Neubäu (Novosedly)

Neubäu findet man schon in der Steuerrolle (berní rula) von 1654. Das noch 1946 vergleichsweise kleine Dorf war die erste Neugründung und somit einer der ältesten Orte im Pfarrsprengel. Daher erklärt sich natürlich der Name. Manchmal liest man auch Neubau, älter „Negebäu“, tschechisch schlicht Novosedly ("Neue Siedlung"). Das Dörflein bestand aus einer einzigen Häuserreihe und schmiegte sich in die scharfe Kurve der Straße nach Mauthaus, wo es geschützt am Abhang des Kuhberges hinter einer Böschung lag. Als Gründungsjahr wird manchmal 1638 angegeben. Neubäu entstand als eine reine Kleinbauernsiedlung. Die Namen der ersten fünf Chalupner: Andreas Herl, Johann Dichtl, Georg Otto, Nikolaus Scholler, Wolf Brandl. Das Steueraufkommen war 10 Gulden, was im Verhältnis zu den 18 Gulden der Wassersuppener Kleinbauern verhältnismäßig viel ist. Für das Jahr 1679 sind folgende acht Siedlernamen belegt: Walburga Herl (Witwe), Ursula Schubertin, Johann Herbrich, Christian Ruml, Georg Scholler, Thomas Stoffl, Hans Ehrl, Hans Kellner. Für 1713 sind weiterhin acht Namen zu finden: Andreas Fitzthumb, Martin Reichenberger, Michl Ronfft, Georg Rubey, Hans Georg Scholler, Georg Stoffl, Hans Ehrl, Hans Wenzel. Zwar hatten die Besitzer nochmals gewechselt, doch findet man jetzt Namen von Familien, die dann über 200 Jahre in der Gegend lebten. Die Familien Stoffl und Ronft waren bis zur Aussiedlung in Neubäu ansässig.

Die weitere Entwicklung von Neubäu, das zur Gemeinde Mauthaus und somit zum Gerichtsbezirk Ronsperg / Kreis Bischofteinitz gehörte:

1789 (Schaller): 12 Nummern mit dem Vermerk: „Hier wird das schönste Kohlkraut gebauet“; 1839 (Sommer): 13 Häuser, 84 Einwohner, „welche einige gute Ackergründe haben“; 1862 (Trajer): 13 Häuser, 80 Einwohner; 1910 (Liebscher): 11 Häuser, 82 Einwohner.

Die Volkszählung von 1930 ergab 17 Häuser und 99 Einwohner (davon 2 Tschechen) sowie 566 Hektar Fläche. Das Anwachsen des Dorfes zwischen 1910 und 1930 erklärt sich durch eine neue Siedlung mit sechs Häuslein, die man nördlich von Neubäu am Waldrand anlegte, im Volksmund abwertend und scherzhaft „Trutschlariad“ genannt, manchmal auch "Neu-Neubäu". Dort befand sich auch das Armenhaus der Gemeinde Mauthaus. Das letzte Haus des alten Neubäu war das Hirtenhaus (Hejthaisl). Der Volksmund weiß zu berichten, dass in Neubäu das Brot nur auf einer Seite gebacken wurde und die Neubäuer Mädchen wegen anatomischer Besonderheiten nicht gut tanzen konnten: „D’Naiabaier Moila hoam’s Tanzn niat kinnt, wals d’Wadl hoam vorn und d’Schieboiner hint.“ Im Dorf befand sich beim Anwesen Ronft (Nr. 11) eine kleine Kapelle, deren Ruine man heute noch sehen kann. Sie besaß keine Glocke, so dass die Neubäuer mit dem Bottich zum Mittagessen läuten mussten, so der Spottvers: „D’Naiabaia hoam a Kapell’n, owa af d’Glock’n hoam’s vagäss’n, öitza leitn’s mit da Buttn zum Mittochässn.“ Heute stehen hier noch zwei Häuser, Stoffl („Schlegelbauer“) und Ronft.

 

Ortslitanei von Neubäu

Da Schlöglbaua is gnau o da Stroaß

 

da Ringmichl hot a enge Goaß,    (Goaß: Hofeinfahrt, "Gasse")

 

da Ronft hot a houche Gräi,           (Gräi: Treppenaufgang, auch "Greindl")

 

in Dirscherla tout da Bauch so wej,

 

da Höpfl hot a houche Wend,

 

in Klarla g’hört s’gonze Gwend,    (Gwend: Feldrain)

 

vom Siegla se da Wech umlenkt,

 

von Ko(ch) is da Kintl afghängt,

 

da Zangl hot in Hund oghetzt

 

und s’Höithaisl kimmt af letzt.