„A pretty brisk fight“ – die Männer der G Company (358th Infantry Regiment) am 30. April 1945 im Čerchov-Gebirge

Während die Kämpfe zwischen Haselbach (Lísková), Sofienthal (Černá Řeka) und Nepomuk (Capartice) am 30. April 1945 verhältnismäßig gut bekannt und sind, muss auch bewusst gemacht werden, dass es eine zweite Vorstoßroute der Amerikaner gab, die über den Čerchov führte. Hier war das 2. Bataillon der 358th Infantry eingesetzt, vor allem Company G, die in den Tagen zuvor das schwierige Waldgelände schon durch Patrouillen erkundet hatte. Ein Foto aus den 'National Archives' (SC 325142) zeigt den Einsatz vermutlich dieser Einheit: "Infantrymen of the 358th Regiment, 90th 'Texas-Oklahoma' Division, seek Nazis out in the woodland cover near Klenec, Czechoslovakia. U.S. Third Army. 30. April 1945." Der Tag war nicht nur von heftigen Kämpfen geprägt, sondern auch vom schwierigen Vormarsch im Waldgebirge und einem Schneesturm. Die 'weißen Flecken' auf dem Foto sind nicht Sonnenstrahlen, sondern Schnee!

Erstaunlich ist, dass das 2. Bataillon am 30. April und 1. Mai fünf Gefallene zu verzeichnen hatte – so viele wie das in ungleich schwerere Kämpfe verwickelte 3. Bataillon bei Černá Řeka. Was geschah also an der südlichen Flanke?

Ziel des 2. Bataillons, das drei Infanteriekompanien im Einsatz hatte, war es, die Orte Pec (Hochofen) und Chodov (Meigelshof) einzunehmen, während das 3. Bataillon Klenčí pod Čerchovem (Klentsch) erobern sollte. Aus den Einsatzberichten des Regiments (Unit Journal) und der Division (G-2 Journal) lässt sich folgendes rekonstruieren. Um 9.25 Uhr meldete die G-Kompanie Feindberührung direkt an der heutigen Landesgrenze, im Umfeld der alten Skihütte in der Waldabteilung „Böhmischer Jäger“: „Anscheinend ist der Feind in Position ungefähr bei Punkt … Es ist ein ziemlich heftiger Kampf (im Original: "a pretty brisk fight"). Kein Bericht über Mörser- oder Artilleriebeschuss.“

Gegner der G-Kompanie waren hier vermutlich Soldaten der Panzerregiments 15, entweder der 3. oder der 5. Kompanie, die nach einer Umgruppierung des Regiments ausschließlich infanteristisch eingesetzt wurden. Möglicherweise auf dieses Gefecht bezieht sich die „General Order“ 503 der Division, mit der dem Pfc (Gefreiten) Norman D. Provost der Orden „Silver Star“ verliehen wurde. Als der als „lead scout“ vorausgehende US-Soldat erschossen wurde, habe Norman D. Provost mit einem geschickten Umgehungsmanöver das deutsche MG-Nest ausgeschaltet. Dabei seien vier deutsche Soldaten getötet worden. Bei dem Amerikaner könnte es sich um Corporal Albert L. Ford handeln. Über die Identität der toten Deutschen kann man derzeit nur spekulieren; falls überhaupt welche ums Leben kamen (die Beschreibungen in den „General Orders“ sind manchmal übertrieben, das sogenannte „overclaiming“), wurden sie vom Gräberdienst der Amerikaner nach Nürnberg gebracht. So ist für einen unbekannten Angehörigen des Grenadier-Ersatz-Regiments 97 der Todesort "Haselbach" verzeichnet, wie auch für einen ebenfalls noch jungen Soldaten namens Georg Zeliminger.

Nachdem dieser Widerstand gebrochen war, rückte die G Company weiter vor und war gegen 10.15 Uhr am Malinová Hora (Beerenfels).

Die weiter südlich vorrückende F Company ließ gegen 13 Uhr den Čerchov-Gipfel beschießen. Zu dieser Uhrzeit meldete das 2. Bataillon den aktuellen Stand: „13.00 Uhr: Kompanie F (2. Bataillon) lässt immer noch mit Artillerie schießen. Sie haben Schwierigkeiten, die Panzerfahrzeuge auf den schwer passierbaren Wegen heranzuführen. G-Kompanie ist  ungefähr auf einer Linie mit der F-Kompanie. E-Kompanie in Reserve hinter G-Kompanie. Der Feind schießt nur mit leichten Waffen, keine Berichte über eigene Verluste. Die G-Kompanie biegt jetzt Richtung Norden ab, um zur Hauptstraße zu gelangen. Das 2. Bataillon ist nun insgesamt an Berg 1039 [Čerchov] angelangt.“

Im Raum des 3. Bataillons entwickelte sich am frühen Nachmittag bei Černá Řeka (Sofienthal) das heftigste Gefecht, das im Abschuss von zwei „Sherman“-Panzern resultierte. Nachdem ein deutscher Panzer ausgeschaltet worden war, setzten die beiden amerikanischen Kompanien I und K ihren Vorstoß in Richtung Capartice (Nepomuk) fort. Daraufhin ließ der deutsche Kommandaur, Major Jürgen Reichardt, die bislang von der 7. Kompanie des Panzer-Regiments 15 und der Panzer-Jäger-Abteilung 61 getragene eigene Verteidigung verstärken, indem die 8. Kompanie aus dem Raum Klentsch herangeführt wurde. Diese Truppenbewegung konnte die G-Kompanie vom Čerchov aus beobachten:

14.45 Uhr: Das 2. Bataillon berichtet: Die G-Kompanie beobachtet einen Panzer und drei Halbkettenfahrzeuge, die nach Klentsch fahren.

Allmählich wurde es dunkel an diesem von schlechtem Wetter und einem Schneesturm geprägten Montag. Während das 3. Bataillon den Durchbruch über Capartice nicht schaffte und sich auf der Passhöhe die Nacht über verschanzte, rückte das 2. Bataillon weiter durch die unwegsamen Wälder in Richtung Pec (Hochofen) vor. Im Umfeld der Rudolfová Pila (Rudolfsmühle) kam es offenbar erneut zu einer Feindberührung, vermutlich mit der 3. und der 4. Kompanie des Panzerregiments 15. Der Einsatzbericht erwähnt auch vier deutsche Panzer. Gravierend für die Amerikaner war nun, dass aufgrund des gebirgigen Geländes der Funkkontakt mit dem Hauptquartier in Lísková (Haselbach) nicht mehr möglich war und dass kein Nachschub an Munition gebracht werden konnte. Der Einsatz eigener Panzer war ohnehin ausgeschlossen. Laut "General Order" 558 gelang es aber dem Bataillonskommandeur Major Thomas J. Morris, Ordnung in seine Truppe zu bringen und die Männer wieder zu motivieren. Und Sergeant James R. Jones konnte einige Soldaten, die Munition heranschaffen sollten und sich im Wald verirrt hatten, finden und zum Einsatzort dirigieren ("General Order" 567).

Allerdings gelang es den beiden US-Bataillonen nicht, sich im Bereich Capartice/Výhledy zu vereinigen: Das 3. Bataillon steckte in Capartice fest, das 2. lag in den Wäldern unterhalb und war mehr oder weniger abgeschnitten. Um 21.50 Uhr erkundigte sich der Divisionskommandeur General Earnest über die Lage und ordnete an, dass man sich weiterhin um eine Kontaktaufnahme bemühen solle. Dies war schließlich nur durch Meldegänger möglich. Kurz nach Mitternacht, also am 1. Mai, konnte die Division das zeitweise „verlorene Bataillon“ lokalisieren: Kompanien E und G waren am Waldrand südwestlich von Chodov, Kompanie F in Pec.

Am Morgen des 1. Mai nahmen das 3. und das 2. Bataillon den Vormarsch wieder auf und besetzten Klentsch und Chodov. In beiden Orten, die ja seit jeher tschechisch besiedelt waren, wurden die Amerikaner willkommen geheißen. In Chodov ruhten sich die Soldaten der Kompanie G, die 24 Stunden in einem schweren Einsatz hinter sich hatten, in den Wohnhäusern aus. Da beschoss die 11. Panzerdivision mit Artillerie die eben erst befreiten Orte. In Klentsch wurde der Bauer Josef Täubl tödlich verwundet, und in Chodov traf eine Granate das Haus der Familie Pajdar: Drei Amerikaner wurden getötet. Schließlich wurde das 2. Bataillon abgelöst und zog sich in den Raum Waldmünchen zurück.

Die Bilanz dieser beiden Tage für das 2. Bataillon: Fünf Tote, sieben Verwundete.

Alle fünf Gefallenen gehörten zur G-Kompanie: 

- Ford, Albert L., Corporal, 30. April (Granatsplitter am Kopf)

- Gilman, Raymond E., Pfc, 1. Mai (Granatsplitter, ganzer Körper)

- Banta, Arthur A., Pvt, 1. Mai (Verwundung am Brustkorb)

- Clayton, Clarence W., Pfc, 1. Mai (Schussverletzung am Nacken)

- Buchanan, Walter E., Sergeant, 1. Mai (Granatsplitter am Kopf) 

Verwundet wurden:

G-Kompanie:

- Rozanski, Stanley J., Pfc  (Schussverletzung am Fuß)

- Picking, Dudley C., Pfc (Schussverletzung Brust)

- McCarthy, Cornelius, 1st Lieutenant (Schussverletzung am Vorderarm)

- Lane, William B., Pfc (Granatsplitter an der Brustwand)

- DiChristo, Steve P., Pvt (Granatsplitter)

E-Kompanie:

- Kaplan, Mervin (Granatsplitter Rippen, schwer verwundet)

H-Kompanie (schwere Waffen, jeweils zugeteilt): 

- Hoff, Roger E., Pfc (Artilleriegeschoss, Trümmer)

F-Kompanie: keine Verluste 

 

Quellen: National Archives 390-INF(358)-0.7 (Journal 358th Inf. Reg.)