Prášily (Stubenbach) und Gruberg (Hrubá), 6. Mai 1945

© Dr. Markus Gruber

 

Die dreitägigen Kampfhandlungen zwischen dem 3. und dem 5. Mai bei Javorná, Starý Brunst, Zhůří, Dobrá Voda, Hartmanice und Rejštejn können  mittlerweile als verhältnismäßig gut rekonstruiert gelten. Dies gilt auch für die seit 2019 auf dieser Internetseite vorgestellten, seitdem laufend aktualisierten Forschungen zu den Kämpfen bei Prášily (Stubenbach) am 6. Mai, welche zu nochmals 21 Gefallenen auf deutscher Seite führte. Auch hier waren es Offiziersanwärter und Ausbilder der Fahnenjunkerschulen Rokitzan und Straschitz, die den Vormarsch der 90th Infantry Division aufhalten wollten: Die „Brigade Wiechec“ unter Führung des Ritterkreuzträgers Franz-Josef Wiechec (1914-2004). Ein neu entdeckter Augenzeugenbericht des Fahnenjunkers und direkt Beteiligten Wilhelm Hopmann im Bundesarchiv Berlin (Signatur BArch, MSG 2/4121, Benutzungsort Freiburg, Link, nur nach Berechtigungsprüfung) ermöglicht unerwartet neue Einblicke über den Einsatz dieser Brigade. Sie kam am 27. April in Sušice (Schüttenhofen) an. Hopmann selbst war in Modrava (Mader) untergebracht, das Kommando der Brigade war offenbar in Srní (Rehberg). Die Brigade bestand aus mehreren Untereinheiten: Eines der Bataillone hieß "Bataillon Berg" (Major Georg Berg), von dem umfangreiches Aktenmaterial im Bundesarchiv Berlin unter BArch, RW 59/2016 (Link) frei zugänglich ist; ferner gab es ein "Regiment Münstermann". Hopmann beziffert die Stärke der Schule auf bis zu 1.000 Mann.

 

Am 5. Mai stieß die 42nd Squadron der 2nd Cavalry Group über Pomezí (Gsenget) in Richtung Prášily vor, wo es an diesem Tag nur schwachen Widerstand gab. Auch in der zwanzig Kilometer südlich gelegenen, deutschen Gemeinde Mauth (Kreis Freyung-Grafenau) kam es zu einem Gefecht: In dem Weiler Bärnbachruhe fielen offenbar vier deutsche Soldaten, darunter der 16-jährige Grenadier Alois Meisetschläger, der aus Knížecí Pláně (Fürstenhut) stammte. Sie wurden in den Soldatenfriedhof Hofkirchen übergeführt.

 

Am 6. Mai war es Aufgabe der Company B der 358th Infantry, von Prášily aus nach Hrubá (Gruberg) vorzustoßen, das damals zur Gemeinde Velký Bor (Großhaid) gehörte. Die 358th Infantry gehörte zur 90th US Infantry Division, die noch kurz zuvor, zwischen dem 28. April und 1. Mai, gegen die 11. deutsche Panzerdivision im Raum Waldmünchen, Furth im Wald, Klenčí pod Čerchovem, Babylon und Všeruby gekämpft hatte und hierbei hohe Verluste erlitt (22 Tote und 42 Verwundete).

 

In Hrubá (Gruberg) hatten sich die deutschen Offiziersschüler in den Häusern entlang der Hauptstraße verschanzt. Sie gehörten, laut Wilhelm Hopmann, zu einer Einheit (umgangssprachlich „Haufen“), die von Hauptmann Horst Massow (1920-2005) befehligt wurde und ungefähr Kompaniestärke hatte. Ein ehemaliger Bewohner (Herr P.) berichtete, dass er von einem anderen Bewohner, mit dem zusammen er in Kriegsgefangenschaft war, folgendes erfuhr (sinngemäßes Zitat, Telefon-Interview): „Einige deutsche Soldaten befanden sich in der Stube des Hauses Nr. 3 in Hrubá und spielten Karten. Das Haus gehörte dem letzten Bürgermeister der Gemeinde Velký Bor, Herrn Schmid (Hausname „Wenzel“). Als ein Soldat dort auf der Toilette war, bemerkte er die sich nähernden Amerikaner und schoss mit seinem Gewehr.“

 

Dass solch ein spontaner Schuss das Gefecht auslöste, ist aber unwahrscheinlich. Da die Front direkt zwischen Prášily und Hrubá verlief, warteten die Deutschen vermutlich bereits und eröffneten das Feuer. Einige US-Soldaten wurden getroffen und verwundet. 

 

Der bekannteste Bericht über das weitere Geschehen stammt von Josef Gebert (1927-2008), der aus Velký Bor stammt. Dieser Bericht findet sich in dem Buch „Im Lande der Künischen Freibauern“, Grafenau 1979, S. 757 (Faksimile unten). Eine nach dieser Erstpublikation von Gebert selbst offenkundig etwas abgeänderte Version in tschechischer Übersetzung ist hier verfügbar: kohoutikriz.org: direkter Link

Demnach griffen die Amerikaner von zwei Seiten aus an, es kam zu einem Häuserkampf. Dabei sollen in Haus Nr. 6 zwei oder drei Deutsche gefallen sein. Wesentlich mehr Tote gab es bei der Erstürmung von Haus Nr. 3. Josef Gebert berichtet weiter:  „Die Hausbewohner, Karl Schmid mit seiner Frau Resi und einer Ukrainerin, wurden in den Keller gesperrt. Hier mussten sie mitanhören, wie die jungen deutschen Soldaten vergeblich um ihr Leben flehten, ohne ihnen helfen zu können. ...  Tote deutsche Landser lagen über dem Tisch, auf dem Bett und auf dem Fußboden. Möbel und Wände waren mit Blut bespritzt.  … Es gibt genug Leute, die diese furchtbare Tat bezeugen können. Auch liegt ein beglaubigtes Dokument über die bestatteten Soldaten von der Pfarrei Stubenbach vor.“ 

 

Das Unit Journal meldet für exakt 11.20 Uhr am 6. Mai den Kampf: „Lieutenant Rice reported 11 enemy killed, 3 wounded. Bitter fighting at 1371. One casualty reported.“ 1371 sind die Koordinaten für Hrubá. (Quelle: NARA = National Archives and Records Administration, Record Group (RG) 407, 390-INF (358)-0.7 (47403) 

 

Der Autor des vorliegenden Beitrags (M.G.) konnte von zwei ehemaligen Bewohnerinnen Auskünfte einholen, die das Wort „massakrieren“ benutzten und von abgetrennten Gliedmaßen berichteten. Solche Verwundungen könnten aber auch das Resultat eines Feuergefechts sein. Emil Kintzl (1934-2022) wiederholt in seiner Reihe „Zmizelá Šumava“ unter dem problematischen Titel „Masakr na Grubergu“ (auch als Video auf www.stream.cz: hier klicken.) lediglich die Version von Josef Gebert. Kintzl ist es zuzuschreiben, dass das Gefecht einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde.

 

Gegenüber der ersten Fassung des vorliegenden Beitrags von 2022 sind mittlerweile aber noch weitere Quellen aufgetaucht: 

(a) Ein Augenzeugenbericht in dem Buch „Das Städtchen Hartmanitz“, S.104 (Faksimile unten). Die anonyme Augenzeugin berichtet zunächst von der großen Entschlossenheit zumindest einiger der deutschen Soldaten, noch einen Kampf zu liefern, und bestätigt die blutigen Ereignisse: „Die Stube war wie eine Metzgerwerkstatt. … Keiner war erschossen, alle waren derhaut [ = erschlagen]“ Dieser Bericht ist eindeutig unabhängig von der Schilderung von Josef Gebert, da er eigenständige Details enthält. Die Augenzeugin war ebenfalls der Meinung, dass der Tod der Soldaten erst nach dem Kampf stattfand.

 

(b) Am aussagekräftigsten ist der Bericht des Fahnenjunkers Wilhelm Hopmann von 1987, der als Angehöriger der „Brigade Wiechec“ an den Kämpfen teilnahm. Der "Bericht von Wilhelm Hopmann über Erlebnisse in der Schule für Fahnenjunker der Artillerie (ab April 1945: 'Brigade Wiechec') vom 1. April - 5. Juni 1945"  wird im Bundesarchiv Berlin/Benutzungsort Freiburg unter der Signatur MSG 2/4121 aufbewahrt und kann über Invenio eingesehen werden (Link, Benutzungsantrag erforderlich). Wilhelm Hopmann berichtet:

„In einem Haus bei Gruberg wurden noch 5 oder 6 Tote gefunden. Ich war bei der Suche nicht dabei, man berichtete mir, daß sie wie massakriert ausgesehen hätten. Die Amerikaner, die uns auf die Stelle aufmerksam gemacht hatten, schwiegen betreten, als gefragt wurde, was denn da passiert sei. Schließlich kam heraus, daß sie eines der KZ’s (Dachau, Hersbruck, Flossenbürg… es gab derer so viele) befreit hatten, und dabei Leichenberge, verhungernde Häftlinge und satte SS-Wachen vorgefunden hatten. Es habe sich bei Ihnen dann am Tage der Einnahme von Stubenbach herumgesprochen, daß ihnen gegenüber deutsche ‚Junker’ stünden. So hätten sie uns für SS-Angehörige gehalten und keinen Pardon gekannt. Als wir die Toten (zusammen mit denen aus dem Forsthaus) auf einem Hang oberhalb Gruberg am Nachmittag bestatteten, war außer uns auch eine Kompanie GI’s zum Ehrensalut angetreten.“ Demnach wurden die Fahnen-Junker der Brigade Wiechec sozusagen irrtümlich für SS-Junker gehalten!

 

Mit mehreren Zeugnissen, die offensichtlich unabhängig voneinander entstanden sind und von denen ein jedes, abgesehen von Übereinstimmungen, auch eigene Details enthält, muss man zu einem eindeutigen Urteil kommen: Ja, sehr wahrscheinlich wurden fünf bis sechs deutsche Soldaten erst nach dem Kampf getötet.

 

Durchaus auffällig ist auch eine zahlenmäßige Diskrepanz: Um 11.20 Uhr meldet das Unit Journal elf tote Feinde. Exakt dieselbe Zahl findet sich in den General Orders 586 und 625, mit denen die Verleihung von Orden für vier US-Soldaten begründet wurden (siehe Ende dieses Kapitels). In diesen Berichten werden aber auch noch sieben Gefangene erwähnt. Im Jahre 1994 wurden aus dem Sammelgrab von Hrubá 19 Tote exhumiert. Die Addition stimmt fast genau: 11 Gefallene plus 7 Gefangene…

 

Andererseits: Wilhelm Hopmann berichtet auch noch, dass auf den Feldern bei Stubenbach fünf Gefallene gefunden wurden, ebenfalls von der Einheit des Hauptmanns Massow. Sie waren offenbar auf der Flucht erschossen worden, weil sie den Wald nicht mehr erreichten. Hopmann und seine Kameraden brachten diese fünf Toten in den Eiskeller eines Forsthauses, das über zwei Kilometer südlich von Gruberg lag, bei Seeberg (Jezerní). Nach Ende der Kampfhandlungen wurden die fünf Toten wieder nach Gruberg gebracht und zusammen mit den anderen Gefallenen bestattet.

 

Es wäre durchaus wahrscheinlich, dass der Tod von zehn US-Soldaten bei Zhůří und Dobrá Voda am vorherigen Tag zu großer Verbitterung führte. Der Übergang zwischen einer „normalen“ Kampfsituation hin zur Tötung von Gefangenen kann fließend sein. Affekte wie Aggression und Wut, die im Kampfgeschehen notwendig sind, enden nicht auf die Sekunde genau, wenn der Gegner kapituliert.

 

Auf amerikanischer Seite hatte die Kompanie B in Hrubá am 6. Mai insgesamt sechs Verwundete. Einem GI, Henry Funk, wurde durch ein Maschinengewehr das Bein abgetrennt. Die Familie von Dewey Trent aus Kentucky (1922-1997) hat auf der Internetseite der Veteranenorganisation der 90th Infantry Division unter „Personal Submissions“ ((Link zum Original) eine kurze Biographie zur Verfügung gestellt, wo der Kampf bei Prášily geschildert ist:

„Sie hatten gerade eines der Häuser eingenommen und wollten wieder abrücken, als sie etwas hörten. Trent blickte nach oben, und da war ein Deutscher zwischen den Dachbalken und schoss auf ihn. Eine der Kugeln traf ihn innen am Auge, zertrümmerte seinen Kiefer und trat hinten am Nacken wieder aus. Ich hörte später, dass die Sanitäter alles getan hatten, was sie konnten, dass sie ihn aber dann in der Meinung, er sei tot, zurückließen. Als sie aber später bemerkten, dass er doch noch lebte, sorgten sie für weitere medizinische Hilfe. Die amerikanischen Ärzte konnten die Wunde aber nicht behandeln. Jedoch rettete ihn ein deutscher Chirurg, denn die deutsche Medizin war damals fortschrittlicher. Noch Jahre später hatte Trent Probleme damit, wie sein zertrümmerter Kiefer geflickt worden war: Man hatte Draht verwendet, um den Kiefer zu fixieren, aber die Ärzte wollten nichts weiter unternehmen, weil sie Angst hatten, etwas zu verschlechtern. Mein Vater hatte immer eine Drahtzange mit in seiner Hausapotheke: Beim Rasieren berührte der Rasierer manchmal den Draht in der Haut, und mit der Drahtzange konnte er das Stückchen Draht abschneiden, dass da herausgekommen war.“

 

Insgesamt sind für Prášily und Hrubá 21 tote deutsche Soldaten verzeichnet. Wer waren die Opfer auf deutscher Seite bei Prášily und Hrubá? Überwiegend Offiziersschüler der Wehrmacht von den Artillerieschulen Rokycany und Strašice. Viele hatten Abitur und wurden nach kurzer Ausbildung zu Offiziersbewerbern ernannt. Ihre Namen und persönlichen Daten, die damals bereits teilweise von dem Stubenbacher Pfarrer Adolf Oberhofer erfasst worden waren, können mit Hilfe der Datenbank des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge in alphabetischer Reihenfolge angegeben werden:

Bauer, Johann Julius Wilhelm: Leutnant (Ing.), *06.08.1924 in Werneuchen bei Berlin, +06.05., angeblich Marine

Bierdümpel, Gerhard: Unteroffizier (und Student der Chemie), *09.08.1921 in Raguhn (Sachsen-Anhalt), +06.05.

Diederichs, Harald: Leutnant, *22.11.1920 in Dortmund, +06.05.

Dürr, Otto: Leutnant, *14.05.1907 in Freiburg, +06.05.

Grözinger, Heinz: Leutnant, *31.01.1925 in Schwenningen, +06.05.

Hesbacher, Werner: Gefreiter, *05.12.1923 in Leipzig, +06.05.

Karl, Heribert: Leutnant, *19.02.1920, + im Mai 1945

Kettner, Ernst: Oberwachtmeister, *23.01.1915 in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt), +06.05.

Lodderstedt, Manfred: Unteroffizier, *29.08.1925 in Obergurig (Sachsen), +05.05.

Löer, Josef: Leutnant, *02.11.1914 in Dortmund, +06.05.

Lorenz, Willy Paul Otto: Unteroffizier (und Feinmechaniker), *21.03.1925 in Berlin-Charlottenburg, +06.05.

Ludwig, Josef: Leutnant, *30.06.1912 in Bonn, + im Mai 1945

Melson, Karl: Gefreiter, *12.01.1899 in Groß Strehlitz (Oberschlesien), +05.05., zuvor Wachkompanie des (Ski-)Jäger-Res.-Reg. 1 Taus (Domažlice)

Müller, Dietrich Ekkehard: Fahnenjunker-Unteroffizier, *05.05.1926 in Stuttgart, +06.05.

Olbermann, Friedrich: Oberwachtmeister, *21.09.1919 in Oberhausen, +07.05.

Schmidt, Ewald: Gefreiter, *11.6.1923, +05.05. oder 06.05.

Teichmann, Bernhard: *21.05.1925 in Stuttgart, +06.05. – 08.05.

Thiel, Martin Dietrich: Fahnenjunker-Unteroffizier (und Student der Medizin), *11.11.1925 in Berlin-Charlottenburg, +06.05.

Woltersdorf, Wilhelm: Wachtmeister, *03.09.1907 Straßburg, +06.05.

und zwei Unbekannte.

Dem Bericht der Augenzeugin in dem Buch „Das Städtchen Hartmanitiz“ zufolge stammte einer der Toten von Gruberg aus Berlin und hieß Freitag. Er lag nach dem Kampf ohne Fuß da und verblutete; ein weiterer habe Hellmann geheißen. Ferner könnte ein Leutnant namens Blecha unter den Toten sein.

Für folgende Toten liegen dem Autor Sterbeurkunden  aus genealogischen Datenbanken vor: Bauer (Standesamt Landkreis Barnim, Nr. 20/1955), Lorenz (StA Berlin-Tempelhof 1125/1950), Thiel (StA Berlin-Charlottenburg 2448/1951).

Laut der ZK-Kartei im Bundesarchiv Berlin-Tegel (B 563-1 KARTEI/2693072) gehörte Bauer zu einer Marine-Einheit und Bierdümpel (B 563-1 KARTEI/2902328) war ursprünglich bei der Luftwaffe (3./Fl.Ausb.Rgt. 61). Der mit 46 Jahren älteste Gefallene Karl Melson war mit Datum 30.6.1944 bei der Wachkompanie des Bat. A Jäger-Res.Reg. 1, welches in Domazlice (Taus) stationiert war.

 

Ein weiterer Angehöriger der Fahnenjunker-Schule der Artillerie Straschitz, Lehrstab I, ist im Raum Prášily vermisst:

Brinkmann, Gustav: Berufssoldat, *20.01.1915 in Alfeld/Hannover, Oberwachtmeister. Er war 1941 bei der 1./Heeresfeuerwerkerschule Berlin-Lichterfelde (BArch, B 563-1 KARTEI/2199251).

 

Die Dienstgrade „Leutnant“, „Fahnenjunker“ und „Wachtmeister“ dokumentieren die Herkunft aus den Schulen der Artillerie. Für drei oder vier der oben genannten Gefallenen ist bereits der 5. Mai als Todesdatum angegeben, als die 42nd Cavalry von Pomezí her vorstieß. Für zwei heißt es nur allgemein „Mai 1945“.

Im SOkA Klatovy gibt es kaum Unterlagen zu Gefecht und Grab, nur eine Notiz zu drei Auskünften an Angehörige.

 

19 dieser Toten wurden in einem Sammelgrab beerdigt, welches auf einem Grundstück des Bauern Karl Hanus am Waldrand ungefähr 500 Meter südlich von Hrubá am sogenannten Brunnwaldl angelegt wurde. Solange es vor der Vertreibung noch möglich war, schmückten die Frauen des Dorfes die Birkenkreuze mit Blumen. Dann wurde das Grab zerstört. Nachdem die Bundesrepublik Deutschland und die damalige CSFR im Jahre 1992 einen Nachbarschaftsvertrag geschlossen hatten, konnte der Volksbund Kriegsgräberfürsorge im August 1994 aus diesem Sammelgrab bei Hrubá alle 19 Tote exhumieren und in die Kriegsgräberstätte Mariánske Lázně umbetten. Acht der Toten konnten durch die Erkennungsmarken zuverlässig identifiziert werden. Die Exhumierung war schwierig, weil der Boden mit Wurzeln von Fichten bewachsen war und Reste von Munition gefunden wurden. Ein zweites Grab mit zwei Toten, das am Straßenrand ungefähr gegenüber dem heutigen Parkplatz in Hrubá war, konnte nicht mehr lokalisiert werden. 

 

Abschließend seien die General Orders der 90th Infantry Division zitiert, in denen insgesamt vier Amerikaner mit dem "Bronze Star" ausgezeichnet wurden. 

GO 586: „Maurice Smith, Sgt, 358. Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Seebing (= Seeberg/Jezerní), Tschechoslowakei. Während eines Angriffs auf den Ort wurde das Vorrücken einer Infanteriekompanie zeitweise durch schweren Maschinengewehr-Beschuss, der aus einem Gebäude kam, aufgehalten. Ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, bahnte sich Sgt Smith seinen Weg durch die vernichtenden Feuerstöße. Indem er mit seinem Gewehr feuerte, während er vorstürmte, tötete er elf Feinde und zwang die restlichen Feinde sich zurückzuziehen. Seine mutige und angriffslustige Handlung ermöglichte es seiner Kompanie, vorzurücken und den Ort mit einem Minimum von Verlusten einzunehmen. Dienstantritt in Alabama."

GO 586: „Dewey Trent, S Sgt, 358. Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei „Seebing“ (= Seeberg/Jezerní), Tschechoslowakei. Ein Platoon war heftigem Beschuss, der aus einem Gebäude kam, ausgesetzt. Ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten, drang S Sgt Trent in das Gebäude ein und sah sich sofort einem Feuerhagel aus einem der Räume ausgesetzt. Er bewegte sich aber weiter, schoss und drängte immer weiter, schlug eine Tür ein und nahm sieben Feinde gefangen, von denen einige durch seine Schüsse verwundet worden waren. Seine heldenhafte Tat, welche einen Ort heftigen Widerstands ausschaltete, setzte alte militärische Tradition fort. … Dienstantritt in Kentucky.“

GO 625: „Otilio Apodaca, Pfc, 358. Infantry. Oak Leaf Cluster zum Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Seeberg (Jezerní), Tschechoslowakei. Während eines Angriffs auf den Ort wurde der Vormarsch einer Infanteriekompanie zeitweise durch tödliches Feuer verschiedener Kaliber aufgehalten, das aus einem Gebäude kam. Ohne auf seine eigene Sicherheit Rücksicht zu nehmen, bewegte sich Pfc Apodaca durch den Feuerhagel, der sich auf ihn konzentrierte, und tötet mit genauen Schüssen elf Feinde und zwang die übrigen Feinde, sich von ihrem Stützpunkt zurückzuziehen. Seine tapfere, mutige Handlung ermöglichte es seiner Kompanie, wieder vorzurücken, den Rest der Feindeinheit aus dem Ort zu vertreiben, 53 Feinde zu töten und zwei zu verwunden. … Dienstantritt in New Mexico.“  Hinweis: Bei der Zahlenangabe "53 Tote" muss es sich um einen Irrtum oder eine Übertreibung handeln.

GO 625: „Abraham Schneiderman, Captain, Medical Corps, 358th Infantry. Bronze Star für eine mutige Tat am 6. Mai bei Prášily (Stubenbach), Tschechoslowakei. Ein Soldat wurde verwundet und lag in einem Gelände, das dem Kreuzfeuer eines heftigen Schusswechsels ausgesetzt war. Ohne weiter auf seine eigene Sicherheit zu achten, bahnte sich Captain Schneiderman seinen Weg zu dem Verwundeten, behandelte ihn und sorgte für seine Evakuierung. Dienstantritt in California.“

 

Die General Order 567 für Captain Pasco Bangor (Oak Leaf Cluster zum Silver Star) gibt noch Informationen über den Beginn des Gefechts aus amerikanischer Sicht:

"Pasco Bangor, 01301087, Captain, Infantry, 358th Infantry, United States Army. Für Tapferkeit im Einsatz am 6. Mai 1945 in der Nähe von Prášily, Tschechoslowakei. Als die Kompanie * * den Auftrag erhielt, alle restlichen feindlichen Widerstandsnester zu eliminieren, die von den Angriffseinheiten umgangen worden waren, ging Captain Bangor auf Erkundung, um eine mögliche Angriffsroute zu finden. Als er sich einer Brücke näherte, wurde er von feindlichen Truppen, die die Brücke und die Zugänge zur Stadt bewachten, beschossen. Unter Einsatz seines Lebens setzte er sich ganz bewusst dem schweren Feuer aus, um den Standort des Feindes zu ermitteln. Dann kehrte er zu seiner Kompanie zurück und führte sie über eine andere Route heran. So konnte er den Feind überraschen und in die Flucht schlagen und 11 Feinde töten. Seine Tapferkeit entsprach der hohen militärischen Tradition. Er trat in den Militärdienst von Pennsylvania ein."

 

***

An diesem 6. Mai waren auch alle anderen Kompanien des 1. Battalions, 358th Infantry Regiment, im Einsatz. Das Ziele Rejštejn und Kašperské Hory wurden gegen nur leichten Widerstand eingenommen. Durchgehend erwähnen die amerikanischen Berichte die hohe Zahl von Gefangenen, die freiwillig aufgaben. Alleine im Bereich der 358th Infantry waren es 1.100 an diesem einen Tag. Dies beweist, dass die allermeisten deutschen Soldaten nicht mehr bereit waren, ihr Leben für „Führer (Hitler), Volk und Vaterland“ und für fanatische Vorgesetzte zu opfern. Große Teile der "Brigade Wiechec" waren im Mai 1945 im Raum Lohberg (Bayern) interniert. In der oben verlinkten Akte BArch, RW 59/2106 (Bundesarchiv) befinden sich auch Dokumente über die Entlassungen der Angehörigen in die Heimat.

 

Am 7. Mai nahm die 42nd Squadron die Kapitulation des Regiments der Offiziersschüler aus Rokycany entgegen. Damit endeten die Kämpfe im Šumava, die das Leben von 14 amerikanischen Soldaten forderten. Viel höher waren die Verluste auf deutscher Seite: Etwa 70 Angehörige der Wehrmacht fielen im Kampf, vor allem Offiziersschüler der "Brigade Wiechec" und der Artillerieschulen aus dem Raum Plzeň. Die Behauptungen, dass in Zhůří oder bei Hartmanice die Hitlerjugend oder der Volkssturm im Einsatz waren, sind falsch. Auch SS-Soldaten waren nur wenige in der Gegend, jedenfalls keine geschlossene Kampfeinheit. Weitere 40 Angehörige der Wehrmacht verloren durch andere Ursachen ihr Leben, meist nach Ende der Kämpfe. Auch die Bevölkerung hatte durch Artilleriebeschuss einige Opfer und musste durch Unglücksfälle leiden: Wenige Tage nach Kriegsende spielten in Velký Bor Kinder mit einer Handgranate, welche explodierte und vier Kinder in den Tod riss.

Insgesamt kostete der vollkommen sinnlose Widerstand der Offiziersschüler noch mindestens 130 Menschen innerhalb weniger Tage das Leben. Heute ist der Šumava innerhalb der Euregio eine friedliche Gegend, doch die schrecklichen Ereignisse vom Mai 1945 dürfen nicht vergessen werden.  

 

***

 

Nachwort zur Rekonstruktion der Ereignisse bei Stubenbach (Prášily) und Hrubá (Gruberg)

 

Im Juni 2025 wurde am Ort des Geschehens, in Hrubá, eine Gedenkstätte eingeweiht und eine Informationstafel errichtet. Die dort zu lesenden Informationen sowie die Namen der deutschen Gefallenen entstammen überwiegend vorliegender Internetseite (www.nemusbohemorum.de), wo sie bereits seit 2019 online stehen und seitdem immer wieder ergänzt wurden - nachprüfbar über die Wayback Machine des Internet Archive, zum Beispiel: 

https://web.archive.org/web/20190818063535/https://www.nemusbohemorum.de/forschung/

 Außerdem habe ich im Jahre 2022 einen entsprechenden Beitrag in einem Sammelband publiziert:

Gruber, Markus: Krvavé květnové dny 1945: Bitvy mezi Železnou Rudou, Hartmanicemi a Sušicí. In: Balcar, Bohuslav (ed.): Konec války na česko-bavorském pomezí / Šumava 1945. Domažlice 2022. S. 85-99. 

Auf den Informationstafeln wurde keinerlei Quellenangabe gemacht... 

 

Doslov: 

V červnu 2025 bylo na místě události, v Hrubé, slavnostně odhaleno pamětní místo a instalována informační tabule. Informace, které jsou zde k dispozici, stejně jako jména německých padlých, pocházejí převážně z této internetové stránky (www.nemusbohemorum.de), kde jsou online již od roku 2019 a od té doby byly opakovaně doplňovány – ověřitelné pomocí Wayback Machine Internetového archivu, například:

https://web.archive.org/web/20190818063535/https://www.nemusbohemorum.de/forschung/

Kromě toho jsem v roce 2022 publikoval příslušný příspěvek ve sborníku: Gruber, Markus: Krvavé květnové dny 1945: Bitvy mezi Železnou Rudou, Hartmanicemi a Sušicí. In: Balcar, Bohuslav (ed.): Konec války na česko-bavorském pomezí / Šumava 1945. Domažlice 2022. S. 85-99. 

 

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