder: *30.09.1910, bestattet im Evangel. Friedhof Sülfeld-Bad Oldeslohe; erwähnt auch auf dem Denkmal der Stadt Bargfeld-Stegen (Schleswig-Holstein)

- Feldwebel Helmut Tapper: *10.08.1915 in Nürnberg, bestattet im Evangelischen Friedhof Norden (Kriegsgräberstätte)

- Fähnrich und Flugschüler Ottokar Diegmüller: *15.08.1924 in Hünfeld (2./Fliegerausbildungs-Regiment 53), bestattet im Friedhof Hünfeld (Hessen)

- Fähnrich und Flugschüler Karlheinz Jaenichen (4./Flieger-Rgt. 22): *16.5.1924 in Saarbrücken

bestattet im Friedhof Saarbrücken-Burbach (Block 46, Grab 363)

- Fähnrich und Flugschüler Hubert Kasper (10./Ausbildungs-Rgt.. 21): *23.7.1923 in Jauer (Niederschlesien, Kreis Liegnitz/Legnica), bestattet in Glatz (Niederschlesien)

- Gefreiter und Flugschüler Willy Korbus: *25.10.1922 in Köln, bestattet im Friedhof Bensheim (Hessen)

 

Wonischen um 1930. Im Vordergrund ist abgebauter Feldspat zu sehen.
Wonischen um 1930. Im Vordergrund ist abgebauter Feldspat zu sehen.

Wonischen (Ohnišťovice): Auch kleine Orte wurden von den Kriegsereignissen betroffen

 

Das ursprünglich sudetendeutsch besiedelte Wonischen wurde 1186 erstmals erwähnt und bekam seinen deutschen Namen aus dem Tschechischen, der soviel wie „Brandstätte“ (ohniště) bedeutet. Der Ort war berühmt für seine reichen Vorkommen von Feldspat und Quarz, wovon jährlich bis zu 1.000 Waggons gefördert wurden (siehe Foto). Die Verarbeitung erfolgte unter anderem im nahen Mahlwerk von Metzling (Meclov). Die Fachkenntnis beim Ausheben der Fördergruben war dann in der Kriegszeit von Nutzen, als ein 52 Meter langer Luftschutzbunker gebaut wurde, der die gesamte Bevölkerung von Wonischen (1930: 238 Menschen in 42 Häusern) hätte aufnehmen können. Im Jahre 2011 hatte Ohnišťovice 44 Bewohner.

 

Bei Kriegsende 1945 kamen bei Wonischen zwei deutsche Staatsangehörige ums Leben. Dieser Fall lässt sich im Staatlichen Kreisarchiv Domažlice (SOkA) nachweisen (Bestand ONV Horšovsky Týn i.č. 383 IX/10). Demnach wurden am 2. Februar 1948 im Wald „Mastná hora“, südwestlich von Wonischen auf halbem Weg nach Wilkenau (Vlkanov) nahe der Bahnlinie, die Überreste zweier Personen exhumiert. Gemäß dem Bericht des SNB Poběžovice an die Gemeinde Meclov war der eine ein unbekannter Zivilist, bei dem keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod gefunden worden seien. Bei dem anderen Toten soll es sich, so der SNB-Bericht, um einen Wehrmachtangehörigen namens Franz Weisenberger gehandelt haben, an dessen Schädel hinten ein Einschuss festgestellt wurde. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei Franz Weisenberger um den 23-jährigen Gärtner aus  Ronsperg, der seit Mai 1945 als vermisst gilt. Die Überreste der beiden Toten wurden in den Friedhof Metzling übergeführt und dort beigesetzt.

Anzufügen ist, dass im Friedhof Metzling noch zwei weitere im Mai 1945 ums Leben gekommene deutsche Soldaten bestattet wurden: Am 4. Mai fiel am westlichen Ortsrand von Wottawa (Otov) der 20-jährige Obergefreite Horst Hammerstein (*22.11.1924 in Kassel) durch MG-Schüsse in Rumpf und Oberkörper, offensichtlich im Gefecht gegen das amerikanische 38th Infantry Regiment, 2nd Infantry Division; er gehörte zu derjenigen deutschen Luftwaffeneinheit, die mit tschechischen Partisanen aus Postřekov (Possigkau) zusammenstieß, wobei sechs junge Tschechen ebenfalls am 4. Mai offenbar zwischen den Fronten den Tod fanden (dieser tragische Vorfall sollte unvoreingenommen untersucht und beurteilt werden, siehe das Buch „Endkampf im Böhmerwald“ des Autors, S.237f.). Der zweite Tote war ein unbekannter Wehrmachtangehöriger, der in Zivilkleidung offenbar in Richtung Westen unterwegs war und am 10. Mai bei Wottawa (Otov) gewaltsam ums Leben kam; an eben diesem Tag wurden auch vier Bewohner von Wottawa getötet, offenbar durch Partisanen.

Kurze Ortsbeschreibung von Wonischen mit aktuellen Fotos auf Wikipedia hier.

Wonischen um 1930. Im Vordergrund ist abgebauter Feldspat zu sehen.
Wonischen um 1930. Im Vordergrund ist abgebauter Feldspat zu sehen.

Wonischen (Ohnišťovice): Auch kleine Orte wurden von den Kriegsereignissen betroffen

 

Das ursprünglich sudetendeutsch besiedelte Wonischen wurde 1186 erstmals erwähnt und bekam seinen deutschen Namen aus dem Tschechischen, der soviel wie „Brandstätte“ (ohniště) bedeutet. Der Ort war berühmt für seine reichen Vorkommen von Feldspat und Quarz, wovon jährlich bis zu 1.000 Waggons gefördert wurden (siehe Foto). Die Verarbeitung erfolgte unter anderem im nahen Mahlwerk von Metzling (Meclov). Die Fachkenntnis beim Ausheben der Fördergruben war dann in der Kriegszeit von Nutzen, als ein 52 Meter langer Luftschutzbunker gebaut wurde, der die gesamte Bevölkerung von Wonischen (1930: 238 Menschen in 42 Häusern) hätte aufnehmen können. Im Jahre 2011 hatte Ohnišťovice 44 Bewohner.

 

Bei Kriegsende 1945 kamen bei Wonischen zwei deutsche Staatsangehörige ums Leben. Dieser Fall lässt sich im Staatlichen Kreisarchiv Domažlice (SOkA) nachweisen (Bestand ONV Horšovsky Týn i.č. 383 IX/10). Demnach wurden am 2. Februar 1948 im Wald „Mastná hora“, südwestlich von Wonischen auf halbem Weg nach Wilkenau (Vlkanov) nahe der Bahnlinie, die Überreste zweier Personen exhumiert. Gemäß dem Bericht des SNB Poběžovice an die Gemeinde Meclov war der eine ein unbekannter Zivilist, bei dem keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod gefunden worden seien. Bei dem anderen Toten soll es sich, so der SNB-Bericht, um einen Wehrmachtangehörigen namens Franz Weisenberger gehandelt haben, an dessen Schädel hinten ein Einschuss festgestellt wurde. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei Franz Weisenberger um den 23-jährigen Gärtner aus  Ronsperg, der seit Mai 1945 als vermisst gilt. Die Überreste der beiden Toten wurden in den Friedhof Metzling übergeführt und dort beigesetzt.

Anzufügen ist, dass im Friedhof Metzling noch zwei weitere im Mai 1945 ums Leben gekommene deutsche Soldaten bestattet wurden: Am 4. Mai fiel am westlichen Ortsrand von Wottawa (Otov) der 20-jährige Obergefreite Horst Hammerstein (*22.11.1924 in Kassel) durch MG-Schüsse in Rumpf und Oberkörper, offensichtlich im Gefecht gegen das amerikanische 38th Infantry Regiment, 2nd Infantry Division; er gehörte zu derjenigen deutschen Luftwaffeneinheit, die mit tschechischen Partisanen aus Postřekov (Possigkau) zusammenstieß, wobei sechs junge Tschechen ebenfalls am 4. Mai offenbar zwischen den Fronten den Tod fanden (dieser tragische Vorfall sollte unvoreingenommen untersucht und beurteilt werden, siehe das Buch „Endkampf im Böhmerwald“ des Autors, S.237f.). Der zweite Tote war ein unbekannter Wehrmachtangehöriger, der in Zivilkleidung offenbar in Richtung Westen unterwegs war und am 10. Mai bei Wottawa (Otov) gewaltsam ums Leben kam; an eben diesem Tag wurden auch vier Bewohner von Wottawa getötet, offenbar durch Partisanen.

Kurze Ortsbeschreibung von Wonischen mit aktuellen Fotos auf Wikipedia hier.

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Flugzeugabstürze 1940 bei Tschernahora (Černá Hora) und Mirschikau (Mířkov), Kreis Bischofteinitz (Horšovský Týn)

 

Während des Zweiten Weltkriegs und schon zuvor, seit der Annexion des Sudetenlandes durch das Dritte Reich sowie der nachfolgenden sogenannten Zerschlagung der (restlichen) Tschechoslowakei, kam es auch im Raum Bischofteinitz und Taus zu einer Reihe von Flugzeugabstürzen, die bedingt waren durch Unfälle, aber auch durch Kampfhandlungen. Es handelte sich fast ausschließlich um Flugzeuge der deutschen Luftwaffe sowie der westlichen Alliierten, v.a. der US-Luftwaffe (USAAF), die ab 1943 einen großen Aktionsradius bis in die Gegend Pilsen und Prag hinein hatte.

Viele dieser Abstürze sind auf mehreren Internetseiten akribisch erfasst: leteckabadatelna.cz, vrtulnik.cz (direkter Link zum Raum Pilsen), hloubkari.wordpress.com

In den Sterbematrikeln zweier Gemeinden sowie einer Ortschronik konnte ich Hinweise auf zwei weitere Flugzeugabstürze finden, die auf den genannten Seiten bislang noch nicht erfasst sind:

1) Bei dem Dorf Tschernahora (Černá Hora), nordöstlich von Weißensulz (Bělá nad Radbuzou), stürzte am 24. Juni 1940 um 17.30 Uhr ein Flugzeug nicht näher bekannten Typs am Waldrand ab. Dabei starb der 25-jährige Flieger-Unteroffizier Wilhelm Bowe, der am 3. Januar 1915 in Kochem bei Koblenz geboren worden war und römisch-katholischen Bekenntnisses war. Der Sterbebucheintrag erfolgte auf mündliche Anzeige von Siegfried Kaudel, Arzt in Weißensulz. Als Todesursache wird angegeben: „Schädelbasisbruch durch Aufschlag bei Flugzeugabsturz.“

Wilhelm Bowe wurde auf der Kriegsgräberstätte Marienbad (Mariánské Lázně) in Block A, Reihe 7, Grab 19 beigesetzt.

Link zum Sterbebucheintrag auf portafontium

Ortsbeschreibung von Tschernahora auf Wikipedia

Der deutsche Ortsname "Tschernahora" stellt lediglich eine Umschrift des tschechischen "Černá Hora" dar, was einmal mehr die wechselhafte Besiedlung derselben Gegend durch  Slawen und Germanen verdeutlicht. Benannt scheint der Ort nach dem 662 Meter hohen Berg südlich des Ortes, der dem Flugzeugführer vermutlich zum Schicksal wurde.

 

 

2) Ein zweiter Flugzeugabsturz ereignete sich im selben Jahr am 5. Dezember 1940 bei Mirschikau (Mířkov), ein Dorf, das neun Kilometer nordwestlich von Bischofteinitz an der Straße nach Tachau liegt. An diesem Tag um 10.30 Uhr stürzte ein Flugzeug der Luftwaffe, das vom Fliegerhorst Pilsen in Richtung des „Altreichs“ unterwegs war, im Bereich der Sieben Berge (Sedmihoří) während eines Schneesturms ab und stürzte auf den mittleren Weiherberg. Holzhauer bekamen den Absturz mit, konnten den vier Besatzungsmitgliedern aber nicht mehr helfen: Alle waren sofort tot. An der Absturzstelle wurde zunächst ein Birkenkreuz, später ein Granitstein aufgestellt. Dieser, so berichtet die Chronik von Mirschikau weiter, wurde nach Kriegsende von den Tschechen beseitigt.

Die Namen der vier Toten, die der Schülerkompanie des Fliegerausbildungsregiments 13 Pilsen angehörten, finden sich in der Matrikel des Standesamtes Mirschikau:

- Flugschüler Gefreiter Johann Mertel, *24.12.1919 in Nürnberg

- Flugschüler Gefreiter Herbert Hose, *25.12.1920 in Neuses, Bezirk Coburg

- Fluglehrer Oberfeldwebel Gottfried Haberlander, *1.10.1905 in München

- Bordfunker Feldwebel Ernst Harbach, *3.12.1912 in Königsberg/Ostpreußen

 

Die Toten wurden in der Kriegsgräberstätte Pilsen bestattet, die vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge im Jahre 1997 instandgesetzt wurde.

 


"Verstorben im Lazarett": Todesfälle deutscher Soldaten im Lazarett Klenčí pod Čerchovem (Klentsch) sowie den umliegenden Lazaratten im Jahre 1945

 

Auch Nachträge zu meinem im August 2017 erschienenen Buch „Endkampf im Böhmerwald“ sollen auf dieser Internetseite veröffentlicht werden. Nachforschungen im „Staatlichen Kreisarchiv Domažlice“ (Státní okresní archiv Domažlice) brachten neue Erkenntnisse zu den militärisch bedingten Todesfällen bei Kriegsende 1945 im tschechisch-deutschen Grenzgebiet zwischen Waldmünchen, Klentsch (Klenčí pod Čerchovem) und Taus (Domažlice): Die Anzahl der Toten muss, so ist leider zu sagen, weiterhin nach oben korrigiert werden. Auch Todesorte und Gräber lassen sich nun näher bestimmen. So existieren im Umfeld von Nepomuk (Capartice) und Výhledy ein Gruppengrab mit drei Toten sowie vier Einzelgräber deutscher Soldaten, die hier zwischen dem 28. und dem 30. April 1945 gefallen sind. Näheres hierzu wird demnächst hier veröffentlicht werden.

 

Zunächst aber sei hier ein Thema behandelt, das leicht in Vergessenheit gerät: Das Schicksal der in den Lazaretten verstorbenen Soldaten. Vor allem zum Lazarett Klenčí pod Čerchovem lassen sich nun nähere Angaben machen. Hier befand sich seit November 1944 in der heutigen Schule (Hauptstraße Ortsdurchfahrt) ein Lazarett der Wehrmacht für Soldaten, die an den Fronten verwundet worden waren und hier genesen sollten, um bald wieder dem Vernichtungskrieg zur Verfügung zu stehen. Auch Baracken in der Nähe des Friedhofs sollen Verwundete beherbergt haben. Klentsch war offenbar Außenstelle des Lazaretts Furth im Wald, das eine Kapazität von 770 Betten hatte (die Lage von Furth am Durchgangspass nach Böhmen und an der Hauptbahnlinie in Richtung Pilsen-Prag machte die Stadt zu einem günstigen Ort für die Einrichtung eines Lazaretts). Neben Klentsch befanden sich weitere Teillazarette auch in den tschechischen Orten Chodov (Meigelshof), Babylon und Česká Kubice (Böhmisch Kubitzen). Die nächsten größeren Lazarette waren Klatovy (Klattau) und Waldmünchen. In der Kreisstadt Waldmünchen wurden verwundete Wehrmachtangehörige in der Mädchenschule (heute Berufsschule) gepflegt, während die Knabenschule (zur Zeit in Renovierung) kurzzeitig Verwundete der SS beherbergte. Auch im Ortsteil Herzogau war im Grenzlandhotel ein Lazarett eingerichtet worden, welches „gemischt“ war. Als sich die 90th US Infantry Division Waldmünchen näherte, evakuierten die örtlichen Stellen auf Veranlassung von Dr. Winkler die Patienten vor allem nach Klentsch, wohl erst am 25. April, dem Tag vor der Eroberung Waldmünchens.

 

1) Lazarett Klenčí pod Čerchovem (Klentsch)

 

Was speziell Klentsch betrifft, so verstarben hier zwischen Februar und Juli 1945 im Lazarett insgesamt 14 Verwundete. Alle wurden auf dem örtlichen Pfarrfriedhof bestattet und ruhen in Einzelgräbern nebeneinander entlang einer der Friedhofsmauern. Die Gräber wurden nicht gekennzeichnet und sind mittlerweile wohl von Zivilgräbern überbaut worden.

Die Namen und Daten der Verstorbenen entstammen der Datenbank des Volksbunds deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der Sterbematrikel der Pfarrei Klenčí pod Čerchovem (Ort Klentsch, Buch III) sowie dem Aktenbestand des SoKA Domažlice (MNV Klenčí pod Čerchovem, i.č. 157).

Nach dem Todesdatum geordnet lauten die Namen wie folgt:

 

  • Brosch, Karl: Gefreiter, *20.1.1896 in Gross-Darkowitz (Kreis Ratibor, Schlesien), +3.2.1945, bestattet 6.2.1945. Todesursache: „Asthma bronchiale, Herzmuskelschwäche infolge der Kämpfe in Oberschlesien“
  • Fuss, Christian: SS-Rottenführer und Automechaniker, *11.1.1923 in Gross-Scheuern (Kreis Hermannstadt, Rumänien), +7.2.1945. Todesursache: „Kreislaufschwäche infolge Fleckfieber“ 
  • Eberwein, Karl: Feldwebel des Feld.Ers.Btl. 28, *13.2.1918 in Wellerode Kreis Kassel, +16.4.1945, bestattet 18.4.1945. Todesursache: „Kreislaufschwäche bei Hirnhautentzündung nach Hirnabriss bei Granatsplitterverletzung an der linken Kopfseite“ (Namensvariante: "Ebermaier") 
  • Woldt, Karl: Oberfeldwebel (1. Kompanie, „Bataillon v. Bozke“), *5.8.1898 in Stolzenberg, +16.4.1945, bestattet 18.4.1945. Todesursache: „Schienbeinschussbruch u. Gasbrand, Lungeninfarkt-Embolie, Herz- u. Kreislaufschwäche“ (vermutlich nicht korrekte Namensvariante: „Volf, Karl“, +17.4.1945) 
  • Papp, Paul: +18.4.1945 
  • Hartmann, Josef: +4.5.1945. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um den Gefreiten und Werkzeugmacher Josef Hartmann, *6.3.1922 in Maisach (Oberbayern), Einheit: Aufklärungsabteilung 11, 11. Panzerdivision. Die 11. Panzerdivision lag Ende April im Raum Taus, Teile ihrer Aufklärungsabteilung waren bei Klentsch. Somit dürfte der 23-jährige Josef Hartmann Opfer der Kampfhandlungen zwischen 28. April und 1. Mai geworden sein (vermutlich durch Artilleriebeschuss); er wäre der einzige Tote des Lazaretts, bei dem ein Kampfbezug relativ sicher ist.                                                                                                                                                                                                               

Beim Fall Josef Hartmann und bei den folgenden Fällen ist nicht klar, ob das angegebene Todesdatum das tatsächliche ist oder es sich nicht vielmehr um das Datum der Bestattung handelte:

  • Jakel, Gustav: Obergefreiter, *25.5.1902 in Hottendorf, Einheit: 2. Batterie Schwere Flak Abteilung 615, letzte Nachricht März 1945 Slowakei, +4.5.1945
  •  Weck, Siegfried: +4.5.1945 
  • Wilschalt, Oskar: +4.5.1945 
  • Mauer, Fritz: +11.5. oder 19.5.1945 (eventuell  sind hierTodes- und Bestattungsdatum getrennt vermerkt) 
  • Groser, Arthur: +15.5. oder 20.5.1945 (Name eventuell auch „Grosser“ oder „Großer“)
  •  Christ, Anton: Rottwachtmeister, *28.12.1892 in Wien, +15.5.1945 „im Lazarett Taus bei Pilsen“. Andere Datumsangaben: 21.5. oder 21.6. In einem Dokument der tschechischen Verwaltung erscheint dieser Tote – für das Lazarett Klentsch – als „Chrift von Wien“, so dass trotz der Angabe "Taus" eine Identität als sicher anzunehmen ist. 
  • Vimja, Vorname unbekannt: +22.5.1945 (oder 22.6.). Der merkwürdige Name dieses Toten, der sich nur in den tschechischen Dokumenten findet, könnte „Wijma“ gelautet haben, welcher niederländischer Herkunft wäre, doch ist dies nur eine Vermutung. 
  • Fiedler, Raimund: *20.5.1906, +3.7.1945, bestattet 12.7.1945

 

Soweit die Sterbefälle des Lazaretts Klentsch. Unklar bleibt (bis auf den Fall Hartmann), wie viele derjenigen, die noch ab dem 4. Mai verstarben, Opfer der örtlichen Kampfhandlungen geworden waren.

 

2) Lazarett Chodov (Meigelshof)

 

Für das Teillazarett Meigelshof (Chodov) lässt sich ein weiterer Todesfall belegen:

Philipp, Thomas: Obergefreiter, *1899, +29.4.1945 im Teillazarett Meigelshof. Ein Bezug zu den Kämpfen lässt sich nicht sicher ausmachen.

 

Thomas Philipp, der auch Philipp Thomas geheißen haben könnte, wurde vermutlich auf dem Pfarrfriedhof des Nachbarortes Thranov (Chodenschloß) bestattet. Diese Vermutung liegt insofern nahe, als Chodov keinen eigenen Friedhof hatte.

Im Jahre 2005 konnte der Volksbund Kriegsgräberfürsorge im Friedhof Thranov einen toten deutschen Soldaten exhumieren und auf die zentrale Kriegsgräberstätte Marienbad (Mariánské Lázně) überführen, bei dem es sich vielleicht um den schon 46-jährigen Obergefreiten Thomas Philipp handelte.

Zusatz: Dokumente der tschechischen Verwaltung aus der frühen Nachkriegszeit weisen für den Friedhof Trhanov jedoch zwei oder sogar drei deutsche Soldatengräber aus. In einem  ruht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der folgende Tote:

Eisenkolb, Ernst: Obergefreiter, *13.7.1921 in Olleschau (vermutl. Oleška/Nordböhmen), Einheit: 2. Kompanie Aufklärungsabteilung 11, +28.4.1945 in Meigelshof (Chodov). Ernst Eisenkolb fiel beim Beschuss der tschechischen Orte Chodov und Trhanov, wo sich das Hauptquartiert der 11. Panzerdivision befand. Auch dieser Tote wurde wohl von Chodov auf den Pfarrfriedhof Trhanov gebracht.

 

Informationen zu den Sterbefällen der anderen Lazarette folgen hier zu gegebener Zeit.


Blutige Maitage 1945: Die Kämpfe zwischen Eisenstein, Hartmanitz (Hartmanice) und Schüttenhofen (Sušice)

 

Teil 1: Seewiesen (Javorná), Alt-Brunst (Starý Brunst), Haidl am Ahornberg (Zhůří), Stubenbach (Prášily)

 

Noch verhältnismäßig unbekannt sind die Kampfhandlungen im Raum Eisenstein, Hartmanitz (Hartmanice), Bergreichenstein (Kašperské Hory) und Schüttenhofen (Sušice), auf der tschechischen Seite des Arber-Gebirges in damals überwiegend sudetendeutsch besiedeltem Gebiet. Dies, obwohl innerhalb von nur etwa vier Tagen, zwischen dem 3. und dem 6. Mai 1945, über fünfzig deutsche Soldaten den Tod fanden. Lediglich die Kampfhandlungen in Haidl am Ahornberg (Zhůří) sind einer breiteren Öffentlichkeit, v.a. in Tschechien, bekannt – weil hier, am Fuß des 1.090 Meter hohen Ahornbergs (Javorná) die amerikanische 90. Infantry Division ein letztes, sinnloses Opfer erbringen musste, nachdem die „Tough Ombres“ (so der Spitzname der aus Texas stammenden Elitedivision) Ende April und Anfang Mai bereits den Durchbruch durch die Böhmerwaldpässe bei Waldmünchen-Taus und Furth im Wald-Neumark gegen die deutsche 11. Panzerdivision („Gespensterdivision“) erreicht hatte.

 

Jedoch gab es neben Haidl noch weitere Schauplätze blutiger Gefechte, und auch für Haidl selbst müssen die Fakten, soweit sie noch erschließbar sind, zurechtgerückt werden. Es ist kaum zu glauben, aber die in der Öffentlichkeit, d.h. im Internet und auch Printpublikationen, kursierende Version des Gefechts von Haidl am 5. Mai, beruht ganz offenkundig ausschließlich auf dem „After Action Report“ der 90. US Infantry. Da dieser Einsatzbericht schon seit langem bequem auf der Internetseite der Veteranenvereinigung dieser Division verfügbar ist (hier), haben sich schon früh Publizisten und Hobbyforscher darauf gestürzt. Und wie es in Zeiten des Internets so ist, verbreitete sich diese eine Version immer weiter. In Haidl wurde in der Folgezeit auch ein Gedenkstein für die dort gefallenen US-Soldaten errichtet.

 

Zu den Fakten. Die im „After Action Report“ zu findende Darstellung lautet in Übersetzung wie folgt:

 

„4. Mai: Die 2. Cavalry Group hatte beträchtliche Schwierigkeiten, das dichte Waldgelände [zwischen Eisenstein und Schüttenhofen] zu durchqueren. Eine Einheit deutscher Offiziersschüler leistete erbitterten Widerstand. Im Verlauf dieses Tages wurde ein Zug der 2. Cavalry abgeschnitten und ausgelöscht. Dieser Vorfall sollte Auswirkungen auf die 90. Infantry Division haben.“

 

„5. Mai: 357. Infantry Regiment: Die Gesamtlage war mehr als unklar und von einem schweren Gefecht am Vortag mit der 2. Cavalry geprägt. … Das 3. Bataillon saß ab, marschierte nach Alt-Brunst und griff in südöstlicher Richtung über das abfallende Gelände hin an. … In Zhuri (Haidl) kam es zur Katastrophe. Die Lage war, wie gesagt, unklar. Als Company I zwei eigene M8-Halbkettenfahrzeuge und Jeeps in dem Ort bemerkte, rückte die Truppe zuversichtlich weiter vor. Aber dies war gar nicht die eigene Cavalry-Einheit: Diese Fahrzeuge waren tags zuvor von fanatischen deutschen Offiziersschülern erbeutet worden, als sie die 2. Cavalry tags zuvor überfallen hatten. Als nun ein Zug der Company I über offenes Gelände vorrückte, eröffneten die beiden erbeuteten Aufklärungsfahrzeuge das Feuer, und andere feindliche Soldaten schossen mit ihren Handfeuerwaffen. Zehn US-Soldaten wurden getötet, zehn verwundet. Die Company war über diese schweren Verluste, die in einem solch späten Stadium des Kriegs eintragen, schockiert und brach den feindlichen Widerstand im Nahkampf. 24 Feinde wurden getötet, 76 gefangengenommen. Abgesehen von den beiden M8-Fahrzeugen wurden vier Jeeps wieder in Besitz genomen.“

 

Soweit der Report, den als einer der ersten wohl Zdeněk Roučka in seinem populären Buch „A přinesli nam svobodu. And along came freedom“ (Pilsen 2005) aufgegriffen und kommentarlos der Öffentlichkeit präsentiert hat. Unter anderem davon ausgehend wiederholt eine Internetseite nach der anderen diese Version, siehe zum Beispiel die folgende Auswahl:

 

Eine Geocaching-Seite

Seite des Info-Portals sumavaregion.cz

Tourismus-Seite sumava.cz

Seite zum Kriegsende in Susice

Bericht in einer Tageszeitung

 

Eigenständige Nachforschungen in den Originalquellen, ja überhaupt in Archivmaterial deutscher Provenienz, werfen ein ein anderes Licht auf die Geschehnisse. Vor allem konnte hierbei auch die Identität der Todesopfer auf Seiten der Wehrmacht festgestellt werden.

 

Zunächst zur Rolle der 2. Cavalry. Deren 2nd Reconnaissance Group, eine Aufkärungsabteilung, nahm am 4. Mai den Ort Seewiesen ein (Javorná, früher auf tschechisch auch Zejbiš). Dann jedoch geriet die mit leichten Fahrzeugen ausgerüstete Abteilung in einen deutschen Hinterhalt, und zwar bei Alt-Brunst (Starý Brunst) und Haidl am Ahornberg (Zhůří), etwa drei Kilometer südlich von Seewiesen. In diesem Gefecht, bei dem die deutschen Verteidiger den US-Aufklärungstrupp einkesselten, wurden vier GI’s verwundet, zwei starben (Pvt Fred W. Ashley und Pvt Georg H. Buttron), 22 wurden gefangengenommen. Quelle: https://dragoonshistory.wordpress.com . Die Deutschen erbeuteten auch zwei US-Fahrzeuge vom Typ M8 und vier Jeeps, in denen sie die gefangenen GI’s wegfuhren, die ihre kurze Gefangenschaft unbeschadet überstanden. Laut dem Bericht der 2. Cavalry starben in diesem ersten Gefecht, nachdem Hilfe gekommen war, auch zehn deutsche Soldaten, zwei wurden gefangen genommen.

 

Dieser Darstellung, dass schon am 4. Mai zehn deutsche Soldaten im infanteristischen Gefecht gefallen seien, widerspricht nun ein anderer Bericht: Tatsächlich dürften die unter Druck geratenen Amerikaner Tiefflieger zu Hilfe geholt haben, deren Luftangriff dann bei Alt-Brunst stattfand. Laut dem sehr sorgfältig gearbeiteten Buch „Šumava. Co zmizelo z Královského hvozdu“ des Regionalhistorikers Vilém Kudrlička (Verlag Baset, Prag 2005), der Zugang zu Gemeindearchiv und Pfarrmatrikeln hatte, flogen am 4. Mai 1945 US-Tiefflieger einen Angriff auf eine deutsche Einheit, die in Alt-Brunst lag. Demnach waren drei Soldaten, die Leutnant Bertold Beil und Franz Michell sowie Wachtmeister Günther Walther, sofort tot und wurden im Friedhof Seewiesen (Javorná) bestattet. Acht weitere Soldaten wurden so schwer verwundet, dass sie im Lazarett Seewiesen (untergebracht in der dortigen Schule) bald verstarben. Auch sie wurden auf dem örtlichen Friedhof in einem eigenen Sammelgrab bestattet, und zwar am 14. Mai. Im Jahre 1994 erfolgte durch den Volksbund Kriegsgräberfürsorge eine Umbettung nach Marienbad, wo in Block E, Reihe 26, in zwei Sammelgräbern (814-816 und 817-824) diese elf namentlich bekannte Soldaten ruhen.

 

Im zweiten, größeren Grab in Marienbad ruhen aber auch noch zwei Unbekannte (N.N.). Wenn man nun der Orts- und Kirchenchronik von Haidl am Ahornberg (Zhůří) folgt, welche Pfarrer Heinrich Krampe verfasste und die in der in der Zeitschrift „Glaube und Heimat“ (Heft 1, Jahrgang 2003, S.29ff.) abgedruckt wurde, sind im nahen Haidl am Ahornberg bei der Einnahme des Dorfes durch die Amerikaner am folgenden Tag, dem 5. Mai, drei deutsche Soldaten gefallen, die am 8. Mai auf dem „hiesigen Friedhof“ bestattet wurden, also ebenfalls in Seewiesen: Fahnenjunker-Oberfeldwebel Herbert Kaltofen, Grenadier Walter Pröls und Fahnenjunker-Unteroffizier Christoph Scherer. Aller Wahrscheinlichkeit sind Kaltofen und Pröls die beiden Unbekannten, die ebenfalls nach Marienbad umgebettet wurden. Über den laut „Glaube und Heimat“ dritten Toten, Christoph Scherer, liegen keine verlässlichen Angaben vor.

 

 

Mit diesen drei Toten ist man nun bei dem bekannten Gefecht um Haidl am 5. Mai angelangt: Drei Gefallene, nicht 24! Es besteht kein Anlass, an der Chronik von Pfarrer Krampe oder der örtlichen Sterbematrikel, in der lediglich diese drei Einträge stehen, zu zweifeln. Und was in den zitierten Internetquellen ebenfalls nicht angeführt wird, ist der Umstand, dass nach der Aufreibung des Aufklärungstrupps zunächst US-Artillerie noch am 4. Mai die Gegend mit Artilleriebeschuss belegte. Die Granaten töteten in Haidl Nr. 60 den Bauern Andreas Baierl. In der weiteren Umgebung wurde auch das Gut Holzschlag (Paseka) getroffen, wobei zwei Frauen getötet wurden. Aufgrund des für den nächsten Tag zu erwartenden Angriffs der Amerikaner flüchteten, so der in „Glaube und Heimat“ wiedergegebene Bericht des Pfarrers, in der regnerischen Nacht vom 4. auf den 5. Mai fast alle Bewohner in Richtung Seewiesen. Haidl lag also stundenlang unter Beschuss.

 

Am folgenden Tag, den 5. Mai, griffen die Amerikaner das nun bereits beschädigte, verlassene Dorf Haidl an – in dem sich jedoch weiterhin deutsche Soldaten verschanzt hielten, die nun, nach dem Prinzip der asymmetrischen Kriegsführung, ihren buchstäblich „hinterhältigen“ Trick anwendeten und die anrückenden Infanteristen des 357. US-Regiments der 90. Infantry in eine tödliche Falle lockten. Als sich die GI’s ohne Argwohn ihren vermeintlichen Kameraden, die sie in den offen aufgestellten eigenen Fahrzeugen wähnten, über freies Gelände näherten, eröffneten die Deutschen das Feuer. Daraufhin griffen die beiden US-Kompanien I und K Haidl von zwei Seiten her an, bis das Dorf gegen 15.00 Uhr eingenommen war.

 

Zwischenfazit: Wenn man sich nur auf den einen Einsatzbericht der 90. Infantry Division verlässt, könnte der Eindruck entstehen, dass zwischen Seewiesen, Alt-Brunst und Haidl insgesamt sogar 34 deutsche Soldaten gefallen wären, zehn am 4. Mai und 24 am 5. Mai. Tatsächlich lassen sich „nur“ 14 Gefallene nachweisen – noch immer mehr als genug dafür, dass die Amerikaner für ein paar Stunden in einem sowieso verlorenen Krieg aufgehalten wurden. Unter den deutschen Toten befinden sich allein vier Leutnante und sieben Unteroffiziersdienstgrade – die Mehrzahl war zwischen 19 und 21 Jahre alt! Es soll sich um Offiziersanwärter der Fahnenjunkerschule Pilsen gehandelt haben, von denen rücksichtsloser Einsatz bis zum bitteren Ende erwartet wurde, auch wenn diese Soldaten oft wohl noch gar keinen Fronteinsatz hinter sich gehabt hatten. Als Befehlshaber nennt Pfarrer Krampe einen deutschen Major – offenbar der „normalen“ Wehrmacht. Auch hier ist den bisherigen (tschechischen und amerikanischen) Darstellungen zu widersprechen, die für die Kämpfe am 4. und 5. Mai von „SS“ und „Hitlerjugend“ sprechen, eine oft – auch auf deutscher Seite – zu beobachtende Falschbehauptung oder besser Falschwahrnehmung: Tatsächlich war es bis zum letzten Kriegstag immer wieder die reguläre Wehrmacht, die teils erbitterten Widerstand leistete.

 

Die Namen und Daten der 14 bei Alt-Brunst und Haidl gefallenen Wehrmachtsoldaten seien hier in alphabetischer Reihenfolge gegeben; die Daten sind der „Online-Gräbersuche“ des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge entnommen:

 

  • Beil, Bertold (Leutnant): *8.2.1916 Rastatt, +4.5.1945 Raum Seewiesen
  • Kaltofen, Herbert (Fahnenjunker-Oberfeldwebel): *19.8.1914 Sayda (Mittelsachsen), + Mai 1945 Haidl
  • Krause, Hans (Fahnenjunker-Unteroffizier): *23.2.1925 Kraazen (Kreis Soldlin, Brandenburg), +3.5.1945 Alt-Brunst/Haidl
  • Küfferle, Josef (Leutnant): *3.12.24 Wien III, +4.5.1945, vermutlich Alt-Brunst/Haidl
  • Michell, Franz (Leutnant): *1.6.1925 München, +4.5.1945 Alt-Brunst
  • Müller, Ekkehard (Leutnant): *24.10.1925 Bautzen, +4.5.1945 bei Alt-Brunst
  • Paprotta, Gustav (Oberfähnrich): *8.12.1912 Konzewen (Kreis Johannisburg/Ostpreußen), +4.5.1945 bei Alt-Brunst
  • Piper, Walter: *18.11.1925 Helmstedt, +4.5. bei Alt-Brunst/Haidl
  • Pröls, Walter (Grenadier): *1.4.1925 Mausheim (Kreis Beratzhausen bei Regensburg), +5.5.1945 Haidl
  • Reinöhl, Gottfried (Unteroffizier): *31.10.1924 Aalen, +4.5.1945 bei Alt-Brunst
  • Scherer, Christoph (Fahnenjunker-Unteroffizier): *Augsburg, +5.5.1945 Haidl
  • Sibora, Gerhard (Unteroffizier): *18.1.1919 Magdeburg-Sudenburg, +3.5.1945 „im Böhmerwald“
  • Stieghahn, Erich (Gefreiter): *29.5.1922 Ingeleben-Helmstedt, +4.5.1945 „in der CSR“  
  • Walther, Günther (Wachtmeister): *19.11.1924 Taubenheim, +4.5.1945 Alt-Brunst

Ferner fiel bei Neu-Hurkenthal (Nová Hůrka), das drei Kilometer südlich von Haidl liegt, am 5. Mai 1945 der 20-jährige Alfred Chalupsky, Fahnenjunker-Wachtmeister d.R. und Student der Veterinärmedizin. Seine sterblichen Überreste wurden exhumiert und im Familiengrab in Wien (Österreich) beigesetzt.

 

Auch bezüglich der Verluste der Amerikaner sind einige Angaben zu korrigieren: In den offiziellen „Morning Reports“ der Kompanien I und K des 357. Regiments, die dem Schreiber dieser Zeilen im Original vorliegen, lassen sich neun Gefallene nachweisen, die bei Haidl fielen.

In Company I starben:

  • S Sgt John W. Garner (*30.3.1919)
  • Pfc Arthur L. Cooperman (*1914, New York)
  • Pfc Raymond K.Willenborg (*24.6.1921)
  • Pfc Jack E. Williams (*1927?)
  • Pfc Foster R. Carter (*17.9.1927, Virginia)
  • Pfc Grant W. Blair (*7.9.1913
  • Pvt Roy E. Morvig (*21.1.1923, Minnesota) – erst seit 28. April im Kampfeinsatz!

In Company K starben:

  • Pfc John Farkas (*5.2.1926)
  • Pfc Lupe W. Rodriguez (*22.7.1926, Texas)

Auffallend ist das für die US Army teils sehr junge Alter einiger dieser Toten mit 17- und 18-jährigen: Ersatzsoldaten, die noch kaum Kampferfahrung hatten.

 

Ein zehnter Soldat des 357. Regiments wurde in dieser Gegend ebenfalls am 5. Mai getötet, der jedoch der Company G angehörte, die nicht direkt bei Haidl kämpfte:

  • Pfc Harold L. Wood (*22.1.1919, Maine)

Company G war Teil des 2. Battailons und griff mit Panzerunterstützung südlich von Haidl in Richtung Gutwasser (Dobrá Voda) und Hartmanitz an. Hierbei wurde eine feindliche Einheit von 50 Mann zersprengt. Der 26-jährige Pfc Wood muss an diesem Vorstoß, bei dem er sein Leben ließ, herausragenden Anteil gehabt haben, denn ihm wurde das Distinguished Service Cross (DSC) für außerordentliche Tapferkeit verliehen.

 

Die sonst zu lesende Angabe von zehn Verwundeten bei Haidl lässt sich aus den Morning Reports nicht bestätigen: Lediglich Company I hatte drei Verwundete. Vermutlich entstand der Irrtum deshalb, weil Company K ausgerechnet in diesen Tagen neun Verwundete als „Nachträge“ erfasste, die jedoch alle schon im März 1945 verwundet worden waren, vor allem am 25. März. Dass angesichts von neun Toten nur drei GI’s verwundet wurden (normalerweise muss man ja von viel mehr Verwundeten als Toten ausgehen), erklärt sich aus dem Ablauf des Gefechts: Als die Deutschen aus ihrem Hinterhalt das Feuer eröffneten, wurden offenbar die sieben Soldaten der Company I sofort von MG-Feuer getötet und drei verwundet. Die beiden Toten der Company K scheinen im Häuserkampf in Haidl gefallen zu sein, der auch drei Deutschen das Leben kostete.

 

Die dramatischen Ereignisse lassen sich auch in den „General Orders“ (GO) der 90. US Infantry Division nachvollziehen, in denen die Verleihung von Orden bekannt gegeben wurde. Vier dieser Verleihungen ließen sich ausfindig machen, sie lauten wie folgt:

 

GO 632: „Henry C. Barnack, Corporal, Field Artillery, 343rd Field Artillery Battalion. Für Tapferkeit im Kampf am 4. Mai (sic) bei Zhuri, Tschechoslowakei. Als ein Zug im Angriff von 100 SS-Soldaten beschossen wurde und intensivem Kreuzfeuer aus zwei Maschinengewehren ausgesetzt war, machte Corporal Barnack sein Funkgerät einsatzbereit und übermittelte die Anweisungen des vorgeschobenen Artillerie-Beobachters. Dann aber hatte das Funkgerät einen Defekt. Barnack erkannte die Gefahr und überquerte freiwillig ein Gelände, das unter Feindfeuer lag, besorgte sich ein anderes Funkgerät und kehrte über die selbe gefährliche Route zum Beobachtungsposten zurück. Seine selbstlose, mutige Tag ermöglichte es dem vorgeschobenen Beobachter, genauen Artilleriebeschuss auf die feindliche Truppe zu lenken, was entscheidend dazu beitrug, den Feind zurückzuschlagen. …“

 

GO 578: „Emidius S. Massi, Sergeant, 357. Infantry. Für Tapferkeit im Kampf am 5. Mai 1945 bei Zhuri, Tschechoslowakei. Als ein Zug aus einem Wald in der Nähe des Ortes kam, wurden die Soldaten heftigem Feuer vom Kaliber 37 mm und .50 [= 12,7 mm] ausgesetzt, das von einem erbeuteten US-Aufklärungsfahrzeug kam. Sergeant Massi erkannte, dass dieses Fahrzeug in feindlicher Hand war. Unbeeindruckt von dem Feuerhagel machte Massi einen Granatwerfer einsatzbereit und stoppte mit genauem Granatwerferfeuer das heranfahrende Fahrzeug. Aufgrund seiner mutigen Tat wurde der Feind davon abgehalten, den gesamten Zug auszulöschen. …“

 

GO 578: „John W. Garner, Staff Sergeant, 357. Infantry. Für Tapferkeit im Kampf am 5. Mai bei Zhuri, Tschechoslowakei. Als sich ein Zug von einer Anhöhe herab in offenes Gelände bewegte, wurde die Soldaten von einem Feuerhagel überrascht, der sieben Soldaten tötete und S Sgt Garner schwer verwundete. Er sammelte seine letzten Kräfte, bewegte sich kriechend durch den intensiven Beschuss und wies seine restlichen Männer an, Deckung zu suchen. Bevor auch er in Deckung gelangen konnte, wurde er durch einen weiteren Feuerstoß getötet. Seine Tapferkeit ließ ihn sein Leben opfern, damit seine Kameraden am Leben bleiben könnten. …“

 

GO 578: "Patrick L. Palacio, Pfc, 357. Infantry. Für Tapferkeit im Kampf am 5. Mai 1945 bei Zhuri, Tschechoslowakei. Nachdem ein Zug ein Waldgelände vom Feind gesäubert hatte und weiter in offenes Gelände vorrückte, wurden die Soldaten durch schweres Feuer aus Panzerabwehrwaffen und Maschinengewehren niedergehalten. Obwohl durch den vernichtenden Beschuss sieben Kameraden getötet und drei verwundet wurden, leistete Pfc Palacio, der nur mit einem M1-Karabiner bewaffnet war, trotz aussichtsloser Lage Widerstand und erschoss mit genauen Schüssen einen MG-Schützen. Als nun der Feind das Feuer auf Palacio richtete, schoss dieser weiterhin wirkungsvoll auf die feindlichen Soldaten, bis seine Kameraden sich in eine verhältnismäßig sichere Position gebracht hatten. Palacio’s selbstlose und mutige Handlung trug entscheidend dazu bei, die Überlebenden des Zuges vor Tod oder Gefangenschaft zu bewahren. …“

 

Aus General Order 632 geht hervor, dass sehr wohl Artilleriebeschuss angefordert wurde; allerdings wird hier als Datum der 4. Mai genannt, was entweder eine Verwechslung ist oder sich auf den – durch die Pfarrchronik bestätigten – Beschuss von Haidl schon am Vortag bezieht.

 

Abschließend seien die Kurzdarstellungen des Gefechts auch in den Morning Reports der beiden Angriffskompanien zitiert.

 

Company I schreibt: „Die Kompanie verließ Arnbruck (Deutschland) um 7.00 Uhr auf Lkw. Um 10.20 Uhr kam sie vier Meilen vor Zhuri (Tschechoslowakei) an und saß ab. Das Ziel wurde eingenommen und einige Fahrzeuge, die der Feind erbeutet hatte, wurden zurückbekommen. Die Kompanie rückte dann ab nach Althütten, Tschechoslowakei. Leichter Widerstand, Mörser- und Artilleriefeuer wurden gegen den Feind angefordert. Nachdem der Beschuss zu Ende war, rückte die Kompanie in das Vorfeld des Ortes ein. Kompanie ging in Verteidigungsstellung und errichtete vor dem Ort eine Straßensperre.“

 

Company K berichtet: „Kompanie wurde in Bereitschaft versetzt und verließ Arnbruck um 6.30 Uhr. Sie griff den Feind an und erfüllte den Kampfauftrag. Kompanie jetzt in Verteidigungsstellung. Wetter regnerisch, Moral gut.“ 

Links zu einigen externen Seiten mit Fotomaterial zu den Kämpfen um Alt-Brunst und Haidl am Ahornberg

 

1) Das im Jahre 1994 vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge ausgebettete, also jetzt leere Grab, der am 4. Mai bei Alt-Brunst (Starý Brunst) verwundeten und später verstorbenen acht Wehrmachtsoldaten - Link zu sumava.cz (direkter Link zur Unterseite)

2) Historische und aktuelle Fotos von Haidl am Ahornberg (Zhůří) auf zanikleobce.cz (direkter Link zur Unterseite)

3) Foto und Grabstein des mit nur 17 Jahren gefallenen US-Soldaten Foster R. Carter auf findagrave.com (direkter Link zum Datensatz)

4) Grabstein von Roy E. Morvig, woraus hervorgeht, dass der Name "Morwig", wie er auf dem Gedenkstein in Zhůří zu finden ist, falsch geschrieben ist:

direkter Link zum Datensatz auf findagrave.com

5) Der Gedenkstein für die gefallenen US-Soldaten auf der Seite vets.estranky.cz  (direkter Link zum Datensatz)

 

Fotos und Dokumente (zum Vergrößern bitte anklicken):

 

Teil 2: Sinnloser Widerstand bei Stubenbach (Prášily) und Gruberg (Hrubá) / Neufassung dieses Artikels Oktober 2019

 

Soweit lassen sich die zweitägigen Kampfhandlungen am 4. und 5. Mai bei Seewiesen, Alt-Brunst und Haidl am Ahornberg also verhältnismäßig gut rekonstruieren. Ein weiteres, gemessen an der Opferzahl ebenso heftiges, aber noch kaum erforschtes Gefecht ereignete sich bei dem knapp zehn Kilometer südlich gelegenen Ort Stubenbach (Prášily) am Fuße des Mittagsberges (Poledník). Hier starben bei Kämpfen am 5. und vor allem am 6. Mai nicht weniger als einundzwanzig (21) deutsche Soldaten. Prášily besteht heute nur noch aus wenigen Häusern (Link zu zanikleobce).

Offensichtlich eine weitere Teileinheit der Fahnenjunkerschule Pilsen verschanzte sich bei Stubenbach, um den Vormarsch der 90. US Infantry Division auch hier aufzuhalten – vergeblich. Company B des 358. Infantry Regiments traf offenbar vor allem im Stubenbacher Ortsteil Gruberg (Hrubá), der wie so viele andere Böhmerwaldorte nach 1945 abgerissen wurde, auf Widerstand. Vermutlich spielte sich dieses Gefecht ab wie so viele andere in der Endphase des Krieges: Die verschanzten deutschen Verteidiger feuerten aus dem Hinterhalt auf die vorrückenden Amerikaner, welche den Widerstand mehr oder weniger schnell ausschalteten – auch in diesem Fall zum Preis etlicher Toter. Vier US-Soldaten erhielten für ihr tapferes Verhalten Auszeichnungen, die in den „General Orders“ wie folgt dokumentiert sind:

 

GO 625: „Abraham Schneiderman, Captain, Medical Corps, 358th Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Prášily (Stubenbach), Tschechoslowakei. Ein Soldat wurde verwundet und lag in einem Gelände, das dem Kreuzfeuer eines heftigen Schusswechsels ausgesetzt war. Ohne weiter auf seine eigene Sicherheit zu achten, bahnte sich Captain Schneiderman seinen Weg zu dem Verwundeten, behandelte ihn und sorgte für seine Evakuierung. Dienstantritt in California.“

 

GO 586: „Maurice Smith, Sgt, 358. Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Seebing (= Seeberg/Jezerní), Tschechoslowakei. Während eines Angriffs auf den Ort wurde das Vorrücken einer Infanteriekompanie zeitweise durch schweren Maschinengewehr-Beschuss, der aus einem Gebäude kam, aufgehalten. Ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, bahnte sich Sgt Smith seinen Weg durch die vernichtenden Feuerstöße. Indem er mit seinem Gewehr feuerte, während er vorstürmte, tötete er elf Feinde und zwang die restlichen Feinde sich zurückzuziehen. Seine mutige und angriffslustige Handlung ermöglichte es seiner Kompanie, vorzurücken und den Ort mit einem Minimum von Verlusten einzunehmen. Dienstantritt in Alabama."

 

GO 625: „Otilio Apodaca, Pfc, 358. Infantry. Oak Leaf Cluster zum Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Seeberg (Jezerní), Tschechoslowakei. Während eines Angriffs auf den Ort wurde der Vormarsch einer Infanteriekompanie zeitweise durch tödliches Feuer verschiedener Kaliber aufgehalten, das aus einem Gebäude kam. Ohne auf seine eigene Sicherheit Rücksicht zu nehmen, bewegte sich Pfc Apodaca durch den Feuerhagel, der sich auf ihn konzentrierte, und tötet mit genauen Schüssen elf Feinde und zwang die übrigen Feinde, sich von ihrem Stützpunkt zurückzuziehen. Seine tapfere, mutige Handlung ermöglichte es seiner Kompanie, wieder vorzurücken, den Rest der Feindeinheit aus dem Ort zu vertreiben, 53 Feinde zu töten und zwei zu verwunden. … Dienstantritt in New Mexico.“

 

GO 586: „Dewey Trent, S Sgt, 358. Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei „Seebing“ (= Seeberg/Jezerní), Tschechoslowakei. Ein Platoon war heftigem Beschuss, der aus einem Gebäude kam, ausgesetzt. Ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, drang S Sgt Trent in das Gebäude ein und sah sich sofort einem Feuerhagel aus einem der Räume ausgesetzt. Er bewegte sich aber weiter, schoss und drängte immer weiter, schlug eine Tür ein und nahm sieben Feinde gefangen, von denen einige durch seine Schüsse verwundet worden waren. Seine heldenhafte Tat, welche einen Ort heftigen Widerstands ausschaltete, setzte alte militärische Tradition fort. … Dienstantritt in Kentucky.“

 

Die Familie des letztgenannten GI's, des damals nicht ganz 23-jährigen Dewey Trent aus Kentucky (1922-1997), hat auf der Internetseite der Veteranenorganisation der 90. US Infantry Division eine kurze Biographie zur Verfügung gestellt, aus der hier ein Auszug in Übersetzung zitiert sei, wo der Kampf bei Stubenbach geschildert ist (Link zum Original):

 „Sie hatten gerade eines der Häuser eingenommen und wollten wieder abrücken, als sie etwas hörten. Trent blickte nach oben, und da war ein Deutscher zwischen den Dachbalken und schoss auf ihn. Eine der Kugeln traf ihn innen am Auge, zertrümmerte seinen Kiefer und trat hinten am Nacken wieder aus. Ich hörte später, dass die Sanitäter alles getan hatten, was sie konnten, dass sie ihn aber dann in der Meinung, er sei tot, zurückließen. Als sie aber später bemerkten, dass er doch noch lebte, sorgten sie für weitere medizinische Hilfe. Die amerikanischen Ärzte konnten die Wunde aber nicht behandeln. Jedoch rettete ihn ein deutscher Chirurg, denn die deutsche Medizin war damals fortschrittlicher. Noch Jahre später hatte Trent Probleme damit, wie sein zertrümmerter Kiefer geflickt worden war: Man hatte Draht verwendet, um den Kiefer zu fixieren, aber die Ärzte wollten nichts weiter unternehmen, weil sie Angst hatten, etwas zu verschlechtern. Mein Vater hatte immer eine Drahtzange mit in seiner Hausapotheke: Beim Rasieren berührte der Rasierer manchmal den Draht in der Haut, und mit der Drahtzange konnte er das Stückchen Draht abschneiden, dass da herausgekommen war.“

 

Auch wenn Soldat Trent gerade noch so mit dem Leben davonkam – seine Kriegserlebnisse suchten ihn sein ganzes restliches Leben in Form von Alpträumen und Unruhe heim. Die Erzählung wirft auch ein Licht auf den Fanatismus von zumindest einigen der deutschen Verteidiger. Von einem der anderen US-Soldaten, Otilio Apodaca, ist bekannt, dass er 1956 mit nur 39 Jahren verstarb.

 

Die amerikanische B-Company (358th Infantry Regiment der 90th US Infantry Division "Tough Ombres"), welche hauptsächlich das Gefecht bei Stubenbach führte, bahnte sich an diesem 6. Mai ihren Weg durch die ausgedehnten Wälder rund um den Mittagsberg (Poledník) und wurde dabei in fünf einzelne Gefechte verwickelt; die Einheit eroberte drei nicht näher benannte Orte und machte schließlich in Paseka (Holzschlag) Halt. Auch alle anderen Kompanien des 1. Battalions, 358. Infantry Regiment, waren im Einsatz; das Hauptziel, die Stadt Bergreichenstein (Kašperské Hory), wurde gegen nur leichten Widerstand eingenommen. Durchgehend erwähnen die amerikanischen Einsatzberichte die hohe Zahl von Gefangenen, die freiwillig aufgaben: In diesem Licht hebt sich der fanatische Kampfeinsatz der Offiziersschüler bei Stubenbach noch deutlicher hervor. Auf amerikanischer Seite lässt sich für die Gesamtoperation angeben, dass sechs Soldaten verwundet wurden und, bei Bergreichstein, ein Militärpolizist von einem Scharfschützen erschossen wurde.

 

Die Angabe in der „General Order“ GO 625, dass bei Stubenbach 53 Feinde getötet worden seien, ist sicher eine Übertreibung oder zu ungenau, da sich „nur“ 21 sicher nachweisen lassen. Die beiden Ordensverleihungen für die US-Soldaten Apodaca und Smith nennen zwar als Ort des Geschehens den Weiler Seeberg (Jezerní). Sowohl die Übertreibung eigener Erfolge (Stichwort "overclaiming") als auch die ungenaue Ortsangabe waren gang und gäbe. Die von deutscher Seite gegebenen Darstellungen weisen eindeutig auf das etwas näher bei Stubenbach gelegene Dörfchen Gruberg (Hrubá, Link zu zanikleobce.cz), das im Jahre 1921 aus 12 Häusern bestand.

 

In dem Buch "Im Lande der Künischen Freibauern" (1979) erwähnt Josef Gebert auf Seite 757 die Häuser Nr. 3 und Nr. 6 von Gruberg als Widerstandsnester und schreibt, dass nur vier bis sechs Deutsche im Kampf gefallen seien, die restlichen jedoch mehr oder weniger bei ihrer Gefangennahme umgebracht worden seien: 

„Die Hausbewohner, Karl Schmid mit seiner Frau Resi und einer Ukrainerin, wurden in den Keller gesperrt. Hier mußten sie mitanhören, wie die jungen deutschen Soldaten vergeblich um ihr Leben flehten, ohne ihnen helfen zu können. … [In der Bauernstube und im Vorhaus lagen] tote deutsche Landser über dem Tisch, auf dem Bett und auf dem Fußboden. Möbel und Wände waren mit Blut bespritzt.“ Später dann, in der Zeitschrift "Glaube und Heimat" (Heft 7, 1990, S.41), spricht Josef Gebert von insgesamt 21 Toten, darunter acht bis zehn direkt im Kampf Gefallenen. Sollte die Darstellung zutreffen, dass etwa zehn weitere deutsche Soldaten während oder nach ihrer Gefangennahme zu Tode kamen, so kann man hier von einem Kriegsverbrechen der 90th US Infantry Division sprechen. Die Darstellung von Gebert findet sich in tschechischer Übersetzung auf der Seite kohouzikriz.org: Direkter Link. Emil Kintzl behandelt in der bekannten Reihe "Zmizelá Šumava" ("Verschwundener Böhmerwald") das Gefecht unter dem Titel "Masakr na Grubergu", "Massaker in Gruberg". Zum Video auf stream.cz kommen Sie, indem Sie hier klicken. Es kursiert jedoch auch die Erklärung, dass einige Schwerverwundete nach Ende der Kämpfe verstarben, weil keine medizinische Hilfe möglich war. 

 

Aktuell (Oktober 2019) scheint ein Dokument der US Army ein weiteres Indiz für die Tötung deutscher Gefangener zu liefern. Es handelt sich um das "Unit Journal" des 358th Infantry Regiments, eine Art Einsatzbericht nur für dieses Regiment, der die Kampfhandlungen sehr ausführlich dokumentiert. Signatur: NARA (National Archives and Records Administration), Record Group (RG) 407, 390-INF (358)-0.7 (47403). Für den 6. Mai 1945 ist für 11. 20 Uhr dort folgender Eintrag zu finden, der eine Meldung von Lieutenant Rice an den Regimentsstab enthält: "Lt. Rice reported 11 enemy killed, 3 wounded. Bitter fighting at 1371. 1 Casualty reported." Auf Deutsch: "Lieutenant Rice meldete: "Elf Feinde wurden getötet, drei verwundet. Erbittertes Gefecht bei den Koordinaten 1371. Ein eigener Mann wurde getroffen." (Dokument im Original unter dem Text). Die Koordinaten (13 = vertikal, 71 = horizontal auf dem diesbezüglichen Kartenblatt der US Army) führen genau zum Raum Stubenbach. Die Anzahl der elf getöteten Feinde stimmt exakt mit der in den General Orders 586 und 625 genannten überein.

Nun wird es aber interessant: Nicht elf, sondern neunzehn (19) tote deutsche Soldaten wurden vor Ort in einem einzigen Sammelgrab beerdigt, und zwar auf einem Grundstück des Bauern Karl Hanus, Gruberg Nr. 10, am Waldrand oberhalb von Gruberg. Gebert schreibt weiter, dass von diesen 19 Toten seinerzeit 16 bekannt gewesen seien. Die Eintragung in die Sterbematrikel wurde vorgenommen von dem Pfarradministrator Josef Oberhofer. Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge konnte das Sammelgrab bei Stubenbach-Gruberg nach der Grenzöffnung im August 1994 ausbetten und die Toten in die Kriegsgräberstätte Marienbad überführen, wo sie (teils namentlich identifiziert, teils nicht) in Block E, Reihe 23, in den Gräbern 705 bis 722 ruhen. Exhumiert wurden also in der Tat 19 Tote. Ein zweites Grab mit zwei Toten soll sich direkt am Straßenrand befinden; dieses konnte bislang nicht gefunden werden. Elf unmittelbar getötete und gemeldete Feinde, 19 im Sammelgrab: Was ist mit den anderen acht geschehen? Diese Zahl passt ungefähr zu der Angabe von Josef Gebert, dass etwa die Hälfte der Toten außerhalb des eigentlichen Kampfgeschehens starben.

Dies ist gewiss ein beunruhigender Befund. Jedoch ist der Übergang zwischen einer "normalen" Kampfsituation hin zur Tötung von Gefangenen fließend. Affekte wie Aggression und Wut, die im Kampfgeschehen notwendig sind, enden nicht auf die Sekunde genau, wenn der Gegner kapituliert. Verwundungen von Soldaten im Gesicht oder abgetrennte Gliedmaßen, was eine Zeitzeugin beschreibt, können auch das Resultat eines Feuergefechts sein. Von einer zweiten Zeitzeugin konnten weitere Einzelheiten in Erfahrung gebracht werden: Die Toten wurden am "Brunnwaldl" beerdigt (= Grundstück Hanus) und bekamen Kreuze mit Namen. Zwei Bewohnerinnen schmückten in den Monaten nach Kriegsende das Grab mit Blumen. Der Pfarrer aber, der offenbar noch predigen durfte, warnte vor dem Schmücken des Grabes aufgrund der schon installierten tschechischen Verwaltung.

 

Wer waren nun die Opfer auf deutscher Seite bei Stubenbach-Gruberg? Es scheint sich überwiegend um Offiziersschüler der Wehrmacht von den Artillerieschulen Rokycany und Strašice zu handeln. Die Namen und persönlichen Daten der bei Stubenbach getöteten Wehrmachtangehörigen lassen sich gemäß der Datenbank des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge in alphabetischer Reihenfolge wie folgt angeben (Todesort gemäß dem Original zitiert):

 

  • Bauer, Johann: Leutnant (Ing.), *6.8.1924 Werneuchen [bei Berlin], +6.5.1945 bei den Kämpfen um Stubenbach=Prasily, bestattet in Marienbad Block E, Reihe 23, Grab 711
  • Bierdümpel, Gerhard: Uffz., *9.8.1921 Raguhn [Sachsen-Anhalt], +6.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Diederichs, Harald: Leutnant,  *22.11.1920 Dortmund, +6.5.1945 Raum Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Dürr, Otto: Leutnant, *14.5.1907 Freiburg, +6.5.1945 bei Prasily (Stubenbach); bestattet in Marienbad, Block E, unter den Unbekannten
  • Grözinger, Heinz: Leutnant, *31.1.1925 Schwenningen, +6.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten [Schwenningen gibt es mehrfach, alle Orte liegen im heutigen Baden-Württemberg]
  • Hesbacher, Werner: Gefreiter, *5.12.1923 Leipzig, +6.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Karl, Heribert: Leutnant, *19.2.1920, +Mai 1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Kettner, Ernst: Oberwachtmeister, *23.1.1915 Sangerhausen [Sachsen-Anhalt], +6.5.1945 bei den Kämpfen um Stubenbach, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 716
  • Lodderstedt, Manfred: Uffz., *29.8.1925 Obergurig [Sachsen], +5.5.1945 bei den Kämpfen um Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Löer, Josef: Leutnant, *2.11.1914 Dortmund, +6.5.1945 bei Stubenbach=Prasily, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 706
  • Lorenz, Willy: Unteroffizier, *21.3.1925 Berlin-Charlottenburg, +6.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Ludwig, Josef: Leutnant, *30.6.1912 Bonn, +Mai 1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 709
  • Melson, Karl: Gefreiter, *12.1.1899 Groß Strehlitz (Oberschlesien), +5.5.1945 Prasily (Zusatz: „Zanik obec Susice“, d.h. „zerstörte Ortschaft im Kreis Schüttenhofen), bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 722
  • Müller, Dietrich Ekkehhard: Fahnenjunker-Unteroffizier, *5.5.1926 Stuttgart, +6.5.1945 bei Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Olbermann, Friedrich: Oberwachtmeister, *21.9.1919 Oberhausen, +7.5.1945 bei Prasily, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 718
  • Schmidt, Ewald: Gefreiter, *11.6.1923, +5.5.1945 Stubenbach, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Teichmann, Bernhard: *21.5.1925 Stuttgart, +6.5.1945 bei Prasily, bestattet in Marienbad, Block E, Reihe 23, Grab 717 [Dienstgrad unbekannt]
  • Thiel, Dietrich: *11.11.1925 Berlin-Charlottenburg, +6.5.1945, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • Woltersdorf, Wilhelm: Wachtmeister, *3.9.1907 Straßburg, +6.5.1945 im Raum Stubenbach/Bergreichenstein, bestattet in Marienbad unter den Unbekannten
  • N.N. (?)
  • N.N. (?)

 

Zwei weitere Tote im Raum Stubenbach offenbart die Vermisstenbildliste des Roten Kreuzes, wo auch die Truppenzugehörigkeit vermerkt ist. Es könnte sich durchaus um die beiden nicht mehr identifizierbaren Toten "N.N." handeln:

  • Brinkmann, Gustav: Berufssoldat, *20.01.1915 in Alfeld/Hannover, Oberwachtmeister, vermisst bei Stubenbach. Einheit laut Band AL 485: Fahnenjunker-Schule der Artillerie Straschitz, Lehrstab I
  • Letschnig, Kurt: Wachtmeister, *06.08.1909 in Tarvis (Kärnten), +07.05.1945, Todesort laut Volksbund: "Unterreichenstein nach Eisenstein, an der Straße, CSR". Einheit laut Vermisstenbildliste Band AL 472: Fahnenjunker-Schule der Artillerie Rokitzan

 

Unter den Toten befinden sich allein sieben junge Offiziere im Dienstgrad „Leutnant“, dagegen nur drei im Mannschaftsgrad (Gefreite); der Rest waren Unteroffiziersdienstgrade. Für die Zusammensetzung der Kampfgruppe ergibt sich somit das gleiche Bild wie für die Kämpfe bei Haidl und Alt-Brunst, und man kann davon ausgehen, dass auch bei Stubenbach Offiziersschüler, die zuletzt im Raum Pilsen ausgebildet werden sollten, sinnlosen Widerstand leisteten (oder auf Befehl ihrer Vorgesetzten leisten mussten). Offenbar also wurden in den letzten Kriegstagen aus den Artillerie-Schulen Straschitz (Strašice) und Rokitzan (Rokycany) noch Offiziersschüler, die dort für Führungspositionen ausgebildet wurden, an die Front geworfen. Dies sind die recht jungen Toten im Dienstgrad "Leutnant". Zudem aber musste auch das Ausbildungspersonal mit an die Front, also durchaus altgediente Soldaten: Hierzu passt die mehrmals vermerkte Dienstbezeichnung "Wachtmeister", denn so hießen in der Wehrmacht die Feldwebel speziell bei der Artillerie.

 

Allerdings starben noch bis zu 20 weitere, namentlich bekannte deutsche Soldaten – fast alle am 6. Mai – im Raum der Städte Hartmanitz und Schüttenhofen (siehe weiter unten). Vielleicht haben die amerikanischen Berichtschreiber diese weiteren Toten in die Gesamtopferzahl mit eingerechnet, womit man auf 38 bis 41 Tote käme: Diesen Blutzoll innerhalb weniger Stunden, zwei Tage vor Kriegsende, auf einem recht begrenzten Gebiet mitten im Böhmerwald, muss man sich in seiner Tragweite klarmachen – dann aber wird man verstehen, weshalb der Zweite Weltkrieg Millionen von Opfern forderte.

 

In der dritten und letzten Fortsetzung, die demnächst hier erscheinen wird, soll über weitere Kampfhandlungen berichtet werden, v.a. bei Hartmanitz (Hartmanice) am 5. und 6. Mai, als durch ein tragisches Versehen mehrere Wehrmachtsoldaten, die sich ergeben wollten, erschossen wurden.

Das "Unit Journal" des 358th Infantry Regiments vom 6. Mai 1945: Eintrag für 11.20 Uhr für das Gefecht bei Stubenbach/Gruberg: "Lt. Rice reported 11 enemy killed, 3 wounded. Bitter fighting at 1371. 1 Casualty reported." Auf Deutsch: "Lieutenant Rice meldete: "Elf Feinde wurden getötet, drei verwundet. Erbittertes Gefecht bei den Koordinaten 1371. Ein eigener Mann wurde getroffen." In Gruberg kamen jedoch 21 deutsche Soldaten um, von denen vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge 19 geborgen werden konnten. Was ist mit den im Unit Journal nicht mehr erwähnten acht oder zehn Toten geschehen? Denn auch Zeitzeugen berichten, dass einige deutsche Soldaten erst nach ihrer Gefangennahme umkamen.


Verlustlisten für den Kampf um Regen (Niederbayern) am 24. April 1945

 

Die strategisch durchaus wichtige Kreisstadt Regen in Niederbayern wurde am 24. April 1945 gegen die anrückende 11th Armored Division der US Army von einer zwischen 200 und 400 Mann starken Wehrmachteinheit verteidigt, die unter dem Befehl des Ritterkreuzträgers Oberst Dr. Fritz Bingemer (1893-1976) stand. Die den ganzen Tag über dauernden Gefechte sind in dem Portal „regiowiki“ bereits detailliert dargestellt worden; außerdem existiert ein ausführlicher Zeitzeugenbericht des Pfarres Nikolaus Hackl. Aus diesen Darstellungen und Beobachtungen sollen einige Stichpunkte genügen: Die deutschen Pioniere sprengten gleich zu Beginn drei Brücken, zwei US-Panzer wurde abgeschossen, es folgte Bombardement durch  Artillerie und Tiefflieger, eine Granate traf eine Gruppe von Zivilisten und tötete allein acht von ihnen. Schließlich waren 36 Häuser zerstört oder beschädigt, dutzende Menschen getötet worden – deutsche und US-Soldaten, aber auch viele Zivilisten. Dies war der Preis dafür, dass die Amerikaner ein paar Stunden aufgehalten wurden.

Ist der Ablauf der Ereignisse zwar soweit geklärt, so bedarf die Angabe, dass (neben 17 Zivilpersonen) 33 Wehrmachtangehörige beim „Kampf um Regen“ getötet worden seien, einer Präzisierung: Nicht alle dieser Soldaten starben unmittelbar bei der sinnlosen Verteidigung der Stadt Regen am 24. April, sondern „nur“ 24. Dieser Blutzoll für einen irrsinnigen Widerstand, der am Ausgang des Krieges nicht das geringste ändern sollte, ist immens und erschreckend. Es dürfte interessant sein, aufgrund neuer Recherchen, die sich vor allem auf die Datenbank des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge gründen, einige neue Angaben zu machen.

Auf dem Grabstein des Sammelgrabes auf dem Friedhof von Regen (Block III, Reihe 2, Grab 39) sind 30 Namen von Wehrmachtangehörigen verzeichnet. Drei dieser Toten kamen bereits zwischen dem 15. und 17. April zu Tode: Ältere Männer im Dienstgrad Gefreiter im Alter zwischen 53 und 55 Jahren, die an Flecktyphus starben. Weitere vier Luftwaffensoldaten starben beim Abschuss (oder Absturz) ihres Nachtjägers Ju-88 der 10. Staffel, Nachtjagdgeschwader 6, am 30. April bei Regen (Flugzeugführer war Major Siebel).

Dem Kampf um die Stadt selbst am 24. April können mit hoher Wahrscheinlichkeit 23 tote Soldaten zugeordnet werden. 21 sind für den 24. April vermerkt, zwei weitere scheinen am 25. und 28. April ihren Verwundungen erlegen zu sein. Unter diesen 23 Toten sind keineswegs „fast nur“, wie der Pfarrer Hackl schrieb, „Offiziersaspiranten, Zahlmeister und Oberzahlmeister“, sondern Wehrmachtangehörige aller Dienstgrade: Mannschaften, Unteroffiziere und Feldwebel sowie, dies ist am auffallendsten, (mindestens) sechs Offiziere, darunter zwei Hauptmänner, zwei Oberleutnante, zwei Leutnante. Die Identität dieser Toten beweist einmal mehr, dass auch die ‚normale’ Wehrmacht und keinesfalls nur die SS bis zum Ende rücksichtslos Widerstand zu leisten bereit war und dabei auch etliche Zivilisten mit in den Tod riss. Der jüngste Gefallene war 16 Jahre alt, der älteste 43. Auch die gefallenen US-Soldaten der 11th Armored Division waren zwischen 18 und 30 Jahre alt. Der deutsche Befehlshaber Oberst Dr. Fritz Bingemer, hauptverantwortlich für die Verteidigung von Regen, starb 1976 im hohen Alter von 83 Jahren.

 

Verluste der Wehrmacht im Kampf um Regen (24. April)

 

1. Andree, Hans: Dienstgrad unbekannt *06.01.11 in Berlin-Karlshorst, +24.04.45

2. Bauermeister, Heinrich: Obergefreiter, *10.12.02 in Bitsch, +24.04.45

3. Berger, Franz: Fahrer, *29.09.05 in Scheurek, +25.04.45

4. Falk, Joachim: Leutnant, *23.01.22 in Berlin, +24.04.45

5. Feldmann, Heinz: Hauptmann, *02.01.22 in Kiel, +24.04.45

6. Göbel, Hans: Dienstgrad unbekannt, *05.06.16 in Bingen-Büdesheim, +28.04.45

7. Henzler, Werner: Dienstgrad unbekannt, *08.07.28 in Raidwangen, +25.04.45

8. Hermanns, Josef: Soldat, *15.02.19 in Mönchengladbach, +24.04.45

9. Hiltscher, Günther: Grenadier, *22.10.23 in Liegnitz, +24.04.45

10. Hoch, Helmut: Unteroffizier, *06.08.19 in Ebern, +24.04.45

11. Hodapp, Paul: Oberzahlmeister, *17.07.07 in Freiburg (wohnhaft Coburg), +24.04.45

12. Hohstadt, Friedrich: Dienstgrad unbekannt, *07.01.03 in Wuppertal-Vohwinkel, +24.04.45

13. Höpfner, Manfred: Dienstgrad unbekannt, *05.04.25 in Oberschöna, +24.04.45

14. Koch, Erich: Dienstgrad unbekannt, *10.01.05 in Saargemünd, +24.04.45

15. Lehmann, August: Dienstgrad unbekannt, *30.11.13 in Strümpfelbrunn, +24.04.45

16. Möhring, Gustav: Oberleutnant, *19.03.1896 in Berlin, +24.04.45

17. Pietzsch, Julius Kurt: *13.09.07 in Holzhausen, +24.04.45

18. Reiter, Helmut: Feldwebel, Geb.datum u. -ort unbekannt, +24.04.45

19. Schlenke, Georg: Hauptmann, *25.12.12 in Ehringen, +24.04.45

20. Sens, Gerhard: Leutnant, *13.05.23 in Dessau, +24.04.45

21. Sommer, Friedrich: Feldwebel, *16.05.05 in Kauffung, +24.04.45

22. Wende, Willy: Dienstgrad unbekannt, *09.02.02 (Geb.ort unbekannt), +24.04.45

23. Winn, Werner: Oberleutnant, *01.04.15 in Dortmund, +24.04.45

 

Drei weitere Wehrmachtangehörige starben Mitte April im Krankenhaus Regen an Flecktyphus und  sind ebenfalls auf dem Denkmal vermerkt - ihr Alter betrug schon Mitte 50:

1. Geier, Rudolf: Gefreiter, *05.08.1891 in Petersdorf, +16.04.45

2. Matzner, Rudolf: Gefreiter, *12.10.1889 in Liebu, +17.04.45

3. Müller, Albert: Gefreiter, *14.06.1890 in Döschena, +15.04.45

 

Vier Tote beim Abschuss / Absturz einer Ju-88 am 30. April:

1. Corneli, Peter: Dienstgrad unbekannt, *1917, +30.04.45

2. Grootaarts, Friedhelm: Flieger, *27.06.22 in Duisburg, +30.04.45

3. Siebel, Klaus: Major, *07.10.15 in Düsseldorf, +30.04.45

4. Vollmer, Peter, Gefreiter, *13.09.23 in Gütersloh, +30.04.45

 

Ein 17-jähriger Soldat des RAD (Reichsarbeitsdienst) war am 27. April in Rohrmünz (Gem. Grafling, bei Deggendorf) verwundet worden und verstarb am folgenden Tag im Krankenhaus von Regen, wo er auch bestattet wurde:

Kuchler, Alois: *01.02.1928 in Hundzell (Hohenwarth/Bad Kötzting), +28.04.45

(Bemerkung: Alois Kuchler war eines von 13 Opfern der "Tragödie von Rohrmünz", als US-Soldaten des 104. Regiments der 26. Infantry Division das Lager der 16- und 17-jährigen sog. Arbeitsmänner stürmten, nachdem ein US-Leutnant erschossen worden war. Siehe G. Haberl / W. Fricke: Anfang und Ende des Tausendjährigen Reiches in Ostbayern. Band 2. Neckenmarkt 2009, S.142ff.)

 

Verluste der US-Armee (11th Armored Division) im Kampf um Regen

Durch Nachforschungen in amerikanischen Quellen lassen sich erstmals auch die Verluste der amerikanischen 11th Armored Division für den Kampf um Regen am 24. April angeben: Es waren zwischen sechs und zehn Gefallene.

Sicher sind in Regen folgende sechs US-Soldaten gefallen:

 

21st Armored Infantry Battalion (AIB) (Infanterie)

1. Mowinkel, Harold W. (Company A), Pfc (*1923) (verwundet, +7.5.1945)

2. Steiger, Carl H. (Company A), Pfc (*1921)

3. Mulvaney, Vincent J. (Company B), 2nd Lt

 

41st Tank Battalion (Panzer)

4. Bobela, Andrew (Company B), Corporal (*6.6.1922)

5. Hunley, Everitt B. (Company B), Tec4 (*2.4.1922)

6. Campbell, Leo F. (HQ, Sanitäter), Pfc (*22.3.1917)

 

Zwei weitere Soldaten der Company B des 21. AIB sind für den folgenden Tag (25. April) als tot vermerkt. Auch deren Tod könnte mit dem Kampf um Regen in Verbindung gebracht werden, da immer wieder zu beobachten ist, dass das offizielle Todesdatum einen Tag später liegt als das tatsächliche:

7. Kerkstra, Benjamin (21. AIB, Company B), Pfc

(8. Veal, Harold M. (21. AIB, Company B), Pfc (*8.3.1920) - höchstwahrscheinlich gefallen bei Perlesreut)

 

Außerdem verlor Company C des 21. AIB ‚offiziell’ am 25. April folgenden Mann, der ebenfalls bei Regen gefallen sein könnte:

9. Cozad, George O. (21. AIB, Company C), Pvt (*1926)

 

 

 

Filmaufnahmen der US Army (166th Signal Company) vom Kampf um Regen 1945 (National Archives)

Auf Youtube stehen Filmaufnahmen der US Army vom Kampf um Regen 1945. Das Video ist z.B. über die Stichwortsuche "Regen 1945" leicht zu finden.

Inhalt der ersten drei Minuten aus dem Raum Regen: Gefangene Deutsche einschließlich Frauen; ungarische Kindersoldaten; deutscher Tieffliegerangriff; MG-Abwehrfeuer; brennender US-Lkw; gefallener deutscher Soldat; weibliche Wehrmachtangehörige. Ab 3:14 folgen Aufnahmen von der Donauüberquerung bei Ingolstadt am 27. April.