Heinrichsberg (Jindrichova Hora)

Ein recht junger Ort ist Heinrichsberg (Jindřichova Hora, im Volksmund „Hengerschberg“), das versteckt nördlich der Straße nach Klentsch auf einer Hochebene wie eine große Insel im Wald liegt. Als Gründungsjahr ist 1696/97 anzunehmen. Heinrichsberg wurde also gleichzeitig mit Hirschsteinhäusl / Gibacht gegründet: Auch hier rodete man mitten im Wald eine Fläche, um Ackerland zu bekommen. Seinen Namen bekam es nach einem Angehörigen des herrschenden Adelsgeschlechtes, nämlich Georg Heinrich von Stadion, der erst im selben Jahr 1697 die Herrschaft Chodenschloss erworben hatte. Anscheinend wollte er mit dieser Namensgebung seinem neuen Besitz gleich einen persönlichen Stempel aufdrücken. Jedoch liest man auf der Müllerschen Karte von 1720 nur den Namen „Neudörfl“, während auf der Josephinischen Karte von 1764 „Heinrichsberg oder Neudörfl“ vermerkt ist. Das Dorf war frei vom Robot (Frondiensten). Für das Jahr 1713 liegen genaue Angaben vor, es gab sieben Bauern: Andreas Reuther, Michl Ascherl, Niklas Rzeznitschek, Georg Müller, Adam Fischer, Hans Fischer, Tobias Lampoltzer. Ferner sechs Häusler: Hans Sigler, Hans Ruml, Wolfgang Royt, Hans Primmer, Bartholomäus Primmer, Wolfgang Truig (den Namen gibt es heute noch in den USA), Andreas Fischer. Die winzigen Felder auf schlechten Böden lagen alle „hinterm Hauß“. Lediglich acht der insgesamt 13 Siedlern stand eine Kuh zur Verfügung. Bis 1722 aber kamen noch weitere fünf Siedler hinzu, so dass in diesem Jahr schon 18 Anwesen bestanden: Christoph Ubel, Johann Rzeznitschek, Paumann, Rämbl, Kirchenbauer. Und bis dahin hatten auch schon die Altbesitzer ihren Grund durch weitere Rodungen stark vergrößert. Der Name Rzeznitschek kann gut eine Variante für Krzesiczek sein, wie der aus Wassersuppen stammende erste Siedler von Althütten hieß. Nur bei Schaller (1789) ist vermerkt, dass sich auch in Heinrichsberg „ehedem eine Glashütte“ befand. Auch dies war also wohl nur eine kleine Patterlhütte, die bald wieder einging. Ein ehemaliger Bewohner kann sich erinnern, dass in der Dorfmitte (Oberdorf, wo die älteren Häuser standen) noch um 1940 ab und zu Reste von geschmolzenem Glas aus der Erde zum Vorschein kamen.

Die weitere Entwicklung:

1789 (Schaller): 23 Nummern; 1839 (Sommer): 28 Häuser, 271 Einwohner, „die von Haber-, Erdäpfel- und Flachsbau leben“, eine Wasenmeisterei (Tierkörperverwertung); 1862 (Trajer): 28 Häuser, 278 Einwohner;  1910: 269 Einwohner, 1930: 250 Einwohner, 1945: 43 Häuser.

Damit war Heinrichsberg bezüglich der Häuserzahl eines der größten Dörfer in der Pfarrei; es hatte zwei Gasthäuser (Braun und Meingast) und eine Tabaktrafik (Meingast Franz). Die meisten Häuser sind heute verschwunden, doch haben hier einige Städter ihre Urlaubshäuschen.

Politisch gehörte es zur Gemeinde Haselbach (Lísková), die Kinder gingen nach Sophienthal (Černá Řeka) zur Schule. Die Bewohner waren in der Vorkriegszeit sehr arm und durften nur das Reisig und das Kleinholz sammeln, wenn die verhältnismäßig reichen Bauern der Waldgenossenschaft von Schmalzgruben (Nemaničky) Holz gehauen hatten. Für die eigenen Tiere reichte oft nicht einmal das Futter, so dass die sogenannten Grasweiber mit riesigen Körben lange Strecken gingen, um Gras nach Heinrichsberg zu bringen. Einige arme deutschstämmige Familien nahmen in den 1930er Jahren die tschechische Staatsbürgerschaft an. Bei Kriegsende 1945 war Heinrichsberg von den Kampfhandlungen zwischen der Wehrmacht und der US-Armee betroffen; zwei Bewohner wurden getötet. Nach der Vertreibung 1946 wurde ein Großteil der Häuser abgerissen, heute stehen in Jindřichova Hora überwiegend Wochenendhäuser.

 

Im November 2017 erschien in der Mittelbayerischen Zeitung ein bewegender Erlebnisbericht eines heute 82-Jährigen, der in Heinrichsberg geboren wurde und die Vertreibung persönlich und hautnah miterlebte:

http://www.mittelbayerische.de/region/cham-nachrichten/die-geschichte-einer-vertreibung-20909-art1579843.html

 

Dort finden sich auch weitere Fotografien von Heinrichsberg/Jindřichova Hora aus der Vorkriegszeit sowie aus den 1960er Jahren, die Verfall und Zerstörung demonstrieren. Besonders wertvoll ist ein Foto von Karl Geiger, dem "Bojermüllner" aus Wassersuppen-Nemanice, der als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime nach 1946 nicht vertrieben wurde, sondern in der Heimat bleiben durfte. Seine Bojermühle wurde erst vor kurzem (2014) abgerissen; zu ihrer Geschichte siehe hier (vodnimlyny.cz) und hier (zanikleobce.cz).