Nepomuk (Capartice)

Capartice (Nepomuk) wurde wohl 1695 gegründet, also nahezu zeitgleich mit Jindřichova Hora (Heinrichsberg) und Gibacht (Pozorka). Der tschechische Ortsname scheint auf die Armut der ersten Siedler hinzuweisen, die nur Fetzen am Leib trugen. "capart" heißt aber auch der "Wicht, Bengel", wovon ausgehend man einen Bezug zum deutschen Ortsnamen herstellen könnte:  "Pumuckl" ist ein seit jeher gebräuchlicher Kosename für "Nepomuk" und wurde bekanntlich Name eines Kobolds. Nepomuk an und für sich verweist natürlich auf Johannes Nepomuk (ca. 1350 bis 1393), den böhmischen Nationalheiligen. Im nahen Wassersuppen (Nemanice) steht die Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk.

Die ersten acht deutschen Siedler bekamen etwas Land und jeder zwei Stück Vieh. Im Jahre 1839 hatte das Dorf 17 Häuser mit 181 Einwohnern. Obwohl deutsch besiedelt, gehörte Nepomuk sowohl kirchlich als auch politisch zu Klentsch (Klenčí pod Čerchovem), das überwiegend tschechisch war: Nepomuk befand sich genau an der deutsch-tschechischen Sprachgrenze und markiert im gesamten Sudetenland die Stelle, bis zu der sich die Tschechen (speziell die Choden) am weitesten nach Westen hin ausgebreitet hatten. Nepomuk-Capartice ist also ein ganz besonderer Ort. Ein wichtiges Ereignis in der Dorfgeschichte war der Bau der neuen Hauptstraße von Waldmünchen über Haselbach (Lísková) und Sophienthal (Černá Řeka) nach Klentsch, die über den 720 Meter hohen Pass bei Nepomuk führte. Jetzt war Nepomuk eine bekannte Station der belebten Straße, auf der der Transitverkehr nach Bayern, Frankreich und Italien für Güter wie Salz, Glas und Wolle lief. Beim Bau dieser Straße wurden wertvolle Kristallsteine gefunden. Während der Sudetenkrise im Jahre 1938 errichtete die tschechoslowakische Armee auf dem Pass Verteidigungsstellungen gegen die deutschen Invasoren. Im Dorf gab es neben der deutschen Schule auch eine tschechische Minderheitenschule sowie das bedeutende Sägewerk Mack. 1938 bis 1945 gehörte Nepomuk zum Landkreis Waldmünchen und zum Deutschen Reich, die Landesgrenze war nun bei Draženov. Ende April 1945 kam es bei Sophienthal (Černá Řeka) und Nepomuk zu schweren Kämpfen zwischen der US-Armee und der Wehrmacht; im unmittelbaren Umkreis von Nepomuk-Capartice befinden sich noch mehrere Soldatengräber. Die Amerikaner befreiten nach dem Durchbruch bei Nepomuk am 1. Mai 1945 die Orte Díly, Klentsch und Chodov. Nach 1946 lag Capartice in der Grenzzone und war praktisch nicht zugänglich. Der größere Teil des Dorfes wurde abgerissen, statt dessen hat man kleine Wochenendhäuser errichtet. Im Jahre 2008 wurde an der Stelle der nach 1946 abgerissenen Dorfkapelle eine neue, praktisch identisch aussehende Kapelle geweiht.

Historische und aktuelle Fotos von Nepomuk-Capartice gibt es hier: http://www.zanikleobce.cz/index.php?obec=16915

Blick von Nepomuk (Oberdorf) auf die Kapelle und zum Čerchov
Blick von Nepomuk (Oberdorf) auf die Kapelle und zum Čerchov