Neuigkeiten und Entdeckungen

Haselbacher Treffen 2018

 

Am 15. August 2018 fand am früheren Standort der Kapelle in Haselbach (Lísková) wieder das Haselbacher Treffen der ehemaligen Bewohner statt. Beim nunmehr 26. Treffen konnte Organisatorin Annemarie Babl etwa 30 Besucher begrüßen, darunter auch eine Gruppe tschechischer Freunde. Pfarrer Bumes, der seit 1992 ununterbrochen die Andacht abhält, ging in seiner Besinnung auf die Bedeutung von "Heimat" ein und stellte dabei die Rolle der Sprache, des Dialektes, heraus. Dies sorgte bei so manchem Besucher für Tränen in den Augen. Nachdem das Böhmerwaldlied die Andacht beschlossen hatte, setzten sich die Gäste noch zum Gedankenaustausch zusammen.

Entdeckung "am Rande": Grabsteine von Priestern am Straßenrand

 

An der Straße, die von Klenčí pod Čerchovem (Klentsch) nach Postřekov (Possigkau) führt, stehen kurz nach dem Ortsausgang an der Stelle Ná Lávkách, zwischen der Fabrik und dem Hotel, sechs steinerne Sockel: Ganz offensichtlich christliche Grabsteine. Laut den Berichten des Domažlický deník  haben Bewohner von Klentsch diese Steine im Jahre 2014 in einer Gemeinschaftsaktion dort aufgestellt und renoviert, nachdem man sie zuvor teils in der Umgebung verstreut aufgefunden hatte. Doch blieb rätselhaft, was es mit den als "Steinen" und "Kreuzen" bezeichneten Fundstücken auf sich habe.

 

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier natürlich um Grabsteine, und zwar mit ebenfalls sehr hoher Wahrscheinlichkeit solche von Priestergräbern. Darauf weisen die Symbole, von denen jedes unterschiedlich ist: Ein Kelch auf dem vordersten Grabstein (der ein schmiedeisernes Kreuz trägt), eine Monstranz (d.h. deren Sonnensymbol), ein Herz, auf dem hintersten nochmals ein Kelch (der überhaupt des gängigste Symbol ist; vgl. das Grab von Pfarrer Michael Ring auf dem Grafenrieder Friedhof), auf dem rechten ein Kreuz; nur einer scheint ohne Symbol zu sein.

Ein Grabstein, der hinterste (auf dem Foto der dritte von links) trägt sogar Initialen: M.H. (zum Vergrößern klicken Sie bitte in das Bild und benutzen ggf. die dann auftauchende Lupe). Wer könnte sich hinter M.H. verbergen? In Klentsch wirkte von 1790 bis 1793 die Pfarrer Martin Hausner, von 1793 bis 1796 Martin Houška. Sehr wahrscheinlich aber beziehen sich diese Initialen auf Martin Hostreiter, der aus Klentsch stammte und von 1888 bis zu seinem Tod 1910 Pfarrer der Pfarrei Rothenbaum (Červené Dřevo) war und zuvor als Kooperator die Pfarrei Wassersuppen (Nemanice) betreute. Es erscheint recht plausibel, dass sich Hostreiter in seinem Heimatort Klentsch bestatten ließ.

 

Warum die Grabsteine, bevor sie 2014 würdevoll wieder hergerichtet wurden, irgendwann zuvor dort entsorgt worden waren, lässt Raum für Spekulationen. Gewiss kommt am ehesten die kommunistische Zeit in Frage, in der man nicht nur mit allem, was (sudeten-)deutsch war, 'abrechnete', sondern auch die christliche Tradition kappen wollte: Vergebens, denn die Grabsteine haben zumindest überlebt.

 

Links zu den Berichten im Domažlický deník mit vielen Bildern: Hier, hier und hier.

 


November 2017: Das Bernsteinzimmer ist in Arrach angekommen

 

Wieder eine neue These zum legendären Bernsteinzimmer. Diesmal glaubt man es in Arrach bei Bad Kötzting verorten zu können, so ein Bericht in der Mittelbayerischen Zeitung vom 6. November in der Rubrik „Kurioses“: Link zum Artikel in der Mittelbayerischen hier; auch der Bayerische Rundfunk ist auf den Zug in den Bayerischen Wald aufgesprungen: Siehe hier.

Militärhistoriker, die sich mit der Materie auskennen, können das hier errichtete neue Thesengebäude sicher auf Herz und Nieren prüfen.

Meinerseits, da ich mich mit den letzten Kriegstagen in Ostbayern beschäftige, nur soviel zu einem Satz, der sich auf die Kapitulation deutscher Einheiten Anfang Mai 1945 ebendort im Raum Bad Kötzting zu beziehen scheint. In dem MZ-Artikel heißt es: „Die SS-Schergen hatten sich der vorrückenden russischen Armee ergeben, sind mit der 11. Panzerdivision nach Russland in ein Lager in Sibirien verbracht worden.“

 

Hierzu ist festzustellen: Die 11. Panzerdivision („Gespensterdivision“) ergab sich Anfang Mai 1945 im Großraum Bad Kötzting der US Army, genauer gesagt der 90th Infantry Division („Tough Ombres“), nicht aber der Roten Armee. Letztere ist auch gar nicht bis in den Raum Taus oder überhaupt nach Westböhmen vorgerückt. Die Behauptung ist also aus der Luft gegriffen.

Alles Weitere sei den Experten zur Prüfung nahegelegt.


Wassersuppener Treffen 2017

 

Am 3. September 2017 fand wieder das gewohnte zweijährige "Wassersuppener Treffen" statt. Die ehemaligen Bewohner des Pfarrsprengels trafen sich um 9.30 Uhr zu einem Gottesdienst in der alten Heimat, in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk in Wassersuppen (Nemanice), den wieder Pfarrer Ludwig Bumes zelebrierte. Danach legte Annemarie Babl, stellvertretend für die Organisatoren, am Nagelkreuz der Waldmünchner Kameradschaft "Dö Zünftig'n" zu den Klängen des Böhmerwaldliedes und von "Ich hatt' einen Kameraden" einen Kranz zum Gedenken an die Verstorbenen und Kriegstoten nieder. Beim anschließenden Beisammensein wurden, wie so oft, Erinnerungen an die alte Heimat ausgetauscht. Dabei kam es zu einer denkwürdigen Begebenheit, als sich Verwandte einer Familie nach fünfzig Jahren zufällig wieder trafen! Die insgesamt an die 100 Besucher, die auch von außerhalb Bayerns angereist waren, beweisen die enge Verbundenheit an die alte Böhmerwaldheimat.


Haselbacher Treffen 2017

Das Haselbacher Treffen, das alljährlich am 15. August (Mariä Himmelfahrt, Großer Frauentag) abgehalten wird, erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit: Etwa 50 Menschen, darunter auch einige Tschechen, waren anwesend. Seit nunmehr 25 Jahren wird in Haselbach (Lísková) dort, wo die Kapelle stand, eine Andacht gehalten. Hintergrund ist, dass an eben diesem Tag im Jahre 1932 die Kapelle geweiht wurde, die nur wenige Jahre existieren sollte. Organisatorin ist die noch in Haselbach geborene Annemarie Babl, und der ehemalige Stadtpfarrer von Waldmünchen, Ludwig Bumes, hält Jahr für Jahr die Messe. Pfarrer Bumes war es auch wesentlich zu verdanken, dass die Kirche in Wassersuppen (Nemanice) nach der Grenzöffnung in einen würdigen Zustand gebracht wurde. Sein tschechischer Amtskollege Jan Harant, der von 1966 bis 1993 Pfarrer von Klentsch war, rettete die Wassersuppener Kirche St. Johannes Nepomuk in kommunistischer Zeit vor dem Abriss, weil er hier, im trostlosen Sperrgebiet, regelmäßig Gottesdienste abhielt. - Damals, 1932, erhielt das Einweihungsfest schnell den Spitznamen "Wespenfest", weil wegen der ausgeteilten Süßigkeiten so viele der Wespen auf ihrem Anteil beharrten. Tatsächlich tummelten sich 85 Jahre später Nachfahren der Insekten immer noch vor der Kapelle, wie sie sich auch beim Beisammensein hinterher einfanden.

Historischer Exkurs:

Dieses Foto zeigt einen Gottesdienst am 27. Juli 1969 in der Kirche St. Johannes Nepomuk, Wassersuppen (Nemanice). Am Altar zelebriert Pfarrer Jan Harant aus Klentsch. Hans Wallinger, dem es zusammen mit seiner aus der Roidlmühle stammenden Frau Maria gelang, vom Landesinneren ins damalige Sperrgebiet nach Wassersuppen vorzudringen, berichtet: "Ein Priester stand am Altar ..., ein Mann versah den Ministrantendienst, eine Frau im Mittelgang sang aus dem Gebetbuch, vorne links vom Altar einige Kinder in Bade- oder Turnhose, in der linken Abteilung vier Frauen, in der rechten ein alter Mann (wie sich später herausstellte aus der Slowakei stammend) ... ." Die Belebung der Kirche, ermöglicht durch regelmäßig abgehaltene Gottesdienste, sicherte dem Gotteshaus  in kommunistischer Zeit offensichtlich das Überleben.


Frühjahr 2017: Roidlmühle in Wassersuppen (Nemanice) abgerissen

Die Roidlmühle im Jahre 2013, bereits außer Betrieb.
Die Roidlmühle im Jahre 2013, bereits außer Betrieb.

Im Frühsommer 2017 wurde leider auch die Roidlmühle bei Wassersuppen-Nemanice mehr oder weniger abgerissen, einer der markanten Punkte im Ort. Die Roidlmühle war eigentlich ein Sägewerk mit Getreidemühle. Im Jahre 1771 hieß sie Redlmühle, der Ziegelbach Redlbach. Angetrieben wurde die Säge durch drei Wasserräder und eine Dampfmaschine; beschäftigt waren in der Vorkriegszeit etwa 35 Personen. Um 1900 stellte man dort Holzschuhe her. Letzter Besitzer war Franz Stoffl, Pächter von etwa 1903 bis 1918 Franz Werner; danach bewirtschaftete sie wieder die Familie Stoffl. Nach dem Krieg arbeitete das Sägewerk bis in die 1990er Jahre weiter und gab den tschechischen Bewohnern Arbeit. Der Abriss der gewiss verkommenen, aber historischen Gebäude scheint in Zusammenhang zu stehen mit dem Plan der Errichtung eines Hähnchenmastbetriebs, der sich mittlerweile zerschlagen hat. Die nun entstandene Freifläche dient als Lagerplatz für Holz. Immerhin: Der Rohstoff, der für eine Säge unverzichtbar ist und den Wald als solchen verkörpert, ist noch zu sehen.

Das Projekt "vodnimlyny" bietet weiteres Material (Fotos, Landkarten, technische Details) zur Roidlmühle:

http://vodnimlyny.cz/mlyny/objekty/detail/3259-roidlmuhle

Und so sah die Roidlmühle in der Vorkriegszeit aus: Unten Wassersuppen, links das Sägewerk Roidlmühle mit dem Kamin (rechts, fast in der Bildmitte, das heute übriggebliebene Wohnhaus), darüber der langgestreckte Ort Neubäu (Novosedly) und nochmals darüber der Gemeindeort Mauthaus (Mýtnice).

Video auf Youtube vom Abriss des Kamins der Roidlmühle im Frühjahr 2017. Wie wenn man einen Baum fällt...